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Predigten zu Apostelgeschichte 12,5

"Petrus nun wurde in dem Gefängnis verwahrt; aber von der Versammlung geschah ein anhaltendes Gebet für ihn zu Gott."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Anhaltendes Gebet

Vernachlässige die Bitten und Seufzer nicht, die dir Gottes Geist in dein Herz gibt; denn siehe, das, worum du bittest, ist des Anhaltens wohl wert. Zudem, wenn du betest, bist du wie einer, der um ein Almosen fleht, und darfst Gott nicht selber vorschreiben, wann und wie Gott die Erhörung gewähren soll. Wenn du die richtige Meinung von dir hättest, so würdest du sagen: "Es ist ein Wunder, dass Er nur auf meine Worte hört, so gar nicht verdiene ich's. Ach, mag denn wirklich der Unendliche Sein Ohr zu mir neigen? Darf ich hoffen, dass Er auf mein Flehen achtet? Dann will ich in meinem Bitten gerne fortfahren."

Und bedenke, dass dies deine einzige Hoffnung ist: denn außer Ihm ist kein anderer Heiland. Er oder keiner: Christi Blut oder der ewige Horn. Und zu wem wollest du gehen, wenn du dich von Ihm abwendest? Noch nie ist einer zugrunde gegangen, der um Gnade gefleht hat; darum halte an.

Weiter: Bessere Menschen als du haben auf Erhörung warten müssen. Könige und Patriarchen und Propheten haben gewartet; darum darfst du dich's nicht verdriessen lassen, eine kleine Weile in des Königs Vorhof zu harren. Es ist eine Ehre, wenn man wie Mardochai am Tor sitzen darf. Bete immer - harre immer!

"Ach!" spricht einer, "das habe ich ja lange getan." Ja, ja, es gibt ein recht verschiedenes Warten. Es ruft einer: "Ich habe gewartet;" aber er hat seine Arme ineinander geschlagen und hat sich schlafen gelegt. So kannst du warten, bis du verloren bist. Das Warten, das ich meine, ist das Ausharren bis ans Ende, das Warten des armen Leidenden, der auf den Arztes harrt, und in seinen Schmerzen sehnsüchtig ruft: "Kommt der Doktor bald?" Ich will für meinen Meister Bürge sein, wenn ich sage, dass kein solcher leer von dannen geht. Er bricht Seine Verheißungen nie und nimmermehr. Nimm Ihn nur beim Wort; ja, nimm Ihn beim Wort!


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Die Gemeinde betete ohne Aufhören für Petrus zu Gott.

Während Petrus im Gefängnis lag, standen zwei Mächte im Streit einander gegenüber. Auf der einen Seite der König Herodes, der Petrus in Fesseln gelegt und Tag und Nacht durch sechzehn Soldaten bewachen ließ. Auf der anderen Seite eine scheinbar völlig ohnmächtige Schar: Die Gemeinde der ersten Christen. Weder Schwerter noch Soldaten standen ihr zur Verfügung. Aber sie hatten eine Waffe, die schon viele herrliche Siege erfochten hat: das gemeinsame Gebet. Wir richten unser Augenmerk auf die Beterschar und den Gebetsgegenstand. Es war die ganze Gemeinde, die sich zum Gebet vereinigte. Der Heilige Geist selber verband sie zu gemeinsamem Flehen. Solch geistgewirktes, vereintes Flehen ist die gewaltigste Großmacht, die es auf Erden gibt. Sie hat schon mächtige Könige (2. Chronik 32, 20 f.) entthront und ganze Länder gerettet. Wenn erst der Antichrist sich alles untertan gemacht hat, wird das vereinte Flehen der Gemeinde Gottes ihn stürzen. Beter stürzen Umsturzmächte! - Wir achten auch auf die Gebetsdauer. Die Gemeinde betete "ohne Aufhören" für ihn zu Gott. Das ist nicht so zu verstehen, als hätten alle gläubigen Christen vom Tage der Gefangennahme des Petrus an alle Arbeit liegengelassen und mit gefalteten Händen gebetet: Rette den Apostel. Wohl aber stieg unablässig aus aller Herzen ein Seufzen um Rettung des Apostels zu Gott empor. Selbst als keine Erhörung zu kommen schien - in der Nacht vor der festgesetzten Hinrichtung - fuhren sie fort mit Beten. - Gott schenke uns die Gebetszähigkeit dieser verfolgten Christen! (Vgl. Lk. 18, 1 ff., Josua 7, 6, Röm. 12, 12, Kol. 4, 2, 1. Thes. 5, 17). Gebetsgegenstand war die Rettung des Petrus. Ermutigt wurde die Gemeinde zu diesem Flehen, weil der Herr Jesus selber den Petrus zum Leiter der Gemeinde bestimmt hatte (Mt. 16, 18). Bringen wir Anliegen vor Gott, die zum Bau seines Reiches dienen, dann sind wir erhört (1. Joh. 5, 14 f.).


