10.798 biblische Andachten und Predigten von Spurgeon, MacArthur, MacDonald, Christlieb, Eichhorn, Hofacker, Zinzendorf, Luther ...

Predigten zu 1. Johannes 3,1

"Sehet, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! Deswegen erkennt uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
Zitate von Charles Haddon Spurgeon anzeigen

"Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass wir Gottes Kinder sollen heißen! Darum kennt euch die Welt nicht, denn sie kennt Ihn nicht. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder."

Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt! Schaut zu, was wir gewesen sind, und wie wir selber uns jetzt noch vorkommen, wenn die Sünde sich in uns regt und mächtig werden will, und verwundert euch über eure Begnadigung! Dennoch heißen wir "Gottes Kinder." Was ist doch die Kindschaft für eine innige Verwandtschaft, und welche herrlichen Vorrechte schließt sie in sich! Welche Sorgfalt und Zärtlichkeit hat der Sohn beim Vater zu erwarten, und welch eine Liebe fühlt der Vater zu dem Sohn! Aber das alles und noch mehr besitzen wir nun durch Christum Jesum. Die zeitliche Erniedrigung und Schmach unsers leidenden erstgebornen Bruders gereicht uns zur Ehre: "Darum kennet uns die Welt nicht, denn sie kennet Ihn nicht." Wir bleiben gern unbeachtet mit Ihm in seiner Erniedrigung, denn wir werden mit Ihm erhöht werden. "Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder." Das ist leicht gelesen, aber nicht so leicht gefühlt. Wie steht's heute mit deinem Herzen? Schwebst du etwa in der tiefsten Nacht des Kummers? Regt sich das Verderben in deinem Herzen, und glimmt die Gnade nur noch wie ein armer zertretener Funke in deiner Seele? Will dir der Glaube zerrinnen? Fürchte dich nicht, weder deine Gnadenerfahrungen, noch deine Empfindungen sind der Quell deines innern Lebens; du musst einzig vom Vertrauen auf Christum dich nähren. Wenn sich alles gegen uns erhebt, dennoch sind wir nun - mitten im tiefsten Kummer, im Tal wie auf dem Berge "Geliebte, - so sind wir nun Gottes Kinder."Ach,"erwiderst du,"siehe, wie ich gekleidet bin! Mein Tugendschmuck ist nicht schön; meine Gerechtigkeit strahlt nicht in herrlichem Licht."Aber so lies denn, was folgt:"Und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, dass wir Ihm gleich sein werden."Der Heilige Geist wird unsern Sinn läutern, und die Kraft Gottes wird unsern Leib verklären; alsdann"werden wir Ihn sehen, wie Er ist."Hier Gottes Kinder, und dort Erben Als Jesu Christi Eigentum! O, lasst uns werben um diesen Ruhm!"


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
Zitate von Carl Eichhorn anzeigen

Ein Gotteskind, der höchste Stand

"Sehet, welch eine Liebe bat uns der Vater erzeiget, dass wir Gottes Kinder sollen heißen!"

