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Predigten zu 2. Mose 20,18

"Und das ganze Volk gewahrte die Donner und die Flammen und den Posaunenschall und den rauchenden Berg. Und als das Volk es gewahrte, zitterten sie und standen von ferne;"

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Als nun das Volk solches sah, zitterte es und stand von ferne und sprach zu Mose: Rede du mit uns, wir wollen hören, Gott jedoch soll nicht mit uns reden. Wir möchten sonst sterben." 2.Mose 20,18 f

Als durch die Bestimmungen und durch die Heiligung des Volkes der dritte Tag für den Empfang des Gesetzes vorbereitet war, führte Mose das Volk aus dem Lager Gott entgegen. "Da waren Donner und Blitze und eine schwere Wolke auf dem Berge und ein überaus scharfer Posaunenton. Alles Volk, das im Lager war, erbebte." Ja, Gott kann und will in seinem Worte vernommen werden, auch wenn die ganze Welt zittert und bebt. Denn das Erzittern vor Ihm führt zum Leben, nicht aber zum Tode. Wie schwer jedoch der Mensch das zu seinem Heil je und je erfasste, das zeigt uns das fernere Verhalten der Gemeinde Israels unten am Berge. "Als nun das Volk solches sah, zitterte es und stand von ferne und sprach zu Mose: Rede du mit uns, wir wollen hören; aber Gott soll nicht mit uns reden, wir könnten sonst sterben."

Wie oft ist seit dem großen Sinaiereignis der Mensch dieser inneren Stimmung seiner Seele verfallen, dass er vorzog, lieb er die Stimme des Propheten als die Stimme Gottes zu hören. Ist doch diese Sprache der Furcht seitdem nicht nur unzählige Male von der israelitischen Gemeinde, sondern auch von der neutestamentlichen gesprochen worden. Man kam bis zum Propheten, aber nicht zu dem, der den Propheten gesandt hatte. Was Wunder, wenn später dann das Volk zwar unendlich viel von seinen Propheten, aber so unendlich wenig von Gott zu sagen wusste. Man trug hinfort weit mehr das Bild eines Propheten als das Bild Gottes in seiner Seele. Infolge solch einer falschen Einstellung denen gegenüber, durch die Gott seine Offenbarung dolmetschen ließ, hing der Mensch später vielfach weit mehr an den Lippen seiner Propheten, denn am Munde Gottes.

Aber in der Regel blieb der Mensch auch dabei noch nicht stehen. Eines Tages zog er es vor, lieber seine eigene Stimme, als die der Knechte Gottes zu hören. Als Mose auf dem Berge weilte und daselbst die Gesetzesoffenbarung für das ganze Leben und den innerlichen Aufbau der Gottesgemeinde empfing, sprach unten eines Tages das Volk zu Aaron: "Auf! Mache uns Götter, die vor uns hergehen sollen; denn dieser Mann Mose, der uns aus dem Lande Ägypten herausgeführt hat, von dem wissen wir nicht, was ihm geschehen ist." In diesem seinem törichten Wunsch des Herzens hörte das Volk nun sich selbst. Das Göttersymbol, das goldene Kalb, sollte dem Volke hinfort das Sprechen Gottes und das seines Knechtes ersetzen. Denn nachdem Aaron ein goldenes Kalb gegossen hatte, sprach das Volk: "Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten geführt haben!"


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Alles Volk sah den Donner und Blitz, und den Ton der Posaune und den Berg rauchen. Da sie aber solches sahen, flohen sie und traten von Ferne und sprachen zu Mose: rede du mit uns, wir wollen gehorchen.

Der Mensch, nach Gottes Ebenbild geschaffen, stand in kindlichem Umgang mit Gott vor seinem Fall. Durch die Sünde ist es anders geworden; die Sünde scheidet Gott und den Menschen; der Sünder hat ein böses Gewissen Gott gegenüber, er hat Angst vor dem heiligen Gott und flieht ihn. So lesen wir unmittelbar nach dem Sündenfall: Adam verbarg sich mit seinem Weibe vor dem Angesichte Gottes des Herrn, 1. Mose 3,8. Nach obigen Worten steht das Volk Israel am Berge Sinai; Gott will dort einen Bund mit ihm machen und offenbart sich unter Donner, Blitz, Posaunenhall und Rauchen des Berges. Da flieht das Volk und bittet Mose: lass Gott nicht mit uns reden, wir möchten sonst sterben. Gibt es eine traurigere Schilderung des gefallenen Menschen als die, welche in diesen Worten liegt: lass Gott nicht mit uns reden! Das Geschöpf flieht den Schöpfer, die Quelle seines Lebens, das Licht. Warum? Der sündige Mensch steht unter der Obrigkeit der Finsternis und entzieht sich Gottes Auge und Gottes Mund. So schildert die ganze heilige Schrift den unbekehrten Menschen. Unmittelbar vor dem großen Gerichtstag sprechen die Gottlosen zu den Bergen und Felsen: fallet auf uns und verberget uns vor dem Angesichte dessen, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Zorn des Lammes, Offb. 6,16. Ja, die Zeit kommt, in der jeder Mensch vor seinem Gott stehen und seine Stimme hören muss, ob er will oder nicht. Wohl dem, der jetzt die Stimme Gottes hört. Unser Gott kennt unsere finsteren, misstrauischen Herzen, die voll Furcht sind. Darum hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, damit wir wieder Mut bekommen uns ihm zu nahen. Welch ein Unterschied, zwischen jenem Donner und Blitzen am Sinai und dem Rufe Jesu: kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Derselbe heilige Gott, der die Sünde hasst und uns auf dem Sinai sein Gesetz gegeben, offenbart sich im Sohne auf Golgatha als den, der Sünden vergibt, zu dem der Sünder nahen darf, auch der Sünder am Galgen. Wohl dem, der im Geiste am Sinai gestanden hat in Buße und Reue und dann unter Jesu Kreuze das Trostwort hören durfte: dir sind deine Sünden vergeben.

Ja, Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern, dass er lebe. Du hast Dich zu uns genaht·in Deinem lieben Sohne. In Deinem Namen Herr Jesu! nahen wir uns wieder dem Vater. Amen