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Betet "ohne Unterlass"!

Elias demütiges, gläubiges, anhaltendes Flehen haben wir in 1. Könige 18, 44 betrachtet. Wir wollen uns noch ein anderes Beispiel für anhaltendes Flehen zu Herzen nehmen:

"Die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott."

Da steht die Christengemeinde vor der Hinrichtung ihres Hirten Petrus. Jakobus war getötet (V. 2). Herodes will aus Menschengefälligkeit auch Petrus töten (V. 3). Die Christen haben keine äußeren Waffen gegen jenen Machthaber. Aber sie fallen ihm in sein Handwerk durch anhaltendes Gebet. Wie oft hat vereinigtes Gebet die schauerlichsten Gefahren abgewandt! Es muss ein bestimmter Drang von oben durch den Heiligen Geist in die Christen gekommen sein, so anhaltend für Petrus zu bitten. Es steht nicht da, dass sie um seine Befreiung beteten, sondern nur, dass sie ohne Unterlass für ihn beteten. Vielleicht dachten manche: "Wenn Gott nur dem Petrus volle Freudigkeit gibt und die zuschauende Menge segnet durch sein freudiges Sterben, dann wollen wir schon dankbar sein." Aber Gott tat mehr. Er führte Petrus durch Engelshand aus dem Gefängnis. Die Gebete der Christen waren eine noch stärkere Macht als die Königsgewalt des Herodes. Ja, anhaltendes Gebet ist die stärkste Großmacht auf Erden. Gott gebe uns allen ein reiches Maß davon!


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Ein Gemeindegebet

"Die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn"

1. Gebet für einen Verfolgten

Lasst uns den Gebetsgegenstand, der die ganze Gemeinde zu Jerusalem so wunderbar vereinigte, etwas näher ansehen! Sie flehten für den gefangenen Petrus, den Herodes hinrichten lassen wollte. Dies war ein Gebet für einen Mann, der um des Glaubens willen verfolgt und unterdrückt wurde. Für solche sollten wir immer besonders eintreten. Ach, es gibt so viele Gegenden, wo das wahre Christentum in besonders schlimmer Weise verfolgt wird. Lasst uns, die wir die Freiheit des Evangeliums geniessen, für solche Länder und Leute recht zum Herrn rufen!

2. Gebet für einen Verkündiger

Sodann war es ein Gebet für einen Prediger des Evangeliums. Für die Boten des Herrn lasst uns immer treulich beten (Eph. 6, 19)! Sie bedürfen es besonders, weil Satans Pfeile vor allem auf die Vorkämpfer gerichtet sind. Lasst uns für die Zeugen Jesu in der Heimat und in der Heidenwelt um Bewahrung von oben bitten, damit wir Anteil an ihren Siegen haben!

