10.800 biblische Andachten und Predigten von Spurgeon, MacArthur, MacDonald, Christlieb, Eichhorn, Hofacker, Zinzendorf, Luther uvm.

Predigten zu 2. Könige 5,15

"Und er kehrte zu dem Manne Gottes zurück, er und sein ganzer Zug, und er kam und trat vor ihn und sprach: Siehe doch, ich erkenne, daß es auf der ganzen Erde keinen Gott gibt, als nur in Israel! und nun nimm doch ein Geschenk von deinem Knechte."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
Zitate von Alfred Christlieb anzeigen

"Naeman kehrte wieder zu dem Mann Gottes."

Es ist derselbe Syrer Naeman, der da zurückkehrt zu Elisa und ist doch ein total anderer Mensch. Der abzog, war als hohe Standesperson in seinem Ehrgefühl tief gekränkt. Empört und zornig ging er seiner Wege. Der wiederkehrte, war ein demütiger, dankbarer, gläubiger Mann, der Gott allein die Ehre gab. An allerlei Kennzeichen sieht man: sein Glaube war echt. Da kommt der glänzende Tross wieder herangezogen. Der Feldmarschall bleibt aber nicht auf seinem hohen, goldgeschmückten Wagen sitzen. Er springt herunter und eilt in die arme Hütte des Elisa. Da steht der Prophet. Den redet er aber nicht etwa an: "Hochverehrter Gottesknecht, ich bin dir sehr dankbar für deinen wunderbaren Rat!" Er überschüttet ihn auch nicht mit Schmeicheleien. Er ruft: "Siehe, ich weiss, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel." Ja, Naeman ist wahrhaft gläubig geworden. Gott hat er erkannt als seinen Retter. Das überwältigt ihn ganz. So ist es immer bei wahrem, echtem Glauben. Er bleibt nicht stehen bei dem menschlichen Werkzeug, fließt nicht über in Menschenlob, sondern preist Gott allein."Der Herr allein hat es getan!" Das ist ihm offenbart. Und Elisa hat Naeman diesen Eindruck noch wesentlich vertieft. Naeman hatte Säcke voll Gold und Silber bei sich, bot sie dem Propheten an und sprach: "So nimm nun den Segen von deinem Knecht." Elisa aber sprach: "So wahr der Herr lebt, vor dem ich stehe, ich nehme es nicht!" Naeman fing an, ihn zu nötigen, aber Elisa blieb bei dem Nein. Der Geheilte sollte wissen: es ist Gottes Tat gewesen. Und wer will Gott "bezahlen"? Das gilt auch bei der Heilung von Sündenaussatz. "Bezahlen"? Nie und nimmer! Nur schwer lernt man es begreifen. Aber der wahre Glaube fasst es tiefer und tiefer: Aus Gnaden! Umsonst! Allein aus Gnaden!


Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
Zitate von Christoph Blumhardt anzeigen

Dieser Naeman war der syrische Feldhauptmann, der aussätzig geworden war, und von einem israelitischen Mägdlein, das als Kriegsgefangene in sein Haus gekommen war, hörte, daß in Israel so ein großer, Wunder tuender Prophet wäre. Er kam und wurde durch siebenmaliges Untertauchen im Jordan von seinem Aussatz völlig befreit. Je weniger Umstände der Prophet Elisa mit ihm gemacht hatte, - denn der General meinte anfänglich, er sollte mit der Hand über seinen Leib fahren etc.; Elisa aber sieht ihn gar nicht an, sondern läßt ihm nur einfach sagen: „Gehe hin und wasche dich siebenmal im Jordan!“ - aber wie gesagt, je weniger Umstände der Prophet mit ihm machte, desto klarer war's, daß es nur allein der Gott Israels war, der ihn gesund machte. Darum konnte er ganz hingenommen sagen: „Siehe, ich erkenne, daß kein Gott ist in allen Landen, ohne in Israel.“ Das Unterscheidende des Gottes Israel von allen andern Göttern ist das, daß der Gott Israels sich zu fühlen giebt, die andern nicht, daß der Gott Israels ein Gott ist, der dem Menschen nahe kommt, Sich ihm offenbart, Sich ihm bezeugt, der ihn für wert achtet, daß Er persönlich und unmittelbar Sich ihm nahe mache und ihm helfe, ja Seine Allmacht, wenn es seyn müsse, ihm darbiete. Das ist der Gott Israels, in höchster Höhe in JEsu offenbar geworden; und diesen Gott, den wir auch haben sollen, haben viele Christen heutzutage nicht mehr, oft auch sogenannte rechtgläubige Christen nicht. Es erscheint und ist ihnen wie etwas Fremdes, daß Gott Sich sollte eines Menschen wunderbar annehmen. Das zu glauben ist nicht jedermanns Sache. Vielen bleibt der HErr ein ferner Gott; und nur was natürlich etwa verläuft, erwarten sie von Ihm. Wenn sie auch beten, so verlangen, suchen und glauben sie doch kein unmittelbares, kein wunderbares Herzutreten des HErrn, sondern eben eine auf natürlichem Wege vor sich gehende Vorsehungsleitung, oder wer weiß was, ein Nichts statt einem Etwas.

