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Predigten zu 1. Petrus 4,8

"Vor allen Dingen aber habt untereinander eine inbrünstige Liebe, denn die Liebe bedeckt eine Menge von Sünden."

Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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DIE TIEFE DER LIEBE

Die Liebe der Christen sollte so weit gehen, dass sie „eine Menge von Sünden zudeckt.“ Sünde muss zwar angesprochen werden, aber sie soll auch vergeben werden. Das ist es, was mit „zudecken“ gemeint ist. Wir sollen alte Sünden, die bereits angesprochen und behandelt wurden, quasi wie mit einem Tuch bedecken.

Untersuche dich selbst! Empfindest du Bitterkeit gegenüber jemandem in deinem Haus? Wenn dem so ist, dann erinnere dich daran, dass Jesus bereits die Strafe für jede Verfehlung getragen hat. Deine Unfähigkeit, zu vergeben, straft deine Liebe Lügen. Und wenn dein Leben durch einen Mangel an Vergebungsbereitschaft gekennzeichnet ist, dann musst du dich ernsthaft fragen, ob du überhaupt ein Christ bist.

Es liegt auf der Hand, dass, wer den Kern der Vergebung erfasst und erfahren hat, auch schnell bereit sein wird, zu vergeben. Wer weiß, dass ihm viel vergeben ist, der wird auch viel vergeben. Ich hoffe, das trifft in deinem Leben zu.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Die Liebe deckt auch der Sünden Menge."

Nicht meine Liebe, nicht meine Sünden, nicht vor Gott. Der Zusammenhang zeigt deutlich, dass Bruderliebe gemeint ist, die nicht Wohlgefallen daran hat, des Bruders Sünden aufzudecken, sondern zuzudecken. Wer noch meint, er müsse andere herabsetzen und als Unreine darstellen, damit dadurch seine Reinheit gehoben werde, der kann gar nicht anders als nach geheimen Flecken des anderen spüren. Ist der andere noch dazu ein Nebenbuhler um Gunst oder Ehre vor den Brüdern, oder neidet man ihm seine unbestreitbaren Vorzüge, oder hat er uns sehr weh getan, so freut sich der lieblose Christ, jenen geheimen Schmutz ans Licht zu ziehen - auch wenn die volle Sicherheit des Beweises noch fehlt. Oder man möchte durch solche Offenbarung seine unbrüderliche Stellung entschuldigen und begründen; man protzt mit dem scharfen Gewissen, das einem nicht gestatte, dergleichen zu dulden. Wie hebt sich davon das schlichte Wort ab: Die Liebe deckt auch der Sünden Menge! Wie wohl tut es uns, wenn jemand trotz unserer Mängel uns sehr liebt und überall verteidigt. Wie weh taten wir manchem durch rücksichtsloses Aufdecken seiner schmerzenden Stellen. Hast du in diesem Punkte nichts zu bereuen?

Herr, gehe nicht ins Gericht mit mir, wie ich es mit meinem Nächsten oft getan habe. Vergib mir jene Härte und lehre mich die Liebe, die zudecken kann. Ich brauche solche Liebe; zünde sie in meiner Seele an. Amen.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Vor allen Dingen aber habt untereinander eine inbrünstige Liebe!

Du gehst oft neben einem Bruder, neben einer Schwester her und siehst sie darben und fragst nicht, was ihnen mangelt, aber wenn du Arbeit hast, dann geht die Klage an, sage ihm, ihr doch, dass sie auch angreife. Du kannst ruhig in deinem Behagen dich bewegen, während neben dir eine geängstete Seele geht. Höre wohl, mein lieber Christ: So geht dein Bruder oder deine Schwester den einsamen, ungestörten Weg weiter. Und wenn er an der Wegscheide angelangt vor den Herrn und Richter tritt, legt er all seine Reisebeschwerden nieder, und unter all diesen die schwerste, und die warst du. Du hast deinem Nächsten das Leben sauer gemacht, hast es ihm verbittert und erschwert. Unter solchem Druck litt er vielleicht sein Leben lang oder wohl gar noch in der Sterbestunde.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

So seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet; vor allen Dingen aber habt unter einander eine brünstige Liebe, denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge.

Die Heiden, aus welchen die Christen, an die Petrus schreibt, teilweise kamen, lebten nach Vers 4 in Unzucht, Lüsten, Trunkenheit, Fresserei und Sauferei, also in Sünden, die den Menschen zerrütten, aufgeregt, unordentlich, unnüchtern machen. Diesem wüsten, unnüchternen Wesen gegenüber sollen Christen gesunden Sinn und Nüchternheit haben. Befreit von der Herrschaft der Lüste, die Sinne, Gedanken und Neigungen in Unordnung bringen, sollen Jünger Jesu unter der heiligenden Arbeit des Geistes innerlich klar, still, nüchtern dastehen, damit sie allezeit mit Gott reden können. Wir können ja nur dann im Geiste und in der Wahrheit beten, wenn unsere Sinne verschlossen sind für das fleischliche Wesen und offen für geistliche Einflüsse. Dann kann Gott uns segnen, und wir kommen in den gnadenreichen Umgang mit ihm, bei dem man lebendig erfährt, der Zugang zum Gnadenthron ist offen. Da wächst dann auch die brünstige Liebe, die der Apostel „vor alle Dinge“ setzt. Wo sie fehlt in einer Gemeinschaft, sei es die Familie, oder die weitere christliche Gemeinschaft, da ist alles verkehrt, da weicht der Geist Gottes, und der Feind herrscht. Die Liebe aber decket auch der Sünden Menge. Dieses Wort wurde schon oft missbraucht und missverstanden. Wir dürfen es nicht so verstehen, als bestehe dieses „Decken“ im Verheimlichen von Sünden, oder dass man die Sünde überhaupt nicht mehr Sünde heiße; nein, das wäre keine Liebe, sondern die größte Verkehrtheit. Wir müssen das Wort so verstehen: wo brünstige Liebe ist, macht man nicht immer an einander herum; man sucht nicht alle möglichen Fehler an einander auf, sondern sieht auch das Gute an einander. Wo Liebe ist, hilft man einander dieses und jenes abzulegen und das ist dann das rechte Decken der Sünde, wenn die Sünde verschwindet.

Herr, bringe mich in das gesunde und nüchterne Wesen des Geistes, in dem ich wohlgefällig mit Dir reden kann, und fülle mich mit der Liebe, mit der Du liebst. Amen