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Predigten zu Hebräer 12,2

"hinschauend auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher, der Schande nicht achtend, für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Aufsehen auf Jesum."

Fort und fort ist es das Werk des Heiligen Geistes, unsre Augen von uns ab und auf den Herrn Jesum hinzulenken. Aber Satans Werk läuft dem geradezu entgegen, denn er versucht beständig uns dahin zu bringen, dass wir auf uns selber sehen, statt auf Christum; er flüstert uns zu: "Deine Sünde ist grösser, denn dass sie dir vergeben werden möge; du hast keinen Glauben; du empfindest nicht genug Reue; du wirst nie und nimmer bis an das Ende beharren; du weißt nichts von der Freude seiner Kinder; ach, du hast einen so zweifelhaften Anspruch an deinen Heiland." Das alles sind Gedanken, die dein eignes Ich voranstellen, und wir können beim Blick auf uns ja weder Trost noch Zuversicht finden. Aber der Heilige Geist lenkt unsre Blicke ganz von unsrer eignen Person ab; Er sagt uns, dass wir nichts sind, sondern dass "alles und in allem Christus" ist. Darum erwäge: es ist nicht dein Ergreifen und Festhalten des Herrn Jesu, was dich errettet - der Herr Jesus selber ist's; es ist nicht deine Freude an Christo, was dich selig macht - Christus selber ist's; es ist nicht einmal der Glaube an den Sohn Gottes, obgleich der Glaube das Mittel ist - sondern es ist Christi Blut und Verdienst; darum siehe nicht so sehr auf deine Hand, die du nach Christo ausstreckst, als auf Christum selber; siehe nicht auf deine Hoffnung, sondern auf Jesum, die Quelle deiner Hoffnung; siehe nicht auf deinen Glauben, sondern auf Jesum, den Anfänger und Vollender deines Glaubens. Wir finden nie Glück und Seligkeit darin, dass wir auf unsre Gebete und unsre Gefühle, auf unsre Werke sehen; was Jesus ist, nicht was wir sind, gibt unsrer Seele Ruhe. Wenn wir Satan wollen überwinden, und Frieden haben mit Gott, so muss es geschehen dadurch, dass wir "aufsehen auf Jesum." Richte dein Auge einfältiglich auf Ihn; lass es ruhen auf seinem Tod, seinen Leiden, seinen Tugenden, seiner Herrlichkeit, seiner Fürbitte, und lass dein Gemüt dadurch erquickt werden; wenn du am Morgen aufwachst, so sieh' auf Ihn; wenn du dich des Abends wieder niederlegst, so sieh' auf zu Ihm. Ach, lass sich nicht deine Hoffnungen und Befürchtungen zwischen Ihn und dich eindrängen; bleibe in seiner unmittelbaren Nähe, so wird Er dir nimmer mangeln. "Erleuchte meine Seele ganz, Du starker Himmelsglanz!"


Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Im Aufblick auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete, die Schande nicht achtete ..."

Die Verspottung Christi begann im Palast des Herodes. Eine Sache, über die wir wenig sagen dürfen, über die wir aber häufig nachdenken sollten, ist die Tatsache, dass dem Heiland alle seine Kleider mitten unter den Soldaten ausgezogen wurden. Sein Körper wurde der Schmach und öffentlichen Verachtung der Menschen ausgesetzt - und zwar von rohen Menschen, die kein Zartgefühl kannten. Der die Lilien kleidete, hatte nicht, womit er sich kleiden konnte; der die Erde mit Juwelen zierte, hatte nicht einmal Lumpen, um seine Blösse vor der Menge zu bedecken, die ihn unbarmherzig anstarrte und verspottete. Er hatte für Adam und Eva Röcke aus Fellen gemacht. Er hatte ihnen die ärmlichen Feigenblätter genommen, mit denen sie ihre Blösse zu bedecken versuchten, und hatte ihnen statt dessen etwas gegeben, worin sie sich einhüllen und vor der Kälte schützen konnten. Aber er selbst hatte nichts, um seine Blösse vor dem erbarmungslosen Hohn und der Verachtung zu bedecken.

Und dann verspotteten sie auch seine göttliche Person. "Wenn du Gottes Sohn bist", riefen sie, "so steige vom Kreuz herab, und wir wollen an dich glauben!" Könnt ihr es euch vorstellen, dass Gott von seinem Geschöpf herausgefordert wird, von der Kreatur, die seine eigene Hand gemacht hat? Der Unendliche verachtet von den Endlichen; er, der alle Dinge durch das Wort seiner Macht erhält, er, durch den und für den alle Dinge sind, wird verlacht, verspottet von dem Geschöpf, das aus seiner Hand hervorgegangen ist!

