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Predigten zu 2. Mose 15,1

"Damals sangen Mose und die Kinder Israel dieses Lied dem Jehova und sprachen also: Singen will ich Jehova, denn hoch erhaben ist er ; das Roß und seinen Reiter hat er ins Meer gestürzt."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Ich will dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan."

Welch eine erhebende Stunde, als Israel die gewaltige Heeresmacht Pharaos im Roten Meer untergehen sah. "Sie sanken unter wie Blei im mächtigen Wasser" (V. 10)! - Lasst uns auf die Wirkungen achten, welche durch diesen Anblick in Israel entstanden. 2. Mose 14, 30 heißt es: "Das Volk fürchtete den Herrn." Bei dem Anblick der so jäh vernichteten Macht Pharaos sagte sich das Volk: Das hat Gott getan! Niemand hätte den Gedanken haben können, es wäre Zufall gewesen, dass gerade zu dieser Stunde die Wasser des Roten Meeres mit Macht zurückgestromt kamen. Nein! Alle erkannten das Gericht Gottes über Pharao. Sie merkten, wie schrecklich es ist, den lebendigen Gott zum Gegner zu haben und in seine Hände zu fallen. - Ach, dass die Gerichte der vergangenen Jahre auch unser Volk lehrten, zurückzukehren zur Furcht Gottes! - Eine zweite Wirkung ist angedeutet in dem Worte (2. Mose 14, 31): "Und sie glaubten dem Herrn und seinem Knecht Mose." Das hatte Israel nicht immer getan. Mit wieviel Misstrauen war das Volk Mose begegnet, als er ihnen im Namen Gottes die Rettung aus der Hand Pharaos verhiess! Angesichts aber der Vernichtung Pharaos und seiner Macht mussten Unglaube und Zweifel aufhören. Und Israel sang mit Mirjam: "Herr, deine rechte Hand tut große Wunder! Mit deiner großen Herrlichkeit hast du deine Widersacher gestürzt. Herr, wer ist dir gleich?!" - Die dritte Wirkung zeigt sich in dem Umstand, dass ein völliger Umschwung in der Stimmung des Volkes eingetreten war. Bis dahin hatte man fast nur Weinen, Klagen, Seufzen, Murren und Hadern gehört. Mit einem Schlag war das alles verstummt. Loblied um Loblied stieg auf, nicht nur aus dem Munde, nein aus der Tiefe des Herzens aller Leute. - Dass doch die großen Taten Gottes, von denen wir leben, die gleiche Wirkung auf uns hätten!


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Dass Pharao samt seinen Kriegern und Rossen im Meer ertrank, das wurde für Mose und für die lange Reihe der folgenden Geschlechter zum Wahrzeichen Gottes. Für Mose legte nicht die Natur einen Schleier auf Gottes Antlitz und von den Göttern der Völker war er gänzlich los. Für das Götterbild, auch wenn es golden war, hatte er keine Verehrung; ein solcher Gott hat über sein Bild hinaus keine Wirklichkeit. Aber der Mensch mit seiner Herrschermacht, mit seinen Tod wirkenden Waffen, mit seinem Anspruch, über Leben und Tod zu verfügen, stellte sich vor Mose und Israel an Gottes Stelle. Darum war es ein heiliger Tag, der lauten Jubel schuf, als er samt seinen Waffen im Meer verschwand. Auch dies ist am Sternenhimmel der Schrift ein hell leuchtendes Gestirn. Denn der Mensch wird für den Menschen das gefährlichste Hindernis, das ihm den Zugang zu Gott versperrt. Wenn sich der Mensch zum Pharao macht, der auf die anderen ohne Erbarmen den harten Frondienst legt, dann wird es schwer, diesen sichtbaren Herrn und seine harte Faust zu vergessen und sich dem himmlischen Herrn zu ergeben. Wenn ein eigensüchtiger Bösewicht die Vaterpflicht mit Füßen tritt, dann ist der Vatername so entweiht, dass er für manchen für immer einen hässlichen Klang behält, auch dann, wenn er den himmlischen Vater anrufen soll. Mein Beruf, den ich als Mensch empfangen habe, ist der, Gottes Zeuge zu sein. Wenn ich ihn in sein Gegenteil verkehre und aus mir all das mache, was an einem Geschöpf Gottes nicht sichtbar sein soll, dann ist es gerecht und vollständig begründet, dass diese angemaßte Größe in einem Sturz ende, und dieser Sturz schafft dann ein Loblied, das durch alle Zeiten klingt, nicht weil hier ein Mensch versank, sondern weil Gott ihn ins Meer warf und an dem, der ihn verdrängen wollte, seine Gottheit sichtbar macht.

Es ist kein Trotz so stark, dass Du ihn nicht zerbrichst, und kein Unglaube so fest, dass er Dich nicht fürchten lernt. Jedes Knie wird sich vor dir beugen. Deiner Christenheit hast Du es gegeben, dass sie Dich nicht erst in den Schrecken Deines Gerichts anbete, sondern in der Freiheit des Glaubens, der deine Gnade schaut. Amen.