Der alte Apostel Johannes ist aufs tiefste ergriffen von dieser erhabenen Tatsache. Er war schon viele Jahre im Besitz und Genuss der Gotteskindschaft, aber sie ist ihm nichts Alltägliches geworden, seine Seele wird immer neu von Anbetung und Staunen ergriffen, wenn er an die herablassende Liebe Gottes denkt. Er möchte, dass allen Menschen die Augen aufgehen für diese unendliche Liebe. Vor allem aber sollen die Gläubigen sie immer neu beherzigen, darum ruft er aus: Seht; macht die Augen weit auf! Er sagt nicht: seine Kinder, sondern Gottes Kinder, also Kinder des Allmächtigen, des Höchsten, des unumschränkten Herrschers der ganzen geschaffenen Welt. Ihm dürfen wir so nahestehen wie Kinder dem Vater. Er erbarmt sich über uns, er sorgt für uns, pflegt und ernährt, behütet und beschützt uns wie ein Vater seine Kinder. Wer dem Kind etwas zuleide tut, der greift dem Vater nach dem Augapfel. Wer sie ängstet, der ängstet ihn auch (Jesaja 63, 9). Es gibt keine höhere Würde auf Erden und keinen vornehmeren Stand, als ein Gotteskind zu heißen. Und wer es ist, der hat Vorrechte und geniesst Vorzüge, die gar nicht auszusagen sind. Er darf Gott allezeit nahen, ihm alles sagen, was ihn drückt und beschwert, und der Vater hört sein Kind, er verschmäht das arme Bitten nicht, das im Namen Jesu zu ihm aufsteigt. Ein Gotteskind steht unter der ganz speziellen Fürsorge des Vaters, und diese Fürsorge erstreckt sich bis ins Kieinste: die Haare auf dem Haupte sind alle gezählt. Es scheint oft, als sei ein Gotteskind der Spielball fremder, sogar finsterer Gewalten. Doch in Wahrheit befindet es sich einzig und allein unter der Pflege, Aufsicht und Zucht seines himmlischen Vaters. Alle Leiden sind Erziehungsmittel der liebevollen göttlichen Weisheit. Auch die Anläufe Satans müssen Gotteskinder nur noch mehr in die Arme ihres himmlischen Vaters treiben. Unter den Stürmen wird das Feuer der Liebe zu Gott um so mehr angefacht. Was gegen sie anprallt, bewirkt nur, dass sie sich um so fester gründen und tiefer wurzeln in dem Boden der ewigen Liebe. Für Gotteskinder gibt es kein Unglück. Alles muss ihnen zum Besten dienen oder mitwirken, dass sie ihr großes und herrliches Ziel erreichen. Gotteskinder dürfen auch einst erben, ihren reichen Gott beerben. Eigentlich ist Jesus, der Sohn Gottes, der Erbe. Ihm hat Gott alles, was er hat, übergeben. Und die Söhne Gottes sind Miterben des eingeborenen Sohnes. Ein Gotteskind heißen und sein dürfen, ist das Höchste, was es gibt. Wie wird der Mensch durch die Liebe geadelt, und wie wird er durch den Weltsinn und die Sünde erniedrigt! "Ohne Gott ankerlos - mit Gott reich und groß!" Unselige Blindheit, die an diesem Glück vorbeistürmt! Wohl dem, dessen Auge sich hierfür öffnet! Wohl dem, der diese einzige kostbare Perle in seinen Besitz bringt und treu bewahrt!


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Welch eine Liebe ist das, die sich aus Feinden Freunde, aus Sündern Inhaber der Seligkeit Gottes macht! Wie strahlt sie uns entgegen in ihrer doppelten Herrlichkeit.

Ist sie doch erstens eine Liebe des guten und freien Wohlgefallens, eines ewigen Vornehmens, nach welchem es heißt: Also lieb hat Gott die Welt gehabt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.

Sodann ist es eine Liebe der Freundschaft, wie unser Herr Jesus allen, die ihn lieben, verheißt: Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.

Möchten doch viele von euch, die arge Gedanken von Gott haben, als wäre nur der Herr Jesus gut, aber der Vater hart und strenge, diese Liebe des Vaters recht erwägen. Ist sie doch der Born, aus welchem alle Gnadenerteilungen mild hervorströmen. Die Gnade, welche ausgegossen ist auf des Herrn Jesu Lippen, hat der Vater auf dieselben ausgegossen; und hätte der Vater keine Gedanken des Friedens über einen in sich selbst verlorenen Sünder, er würde seinen Sohn nicht für uns dahingegeben haben. Es gibt keinen Herrn Jesum als aus der Liebe des Vaters, als aus der freiwilligen Liebe heraus, womit uns der Vater geliebt hat. Diese Liebe kommt über einen Menschen in der Weise, dass sie den Glauben wirkt; und in diesem Glauben gibt die Seele solcher Liebe Hand und Herz, das aufrichtige Jawort und wird mit ihrer Hand schreiben: Ich bin des Herrn.

