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Predigten zu Epheser 4,22

"daß ihr, was den früheren Lebenswandel betrifft, abgelegt habt den alten Menschen, der nach den betrügerischen Lüsten verdorben wird,"

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Legt von euch ab den alten Menschen."

Worin dieser neue Mensch nach Gott geschaffen ist, oder worin Gottes Bild eigentlich besteht, scheint nicht so leicht gesagt zu sein. Aber gepriesen sei Gott! Er hat uns einen Menschen gegeben, der vollkommen das Bild Gottes hatte, so dass wir auf Ihn blicken und Ihm nachfolgen sollen, "den Menschen Jesus Christus", "der der Glanz Seiner Herrlichkeit und das Ebenbild Seines Wesens ist." Wollen wir Gottes Ebenbild schauen und sehen, wie wir sein und werden sollen, dann brauchen wir nur Jesus anzusehen, nicht so, wie Er Gottes Sohn und Gottes Lamm, unser Versöhner ist, sondern so, wie Er als Mensch war. So hat Gott uns in unserem Herrn Jesus Christus nicht nur das vollkommenste und schönste Vorbild zu betrachten und ihm nachzufolgen gegeben, sondern auch das uns liebste Vorbild, indem Er auch unsere Seligkeitshoffnung, unser Heiland und Fürsprecher bei dem Vater ist.

Der alte Mensch dagegen, der abgelegt, gekreuzigt und getötet werden soll, besteht in dem ganzen Verderben, das Adams Fall mit sich brachte. Da ist z. B. der fleischliche Sinn, der Feindschaft gegen Gott ist, die tiefe Eigenliebe, der Eigenwille und Eigensinn, durch den man in allen Dingen sich selbst sucht, sich selbst meint, für sich selbst besorgt ist; der unendliche Hochmut, der etwas sein will; die Hoffart, die gesehen und gehört werden will; der tiefe Unglaube mit allen seinen Auswüchsen wie Verachtung des Wortes Gottes, Sicherheit im Wohlergehen und Verzweiflung in den Widerwärtigkeiten, irdische Sorge, Härte und Gleichgültigkeit gegen Gott und den Nächsten, Unlust zum Wort und zum Gebet, böse Gedanken, unreine Lüste und Begierden usw. Ferner allerlei Ausbruchsünden wie verfängliche Rede, fahrlässiger Wandel, Heuchelei, Lüge, Unredlichkeit, Leichtfertigkeit, Unzucht, Geiz, Unbarmherzigkeit, Zorn, Hass und andere Sünden und Laster, die kaum gezählt werden können. So ist das scheussliche Bild, das abgelegt, gekreuzigt und getötet werden soll. Wir würden nicht so sicher, so frei, so frech und mit uns zufrieden sein, wenn wir uns recht damit beschäftigten.

Wir haben hier die Sache vor Augen; jetzt müssen wir sie nur noch in der Übung haben. Hierüber ist der Wille und Ratschluss Gottes, ja, die zärtliche Stimme des Wortes und des Geistes an die Gläubigen folgenden Inhalts: Weil du von deinen Sünden freigesprochen bist, so dass du dem entgehst, an die schwerste Besorgnis zu denken, nämlich dich selbst von deinen Sünden zu befreien, so nimm denn mit Freuden und mit Dankbarkeit diese leichtere Fürsorge zu Herzen, nämlich Jesu Fußstapfen zu folgen, nach dem Bild dessen erneuert zu werden, der dich geliebt, erkauft und befreit hat, Ihm ähnlich zu sein und dein ganzes Leben lang das zu hassen, was Er hasst, und das zu lieben, was Er liebt. Weil du nun von deinen Sündenschulden frei bist und so der Sorge für sie entgehst, weil du ein Kind Gottes und Christi Bruder oder Schwester bist, so sei denn wie Er war und wandelte. Er war innig mit Seinem Vater vereinigt; Er war voller Liebe zu Gott und den Menschen; Sein Leben und Seine Speise war, den Willen Seines Vaters zu tun usw. Sei auch du innig mit deinem himmlischen Vater vereinigt, gehe fleißig und vertraulich mit Ihm um, lass es auch deine Speise und dein Leben sein, Seinen Willen zu tun, deinem Nächsten zu dienen, dein Fleisch zu töten usw. Weil du der Tempel des Heiligen Geistes bist, so dass derselbe Geist in dir wie in deinem Heiland wohnt, so vertreibe Ihn nicht, betrübe Ihn nicht durch Ungehorsam gegen Seine Warnungen, durch verfängliche Worte oder andere Sünden. Verdirb und verunreinige den Tempel Gottes nicht durch die Lüste oder Werke des Fleisches, sondern leide lieber alles, bevor du deinem Gott zuwiderhandeln würdest. Christus bekannte die Wahrheit, auch als es Ihn das Leben kostete. Bekenne auch du Ihn, selbst wenn es dich die Achtung der Menschen, deinen Ruf, ja, dein Leben und Gut kostet. Christus war um des Wohlgefallens Seines Vaters willen in jeder Lage zufrieden; sei auch du in deiner Lage zufrieden und lass deine Unannehmlichkeiten sich in das Wohlgefallen Gottes verlieren! Christus hat nie leichtsinnig gescherzt, sondern Er freute sich mit Gottesfurcht; dich, der du Gottes Kind und Sein Bruder bist, ziert dieselbe Weise am besten.

