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Predigten zu 1. Korinther 13,4

"Die Liebe ist langmütig, ist gütig; die Liebe neidet nicht; die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf,"

Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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Liebe ist schwer zu definieren; aber man kann sie mit dem Betragen beschreiben, das sie hervorbringt.

"Die Liebe ist langmütig, sie ist gütig; sie neidet nicht; sie tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf, sie benimmt sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles"

Paulus gibt uns hier ein Bild von der Liebe, die Jesus in jedem Gläubigen hervorbringen möchte. Tatsächlich ist es das Bild Christi selbst, der die Liebe in ihrer höchsten Vollendung ist. In unseren Bibelversen wird nicht so sehr beschrieben, was die Liebe ist, sondern was sie tut und was sie nicht tut.

Im Blick auf das selbstverherrlichende Verhalten der Korinther waren die Worte des Paulus scharfe Zurechtweisungen. In diesem Sinn bedeuten seine Worte: "Die Liebe ist geduldig; ihr aber seid ungeduldig. Die Liebe ist freundlich; ihr aber seid zu denen unfreundlich, die nicht eurer Meinung sind. Die Liebe neidet nicht; ihr aber beneidet einander wegen gewisser geistlicher Gaben. Die Liebe tut nicht groß; ihr aber seid stolz auf eure Theologie. Die Liebe bläht sich nicht auf und benimmt sich nicht unanständig; ihr aber seid grob und zeigt untereinander schlechte Umgangsformen.

Die Liebe sucht nicht das Ihre; ihr aber denkt nur an euch selbst. Die Liebe lässt sich nicht erbittern; ihr aber zankt miteinander. Die Liebe rechnet Böses nicht zu; ihr aber hegt gegeneinander Groll. Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit; ihr aber seid froh, wenn andere versagen. Die Liebe freut sich mit der Wahrheit; ihr aber missachtet das Wort Gottes und gehorcht ihm nicht.

Die Liebe erträgt alles; ihr aber zieht euch zurück und wollt nicht verzeihen. Die Liebe will gern das Beste von anderen glauben; ihr aber nehmt schnell das Schlechteste an. Die Liebe gibt nie auf und kann unvorstellbaren Widerstand ertragen; ihr aber seid schwach und intolerant."

Paulus wollte, dass die Korinther die Mängel in ihrer Liebe im Licht dieser Wahrheit erkannten und die nötigen Korrekturen vornahmen. Du und ich, wir müssen das auch tun. So bitte Gott, er möge dein Herz beim fortlaufenden Betrachten der Eigenschaften dieser Liebe reinigen, damit andere immer deutlicher das von Paulus gezeichnete Bild der Liebe bei dir zu sehen bekommen.


Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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Die Liebe rächt sich nicht.

"Die Liebe ist langmütig"

Der griechische Ausdruck für "ist langmütig" bedeutet wörtlich "ist fern vom Zorn". Es geht hier also nicht so sehr um das geduldige, klaglose Tragen dessen, was Menschen oder Umstände uns auferlegen, sondern um das freiwillige Aufsichnehmen dessen, was man ändern könnte.

Diese Art der Geduld ist eine geistliche Tugend, die Gottes Wesen widerspiegelt (Gal. 5,22). Sie ist auf rein menschlicher Ebene nicht nachzumachen; aber für den Christen muss sie zu einer Lebenshaltung werden. Paulus sagt: "Ich ermahne euch nun: ... Wandelt würdig der Berufung, mit der ihr berufen seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander in Liebe ertragend" (Eph. 4,1-2).

Gott selbst ist das hohe Beispiel der Langmut. Petrus sagt: "Er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen" (2. Petr. 3,9). Wer Gottes Gnade abweist, verachtet "den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut" (Röm. 2,4).

In der griechisch-römischen Welt zur Zeit des Paulus wurde die Vergeltung für eine empfangene Schmähung oder Verletzung als Tugend betrachtet. Wer sich nicht rächte, galt als Schwächling. In unserer Gesellschaft ist es nicht viel anders. Die Helden von heute neigen zu physischer Gewalt oder sie bemühen die Gerichte. Gott aber sieht die Sachen anders, wie auch der Herr, als Er für Seine Mörder bat: "Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk. 23,34).