3. Gebet für einen Einiger

Schließlich lasst uns daran denken, dass Petrus durch seine göttliche Führung ein Mann der gesunden biblischen Allianz geworden war! Gott hatte ihn kurz vorher in auffallender Weise zu dem heidnischen Hauptmann Kornelius geführt und ihm die Erkenntnis geschenkt, dass auch die Heiden in das Reich Gottes aufgenommen werden sollten. Dadurch war Petrus von dem falschen, eng jüdischen Standpunkt befreit und zu einem besonders weitherzigen Reichschristen gemacht worden, der auf die vorhandenen Gegensätze zwischen Juden- und Heidenchristen versöhnend wirken konnte. Wie sehr tut es not, in unserer Zeit für solche Reichgottesarbeiter zu flehen, die verbindend für das ganze Volk Gottes wirken! Es gibt viele trennende, selbstsüchtige, einseitige Arbeit im Weinberg des Herrn. Da tut es not, um Erhaltung und Sendung solcher Arbeiter zu beten, die Gottes Volk von allen falschen Meinungen in den Reichtum der Schrift hineinführen und dadurch einigend wirken. In diesem Sinn lasst uns allezeit dem Gebet jener Christen in Jerusalem uns anschließen!


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Die Lage war verzweifelt und völlig hoffnungslos. Auf das ernsteste war die Gemeinde in Jerusalem bedroht. Jakobus war zum Märtyrer geworden, Petrus zum Tode verurteilt. Es war das alles wider jedes Recht geschehen. Aber nirgendwo war einer der Mächtigen aufgestanden für die Gemeinde. Sie war vogelfrei. So lag Petrus in schweren Ketten hinter eisernen Türen. Sechzehn auserlesene Kriegsknechte bewachten ihn bis zur Hinrichtung. Wie gesagt: Die Lage war hoffnungslos. Doch nun steht hier ein „Aber" im Text. Und dies „Aber" berichtet uns von dem Glauben der ersten Gemeinde. Zwar war die Lage hoffnungslos. Jawohl, für die Vernunft! Aber: „Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn Herrn, der vom Tode errettet" (Psalm 68, 21). Die Gemeinde warf alle Bedenklichkeit über Bord und warf sich selbst ihrem Gott in die Arme.

Mit diesem „Aber" stellt sich die Gemeinde in herrlichem Glaubenstrotz gegen die ganze Welt. Was kümmert es sie, dass diese „Welt" die Sache der Gemeinde verloren gibt. Sie denkt nicht daran, die Waffen zu strecken und sich zu ergeben. „Alle Heiden umgeben mich", so lasen sie in ihrer Bibel im Psalm 118, „aber im Namen des Herrn will ich sie zerhauen." Zinzendorf singt:

„Gelobet sei die Tapferkeit Der Streiter unseres Fürsten! Verlacht sei die Verwegenheit, Nach ihrem Blut zu dürsten…"

Dieses „Aber" des Glaubens ist eine Frucht ganzer Hingabe an den Herrn. Wo man Ihm ganz gehört, da lehrt der Heilige Geist das Wort Jesu: „Niemand soll sie mir aus meiner Hand reißen." Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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„Ohne Aufhören" betete die Gemeinde. Man musste sehr viel Geduld mitbringen und immer mehr Geduld lernen. Man musste abwarten lernen, wann es dem Herrn wohlgefiel, einzugreifen. Denn unser Herr hat Seine Stunde. Und es hieß auch hier wie bei der Hochzeit zu Kana: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen."

In solcher Lage kann die Gemeinde eben nur „ohne Aufhören" im Gebet bleiben. Da muss man es üben, alles stürmische eigene Wünschen, alle zappelnde Ungeduld, alles Zerren der Nerven in den Tod zu geben und zu lernen: „Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen." Wer kann denn so beten?

Nur die „Gemeinde"! Es wird ja hier und da in der Welt auch gebetet. Aber das ist, als wenn bei einem Zugunfall einer an der Notbremse reißt. Da tritt der Mensch herrisch vor Gott und verlangt die Erfüllung seines Willens. Hier aber betet die „Gemeinde", Menschen, die durch Jesus begnadigt sind, die durch Jesus versöhnt sind; Menschen, die Frieden mit Gott haben; Menschen, die im Namen „Jesus" vor den Vater treten; Menschen, denen der Geist Zeugnis gibt, dass sie Kinder Gottes sind.

Solche Menschen können geduldig und „ohne Aufhören" beten; denn sie kennen den Vater, und ihr Rufen aus tiefster Not hat schon immer den Jubel in sich: „Vater, ich danke dir, dass du mich hörst." Amen.