O Liebe, die den Himmel hat zerrissen,
die sich zu mir ins Elend niederließ,
was für ein Trieb hat dich bewegen müssen,
der dich zu mir ins Jammertal verwies?
Die Liebe hat es selbst getan,
sie schaut als Mutter mich in meinem Jammer an.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Möchte einer von euch einwenden: Sollte ich es darauf wagen? Nein, das darf ich nicht; ich weiß nicht, ob er mich wohl lieb hat. Wie, wenn es denn am Ende offenbar würde, dass er mich nicht angenommen hat? Da antworten wir ihm, dass das Sehen und Fühlen solcher Liebe, wenn es gesund ist, allein darin beruht, dass wir solche Liebe empfangen durch den Glauben. Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, welche Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, spricht das Wort. Mache den Satan und dein Herz zu Lügnern, aber nicht ihn. – Da mag der eine oder andere einwenden: dass diese Liebe für andere da ist, das weiß ich; ist aber Gott auch für mich die Liebe? das kann ich nicht annehmen. Es ist ja nichts in mir, weshalb mich Gott würde lieben können. Wir antworten: Warum willst du dich denn ausnehmen, es sei denn, du möchtest frömmer sein wollen als andere? Bist du der Verlorenste, der Ärmste, der Elendste, so ist für dich da diese Liebe, welche freiwillig liebt.

Aber ich finde nicht, dass mein Herz sich in Liebe zu Gott wendet, sagt wiederum einer. Lieber, du willst die Liebe Gottes wecken durch deine Liebe, die du nie bei dir finden wirst. Gott hat uns zuerst geliebt. Glaube diese Liebe, ohne dass du Liebe fühlst, so wird dein Herz wohl anheben zu brennen.

Darum halten die Gläubigen an bei dem Herrn und lassen nicht nach mit Gebet und Schreien, bis sie gefunden haben das Wort seiner Liebe; und da glauben sie es von ganzem Herzen; denn sie können nicht anders. Es wache auf, wer da schläft, dass er erfunden sei in dieser Gemeinschaft der Liebe des Vaters, welcher liebt, nicht weil er etwas in uns hat, findet oder finden wird, sondern weil es ihm also wohlgefällt.

O Liebe, die Gott seinen Sohn
aus seinem Schoß genommen!
Er ist von dem gestirnten Thron
zu uns herabgekommen;
sein Mangel, Knechtschaft, Kreuz und Grab
sind uns ein Bild, zu malen ab,
wie stark Gott lieben könne.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
Zitate von Ludwig Hofacker anzeigen

Als einmal einem Menschen, der noch nichts von Christo und dem in Christo den Menschen widerfahrenen Heil wußte, der unter den Heiden aufgewachsen war, das Evangelium verkündet wurde und man ihm sagte, daß alle die, welche Christum als ihren Heiland und Herrn von Herzen annehmen, Gottes Kinder werden, so hielt er es für unmöglich und wollte es nicht glauben, weil Gott zu hoch und wir zu niedrig, Gott zu groß, wir zu klein, er zu heilig und wir zu sündig seien, als daß wir in das Verhältnis der Kinder zu ihrem Vater mit ihm treten könnten. Wenn wir nun selbst nachdenken, so müssen wir eingestehen, daß diesen heidnischen Menschen sein Gefühl ganz richtig leitete. Denn für einen jeden, der Gott und sich selber kennt, wäre es etwas völlig Unglaubliches, daß wir Gottes Kinder sollen heißen, wenn es nicht so fest und bestimmt im Wort Gottes geschrieben stünde. Denn was sind wir und was ist Gott! Tief ist der Mensch gefallen von Gott, in seinem Dichten und Trachten ist er eitel geworden, sein unverständig Herz ist verfinstert. Wie häßlich müssen wir doch in Gottes Augen sein, der lauter Licht und lauter Liebe und in dem keine Finsternis ist! Hätte er nicht das Recht, so untreue, so abtrünnige Geschöpfe von seinem Angesicht auf immer zu entfernen? Und wenn er nur einen einzigen Blick der Gnade auf uns würfe, müßten wir nicht dadurch schon beschämt werden? Aber statt uns hinauszustoßen, statt uns bloß einen Gnadenblick zu gewähren, statt nur Geduld mit uns zu haben, was tut der Barmherzige, Gnädige? Seine Liebe ist mit all dem nicht zufrieden, er geht noch viel weiter. Kinder, Kinder Gottes sollen wir heißen, zur Kindschaft hat er uns erwählet vor Grundlegung der Welt. Das ist die Liebe, die kein Mensch zu fassen, kein Engel Gottes auszusprechen vermag. Das muß unser ganzes Herz in Anspruch nehmen, das gibt noch den vollendeten Stoff zu Lobgesängen, daß sündige Menschen sollen Gottes Kinder heißen.