Weil es vielfältig so steht bei den Christen, wird auch Gott nicht mehr gefürchtet, wie vormals, und fehlt's eben im ganzen Wesen der Christen mehr als viel. Denn erst wenn man Erfahrungen irgendwelcher Art hat von der wunderbaren Freundlichkeit des großen Gottes Himmels und der Erde, mit welcher Er zu dem geringsten Menschen freundlich herzutreten und ihm helfen kann, wie in inneren, so auch in äußeren Nöten, erst dann weiß man, was Gott ist, und fühlt man sich in einem Frieden, der über alles hinaushebt, - wenn es heißt (Ps.68,21): „Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen HErrn HErrn, der vom Tode errettet.“ Ach, daß unser Glaube es lernte, diesen Gott in Wahrheit zu erfassen, wie Er uns nahe ist!

Zusatz. Es ist oft eine gar eigene Sache, wenn die Leute verlangen, daß man viel mit ihnen mache, wenn sie in Nöten herkommen. Da kommt es gleich bei ihnen vom Echten ins Unechte hinein. Es ist bei ihnen nicht mehr der wahrhaftige, lautere Glaube an den unsichtbaren Gott, der aus Gnaden herzutritt und hilft, ohne eines Menschen zu bedürfen; sondern es wird zu viel auf den Menschen selbst, dessen Fürbitte angesprochen wird, abgehoben. Sobald man so vielerlei vornimmt, namentlich so viel Wesens mit Handauflegungen, Satzungen, langen Gebeten, ernsten und formellen Andachten und Kraftworten macht, so steckt entweder viel Unglauben und gesetzliches Wesen dahinter, oder sieht es einer der falsch berühmten Künste ähnlich, als da sind: Sympathie, Magnetismus, Somnambulismus, weiße Magie und dergleichen. Zum Wenigsten nimmt es viel von dem rechten Eindruck weg, hat auch oft andere gar üble Folgen, wie das immer ist, wenn der Weg der Einfalt und Nüchternheit verlassen wird. Da hat denn Elisa weislich gehandelt, da er wußte, daß in der Heimat Naeman's auch mancherlei Zauberkünstler waren, mit welchen derselbe leicht hätte den Propheten zusammenstellen können.

Dem Naeman gab der Prophet mit seinem Benehmen zugleich zu verstehen: Du bist nur ein Heide, ich brauche dich nicht anzusehen; und du sollst wissen, daß ein Israelite, der den wahrhaftigen Gott anbetet, ganz etwas Anderes ist, als so ein Heide, der wer weiß wie viele und wie abgeschmackte Götzen anbetet. Auf diese Weise ist dem Naeman auch ein demütigender Eindruck gegeben worden, ungefähr wie der Kanaaniterin, zu welcher der Herr sagte: „Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brod nehme und werfe es vor die Hunde“ (Matth. 15,26.), da es sich auch darum handelte, es der Heidin ins Bewußtsein zu bringen, sie sei's als abgöttische Heidin nicht wert, aber doch, weil sie komme, solle es werden.

Naeman war auf diese Weise gedemütigt. Natürlich so ein stolzer Herr hat geglaubt, wenn er komme, was werde da der Prophet nicht alles vornehmen? Doch er wurde sehr enttäuscht, als Elisa, ohne ihn anzusehen, ihn gleich wieder fortschickte. Er hat sich aber demütigen lassen, und hat getan, was der Prophet sagte, und wurde gesund. Da ist denn sein ganzes Herz umgewandelt worden; und so kam er gleichsam als ein getaufter, als ein echter Israeliter zum Propheten zurück. Jetzt haben sie miteinander gesprochen. Dem Naeman war's nun gewiß, daß nur in Israel der große Gott sei, und sonst in keinem Land ein Gott zu finden sei, wie der.

