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Predigten zu 1. Samuel 27,1

"Und David sprach in seinem Herzen: Nun werde ich eines Tages durch die Hand Sauls umkommen; mir ist nichts besser, als daß ich eilends in das Land der Philister entrinne, und Saul wird von mir ablassen, mich ferner in allen Grenzen Israels zu suchen; und ich werde aus seiner Hand entrinnen."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"David aber gedachte in seinem Herzen: Ich werde der Tage einen Saul in die Hände fallen."

Der Gedanke, den damals David in seinem Herzen hegte, war ein unrichtiger Gedanke, weil er gewiss keinen Grund hatte zu glauben, dass er, den Gott durch Samuel gesalbt hatte, umsonst gesalbt worden sei. Bei keiner einzigen Gelegenheit hatte Gott seinen Knecht verlassen; er war oft in gefährliche Lagen geraten, aber es war kein einziges Beispiel vorgekommen, wo ihn Gottes wunderbare Führung nicht gnädig herausgerettet hätte. Die Prüfungen und Leiden, denen er ausgesetzt war, waren mancherlei Art; sie hatten sich nicht alle in derselben Weise, sondern unter den verschiedensten Gestalten ihm entgegengestellt; und dennoch hatte Der, der sie gesandt hatte, in jedem einzelnen Falle auch für den besondern Rettungsweg gesorgt. David konnte nicht ein einziges Mal mit seinem Finger auf irgend eine Stelle seines Tagebuches hinweisen und sagen: "Hier liegt's am Tage, dass der Herr mich hat verlassen wollen," denn der ganze Verlauf seines vergangenen Lebens bewies das gerade Gegenteil. Vielmehr hätte er aus dem, was Gott schon für ihn getan hatte, schließen sollen, dass Gott sein Beschützer bleiben werde. Ist es aber nicht vielleicht auf unsrer Seite gerechtfertigt, wenn wir an Gottes Hilfe und Beistand zweifeln? O, das hiesse Zweifel und Misstrauen hegen ohne allen Grund. Haben wir je den Schatten einer Ursache gehabt, dass wir hätten an unsers Vaters Güte zweifeln dürfen? Ist nicht seine Liebe und Freundlichkeit wunderbar groß gewesen? Hat er ein einziges Mal ermangelt, unser Vertrauen zu rechtfertigen? O, nein! unser Gott hat uns noch nie einen Augenblick verlassen. Wir haben dunkle Nächte erlebt, aber der Stern der Liebe hat ungeschwächt fortgeleuchtet mitten durch die Finsternis; wir sind in schweren Kämpfen gestanden, aber Er hat den Schild seines Schutzes unbeweglich über unserm Haupt gehalten. Wir sind durch manche Trübsal hindurchgegangen, aber nie zu unserm Nachteil, sondern allezeit zu unserm Segen, und die Schlussfolgerung, die wir aus unserm vergangenen Leben ziehen können, geht dahin, dass der, der in sechs Trübsalen mit uns gewesen ist, uns in der siebenten nicht verlassen wird. "Aus sechs Trübsalen wird Er dich erretten und in der siebenten wird dich kein Übel rühren." Alles, was wir von unserm treuen Gott erfahren haben, beweist uns, dass Er uns bewahren will bis ans Ende.


Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"David aber sprach zu seinem Herzen: Ich werde doch eines Tages dem Saul in die Hände fallen. Es ist nichts besser für mich, als dass ich in der Philister Land entrinne!" 1.Sam. 27,1 f

So verließ David eines Tages den Boden seines Volkes und suchte Raum für sich im Land der Philister. Als er sich nicht mehr sicher fühlte bei dem Priester Ahimelech, da machte er sich auf und floh zu Achis, dem Könige von Gath. Allein bald zeigte sich, wie wenig David sich auf diesem Boden als der bewähren konnte, der er wirklich war. Als man dem König mitteilte, dass es der David sei, von dem die Frauen Israels einst gesungen hatten: "Saul hat tausend geschlagen, David jedoch zehntausend!", da fürchtete sich David und verstellte seine Gebärde und tobte unter ihren Händen wie ein Wahnsinniger. Da sprach der König Achis zu seinen Knechten: "Ihr seht, dass der Mann unsinnig ist, warum habt ihr ihn zu mir gebracht?"

