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Predigten zu 2. Könige 19,14

"Und Hiskia nahm den Brief aus der Hand der Boten und las ihn; und er ging in das Haus Jehovas hinauf, und Hiskia breitete ihn vor Jehova aus."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Und da Hiskia den Brief empfangen und gelesen hatte, breitete er ihn aus vor dem Herrn und betete: "Herr, Gott, höre die Worte Sanheribs, der hergesandt hat Hohn zu sprechen dem lebendigen Gott! Hilf uns aus seiner Hand."

Das Auge des Hiskia blickt zunächst auf die Allmacht Gottes. Alle Königreiche der Erde hat er in seiner gewaltigen Hand. Was ist ein Heer von Menschen gegen Gott? Hätte Hiskia einzig auf die Heeresmassen Sanheribs und auf die winzige Zahl der eigenen Streiter geschaut, er hätte verzagen müssen. Aber nun richtet er das Glaubensauge auf den lebendigen Gott. - Das haben die Glaubensmänner aller Zeiten getan. So schaute David auf den Herrn Zebaoth, als der Riese Goliath ihm den Kopf abreißen wollte. So blickten die ersten Christen nach oben, als die Behörde Israels sich drohend gegen die Gemeinde Jesus wandte. So soll in Angst und Not auch unser Blick stets emporgehoben sein zu dem allmächtigen Gott und Vater. - Hiskia blickt weiter auf die schwere Sünde seines Feindes: "Höre die Worte Sanheribs, der Hohn spricht dem lebendigen Gott!" - Diese Sünde lässt Gott nicht ungestraft hingehen. Das hat der Goliath erleben müssen, das hat Sanherib erfahren, das hat die Geschichte der Völker immer neu bewiesen: "Gott schaltet und waltet ein rechtes Gericht." Im vorigen Jahrhundert musste Napoleon es auskosten, was es heißt, Gott den Herrn zu lästern. Bis heute lebt das Wort: "Mit Ross und Mann und Wagen hat sie der Herr geschlagen." Ausschlaggebend ist der Umstand, dass Hiskia nicht die Erhaltung der eigenen Heereskraft im Auge hat, sondern beten kann: "Gott, hilf, dass man auf Erden erkenne deine Macht und Herrlichkeit." - Was gab den Psalmensängern aller Zeiten Mut und Freudigkeit zu ihrem Flehen? Was gab dem Elias Vollmacht, Feuer vom Himmel herabzuholen? "Dass man auf Erden erkenne deine Herrlichkeit, dass du allein Gott bist!"


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Die Last abwälzen

"Und da Hiskia den Brief von den Boten empfangen und gelesen hatte, ging er hinauf zum Haus des Herrn und breitete ihn aus vor dem Herrn"

Der König Hiskia hatte einen sehr unangenehmen Brief empfangen. Der König von Assyrien belagerte Jerusalem. Er setzte in dem Brief an Hiskia die Nutzlosigkeit weiteren Widerstandes auseinander und drängte auf Übergabe der Stadt. Wie eine schwere Last legte es sich auf Hiskias Herz und Gemüt. Aber er erlag nicht unter der Last. Hiskia zeigt uns, wie man sich verhalten muss, wenn ähnliche Bergeslasten sich auf uns legen. Man beachte zuerst, was Hiskia nicht tat. Er lief nicht zu Menschen. Er rief nicht, wie einmal ein Kapitän, dessen Schiff ein Leck erhielt: "Jetzt ist alles verloren!" Hiskia ließ die Gesandten ruhig eine Weile warten. Er ging hinüber in den Tempel und "breitete den Brief vor dem Herrn aus" . Und siehe, Gott gab ihm die Antwort, er habe bereits alles geordnet und werde Sanheribs Macht zerschmettern. Die Gesandten mochten große Augen machen, als Hiskia mit heiterer Stirn und strahlendem Auge wieder ins Zimmer trat. Sie begriffen wohl kaum, woher er in solch verzweifelter Lage Mut und Siegeszuversicht erhalten hatte. Und doch zeigte schon die nächste Nacht, dass Hiskia recht behielt. Gott nahm ihm alle Schwierigkeiten hinweg, indem er von Sanheribs Heer 185.000 Mann sterben ließ, so dass dieser fluchtartig abziehen musste. Ach, dass wir die Kunst des Hiskia täglich besser lernten, alle unsere Angelegenheiten vor Gott auszubreiten! Es würde manche verwickelte Schwierigkeit nicht immer noch verwickelter werden, wenn wir sie wie Hiskia behandelten und vor dem Gnadenthron hinlegten. Es würden hundert Dinge ohne unser Rennen und Laufen viel besser und gründlicher durch Gottes Hand erledigt werden, wenn wir Hiskias Kunst mehr betrieben. Hinweg mit aller Selbsthilfe! Hinein ins Kämmerlein zu den Füßen des allmächtigen Helfers! Der schlimmste Brief, den wir vor Gott ausbreiten dürfen, ist der Schuldbrief unserer Sünden. Diesen Brief bringen die Boten des Höllenfürsten zu uns und wollen uns verzagt machen. Aber auch diesen Brief breiten wir aus vor Gott bei dem Kreuz des Heilandes. Dort zeigt uns Gott, wie er den Brief für uns erledigt. Er füllt unser Herz, wie dort bei Hiskia, mit Freude und Jubel und nimmt alle Schrecken hinweg. Lieber Leser, lerne davon! Vielleicht läufst du umher mit einer Zentnerlast von Sündenschulden. Komm! Bring die ganze Last dem Herrn! Du musst nicht sorgen um deinen Schuldbrief. Er ist zerrissen. Der Feind, der dir droht, hat keine Macht mehr wider dich. Ja, Gott gebe dir, dass du mit deiner Sündenschuld und mit jeder anderen Schwierigkeit den Weg des Hiskia gehen lernst! Dann werden alle Lasten abgewälzt.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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„Nun hat Hiskia völlig die Nerven verloren!" wird ein Weltmensch sagen. Erst wollte er sich von der Weltmacht Assyrien durch einen ungeheuren Tribut den Frieden erkaufen. Und als nun der König der Weltmacht trotzdem zur Vernichtung sich anschickt und ihm einen hohnvollen Drohbrief schreibt, da – ja, was hätte Hiskia denn nach der Meinung der Welt da tun sollen? Törichte Frage! Sein Heer rüsten, Kriegsrat halten, Verhandlungen einleiten – fast hätte ich gesagt: Telefongespräche fahren.

