10.798 biblische Andachten und Predigten von Spurgeon, MacArthur, MacDonald, Christlieb, Eichhorn, Hofacker, Zinzendorf, Luther ...

Predigten zu Hebräer 12,11

"Alle Züchtigung aber scheint für die Gegenwart nicht ein Gegenstand der Freude, sondern der Traurigkeit zu sein; hernach aber gibt sie die friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt sind."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
Zitate von Charles Haddon Spurgeon anzeigen

"Danach."

Wie selig sind schwergeprüfte Christen nach der Züchtigung. Keine Ruhe ist tiefer denn jene, die auf einen Sturm folgt. Wer hat sich nicht nach Regengüssen über den hellen Sonnenschein gefreut? Siegesmahle gebühren nur den wohlbewährten Kriegern. Wenn der Löwe erwürgt ist, essen wir von seinem Honig; wenn wir erst den Hügel der Schwierigkeit überwunden haben, setzen wir uns in der Laube zur Ruhe nieder; nachdem wir das Tal der Demütigung durchschritten und mit Apollyon gekämpft haben, erscheint der Strahlende mit dem heiligen Zweig vom Baum des Lebens. Unsre Trübsale lassen gleich dem Kiel der Schiffe, die das Meer durchziehen, eine glänzende Linie heiligen Lichtes hinter sich zurück. Erst der Kiel, "danach" das Licht. Es ist Friede, süsser, tiefer Friede im Gefolge der furchtbaren Brandung, die einst in unsern schuldbeladenen, gequälten Seelen herrschte. Darum siehe, in was für einem glücklichen Stande der Christ sich befindet! Er empfängt das Beste zuletzt, und darum wird ihm in dieser Welt das Schlimmste zuerst zuteil. Aber auch das Schlimmste ist "danach" für ihn etwas Gutes, und tief gepflügt gibt gute Ernte. Schon jetzt wird er reich durch seine Verluste, erhebt er sich durch seine Erniedrigung, lebt er durch sein Sterben, und wird erfüllt durch seine Entäußerung. Wenn ihm denn seine schweren Heimsuchungen so viele friedsame Frucht schon in diesem Leben gewähren, was wird erst die volle Ernte der Freude sein, die ihm zuteil wird im Himmel, in der Herrlichkeit "danach?" Wenn das Dunkel seiner Nächte schon so hell ist, wie die Tage dieser Welt, wie werden erst seine Tage sein? Und wenn der Sternenglanz seines Himmels glänzender strahlt als die Sonne, wie herrlich muss das Licht seiner Sonne sein? Wenn er in der grausamen Grube kann singen, wie süss tönt sein Gesang im Himmel! Wenn er den Herrn im Feuer loben kann, wie wird er Ihn erheben vor dem Thron der Ewigkeit! Wenn ihm schon jetzt das Böse zum Heil dient, was wird die überströmende Güte Gottes ihm "danach" sein? O seliges "Danach!" Wer möchte nicht ein Christ sein? Wer möchte nicht das gegenwärtige Kreuz tragen für die Krone "danach?" Aber hier ist Geduld vonnöten, denn die Ruhe kommt nicht heute, noch der Sieg jetzt, sondern "danach." Harre, o meine Seele, und lass die Geduld ihr Werk vollenden.


Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
Zitate von John F. MacArthur anzeigen

EIN WILLKOMMENER FREUND

Züchtigung als Freude zu betrachten, ist etwas, was jeder Christ lernen muss. Man muss sich jedoch dazu disziplinieren, denn von Natur aus empfinden wir Züchtigung nicht als eine erfreuliche Angelegenheit. Eine bewusste Entscheidung ist erforderlich, und man muss sich selbst in die Pflicht nehmen, jeder Versuchung mit einer freudigen Haltung zu begegnen. Paulus war ein Gefangener in Rom, als er den Philippern schrieb: „Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch … denn ich habe gelernt, mich darin zu begnügen, worin ich bin“ (Phil 4,4.11). Er hatte es gelernt, inmitten von schweren Prüfungen zufrieden zu sein und sich zu freuen. Das ist nichts, was einfach so durch Zufall passiert.

Wenn du Versuchungen oder Prüfungen auf dich zukommen siehst, dann strebe danach, eine frohe Haltung einzunehmen, indem du dir klarmachst, dass der Herr diese Situationen benutzt, um dich vollkommener zu machen. Wir müssen eine starke innere Überzeugung besitzen, so dass wir Versuchungen mit einer freudigen Einstellung entgegentreten. Die Freude, von der wir hier reden, ist die Freude, die ein Christ empfindet, der es als ein Vorrecht betrachtet, wenn sein Glaube geprüft wird. Er freut sich, weil er weiß, dass er dadurch seinem Herrn und Retter näher kommt. So werden schwere Prüfungen zu einem willkommenen Freund.


Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
Zitate von Christoph Blumhardt anzeigen

Wenn man sehr in die Enge geführt wird und darunter viel leidet, ist es eben in der Regel eine Züchtigung dafür, daß man nicht genug aufgemerkt hat, nicht einzig genug auf den HErrn geblickt, Seine Sache nicht genug im Auge gehabt, mehr sich selbst als Ihm gedient hat - ja wohl gar schwere Versündigungen sich hat zuschulden kommen lassen. Dabei verfängt man sich denn und kommt vor eine Wand, durch die man nicht hindurch zu kommen weiß; und so gibt's Pein, Kummer, Trübsal, Schmerz aller Art. Züchtigung ist's für die Untreue, die man sich erlaubt hat. Und schon bei dem Gefühl, daß es nicht mehr gehe, gibt's eine Traurigkeit über die andere, oder es kommt auch Gott mit einem Rutenschlag auf den andern. Dann ist's dem Menschen nicht mehr wohl und ist's ihm keine Freude. Indessen kommt's jetzt nur darauf an, wie man sich zu solchen Züchtigungen stellt. Vorerst nehme man sie eben als Züchtigung, wie ein Vater seinen Sohn züchtigt, und sage nicht, jetzt höre das Kindsein auf, wie's so viele sagen. Die sind dann Stiefkindern gleich, welche bei jeder Züchtigung, die sie um ihrer Unarten willen bekommen, häufig klagen und sagen, man sehe es wohl, daß sie nicht die rechten Eltern, sondern nur Stiefeltern hätten! Sie haben eben selbst kein rechtes Kindesgefühl. Machen doch wir's nicht so und denken wir nicht, die Züchtigungen seien vonseiten Gottes als ein Fortjagen gemeint! Werden wir vielmehr eben jetzt erst rechte Kinder und sagen wir: »Ich danke Dir, daß Du mich züchtigst!“

Wer denn alles Widrige, das vorkommt, als Züchtigung nimmt, behält auch das Zutrauen zu Gott und wird durch alle Züchtigungen hindurch immer besser, vernünftiger und tugendsamer. So kommt hernach eine Frucht zum Vorschein, die eine friedsame heißt, weil sie zum Frieden, zuletzt zum ewigen Frieden, dient.

Sie heißt auch eine Frucht der Gerechtigkeit, eben insofern als man immer lauterer und entsündigter wird vor Gott, immer gerechter und treuer, je mehr man sich die Züchtigungen gefallen läßt und durch sie geübt wird.

Die Übung aber geschieht, indem man einerseits vom lieben Gott recht viel gezüchtigt wird - warum willst du denn immer nur wenig geschlagen sein, wenn du selbst merkst, daß du ungeschlagen doch nicht aufmerken lernst? Die Übung geschieht andererseits, indem man an Glauben und Zutrauen zu Gott darunter zunimmt. Selbst dann, wenn man sich recht große Vorwürfe über Untreuen machen muß: Immer wieder dem HErrn vertrauen, sich Seiner Gnade und Güte immer wieder aufs neue versichern, immer wieder unter der Trübsal auch das ansehen und sich wichtig machen, daß der Heiland unsretwegen sich in den bittern Kreuzestod gegeben hat, damit uns aus allem Elend geholfen werde - das übt und macht fertig zu allem guten Werk in dieser Zeit und zu einem seligen Eingang in die ewigen Friedenshütten!

So wollen wir denn alle Trübsal als eine Züchtigung vom HErrn annehmen, als Kinder vom lieben Vater, und auch das Schwerste, das kommt, tragen - mit der Hoffnung, daß es eine Frucht bringe, die uns ewig erfreuen werde!


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
Zitate von Aiden Wilson Tozer anzeigen

Strengere Erziehung für Gottes willige Kinder

Wenn Gott dich als einen besonderen Gegenstand Seiner Gnade ausersehen hat, kannst du damit rechnen, dass er dich mit strengerer Erziehung und größeren Leiden ehrt als die weniger Bevorzugten zu ertragen berufen sind. Wenn Gott darauf aus ist, einen ungewöhnlichen Christen aus dir zu machen, wird Er höchstwahrscheinlich nicht so sanft mit dir verfahren, wie Er von gern gehörten Predigern dargestellt wird. Ein Bildhauer benutzt keine Manikürgeräte, um den rohen, ungestalten Marmorblock auf eine schöne Gestalt zu reduzieren. Steinsäge, Hammer und Meißel sind raue Werkzeuge, aber ohne sie bleibt der rohe Stein für immer formlos und unschön. Um Sein überragendes Werk der Gnade an dir zu vollbringen, wird Er dir alles nehmen, was deinem Herzen am liebsten ist. Alles, worauf du vertraust, wird Er entfernen. Aschehaufen werden dort sein, wo eigentlich deine kostbarsten Schätze lagerten. So wirst du lernen, was Glaube ist. Du wirst den steilen, aber dir einzig möglichen Weg entdecken, dass der Glaube in unserem Willen liegt und dass die unaussprechliche Freude, von der der Apostel spricht, nicht der Glaube an sich ist, sondern die langsam reifende Frucht des Glaubens. Du wirst auch lernen, dass gegenwärtige geistliche Freuden kommen und gehen mögen, wie sie wollen, ohne dass sie deinen geistlichen Status beeinflussen oder auf irgendeine Weise deine Stellung als wahres Kind deines himmlischen Vaters berühren. Dann wirst du ebenfalls, vielleicht zu deinem Erstaunen, lernen, dass es möglich ist, vor Gott und Menschen ein gutes Gewissen zu haben und doch nichts von »dem Frieden und der Freude« zu empfinden, von der du unreife Christen so viel reden hörst.