Wenn du über deine eigene Langmut nachdenkst, musst du wissen, dass die Rache nicht immer offen und mit Gewalt ausgeübt wird. Sie ist oft ganz fein gesponnen - wie etwa die Verweigerung von Zuneigung deinem Ehepartner gegenüber, wenn er dir Unrecht getan hat, oder wenn du dich einem Freund entziehst, der dich verletzt hat. Göttliche Liebe aber rächt sich nicht. Sie denkt mehr an die Gefühle der anderen als an die eigenen.

Denke an die Langmut des Herrn, die Er mit dir hat, und erlaube Seinem Geist, dieselbe Langmut auch in dir zu wecken.


Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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Gütigkeit vergilt Böses mit Gutem.

"Die Liebe ist gütig"

Zwei Männer begegneten sich auf einem schmalen Bergpfad und wollten aneinander vorbei. Auf der einen Seite war der steile Abgrund und an der anderen der aufragende Fels. Der eine schimpfte und drohte, den anderen einfach hinabzustürzen. Der aber legte sich, ohne ein Wort zu sagen, auf den Boden und erlaubte dem anderen, über ihn hinwegzugehen. Das ist ein Bild für Gütigkeit, die nichts danach fragt, wenn andere über sie dahin gehen, falls sie damit dem Frieden dient.

Das hier mit "gütig" übersetzte Wort kann auch "nützlich" oder "milde" bedeuten. Sie ist einfach die angenehme Haltung, die wir gewöhnlich "Freundlichkeit" nennen. Sie ist das Gegenstück zur Geduld. Geduld erträgt die Misshandlung anderer; die Gütigkeit vergilt sie mit guten Taten.

Gott erwies die allerhöchste "Gütigkeit", indem Er für verlorene Sünder Rettung schaffte. In Titus 3,3-5 heißt es: "Einst waren auch wir unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, dienten mancherlei Begierden und Lüsten, führten unser Leben in Bosheit und Neid, verhasst, einander hassend. Als aber die Güte und Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien, errettete er uns."

Jesus sagt: "Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht" (Mt. 11,30). Das mit "leicht" übersetzte Wort ist im Griechischen dasselbe wie "gütig" hier in 1. Korinther 13. Der Herr sagt also: "Vertraut Mir und Ich will euch erretten und euch Meine Gütigkeit erleben lassen."

Weil "ihr geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist" (1. Petr. 2,3), sollten alle Christen sehr darauf bedacht sein, anderen Gütigkeit zu erweisen. Das wollte Paulus bei den korinthischen Gläubigen erreichen. Er wusste, sie hatten dazu die Fähigkeit; aber sie mussten erst über ihre selbstsüchtigen Wege Buße tun und der Liebe erlauben, ihre Herzen zu regieren.


Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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Neid erzeugt ein Klima, in dem selbstsüchtiger Ehrgeiz gedeiht.

"Sie [die Liebe] neidet nicht"

Neid ist eine heimtückische Sünde, die immerzu schreit: "Ich will haben, was du hast, und außerdem missgönne ich dir, dass du es hast!" Neid vertreibt die Zufriedenheit durch Unmut und ist die Quelle unzähliger anderer Sünden.

Die Korinther beneideten einander wegen der geistlichen Gaben. 1. Korinther 12,31 kann auch übersetzt werden: "Ihr seid neidisch auf die grösseren Gaben, aber ich zeige euch einen weit besseren Weg."Eifern"in 12,31 ist das gleiche Wort wie"neiden"in 13,4. Es heißt eigentlich"sieden, kochen" und spricht von dem inneren Brodeln, das entsteht, wenn man etwas unbedingt haben will, was ein anderer hat. In 1. Korinther 3,3 weist Paulus sie wegen all dem Neid und Streit unter ihnen zurecht.

Paulus wusste, was es heißt, das Opfer neidischer Menschen zu sein. Während einer seiner Inhaftierungen schreibt er offenherzig: "Einige aber predigen Christus auch aus Neid und Streit, einige aber auch aus gutem Willen. Die einen aus Liebe, weil sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums eingesetzt bin; die anderen aus Eigennutz verkünden Christus nicht lauter, weil sie [mir in] meinen Fesseln Bedrängnis zu erwecken gedenken" (Phil. 1,15-17).

