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Predigten zu 1. Petrus 2,20

"Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr ausharret, indem ihr sündiget und geschlagen werdet? Wenn ihr aber ausharret, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist wohlgefällig bei Gott."

Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Wenn du leidest, dann sprich nicht darüber! Das Lamm Gottes war stumm im Augenblick Seiner tiefsten Erniedrigung. Wenn der Herr dich, der du dich einen Streiter Christi nennst, beruft, unter besonders schwierigen Umständen zu kämpfen, da, wo der Feind sich am festesten verschanzt hat, dann geh nur ohne Furcht vorwärts. Dein Herr steht nicht zum erstenmal vor einem Jericho, und nicht zum erstenmal öffnet Er ein Gefängnis!

Wenn sich Menschenzungen wie feurige Schlangen gegen dich erheben, dann bleibe im Heiligtum Seiner Gegenwart. Er wird sich mit deinen Feinden beschäftigen, wenn Seine Stunde gekommen ist. Er spricht zu dem Angefochtenen: «Mit herzlichem Erbarmen will ich dich wieder aufnehmen » (Jesaja 54,7 – M).

Wenn du die Hammerschläge auf dem Amboß hörst, wo neue Waffen gegen dich geschmiedet werden, dann wisse, daß auf jeder dieser Waffen geschrieben steht: «Es wird ihr nicht gelingen» (Jesaja 54,17). Und du, der du in Schwachheit auf einem Schmerzenslager liegen mußt, ohne zu verstehen warum, streiche von vorneherein das Wort «warum» aus deinem Wörterbuch und verlaß dich auf die Zusage von Römer 8,28, daß «denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind».

Wenn die Ungerechtigkeiten, die gegen dich begangen werden, scheinbar zunehmen, dann wird der Herr gerade sie benützen, um Seine Herrlichkeit zu offenbaren und Seine Widersacher in Verwirrung zu bringen. «Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig» (2. Korinther 4,17-18).

So leide du für Ihn! Es ist ein Vorrecht und eine Verantwortung, die Gott dir in Seiner großen Liebe anvertraut. «Der Knecht ist nicht größer als sein Herr...» Dieses Erkennungszeichen, das in deinem tiefsten Inneren eingebrannt ist, hat viel mehr Wert als das äußere Zeichen menschlicher Zustimmung.


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
Zitate von Adolf Schlatter anzeigen

Für Petrus gab es in der Menschheit keinen finsteren Winkel mehr; auch am dunkelsten, scheußlichsten Ort wurde es Tag, weil auch dort die göttliche Gnade offenbar wird. Eine römische Sklavenkaserne war ein dunkler Winkel. Die, die dort zusammengepfercht hausten, waren völlig rechtlos und ohne Schutz dem brutalen Eigennutz ihres Herrn preisgegeben. Einem Christen, der in solcher Umgebung leben musste, wurde schmerzhaftes Leiden reichlich zuteil. Denn die Bosheit seines Herrn fand bei denen, die hier verkamen, willige Gehilfen. War nicht die Lage der Christen noch peinlicher geworden, als sie es schon vorher war? Sie litten um der Wohltat willen, weil sie gütig handelten. Wie heftig empören wir uns, wenn uns das Leiden deshalb auferlegt wird, weil wir das Gute tun! Das Antlitz des Menschen ist schon dann hässlich verzerrt, wenn er ohne Grund grausam ist, und vollends, wenn ihn die Güte des anderen grausam macht. Aber auch Gottes Angesicht wird uns, wenn wir unschuldig leiden, leicht verdunkelt. Entsteht nicht ein Riss in Gottes Weltordnung, wenn aus der Wohltat die Pein entsteht? Wo bleibt seine Gerechtigkeit? Hoffen wir denn vergeblich auf seinen Schutz, wenn er dann ausbleibt, wenn wir das Gute tun? Jetzt, sagt Petrus, wird Gottes Gnade an euch offenbar und ihr empfangt, was seine gebende Hand euch schenkt und sein Ruf euch verliehen hat, durch den er euch seine Gemeinschaft gab. Wohltun dürfen, Wohltun können, das ist zweifellos Gnade. Wie sollte ich es können, hätte mir nicht Gott seinen guten Willen gezeigt und ihn zur wirksamen Macht in meinem Herzen gemacht? Dass ich wohltun kann, ist die Gabe, die sein Wort mir brachte, und sein Wort, das zu mir kam, ist der Zeuge seiner Gnade und ist mir von dem gesagt, den seine Gnade uns gegeben hat. Durch Christus sind wir Berufene und durch ihn zum Wohltun gebracht. Kann ich nicht wohltun, ohne zum Leiden bereit zu sein, so wird dadurch mein Wohltun nicht geringer. So wird es vielmehr bewährt und gestärkt. Dadurch tritt ans Licht, dass ich wirklich unfähig bin, übel zu tun, und ernsthaft den Willen Gottes will und ihm in der Tat gehorche. Tritt ein, was ich ahnte, kommt die Pein, doch so, dass sie mich nicht beugt und zum Weichen zwingt, sondern standhaft erduldet wird, dann ist Gottes Gnade an mir groß geworden. Den Willen, um Gottes willen zu leiden, finde ich nicht bei mir selbst; er ist ein Geschenk. Nimmt er mein zagendes, vom Schmerz verwundetes Herz in seine Hand, dann halte ich standhaft aus. Darf ich auf solche Gnade hoffen und sie für mich erbitten? Sieh auf Jesus, sagt Petrus; an ihm siehst du, wozu dich Gottes Gnade berufen hat.

Wir empfangen, Vater, Deine Gnade, nicht nur am hellen, sondern auch am dunklen Tag, nicht nur in dem, was uns erquickt, sondern auch in dem, was uns schmerzt. Menschenhand kann bitter wehtun. Aber dein Lob kann sie mir nicht stören. Denn dein Licht scheint auch am finstersten Ort. Amen.