Buch-Rezension: Heilsgeschichte verstehen - Warum man heilsgeschichtlich denken sollte, wenn man die Bibel nicht missverstehen will

Heilsgeschichte verstehen

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»Das Buch will Überzeugungsarbeit leisten. Es will zeigen, dass es sinnvoll ist, als Christ heilsgeschichtlich zu denken.« So beginnen die Autoren das Vorwort, in dem sie auch erwähnen, dass sie trotz ihres gemeinsamen »starken Vertrauens in die Wahrheit und Relevanz der Bibel«, durchaus gewisse Unterschiede in ihren Aussagen akzeptieren. Der eine, Prof. Helge Stadelmann, Rektor der FTH Gießen »beschränkt sich auf die Begründung einer knappen Basisversion von Heilsgeschichte«, der andere, Dr. Berthold Schwarz, Leiter des Instituts für Israelogie der FTH, knüpft stärker am Heilsepochendenken an, wie es seit dem 19. Jahrhundert ausformuliert wurde (S. 8).

Im ersten Kapitel zeigt Stadelmann, wie schnell es zu Missverständnissen kommt, wenn man Heilsgeschichte nicht beachtet, was er durch anschauliche Beispiele aus dem Adventismus (Speisevorschriften, Sabbat), neue Offenbarungen, Zeitgeist, Judenverfolgung u.a. belegt.

Im zweiten Kapitel zeigt er, warum sich heilsgeschichtliches Denken aus unvoreingenommener Bibellektüre ergibt. Es geht dabei um verschiedene deutlich erkennbare Etappen der Heilsgeschichte, die in der Bibel selbst genannt werden.

Im dritten Kapitel versucht Schwarz heilsgeschichtliche Modelle und Bausteine in der Theologie- und Kirchengeschichte aufzuzeigen. Es wird deutlich: heilsgeschichtliche Modelle gibt es nicht erst seit Darby, sondern schon in der Alten Kirche, in der Kirche der Reformation aber natürlich besonders in der aufgeheizten Endzeitstimmung des 19. Jahrhunderts, in der man das Denken der nachreformatorischen Zeit aufgriff und unterschiedlich bündelte (S. 103).

Im vierten Kapitel zeigt Schwarz, wie man von den Einzelteilen zu einem Gesamtpanorama kommt. Er unterschlägt auch nicht die Kritik an der Heilsgeschichte. Sie kommt einerseits von einer meist bibelkritischen Hermeneutik (die die Bibel selbst und ihre Geschichte gar nicht ernst nimmt) und zum anderen von einer Föderaltheologie her. In diesem Zusammenhang macht er zunächst klar, was der vielgeschmähte »Dispensationalismus« überhaupt ist und erklärt dann, warum dieser von einer bestimmten reformiert-bundestheologischen Schulrichtung abgelehnt wird. Die Gründe liegen nämlich in der eigenen Bundestheologie (S. 138 ff.). Im viertel Teil seines Kapitels geht Schwarz auf die Evangelien und die Bergpredigt im Zusammenhang mit der Heilsgeschichte ein und zeigt in einem 5. Teil, welche Epochen der Heilsgeschichte sich finden lassen.

Im letzten Kapitel zeigt Helge Stadelmann an einigen Beispielen, wie man die Bibel denn nun heilsgeschichtlich auslegen muss und welche Schritte dabei zu gehen sind: »Wie man die Bibel so verstehen kann, wie Gott sie gemeint hat«. Er erklärt, wie wichtig es ist, den Text nicht gleich (und mehr oder weniger willkürlich) auf sich anzuwenden, sondern zunächst einmal zu verstehen, was Gott gemeint hat. »Was Gott meint, weiß ich nur, wenn ich zutreffend erkenne, was der jeweilige Autor meint.«

Man darf keine Umdeutungen vornehmen. Wenn zum Beispiel der Neue Bund bei Jeremia auf Israel bezogen ist und im Neuen Testament auf die Gemeinde (Hebräerbrief), dann heißt das eben nicht, dass heute nur noch die Gemeinde Verheißungsträger ist. Bei der Auslegung muss man sich immer des eigenen heilsgeschichtlichen Standortes vergewärtigen, aber auch den des auszulegenden Textes.

Ein gelungenes Buch, unbedingt lesenswert!

 Die Rezension/Kritik stammt von: Karl-Heinz Vanheiden
 Kategorie: Biblische Lehre

  Verlag: Christliche Verlagsgesellschaft (CV Dillenburg)
  Jahr: 2008
  ISBN: 978-3-89436-575-2
  Seiten: 192
 €    Preis: 9,90 Euro

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