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Predigten zu 4. Mose 22,34

"Und Bileam sprach zu dem Engel der HERRs: Ich habe gesündigt, denn ich wußte nicht, dass du mir auf dem Wege entgegenstandest; und nun, wenn es übel ist in deinen Augen, so will ich umkehren."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Der Doppelherzige.

"Da sprach Bileam zu dem Engel des Herrn: Ich habe gesündigt." 4 Mose 22, 34

Hier haben wir eine ganz besondere Art von Buße, nämlich die Buße eines doppelherzigen Menschen. Bileam sagt: "ich habe gesündigt," und er fühlt es, dass er gesündigt hat, er fühlt es tief, aber er ist so weltlich gesinnt, dass er "den Lohn der Ungerechtigkeit" eben zu lieb hat. Er sagt: "ich habe gesündigt," und doch fuhr er hernach fort in seiner Sünde. Er war ein Teufel und ein Heiliger, geneigt zum Bösen und zum Guten. Er konnte bisweilen reden mit der größten Beredsamkeit und Wahrheit, während er zu anderen Zeiten die gemeinste Habsucht, welche die menschliche Natur verunstalten kann, an den Tag legte. Stellt euch einmal den Bileam vor, wie er dort auf dem Berge steht, an dessen Fuß die Menge von Israeliten lagert; er soll fluchen, und ruft: "Wie soll ich verfluchen, den Gott nicht verflucht hat?" Da ihm Gott die Augen öffnet, so fängt er an, sogar von der Zukunft Christi zu reden, indem er spricht: "Ich sehe Ihn, aber nicht jetzt; ich schaue Ihn, aber nicht von Nahem!" Zuletzt ruft er aus: "Lass mich sterben den Tod des Gerechten, und lass mein Ende sein, wie sein Ende!"

Ihr werdet sagen, von diesem Mann kann man aber eine gute Hoffnung haben. So wartet, bis er von der Höhe des Berges herabkommt, und ihr werdet hören, welch teuflischen Rat er dem König von Moab gab. Er sprach zu dem König: "Ihr könnt dieses Volk in der offenen Feldschlacht nicht überwinden, denn Gott ist mit ihnen; darum sucht sie von ihrem Gott wegzuführen." Die Moabiter folgten diesem Rat und verführten viele Israeliten durch fleischliche Lüste. Bileam schien also das eine Mal die Stimme eines Engels, das andere Mal das Herz eines wahren Teufels zu haben. Ein Mensch kann aber nur eine Hauptsache in seinem Herzen haben, er kann nur für einen Hauptzweck leben, doch Bileam suchte zwei Zwecken zu dienen. Er war wie jene Leute, welche Gott fürchteten und zugleich auch anderen Göttern dienten. Er war wie der alte König Rufus, welcher auf die eine Seite seines Schildes Gott malte und auf die andere Seite den Teufel, mit dem Wahlspruch: "Bereit für beide; es nehme, wer kann." So gibt es viele Menschen. Vor dem Prediger, dem sie begegnen, sind sie sehr fromm und heilig; am Sonntag sind sie sehr ehrenwert und aufrichtig, sie reden sehr langsam, was sie für sehr religiös halten; doch an Werktagen sind sie scheinheilige Betrüger. Seid versichert, liebe Zuhörer, kein Sündenbekenntnis kann echter Art sein, wenn es nicht von ganzem Herzen kommt. Es nützt nichts, zu sagen: "Ich habe gesündigt," wenn man doch im Sündigen fortfahren will. Dergleichen doppelherzige Menschen gibt es viele. Sie können mit ihrem Verstand alles überwinden und gleichsam Wunder verrichten; und doch ist eine ungeheure Sündenmasse in ihrer Seele.


Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Bileam sprach: Ich habe gesündigt; denn ich habe es nicht gewusst."

"Ich habe gesündigt" Das ist ein ernstes, aber ein gesegnetes Wort, wenn es aus der Tiefe eines bussfertigen Herzens zu Gott empordringt. Aber der Mann, aus dessen Mund wir heute dies Bekenntnis hören, hat es nicht in göttlicher Reue und Lauterkeit gesprochen. - Es gibt eine "rechtschaffene Buße"; sie führt zum Glauben und zur Vergebung. Es gibt aber auch eine bloss oberflächliche Erkenntnis der Sünde, die man durch Entschuldigung zu verbergen sucht. Man betrügt sich selbst und endet in Nacht und Tod.

So war es bei Bileam. Durch sein geheimes Verlangen nach dem Lohn der Ungerechtigkeit hatte er eine ihm günstig scheinende Erlaubnis ertrotzt, und war den Weg gegangen, den Gott ihm zuerst klar verboten hatte. Aber der Herr widerstand ihm, und in dem Schrecken, den das Eingreifen Gottes in seiner Seele weckte, erkannte er seine Verirrung und rief: "Ich habe gesündigt". Doch gleich folgte die Entschuldigung: "Ich habe es nicht gewusst." Armer Bileam! Du hättest es wissen können und wissen sollen.

O Seele, wenn Gottes Licht dir eine Sünde offenbart, so suche nicht durch Entschuldigung dich dem Urteil zu entziehen, sondern beuge dich in Buße vor deinem Gott!

Fliehe zu des Kreuzes Fuße, Wo dein Heiland für dich litt! Kniee hin in Reu' und Buße: Es ist nur ein Schritt.