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Predigten zu 4. Mose 13,31

"Aber die Männer, die mit ihm hinaufgezogen waren, sprachen: Wir vermögen nicht gegen das Volk hinaufzuziehen, denn es ist stärker als wir."

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Aber die Männer, die mit hinaufgezogen waren, sprachen: Wir können nicht hinaufziehen gegen das Volk, denn sie sind uns zu stark! So brachten sie das Land, das sie erkundet hatten, in Verruf bei den Kindern Israels!" 4.Mose 13,31 f

So unverantwortlich es gewesen wäre, wenn die Kundschafter ihr müdes Volk über die wirkliche Lage getäuscht hätten, so unverantwortlich war es aber auch, dass sie in dieser für ihr Volk so kritischen Stunde durch eine völlige Übertreibung der Schwierigkeiten jedes Vertrauen an die Erfüllung der göttlichen Zusagen raubten. Mose in seiner Sendung und Israel in seinem Auszug waren nicht Illusionen gefolgt. Hinter jedem Schritt, den sie bisher getan hatten, stand eine sehr klare Tat Gottes. Ohne das jeweilige entscheidende Eingreifen Gottes wäre Mose nie Prophet geworden und nie Prophet geblieben. Auch hätte Israel nie seine nationale Auferstehung erlebt und nie die Südgrenze Kanaans bei Kadesch-Barnea erreicht. Und wenn das Volk bisher die Hoffnung in seiner Seele gepflegt hatte, dass es das verheißene Land als Erbe aus der Hand Gottes empfangen werde, so gründete sich diese Erwartung wiederum nicht auf eine überspannte Illusion, sie war durch Gottes bestimmte Zusage geweckt und lebendig erhalten worden.

So verwandt also nach außen Glaube und Illusion erscheinen mögen, so sind sie in ihrem Wesen doch völlig verschieden voneinander. Denn wahres Gottvertrauen floss immer aus einer vorangegangenen erlebten Selbstoffenbarung Gottes. Wo diese fehlte, da fehlte dem Vertrauen der reale Boden, die göttliche Garantie, das klare Ziel, die allein ein Schauen verbürgen. Denn Vertrauen ist nicht etwa eine geheimnisvolle, magische Kraft, die über Göttliches, Zukünftiges, Ersehntes verfügen und es zu Wirklichkeiten werden lassen könnte. Wirklichkeit, sowohl im persönlichen Leben als auch in der Geschichte, kann nur das werden, was auf den Linien des Göttlich-Möglichen und des Gott-Gewollten liegt. Gottvertrauen ist daher ein freiwilliges Einswerden mit Gott, ein Sich-einstellen auf Gottes vorangegangene Selbstoffenbarung. Das war noch immer die verborgene Quelle des Glaubens, aus der er seine Kraft und sein Leben, seine Richtung und seine Ziele schöpfte, der Boden, den keine Stürme und Kämpfe erschüttern konnten.

Dieser Glaube lebte in Josua und Kaleb. Daher führten sie vor dem Lager Israels eine völlig andere Sprache. Ihnen blieb die Einnahme des so stark befestigten Landes eine Angelegenheit zwischen Gott und den Bewohnern des Landes, zwischen Gottes Verheißung und der Tat Gottes zu deren Erfüllung. Sie lenkten daher die Erwartungen des Volkes ab von dem befestigten Lande und richteten sie auf das Können Gottes.