"Wer ist", so dürftest du fragen, "dazu fähig? Wenn ich nur dies alles könnte!" Antwort: Dass du es selbst tun solltest, war nie gemeint, ebensowenig, dass du sogleich vollkommen werden würdest; sondern fange an, dich danach auszustrecken und unter diesem Streben gründlich zu lernen, dass du es nicht kannst und dann genötigt wirst, nach dem Herrn zu seufzen und zu rufen, der selbst - und in dieser Weise - das Werk der Heiligung ausführt. Es ist nicht des Menschen, sondern des Herrn Werk, aber es wird durch die Kraft des ermahnenden, warnenden und tröstenden Wortes ausgeführt. "Wir sind nicht einmal tüchtig, etwas zu denken, als von uns selbst."Gott ist es, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen". Was nun nicht mit dem Worte sowie durch innere Mahnungen und Beweggründe ausgerichtet werden kann, das tut der Herr mit der Rute, mit dem Ofen der Trübsal,"wo es sein soll"- denn die Rute der Züchtigung lehrt uns aufs Wort achten. Und die Gläubigen sprechen von Herzen:"Es ist mir alles gleich; brauche Gott, welche Weise Du willst, wenn Du nur mein Herz gewinnst". Denn"Eins ist not", und"ohne Heiligung wird niemand den Herrn schauen". Halte aber doch in erster Linie diesen Punkt rein:"Mit Seinem Opfer hat Er in Ewigkeit vollendet, die geheiligt werden."

Herr Jesu, führe mich, solang ich leb' auf Erden; Lass mich nicht ohne Dich durch mich geführet werden! Führ ich mich ohne Dich, so werd' ich leicht verführt; Wenn Du mich aber führst, tu ich, was mir gebührt.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Wenn der alte Mensch nicht überwunden wird durch die Kraft Christi, wenn er nicht geschwächt und getötet und mit Christo gekreuzigt wird, so wächst er, er wird stärker und mächtiger, es gibt da keinen Stillstand, die Sünde wurzelt immer mehr ein, es gibt zuletzt eine wahre Fertigkeit im Sündigen, das Gewissen schweigt je mehr und mehr, und wird für das Wort Gottes immer unzugänglicher, für die Wahrheit immer abgestumpfter, so daß es endlich geht, wie der Apostel sagt; daß der alte Mensch sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Es geht von Irrtum zu Irrtum, von Ungerechtigkeit zu Ungerechtigkeit; man hält das Wort Gottes nach und nach für eine Fabel, das wahre Christentum für eine Schwärmerei; man schneidet und künstelt und modelt am Wort der Wahrheit, das geistliche Gehör geht verloren, man gerät und verderbt sich je mehr und mehr in die Lüge hinein; man gibt seinen Sünden nun gute Namen: Die Lüge nennt man Weltklugheit, den Zorn gerechten Amtseifer, das faule Geschwätz die Kunst zu unterhalten, den feinen oder groben Diebstahl die Kunst zu leben. Sehet da, die ganze Gestalt eines unbekehrten Menschen; so wandelt er auf der breiten Straße bis in die Ewigkeit hinein; so taumelt er fort, blind und töricht, bis es heißt: Jetzt, Mensch, stehst du am Ziele. Daher kommt es denn auch, daß viele so gelassen und stumpf auf dem Todbett liegen und so gleichgültig an die Ewigkeit denken;

warum zittern und beben sie nicht, da es doch dem Gericht Gottes zugeht? Ich habe Gutes getan, ist da die Antwort; ich weiß von keinen sonderlichen Sünden, die ich mir hätte zuschulden kommen lassen, womit ich die Hölle verdient hätte. Wer noch Ohren hat zu hören, der höre doch, ehe ihm die Posaune des Gerichts an jenem Tag in die Ohren gellt! Wer noch Augen hat zu sehen, der reibe sich doch den Schlaf von der Stirne, ehe die Blitze des Richters ihm in das Gesicht hineinleuchten. »Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.« Mein Heiland, f ördre selbst dein Werk, laß mich bekräftigt werden; es ist Gerechtigkeit und Stärk mein bestes Teil auf Erden. Du machst gerecht uns, dein Geschlecht, und willst zugleich uns stärken, daß wir in dir des Glaubens Zier, die Macht der Gnade merken.