Ach mein Gott, meines Lebens Grund! Wo soll ich Worte finden? Mit was für Loben soll mein Mund dein treues Herz ergründen? Wie ist dir immermehr geschehn? Was hast du an der Welt ersehn, daß, die so sehr dich höhnet, du so gar hoch gekrönet?

Das Herz im Leibe weinet mir vor großem Leid und Grämen, wenn ich bedenke, wie wir's hier so schlecht zu Herzen nehmen. Die meisten wollen deiner nicht, und was du ihnen zugericht durch deines Sohnes Büßen das treten sie mit Füßen.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
Zitate von Ludwig Hofacker anzeigen

Kinder Gottes sollen wir werden, gibt es eine größere Ehre? Sehet an die Kinder der Fürsten und Gewaltigen, wie hoch sind sie gehalten, wie fürstlich werden sie behandelt! Aber ein Kind Gottes, ein Kind des Allerhöchsten zu sein, das übertrifft weit alle menschliche und weltliche Ehre, und dieser Würde können auch solche teilhaft werden, welche einhergehen in Lumpen und in der tiefsten Verachtung, welche die hochmütige Welt ausweist aus ihrer Mitte. Alle Ehre ist zu wenig, wenn man das dagegen stellt, daß der Ewigkeiten König uns für seine Kinder hält. Kinder Gottes - gibt es ein lieblicheres Verhältnis als das zwischen einem Kinde und einem wohlwollenden Vater? Sind wir denn Kinder, so ist er der Vater, der himmlische Vater und Erbarmer, so darf das Herz ihn als Vater und Erbarmer anrufen und zutrauensvoll und keck alle seine Sorgen, alle seine Anliegen in das Herz des Vaters senken; so geht es, wie in einem alten Liede steht:

Wir schauen hinauf, der Vater herab, an Lieb und Treu geht uns nichts ab, bis wir zusammen kommen.

O, was muß es doch um ein Herz sein, in welchem diese Kindschaft vollkommen offenbar ist, wo keine knechtische Furcht mehr herrscht, sondern ein völliges ungezweifeltes Zutrauen, eine Freudigkeit, die alle Not und alle Angst verschlingt, ja auch eine Freudigkeit auf den Tag des Gerichts! Wie, mein lieber Mitbruder, möchtest du nicht auch dieses Glückes teilhaftig werden, gelüstet es dich nicht auch, aus deinen fmstern ungläubigen Herzensgedanken in das heitere, freundliche Licht der Kindschaft versetzt und von ihrem milden Strahle erwärmt und erhellt zu werden?

Nun, du kannst es noch werden, wenn du dich einfältig machen läßt durch das Wort der Wahrheit; du kannst noch mit ganzem Herzen das Abba rufen lernen, du kannst noch dahin kommen, daß du mit jenem Liede singst: Was freut mich noch, wenn du's nicht bist? Mein Herr, Erlöser Jesu Christ, mein Friede und mein Leben! Heilst du mich nicht, wo find ich Heil? Bist du nicht mein, wo ist mein Teil? Gibst du nicht, wer wird geben? Meine eine wahre Freude, wahre Weide, wahre Gabe hab ich, wenn ich Jesum habe.