O ihr Christen, wenn unser Herr dies alles erduldet hat, um uns zu erretten, wollen wir uns dann schämen, etwas um Christi willen zu dulden und zu leiden?


Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Im Aufblick auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete, die Schande nicht achtete ..."

Ich habe versucht, die Verspottung des Heilandes zu schildern, aber ich fühle, dass ich doch nicht die Tiefe der Schmach zu beschreiben vermochte. Ich möchte nun auf die Worte "das Kreuz erduldete, die Schande nicht achtete" eingehen.

Das Kreuz! Du hörst das Wort, aber du verbindest damit nichts Schreckliches. Die Kreuzigung war eine Todesstrafe, zu der nur Sklaven verurteilt werden konnten und dann auch nur, wenn sie ein fluchwürdiges Verbrechen, zum Beispiel einen Mord, begangen oder eine Verschwörung angezettelt hatten. Am Kreuz zu sterben, wurde als die schrecklichste und fürchterlichste Strafe betrachtet. Bei jedem anderen Tod gibt es irgendeinen Umstand, der den Schmerz, wenn auch nur in geringem Maße, begrenzt, sei es die Schnelligkeit der Hinrichtung oder der damit verbundene Hohn. Aber dies ist der Tod eines Schurken, eines gemeinen Verbrechers, eines Meuchelmörders - ein qualvoll verlängerter Tod, ein wahres Meisterstück teuflischer Grausamkeit, verbunden mit der höchsten Schande. Das hat der Herr Jesus erduldet! In unseren Tagen ist das Kreuz nichts Schimpfliches. Mancher König trägt es auf blitzender Krone, mancher Sieger führt es in flatternder Fahne. Einige beten es an. Die herrlichsten Gemälde sind der Darstellung dieses Gegenstandes gewidmet. Eingegraben auf Gold und Edelstein, ist das Kreuz zu einer wahrhaft königlichen Würde emporgestiegen. Ich glaube, es ist uns heute nicht möglich, die Schmach des Kreuzes in ihrem ganzen Umfang zu verstehen. Aber der Jude wusste darum, der Römer verstand es, und Christus selbst natürlich auch, welch eine furchtbare Schande es war, den Tod am Kreuz zu erleiden.

Der Herr Jesus musste sein Kreuz zunächst selbst tragen; er wurde auf der Schädelstätte Golgatha zu einer Zeit gekreuzigt, in welcher viel Volk in Jerusalem war. Es war Passah, und eine große Menschenmenge war herbeigeströmt, um das Schauspiel mit anzusehen. Alle diese Menschen konnten in die Verhöhnung mit einstimmen und seine Schmach vermehren.


Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Im Aufblick auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete, die Schande nicht achtete ..."

Ich möchte euren Blick auf die Schmach des Heilandes lenken. Vielleicht gibt es nichts, was der Mensch so sehr fürchtet wie Schande. Wir stellen oft fest, dass der Tod selbst für erträglicher gehalten wird als Schande. Nichts kann den menschlichen Geist so niederbeugen als fortwährende Verachtung. Schmach zu erleiden ist also etwas Schreckliches; aber für den Heiland musste die Schmach besonders schmachvoll sein. Je edler die Natur eines Menschen ist, desto schneller empfindet er die geringste Verachtung, und desto schmerzlicher fühlt er sie. Verarmte Prinzen und verachtete Monarchen sind die elendesten unter den Elenden. Aber hier stand unser glorreicher Erlöser, von dessen Antlitz der Adel der Gottheit selbst leuchtete, verachtet, verspottet und angespien! Ein unbedeutender Vogel wie die Krähe lässt sich ruhig in den dunklen Käfig sperren; aber der Adler kann es nicht ertragen, wenn man ihm die Augen verbindet; er ist zu edel dazu. Das Auge, das in die Sonne geblickt hat, kann die Finsternis nicht ohne Tränen ertragen. Aber für Christus, der mehr als edel war, müssen Hohn und Spott äußerst bitter gewesen sein. Dazu kommt noch, dass einige Gemüter so zart und leicht ansprechbar sind, dass sie alles viel stärker empfinden als andere. Unser Herr war immer auf das Wohl der Menschen bedacht; er liebte sie bis in den Tod. Von denen verspottet zu werden, für die er starb, angespuckt zu werden von denen, die er erretten wollte, das war in der Tat Schmerz zu nennen. Ein Mensch zu werden bedeutete viel für den Herrn Jesus, aber ein Mann der Schmerzen zu werden war noch mehr. Zu bluten, zu leiden und zu sterben - das war viel für den Sohn Gottes. Aber so zu leiden, wie er litt - einen Tod der Schmach zu erleiden und des Verlassenseins von Gott, das ist eine tiefere Tiefe in der erlösenden Liebe, die kein geschaffener Geist zu ergründen vermag.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"... lasset uns aufsehen auf Jesum ..."