Nun, das alles tat Hiskia später auch. Aber zuerst tat er etwas ganz anderes: „Er ging hinauf zum Hause des Herrn…" Nein, hier hat einer nicht die Nerven verloren, sondern seinen Gott und Heiland wieder gefunden.

Was sollte wohl das bedrängte Volk Gottes anders tun, als dass es sich mit Ernst besinnt auf den, der es erlöst und zu Seinem Eigentum gemacht hat? „Hiskia breitete den Brief aus vor dem Herrn." Er drückte damit aus: „Herr, Drohungen gegen dein Volk sind Drohungen gegen dich." In einem Lied sagt August H. Francke: „Denn mein Leiden ist das deine, weil ich dein bin, o mein Gott." Solches Aufsehen auf den Herrn gibt neue Augen: Wie unheimlich sah vorher Assyriens Heer aus! Aber wie gering wird es, wenn man weiß: „Herr, du bist allein Gott über alle Königreiche." Amen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Hiskia breitete den Brief aus vor dem HErrn

Bei der in Jerusalem herrschenden Panik waren es nur der König und der Prophet Jesaja, die ihre Häupter aufrecht hielten, denn sie allein konnten stillen, getrosten Herzens sein. Wir können uns die kritische Lage kaum vorstellen, es sei denn, dass wir sie vergleichen mit einem Überfall von etwa 200000 Kurden oder türkischen Soldaten auf eine friedliche armenische Niederlassung. Israel hatte keine irdischen Verbündeten; nur vom Himmel her konnte es Verstärkung erwarten, und jene zwei heiligen Männer verstanden es, ihr Anliegen mit der Sache des lebendigen Gottes zu verknüpfen (Vers 4). Dies ist der Glaube, der die Welt überwindet, der es tatsächlich erfasst, dass Gott lebt und zwar hier und jetzt in den Verhältnissen unsers täglichen Lebens. Seine Sache kommt mit in Betracht bei unserer Errettung. Er ist unser Richter, unser Gesetzgeber, unser König; durch die feierlichsten Verpflichtungen ist Er deshalb mit uns verbunden, und sein Name wird verherrlicht, wenn Er uns aus der Not befreit.

Wenn dir daher Briefe voll bitterer Vorwürfe zugeschickt werden, ob anonyme oder nicht; wenn unfreundliche, bösartige Gerüchte über dich in Umlauf gesetzt werden, wenn du dich auf keinen Menschen mehr verlassen kannst, so bringe deine Klage, – jenen Brief, jenen Zeitungsartikel, jenes Gerücht – und lege sie vor dem HErrn dar. Lass deine Bitte vor Ihn kommen; sage Ihm, wie unbedingt du Ihm vertraust. Dann wird Furcht und Bitterkeit aus deinem Herzen schwinden, während Friede und Liebe es erfüllt: und bald wird dir eine schnelle Botschaft des Trostes zukommen, wie Jesaja, der Sohn Amoz, sie Hiskia sandte, da er ihm im Auftrage Gottes sagen ließ; „Was du zu mir gebetet hast, das habe ich gehört.“

Gott kannte den Inhalt des an dich gerichteten Schreibens vor dir; aber Er will es gerne mi t seinem Kinde wieder lesen.