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
Zitate von Aiden Wilson Tozer anzeigen

Ein wenig Religion möchte die Welt gern in ihr System integrieren

Immer wieder einmal tut ein leitender Christ, wenn ihn akut das Gewissen plagt, öffentlich Buße für das Versagen des »Christentums«, in Krisenzeiten nicht mutig genug die Führerschaft in der Welt in die Hand genommen zu haben. Natürlich bin ich immer für Buße, wenn sie echt ist, und ich meine auch, dass die Gemeinde versagt hat – aber nicht, weil sie keine Führung angeboten hat, sondern weil sie zu sehr wie die Welt gelebt hat! Das jedoch hat der bekümmerte leitende Christ nicht im Sinn, wenn er seine Seele öffentlich entblößt. Vielmehr meint er irrtümlicherweise, die Gemeinde Gottes sei auf der Erde gelassen, um gute Hoffnung zu verbreiten und die Welt in solchem Maße glücklich zu machen, dass sie dadurch Gott übergehen, Christus verwerfen, den gefallenen Menschen verherrlichen und straflos ihre selbstsüchtigen Ziele verfolgen kann. Die Gemeinde hat solch einen Auftrag nicht von ihrem Herrn erhalten. Außerdem hat sich die Welt niemals in einem Zustand gezeigt, in dem sie der christlichen Gemeinde zuhörte, wenn diese mit prophetischer Stimme redete. Die Haltung der Welt gegenüber den wahren Kindern Gottes wird sehr deutlich in Bunyans »Pilgerreise« beschrieben, wo die Bürger der Stadt »Markt der Eitelkeiten « »Christ« und seinen Kameraden »nahmen und sie schlugen und mit Schlamm bewarfen und sie in einen Käfig sperrten und dem öffentlichen Spott preisgaben«. Die Aufgabe des Christen ist nicht, den »Markt der Eitelkeiten« anzuführen, sondern sich von seinen Befleckungen rein zu halten und ihn so schnell wie möglich zu verlassen. Wer Ohren hat zu hören, der höre!


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, dass wir Gottes Kinder sollen heißen!

Sehet! Der Apostel hat uns etwas Großes zu zeigen, das Größte, was es für uns gibt: die Vaterliebe Gottes. Diese Liebe ist ja die Quelle der ganzen Offenbarung Gottes, die Quelle unseres Heils. Sie ist unsere Seligkeit hienieden, unsere Seligkeit im Himmel, das Lob aller seligen Geister. Wie kann aber Johannes sagen: sehet! Können wir denn diese Liebe sehen? Ja, denn der Vater hat sie uns „gegeben“; so heißt es wörtlich. Sie ist eine Gabe, die man sieht, und diese Gabe ist im Sohn. Er ist die persönlich erschienene Liebe des Vaters, in die Welt gekommen, als die Tatpredigt Gottes: ich bin die Liebe, die Liebe gegen euch misstrauische Menschen, die Liebe, die um euch wirbt und nicht ruhen will, bis ihr meine Kinder heißet, bis es an euch sichtbar wird, was meine Liebe vermag. Wohl allen, die es wagen, ihre Augen zu erheben und diese Liebe zu sehen. Schaue sie am Kreuz; dort siehst du die Vaterliebe Gottes, wie sie das Liebste hingibt, um dich loszukaufen und dir den Weg zur Gotteskindschaft zu bahnen; denn ohne die gekreuzigte Liebe, die der Schlange den Kopf zertreten hat, damit sie nicht mehr über dich herrsche, gäbe es für dich keine Gotteskindschaft. Schaue die Liebe des Vaters an in deinem auferstandenen Heiland, wie er zu seinen Jüngern spricht: ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Höre, wenn er vor seinem Hingang zum Vater spricht: ich will euch nicht Waisen lassen, ich komme zu euch; ich will euch den Tröster senden, dass er bei euch bleibe ewiglich. Dieser Tröster soll dich, der du mit Jesu Blut erlöset bist, in deinem Herzen versichern, dass du Gottes Kind bist. Glaube nur! Nur im Glauben kannst du diese Liebe so sehen, dass sie dir das Herz gewinnt, dass sie dich umfassen kann und du sie umfassen kannst für ewig, um in ihr selig zu sein. Diese Liebe ist das Leben des Sohnes Gottes, sie ist das Leben aller Erlösten; Gott ist die Liebe.

Vater unseres Herrn Jesu Christi! Du hast mir die Augen geöffnet, Deine Liebe in Christo zu sehen. Aber ich fühle es tief, wie blöde meine Augen noch sind. Salbe Du sie mit deiner Augensalbe, damit Deine Liebe immer mehr mein Leben werde. Amen