Die Haltung des Paulus solchen Neidern gegenüber ist beispielhaft: "Was [macht es] denn? Wird doch auf jede Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich" (Vers 18). Ihn trieben weder persönlicher Vorteil noch selbstsüchtiger Ehrgeiz. Er liebte Christus von ganzem Herzen und wollte nur, dass möglichst viele Menschen das Evangelium hörten. Solange Christus verkündigt wurde, war Paulus glücklich - völlig unabhängig von seinen eigenen Umständen oder den Motiven der anderen. So sollten wir die Sache auch ansehen!

Liebe ist das Gegenmittel für Neid. Wenn göttliche Liebe dein Herz regiert, kannst du dich über den geistlichen Erfolg anderer freuen, selbst wenn du weißt, dass ihre Motive nicht lauter sind. Aber wenn du für dich Ehre und selbstsüchtigen Nutzen suchst, wirst du schnell das Opfer des Neides und der üblen Laune.


Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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Die Liebe erhebt andere; der Stolz erhebt sich selbst.

"Die Liebe tut nicht groß"

Die meisten von uns meiden solche Menschen, die viel von sich halten und sich bei jeder Unterhaltung in den Mittelpunkt drängen. Aber vielleicht hast du selbst mit dieser Versuchung zu kämpfen, die meiste Zeit des Gesprächs von dir zu erzählen. Selbst wenn du niemals in der Öffentlichkeit prahlst, magst du doch im Stillen ärgerlich sein, wenn andere deine Leistungen nicht würdigen wollen. Das ist heimlicher Stolz.

Prahlerei verletzt in jedem Fall die Liebe, weil sie sich selbst auf Kosten anderer erhebt. Man will gut außehen und macht dadurch andere kleiner. Das of-fenbart Neid und andere Sünden. Leider gibt es das Prahlen auch in der Gemeinde. Darum ermahnt uns Paulus, nicht höher von uns zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern darauf bedacht zu sein, besonnen zu sein, "wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat" (Röm. 12,3). Das steht dort im Zusammenhang mit geistlichen Gaben, die zu Stolz verführen können, wenn sie nicht von Demut und Liebe regiert werden.

Die Korinther waren geistliche Angeber - jeder buhlte um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Die Folge war ein chaotischer Gottesdienst. In 1. Korinther 14,26 lesen wir: "Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprache[nrede], hat eine Auslegung." Offensichtlich drückten sie ihre geistlichen Gaben alle zur gleichen Zeit und ohne Rücksicht auf andere aus. Darum fährt Paulus fort: "Alles geschehe zur Erbauung."

Ihr Mangel an Liebe war offensichtlich; denn wer wirklich die anderen liebt, erhebt sich nicht selbst; der achtet die anderen höher als sich, genauso wie Christus, der sich selbst erniedrigte und wegen unserer Sünden starb (Phil. 1,3-8).

Sich der geistlichen Gaben zu rühmen, ist Torheit; denn wir haben nichts getan, um sie zu erwerben. Sie spiegeln nicht unsere Tüchtigkeit, sondern Gottes Gnade wider. Darum fragte Paulus die Korinther: "Was aber hast du, was du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?" (1. Kor. 4,7). Das gilt sowohl für irdische als für geistliche Fähigkeiten. Alles, was du hast, ist eine Gabe Gottes. Darum: "Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!" (1. Kor. 1,31).


Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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Liebe ist der Schlüssel zu effektivem Dienst.

"Sie [die Liebe] bläht sich nicht auf"

In 1. Korinther 13,4 sagt Paulus: "Die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf." Wir meinen oft, beide Begriffe bedeuteten dasselbe, doch erkennen wir in diesem Abschnitt einen feinen Unterschied. Das mit "tut nicht groß" übersetzte Wort weist mehr auf das arrogante Sprechen und Tun hin, während "aufblähen" mehr die dahinterstehende stolze Haltung bezeichnet.