Sagt da ein armer seelenblinder Mann: Jesus habe überhaupt nie gelebt - so kann der Mann einem leid tun. Was hat er von seinem Leben ohne Jesus? Woran hat er solches Schielen, solches Vorbeisehen gelernt? Kamen ihm denn keine wahren Jünger Jesu in den Weg, die ihm etwas von der Herrlichkeit, der verborgenen Schönheit offenbaren konnten? Wir können es ja gar nicht mehr lassen, seit unsere Seelen mit weitgeöffnetem Blick Jesum erspäht, als nach ihm zu blicken ohn' Unterlass. Die leiblichen Augen geschlossen, die Hände gefaltet, so sehen wir den König in seiner Schöne, so kann er sich uns offenbaren - auch ungesehen. Immer wieder sehen wir von uns weg, von unseren Wünschen und Träumen weg, nur auf ihn. Wie wir ihn erlebt haben, wie wir seine Liebe erfuhren, wie er sich ernst oder mild zu uns geneigt, als wir in Trauer und Tränen sassen, so erscheint er jedem in einer ganz besonderen Art, aber doch so, dass wir mit heimlichem Beben und süssem Schauer spüren: Es ist der Herr! Darum, lasst uns aufsehen - von der Erde weg, vom Niedrigen weg auf Jesum und auf ihn allein.

Meine Augen suchen deine Augen, Herr Jesus! Mein Herz sehnt sich nach deinem Herzen. Lege deine Worte in meinen Mund und deinen Wink in meinen Willen und dein Tun in meine Hand und deinen Weg vor meinen Fuß. Amen.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

Hebr. 12, 2: "... lasset uns aufsehen auf Jesum ..."

Zwei Arten von Blicken haben mir viel geschadet in meinem Heiligungsleben; dagegen geholfen hat nur die dritte Art. Der eine gefährliche Blick war der auf andere Christen. Entweder rief er den Richtgeist wach und den Hochmut, weil ich mir besser und frömmer vorkam als sie, oder den Neid und die Unzufriedenheit, wenn mir schien, sie hätten es leichter als ich. Der zweite Blick war der aufs eigene Herz. Bisweilen achtete ich so scharf auf jedes Abtun einer bestimmten Sache, als gäbe es außerdem nichts, oder ich studierte meinen Fortschritt in der Heiligung am Ernst meiner Gebete. Mutlos oder übermütig bin ich durch diese Art von Selbstbeobachtung oft geworden; - besser nie. Lasset uns aufsehen auf Jesum! Das ist der Lebensblick! Wie oft hat dieser Blick mich froh und frei gemacht. Ein einziger Blick in seine Augen beschämte meinen Trotz oder Kleinglauben, verscheuchte eine schillernde Versuchung oder schuf mir Geduld und Liebe, wie ich sie gerade brauchte. Seither messe ich meine eigenen Fortschritte nicht, sondern hänge an seinen Augen. Nur dann kann ich die leiseste Trübung durch eine Untreue sofort spüren; nur dann kann er mich mit seinen Augen leiten.

Und du, Herr Jesus, lass uns leuchten dein Antlitz. Sieh mich freundlich an, so bin ich erquickt. Ich bin ein verlorenes, armes Kind, wenn ich deine Augen nicht entdecken kann. Du bist meiner Augen Licht. Ach Herr, verlass mich nicht! Amen.


Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Aufsehend auf Jesum."

Drei Wörtlein nur; aber in ihnen liegt das Geheimnis eines seligen Lebens. Zum Glaubenslauf und Glaubenskampf mahnt uns das unmittelbar vorangehende Wort. Aber wie kann ich unentwegt laufen? Wie kann ich siegreich kämpfen? Antwort: Aufsehend auf Jesum.

Es ist der Blick des Glaubens. - Er, der als Gottes Lamm unsere Sünden vollkommen hinweggetragen hat, ist jetzt erhöht als unser König und Herr. Durch den Glaubensblick auf ihn wird seine Gerechtigkeit, sein Heil, sein Leben auch meines. Ein zu ihm gesandter Blick bringt viel tausend Heil zurück.

Es ist der Blick der Liebe. - Wie zieht die Liebe den Blick so unwiderstehlich an! Wie wird durch einen Blick das ganze Herz offenbar und die Liebe neu entzündet! O, nicht auf die vergängliche Lust der Welt, auf Jesum allein richte deinen Blick!