Mel. O Durchbrecher. Dir sei Dank, daß ich Dich kenne, Und ich bin von Dir erkannt, Daß ich Dich den Vater nenne, Mich das Werk von Deiner Hand. Gib mir, mich vor Dir zu beugen, Als Dein ganzes Eigentum, Und mit tiefstem Lob zu zeugen, Dir gebühre Furcht und Ruhm.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
Zitate von Wilhelm Busch anzeigen

Als der Naeman zum erstenmal vor dem Hause des Propheten Elisa hielt, da sagte er ärgerlich: „Ich meinte, er sollte zu mir herauskommen." Nun steht Naeman zum zweitenmal vor diesem Haus. Und da heißt es: „Er ging hinein."

Der unvergeßliche Paul Humburg hat über diesen Text einmal eine Andacht geschrieben mit dem Titel: „Abgestiegene Leute." Da schreibt er: „Darüber gab es jetzt keine Diskussion mehr, wer herauskommen oder hineingehen müsse. Er ging einfach hinein und trat vor den Mann Gottes. Wie hatte sich diese Frage so leicht erledigt? Zwischen dem „ich meinte, er sollte" und dem „er ging hinein" lag die bewegteste Stunde seines Lebens: „Da stieg er ab"; die Stunde, da er sich beugte unter das Wort Gottes, da er von seinem stolzen Roß und hohen Wagen abgestiegen war und sich wusch im Jordan „wie der Mann Gottes gesagt hatte"; die Stunde, da er die wunderbare, heilende und neuschaffende Gnade des Gottes Israels an seinem Leibe erfahren hatte. Was die äußerste Not vorher nicht fertig gebracht hatte, das wirkte die Gnade."

Da nun schon der gesegnete Paul Humburg zu uns redete, wollen wir noch ein anderes Wort aus dieser Andacht hören: „Wieviel Not macht uns im Leben die Stimme in unserm Innern, die im Blick auf andre sagt: „Ich meinte, er sollte ". Es wird anders nur dadurch, daß wir „abgestiegene Leute" werden, daß wir uns beugen unter dem Aussatz unserer Schuld, daß wir absteigen auch von den letzten hohen Rossen unseres Stolzes, — nur dadurch, daß wir immer wieder einmal unsre zerrissenen Schuldbriefe studieren und lesen, was alles uns Gott hat vergeben müssen." Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
Zitate von Wilhelm Busch anzeigen

Es ist seltsam: Wenn sonst in der Bibel von Propheten berichtet wird, hören wir immer, daß der Prophet redet und eine Gottesbotschaft ausrichtet. In dieser Geschichte aber ist es ganz anders. Der Prophet Elisa sagt kaum ein Wort, auch nicht bei dieser ersten und letzten Begegnung zwischen Elisa und dem Feldhauptmann. Um so mehr redet der Naeman. Nun glaube ich nicht, daß er sehr geschwätzig war. Das dürfen wir nach allem, was wir von ihm gehört haben, nicht annehmen. Aber jetzt war sein Herz so voll, und der Mund ging ihm über.

Was sagt er? „Siehe, ich weiß . . . " Wie anders als die Worte, die wir kurz vorher von ihm hörten: „ Ich meinte . . . " , klingt jetzt das: „Ich weiß!" „Ich meinte..." Das ist die Rede der Leute, die sich etwas über Gott ausgedacht haben. Das ist die Rede der Leute, die „Religion haben", aber den geoffenbarten Gott noch nicht kennen. „Ich meinte..." So hat Naeman auch einmal geredet. Aber nun sagt er: „Ich weiß, daß kein andrer Gott ist in allen Landen." Nun fährt er nicht mehr „mit der Stange im Nebel herum" mit seinen Meinungen. Nein! Jetzt hat er Grund unter den Füßen. Jetzt kann er sagen: „Ich weiß, woran ich glaube / ich weiß, was fest besteht..."

Das ist köstlich, wenn ein Mensch aus seinen Meinungen über Gott zu einer festen Gewißheit kommt. Und wie kam nun diese Veränderung bei Naeman zustande? Hat ihn ein kluger Mann überzeugt? O nein! Er erlebt das, was Hiller in einem Liede sagt: „Mir ist Erbarmung widerfahren / Erbarmung, deren ich nicht wert..." Das ist es: Erfahrene Gnade gibt Gewißheit. Amen.