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Predigten zu 1. Samuel 1,15

"Aber Hanna antwortete und sprach: Nein, mein Herr! ein Weib beschwerten Geistes bin ich; weder Wein noch starkes Getränk habe ich getrunken, sondern ich schüttete meine Seele vor der HERR aus."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Hanna aber antwortete und sprach: Nein, mein Herr, ich bin ein Weib beschwerten Geistes."

Hannas Gebete wurden erhört. Ach, als Eli sie wegen Trunkenheit schalt, ahnte sie nicht, dass sie in kurzer Zeit wiederum dort sein und derselbe Priester sie mit tiefer Achtung und Freude anblicken würde, weil der Herr sie begnadigt hatte. Und du, liebe Schwester mit beschwertem Geist, würdest heute abend nicht so viel weinen, wenn du wüsstest, was für dich noch aufbewahrt ist. Es ist Besseres in Aussicht! In Kürze wird der Weg enden oder sich wenden! Das Rote Meer wogt vor dir unruhig, und seine Wellen drohen. Aber es wird ganz still sein, wenn des Herrn Volk hinübergeht. Lasst euch hierdurch aufheitern, die ihr traurigen Gemütes seid. Was Gott euch verheißen hat, soll erfüllt werden.

Ich glaube nicht, dass Hanna die geeignete Mutter für Samuel gewesen wäre, wenn sie nicht zuerst traurigen Gemütes gewesen wäre. Nicht jede Frau kann mit der Aufgabe betraut werden, einen jungen Propheten zu erziehen. Manche närrische Mutter hat ihr Kind närrisch gemacht. Es war so sehr ihr "Engel", dass bald ein "Bengel" daraus wurde. Es gehört eine weise Mutter dazu, einen weisen Sohn zu erziehen; und deshalb betrachte ich Samuels ausgezeichneten Charakter und Lebenslauf zum großen Teil als die Frucht der Trauer seiner Mutter und als einen Lohn für ihr Leid. Sie hatte wenig Zeit, ihren Sohn zu erziehen, denn er verließ das Elternhaus bald, um dem Herrn zu dienen. Aber in diesem Zeitraum verrichtete sie ihre Aufgabe mit Erfolg, denn der Knabe Samuel betete an dem Tag, als sie ihn zum Tempel brachte.

Bedenkt auch, dass sie zubereitet wurde, weitere Segnungen zu empfangen, denn nach Samuels Geburt bekam sie noch weitere fünf Kinder. Das waren große Zinsen für ihr Darlehen: fünfhundert Prozent. Aber sie musste sich zuvor von Samuel trennen. Deshalb tragt, was euch der Herr auferlegt hat, und ihr werdet zur rechten Zeit einen großen Segen empfangen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Ich habe mein Herz vor dem Herrn ausgeschüttet

Hannas Seele war voll Schmerz und Gram; dies zeigte sich denn auch in dem traurigen Ausdruck ihres Angesichts. Aber nachdem sie ihr Herz vor dem HErrn ausgeschüttet, und alles ihres Kummers sich entleert hatte, da erfüllte statt ihres Jammers der Friede Gottes ihre Seele: „Sie ging ihres Weges und aß und sah nicht mehr so traurig.“ Welch schöner Tausch! Wie groß der Gegensatz! Wie viel besser war nun dies für sie selbst und für ihr Haus!

Ist etwa dein Angesicht verdunkelt durch den bitteren Schmerz deiner Seele? Hat der Feind dich hart bedrängt; oder ist eine süße Hoffnung geknickt worden, ein Zweck deines Lebens unerfüllt geblieben; oder scheint wohl gar der HErr deiner vergessen zu haben? Arme, traurige Seele, ich weiß dir keinen anderen Rat, als dass du deine Seele ausschüttest vor dem HErrn. Leere ihren ganzen Inhalt aus, in offenem Bekenntnis, und Gebet. Gott weiß alles; aber dennoch sage es Ihm, als ob Er nichts wüsste. „Schüttet euer Herz vor Ihm aus, lieben Leute; Gott ist unsere Zuversicht.“ „In allen Dingen lasset eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden.“ Indem wir die Bitterkeit unsers Herzens ausschütten, gießt Gott seinen Frieden hinein. Zu einer Türe entflieht das Weinen, zur anderen zieht die Freude hinein. Wir übergeben dem Mann der Schmerzen unseren Tränenbecher, und Er gibt ihn uns zurück, angefüllt mit den Segnungen des Neuen Bundes. Einmal wirst du an den Ort zurückkehren, wo du geweint und gebetet hast, und wirst daselbst dein Opfer des Lobes und Dankes darbringen.