Es ist der Blick der Hoffnung. - Jesus wird herrlich wiederkommen; darauf freut sich die Gemeinde. Und der Blick auf ihn bringt schon jetzt Hoffnung und Mut in das zagende Herz. Es ist als fiele ein lichter Strahl in dunkler Nacht aus dem Vaterhause und versicherte: Ich bin dir nahe! Ich helfe hindurch! Blicke nur auf mich! Ich bringe dich heim.

Ich blick auf Dich, den Morgenstern, Und sieh, die Wolke fliehet! Ich folge Dir, so froh und gern, Weil Deine Lieb' mich ziehet!


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Gott weiß, wie viel Druck wir vertragen

Wer auf irgendeine Weise »die lange Nacht der Seele« kennengelernt hat, weiß, dass es eine Grenze für die Fähigkeit des Menschen gibt, ohne Freude zu leben! Selbst Christus konnte das Kreuz nur wegen der vor Ihm liegenden Freude erdulden. Der stärkste Stahl bricht, wenn er zu lange unter ununterbrochener Spannung gehalten wird. Glaube es: Gott weiß genau, wie viel Druck ein jeder von uns aushält! Er weiß, wie lange wir die Nacht ertragen können, darum schickt Er der Seele Erleichterung, zunächst durch die Grüße der Strahlen des Morgensterns – und dann durch das vollere Licht, das den Morgen ankündigt. Allmählich wirst du Gottes Liebe in deinen Leiden entdecken. Dein Herz wird anfangen, die ganze Angelegenheit im rechten Licht zu sehen. Du wirst allein lernen, was alle Schulen der Welt dir nicht hätten beibringen können – das heilende Handeln des Glaubens, ohne dass es von der Freude unterstützt würde! Du wirst den Dienst der Nacht empfinden und verstehen – seine reinigende Kraft, sein Losmachen, seine Demütigung, wie er die Furcht vor dem Tod vertreibt und – was viel wichtiger ist – die Furcht vor dem Leben. Und du wirst lernen, dass manchmal der Schmerz erreicht, was selbst die Freude nicht vermag: Er zeigt uns die Leere irdischen Glanzes und füllt unsere Herzen mit der Sehnsucht nach dem Frieden des Himmels! Was ich hier schreibe, stammt keineswegs von mir. Es wurde von den Suchern in jeder Christen-Generation neu entdeckt und ist so etwas wie die Beschreibung des tieferen Lebens. Einige werden mich verstehen – sie, die den inneren Kern der praktizierenden Heiligen bilden, deren wir in unseren ernsten Zeiten so sehr bedürfen, wenn neutestamentliches Christentum die nächste Generation überleben soll!


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Das ist ein merkwürdiger Befehl! Wie können wir denn auf Jesum sehen? Der ist doch unsichtbar. Ja, die Bibel sagt selbst: „Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen." Hat sich da der Apostel nicht geirrt, als er schrieb: „Lasset uns aufsehen auf Jesum"?

O nein, er hat sich nicht geirrt. So paradox es klingt: Wir müssen auf Jesum sehen lernen, der doch unsichtbar ist. Ja, es gibt sogar eine Stelle im zweiten Korintherbrief, Kapitel 4, Vers 18, wo diese Paradoxie geradezu ausgesprochen ist: „Wir sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare." Wie soll das nun wohl zugehen, dass ein Mensch das sieht, was das Auge nicht sieht?

Das ist allerdings ein rechtes Wunder. Aber dies Wunder kann Gott tun und will Gott bei uns tun durch Seinen guten Heiligen Geist. Der Heilige Geist öffnet uns die Augen des inwendigen Menschen. Und Er stellt uns die göttlichen Dinge so vor Augen, dass wir sie recht sehen und ganz davon erfüllt werden. Jesus hat Seinen Jüngern gesagt, der Heilige Geist werde Ihn verklären. Damit meint Er, dass der Heilige Geist uns den Heiland „vor die Augen malt", so, als sei Er unter uns gekreuzigt und auferstanden.

Da sehen wir das Kreuz von Golgatha, das uns vorher wie eine „Torheit" vorkam, mit neuen Augen als den Altar, auf dem das Lamm Gottes der Welt Sünde trägt. Da sehen wir den Auferstandenen in Seiner herrlichen Macht. Gott schenke uns solche Augen, die vom Geist Gottes erleuchtet sind! Amen.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Lasset uns aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens.