Die dünkelhafte Haltung der Korinther tritt auf mehreren Gebieten hervor. In 1. Korinther 4,18-21 sagt Paulus: "Einige aber sind aufgeblasen, als ob ich nicht zu euch kommen würde. Ich werde aber bald zu euch kommen, wenn der Herr will, und werde nicht das Wort, sondern die Kraft der Aufgeblasenen kennen lernen ... Was wollt ihr? Soll ich mit der Rute zu euch kommen oder in Liebe und im Geist der Sanftmut?" Offensichtlich meinten einige, sie hätten seine Belehrungen nicht mehr nötig. Immerhin, so meinten sie, hätten sie die besten Lehrer gehabt - Apollos, Petrus und sogar Paulus selbst (1.Kor. 1,12), was brauchten sie da noch weiter unterrichtet zu werden? Tatsächlich hatten sie gerade genug gelernt, um ihr Ego aufzublähen; aber sie waren schreckliche Ignoranten, was die Liebe betraf (1. Kor. 8,1).

Es war der Hochmut, der die korinthische Gemeinde verleitete, die gröbsten Sittenlosigkeiten zu begehen: "Überhaupt hört man, dass Unzucht unter euch ist und [zwar] eine solche Unzucht, die selbst unter den Nationen nicht [stattfindet]: dass einer seines Vaters Frau hat. Und ihr seid aufgeblasen und habt nicht etwa Leid getragen, damit der, der diese Tat begangen hat, aus eurer Mitte entfernt würde" (1. Kor. 5,1-2). Sie waren zu stolz, um sich unter diese Situation zu beugen und sie in Ordnung zu bringen, statt dessen prahlten sie damit; dabei hätten nicht einmal Heiden ein solches Verhalten gutgeheißen!

Das ist das traurige Bild von Menschen, die der Stolz so blind gemacht hat, dass sie es ablehnen, zwischen gut und böse zu unterscheiden. Das führte dazu, dass alle ihre geistlichen Gaben ihnen nur zum Schaden gerieten. Sie waren vom Geist begabt und stellten sogar ihre Gaben zur Schau; aber es fehlte an Liebe, die aus einer begabten Person einen nützlichen Diener macht.

Lerne von den Fehlern der Korinther. Sei nie mit rein geistlichen Aktivitäten zufrieden. Lass stets die Liebe die Triebfeder sein. Dann kann Gott deinen Dienst ehren und ihn zu Seinen Zwecken nutzen.


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Jesu Bild in der Liebe (I)

"Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht."

Wenn der Apostel in schwungvollen Worten, zu denen der hohe Gegenstand ihn entflammt, die Liebe schildert, so ist es Jesu Bild, das er uns vor Augen stellt. Diesem Bild müssen wir ähnlich werden. Aber zunächst empfinden wir den weiten, tiefen Abstand mit Weh: "Die Liebe ist langmütig, sie ist freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf."

Die Liebe hat Geduld, wird nicht schnell des andern müde, wenn auch immer wieder die alten Fehler zum Vorschein kommen. Sie wirft ihn nicht weg, auch wenn die Fortschritte sehr langsam sind und mit Rückschritten abwechseln. Gleichwie die Langmut Gottes unsere Rettung ist, so können auch wir gar manche Seele zurechtbringen, wenn wir uns ihr mit unermüdlicher Geduld widmen, anstatt sie fallen zu lassen. Wie kurzatmig ist oft unsere Liebe! Die Langmut sieht aus wie Schwäche und ist doch die höchste Kraft. "Ein Geduldiger ist besser als ein Starker, der Städte bezwingt."

Die Liebe ist freundlich in Gebärden und Worten und zugleich gütig mit der Tat. Sie wirkt wie erquickender Sonnenschein, wie belebender Tau. Sie ist das Gegenteil vom finsteren, unmutigen, harten Wesen, das verwüstend wirkt wie Mehltau und eisiger Reif. Ein gütiges Wort, ein freundlicher Händedruck, ein herzlicher Blick können Wunder wirken.

Sie eifert nicht. Die unheilige, selbstische Liebe zeigt sich eifersüchtig. Man will den Freund oder die Freundin nur für sich allein haben. Eifersüchtige Menschen sind Quälgeister für sich selbst und andere. Sie wollen Liebe und tun doch alles, die Liebe zu erschweren und abzukühlen. Die wahre Liebe beißt niemand weg, sie schließt ihren Kreis nicht engherzig ab, sondern freut sich über jeden, der hinzukommt.