Nach damaliger Sitte bestand unter den Völkern des Ostens das Recht, dass Wahnsinnige unantastbar seien. Wenn auch Gott nun dies benutzte, um David aus seiner Bedrängnis freizumachen, so zeigt die ganze Erfahrung doch, wie wenig David sich augenblicklich auf jenen Linien bewegte, auf welche ihn Gott als Träger neuen Lebens gestellt hatte. Dass David im Land der Philister bei Achis Zuflucht suchte, hätte an sich kein unrecht sein dürfen.

Allein es ist ein gewaltiger Unterschied, ob der Weg zur Welt uns von Gott gegeben, oder von uns selber erwählt worden ist. Joseph blieb auch in Ägypten immer der, der er war. David jedoch musste sich auf diesem Boden gleich als ein ganz anderer stellen, als er in seinem innersten Wesen war. Gleich zeigte sich, wie unsicher er geworden war, und wie unfähig er sich erwies, auf diesem Boden mit Gott zu rechnen. Denn welch ein Unterschied ist doch zwischen dem glaubenskühnen Auftreten Davids im Terebinthental und seinem Betragen vor dem König Achis? Dort war er der Träger der Kraft Gottes, hier der Mensch, der in seiner Ratlosigkeit zu verwerflichen Mitteln griff, um sein Leben zu retten.

Bewähren vermag der Glaube sich nur auf jenen Wegen, die Gott ihn führt. Daniel konnte in den engsten Hof- und Regierungskreis der Babylonier hineingezogen werden und bewährte sich überall in seiner Stellung als Knecht Gottes, während Lot sich unfähig erwies, in den Toren Sodoms zu wohnen. Im Terebinthental blieb durch das Auftreten Davids sowohl in der Seele Israels als auch der Feinde Davids das Bild der Kraft Gottes zurück, während David in dem König Achis zu Gath nur das Bild eines Unsinnigen zurückließ. So muss die Welt immer von dem Wesen der Gesalbten des Herrn ein ganz falsches Bild gewinnen, wenn diese sich auf ihrem Boden nicht als die bewähren, die sie wirklich sind: von Gott berufene Träger eines neuen Lebens und einer neuen Zukunft.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

David sprach in seinem Herzen: „Ich werde, der Tage einen, Saul in die Hände fallen

Welch einem Anfall von Verzagtheit und Unglauben begegnen wir hier! Wir können es kaum glauben, dass es derselbe David ist, der in so vielen Psalmen die Hirtentreue Jehovahs rühmte und sich so sicher fühlte in seinem Gezelte. Es war ein Ohnmachtsanfall, hervorgebracht durch die schädliche Luft, die er in der schlimmen Gesellschaft in der Höhle Adullam eingeatmet hatte. Hatte nicht Gott verheißen, für ihn zu sorgen? War seine Zukunft nicht bereits gesichert durch das Versprechen, dass er der König Israels werden sollte? Aber es half jetzt alles nichts; er ließ sich nicht abhalten, die jähe Flucht zu ergreifen ins Land der Philister.

Er sollte seinen Fehler bitterlich büßen. Die Unaufrichtigkeit und der Betrug, wozu er sich verleiten ließ; der Schmerz, den er empfand, als er mit Achis gegen sein eigenes Volk ziehen sollte; die Belagerung und Zerstörung Ziklags: dies war die Folge seines Misstrauens. Der Unglaube hat immer viele andere bittere Schmerzen in seinem Gefolge, wobei die Seele ausrufen muss: „Wie lange, HErr, willst du meiner so gar vergessen? Wie lange willst du dein Antlitz vor mir verbergen?"

Hüten wir uns vor solcher Mutlosigkeit. Lasset uns nicht auf Saul schauen, sondern auf den allmächtigen Gott; nicht auf den Wind und die Wellen, sondern auf Ihn, der auf dem Wasser wandelt; nicht auf das, was kommen könnte, sondern auf das, was da ist – auf den herrlichen Gott, der bei uns ist, dass Er uns erlöse. Er wird deine Seele erretten vom Tode, deine Augen von Tränen und deinen Fuß vom Gleiten. Er, der geholfen hat, wird weiter helfen. Hörst du nicht, wie Er dir zuruft: „Ich werde dich nicht verfallen noch versäumen?“ Was können dir denn Menschen tun? Jeder Pfeil, der gegen dich gezielt ist, wird an einem unsichtbaren Schilde abprallen.