Die griechischen Wettläufer hatten in Schranken zu laufen, die ihnen vorgezeichnet waren. Der Wandel unseres Herrn zeigt uns unsere Schranken, in denen wir zu laufen haben. Ferner mussten sie ein Ziel, einen festen Punkt im Auge haben. Was ist unser fester Punkt? Jesus und Jesus allein; auf ihn müssen wir schauen. Lassen wir ihn aus dem Auge, so werden wir unsicher und gehen fehl. Menschen können uns in unserm Lauf viel dienen, aber nie können sie uns Jesum entbehrlich machen. Er nur ist der Weg, Er nur ist der Führer, Er nur das Vorbild, das über aller Menschen Vorbild geht. Ohne ihn tun wir keinen sichern Tritt; ohne ihn fehlt uns die Kraft, die Freudigkeit und die Bewährung. Darum blicke täglich auf ihn und halte dich an ihn, als den Anfänger und Vollender des Glaubens. Unser Lauf ist und bleibt ein Glaubenslauf. Jesus ist der Anfänger des Glaubens in doppelter Beziehung. Er war der Erste, dessen ganzer Lauf im vollen Sinne ein Glaubenslauf war; nie sah er auf das Sichtbare, um an ihm hängen zu bleiben. Immer blickte er im Glauben auf den Vater, auch in seiner Gottverlassenheit am Kreuze, wo nur der nackte Glaube ihn halten konnte. Er hat auch in uns den Glauben angefangen. Wie sollten wir glauben, wenn uns nicht in ihm das Erbarmen und die Gnade Gottes aufgeschlossen wäre, um uns Mut zu machen, unser Misstrauen gegen Gott fahren zu lassen und ihm wieder zu vertrauen? Hat er in uns den Glauben angefangen, so will er ihn auch vollenden; er beginnt nichts, was er nicht vollenden will. Er ist der Treue. Sorge darum nicht ängstlich, ob du an das Ziel kommen werdest; vertraue nur Ihm von ganzem Herzen. Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht?

Ja Herr! Dir will ich vertrauen; auf Dich will ich schauen, an Dich mich halten. Du kannst mich nicht lassen, in Deine Hand bin ich gezeichnet. Amen.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete er das Kreuz und achtete der Schande nicht, und ist gesessen zur Rechten auf dem Stuhl Gottes.

Jesus ist der Anfänger und Vollender des Glaubens; auf ihn sollen wir schauen, um ihm nachfolgen zu können. Sein Gang war ein Gang der Selbstverleugnung, der Schmach, des Leidens um unsertwillen. Er ging diesen Gang ans freier Liebe zu uns. Er hatte ja die Herrlichkeit und Freude bei dem Vater, entäußerte sich derselben aber und ward ein Mensch wie wir Phil. 2,7, nur mit einem großen Unterschied: er war ohne Sünde. Sein heiliger Wandel war es, der ihm den Hass des Teufels und der Welt zuzog. Willst du sein Nachfolger sein und heilig wandeln, wozu du berufen bist, so hast du vom Teufel und von der Welt nichts anderes zu erwarten, als dein Herr und Meister: sie werden dich hassen, du musst durch Schmach und Schande gehen. Das wollen viele nicht. Fromm möchte man sein und selig werden, aber möglichst keine Schmach tragen, sondern auch bei der Welt etwas gelten. Diese Stellung können wir nicht einnehmen, wenn wir dem Herrn gefallen wollen. Er sagte den Juden: wie könnet ihr glauben, die ihr Ehre von einander nehmet? Ehre suchen wollen bei Menschen zerstört das Glaubensleben. Wir können Gott nicht gefallen, wir können ihm nicht vertrauen, wenn wir nicht demütig sind und darauf verzichten, von Sündern anerkannt zu werden. Ach, dass wir heiligere Leute wären und mehr Schmach tragen müssten! Die Welt hasst die Heiligung, sie hasst Christum in uns. Je weniger Christus in uns lebt, desto mehr gelten wir bei der Welt; das wird nie anders werden. So sind wir vor die Wahl gestellt: entweder hier mit Christo die Schmach zu tragen und dort mit ihm verherrlicht zu werden, oder hier mit der Welt herrlich zu sein und drüben mit ihr ewige Schmach und Schande zu tragen. Wählen wir das Erstere, und gehen wir mit Christo durch Leiden zur Herrlichkeit. Er sitzt zur Rechten Gottes in Majestät, und wir wollen uns des Herrn der Herrlichkeit nicht schämen.

Dein Jünger will ich sein, Herr Jesu! Ich will die Schmach nicht suchen; wenn Du sie mir aber gibst, so will ich sie gerne tragen als Ehrenzeichen von Dir. Amen