Die Liebe treibt nicht Mutwillen, oder wie es eigentlich heißt: sie benimmt sich nicht eitel, wichtigtuerisch und prahlerisch, stellt dabei andere in den Schatten oder macht sich gar auf ihre Kosten lustig. Wahre Liebe will nicht die Blicke auf sich lenken und beachtet sein. Sie strebt nicht danach, eine Rolle zu spielen, das große Wort zu führen und andere zu übertrumpfen.

Sie bläht sich nicht auf. Neben der Eitelkeit, die gefallen will und um Beifall buhlt, steht die Hoffart, die sich selbst vergöttert, auf andere herabschaut und durch eisige Kälte abstösst. Die Liebe ist weder eitel noch hoffärtig, sie will nur dienen, sie denkt nicht hoch von sich. Sie gedeiht nur auf dem Boden der Demut. Sie verletzt darum nicht, sondern heilt vielmehr Wunden, welche die Lieblosigkeit geschlagen hat. Sie lässt andere gern neben sich aufkommen, sie kann sich sogar von ihnen überflügeln lassen und ohne Bitterkeit zurückstehen.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Die Liebe ist langmütig..."

Uns fehlt es oft an dieser Langmut für ein ganz bestimmtes Verhältnis; andern gegenüber sind wir sehr langmütig. Aber diesem einen Menschen gegenüber, dem wir schon so oft gezeigt hatten, wie er uns mit seinem Fehler das Leben verbittert, scheint es uns, als wäre es wichtiger, er bekehrte sich zu unserer Ansicht, er änderte sich endlich, als dass wir noch länger mit ihm Geduld haben sollten. Vielleicht konserviert Gott jene Art so lange, bis wir gelernt haben, sie nicht nur mit heimlichem Ächzen zu tragen, sondern so viel langmütige Liebe bekommen haben, wie uns not tat. Wir bergen uns gern in Gottes Langmut; wann werden wir so viel von unseres Vaters Art uns angeeignet haben, dass der bittere Beigeschmack der Ungeduld aus unserer Liebe weicht. Kindern und Jünglingen sieht man den Mangel an Langmut leichter nach; erwachsene, reife Christen sollten keinen Anlass mehr zu dieser Ausstellung geben, und wenn sie selbst merken (wie ich), dass sie es doch getan, tut ihnen diese hässliche grüne Stelle am reifenden Halm überaus weh. Das kann einem einen gründlichen Bußtag bereiten, auch wenn Jubilate oder Kantate im Kalender steht.

Lieber Heiland, lass deine Langmut nicht nur meine Fehler tragen, sondern sie auch schlagen, ausmerzen, wegtreiben. Gib mir Gnade, dass ich auf diesen Punkt aus dem Seufzen über mich herauskomme in das Jauchzen über dich. Ich sehne mich nach deiner Art, deiner Liebe und Geduld. Amen.


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Sündigen im Namen des Sündlosen

Religiöse Handlungen, aus niedrigen Motiven heraus getan, sind zweifach böse – böse in sich selbst und böse, weil sie im Namen Gottes getan wurden! Das ist Sündigen im Namen des Sündlosen, Lügen im Namen dessen, der nicht lügen kann, und Hassen im Namen dessen, der die Liebe selbst ist. Christen, und besonders die sehr aktiven unter ihnen, sollten sich oftmals Zeit nehmen, ihre Seele nach ihren Motiven zu erforschen. Manches Solo wurde als Selbstdarstellung gesungen, manche Predigt sollte nur das Rednertalent demonstrieren, und manche Gemeinde wurde gegründet, um einer anderen eine Niederlage zuzufügen. Selbst missionarische Aktivitäten geschehen aus Konkurrenzgründen, und so kann das Seelengewinnen so weit verkommen, dass es die Methoden eines Jahrmarkthändlers anwendet, um das Fleisch zu befriedigen. Ein gutes Mittel, dem Fallstrick eines leeren religiösen Aktivismus zu entgehen, liegt darin, immer einmal wieder mit der bei 1. Korinther 13 aufgeschlagenen Bibel vor Gott zu erscheinen. Dieses Kapitel, das gewöhnlich zu den schönsten der ganzen Bibel gerechnet wird, ist auch eins der ernstesten, die wir in der Heiligen Schrift finden. Der Apostel erklärt dort den höchsten Gottesdienst für völlig unbrauchbar, wenn er nicht aus Liebe getan wird. Ohne Liebe werden sie alle – Propheten, Lehrer, Redner, Philanthropen und Märtyrer – ohne Belohnung weggeschickt. Kurz gesagt: Gott wird uns nicht so sehr nach dem beurteilen, was wir getan haben, sondern vielmehr danach, warum wir es taten!


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Licht — und Schatten

Es rief mich einmal jemand an und fragte: »Herr Tozer, meinen Sie, dass jemand, der wirklich Christ ist, einen anderen Christen verletzen kann?«

Darauf gibt es keine einfache Antwort - doch ich musste erwidern: »Ja, ich meine schon.« Warum kann ein Mensch an einem Tag niederknien und ernsthaft beten und am nächsten Tag einen anderen Christen beleidigen oder kränken? Ich denke, das liegt daran, dass wir uns auf halber Strecke zwischen Himmel und Hölle befinden. Das liegt daran, dass auf uns Licht fällt - aber auch Schatten.

Die beste Antwort darauf lautet: Wir sind aus allen Widersprüchen errettet, auf die wir im Laufe unseres Lebens stoßen. Vielleicht werden wir nie auf dieser Erde voll und ganz begreifen, welch schrecklichen, furchtbaren Preis der Herr aller Schönheit bezahlte, um unsere Errettung zu erlangen, um Sein Volk von der Hässlichkeit der Sünde zu erlösen.

Wenn du Ihn nicht kennst und Ihm nicht dienst, wenn du nicht dort sein willst, wo Er ist, ja wenn du nie das Wunder und die Entzückung in deiner Seele erfahren hast, die Sein Kreuz und Seine Auferstehung bewirken, dann kannst du kaum einen Grund dafür angeben, dass du dich als Christ bezeichnest!


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Die Liebe ist langmütig und freundlich.

Die Liebe ist langmütig. Es wird ihr viel zugemutet und angesonnen, Menschenscharen gehen an ihr vorbei und legen ihre Sorgen auf sie ab und sie erseufzt nicht. Menschensünde geht an ihr vorüber und weint sich bei ihr aus, und sie erzittert nicht. Menschennot umringt sie und will ihr den Atem nehmen und die Freiheit der Bewegung rauben, und sie bleibt langmütig. Das ist die Kraft ihres Mutes. Alle Worte hört man von ihr, nur nicht das oft gefürchtete, von manchem auch höhnend erwartete: Kommst und kehrst du schon wieder? Trost von ihren Lippen, Friede aus ihrem Blicke, Herzlichkeit in ihrer Bewegung! Die Liebe ist langmütig und freundlich. Es ist etwas Großes, dass in dieser kalten, finsteren, abendlichen Welt eine wundersame Gewalt steht bis die Welt zerfällt, eine Gewalt, die da hineinruft in die Herzen, in die Häuser: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht.

Alles, was nicht echt ist, hat Redensarten, und was nicht Kraft hat, will den Mangel durch Worte ersetzen. Alles, was hier auf Erden prunkt, das lebt im Schein und vom Schein, und um sich ein Ansehen zu machen, borgt es äußere Gestalt und Schöne. Aber die wahre, die echte Liebe geht armselig und ängstlich einher, sie trägt das magdliche Gewand und keines steht ihr besser zu Gesichte. Sie geht im armseligen Kleid, und keines ist ihr mehr anständig; denn sie will dienen, nicht herrschen, sie will jedermann zu Willen und Gefallen sein, der in Not ist, für sich selbst begehrt sie nichts. Und wo sie nicht in ihrer ganzen Wesenheit redet, da will sie lieber schweigen, und wo nicht ihr Wert predigt, da will sie verstummen. Sie bläht sich nicht. Nie sieht man einen unechten Zug an ihr, alles ist wahr und alles ist echt. Sie spricht zum Sünder von der Tiefe der Krankheit und von dem Reichtum der Arznei; sie zeigt den Ernst des Leides und den Trost des Heils; sie lässt niemand mehr gelten als er verdient, und niemand nimmt sie den Mut, auf Rettung und Heilung zu hoffen.