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Predigten zu Johannes 10,14

"Ich bin der gute Hirte; und ich kenne die Meinen und bin gekannt von den Meinen,"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Ich bin der gute Hirt und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne."

Ich möchte darauf hinweisen, wie vollkommen der Herr Jesus als der gute Hirte seine Schafe kennt. Er kennt ihre Zahl; er wird nie eines verlieren. Er wird sie erneut zählen, wenn die Schafe wieder unter seine Hand kommen, und dann wird er genaue Rechnung machen. "Die du mir gegeben hast, habe ich behütet, und keiner von ihnen ist verloren gegangen." Er kennt die Zahl derer, für die er den Erlösungspreis gezahlt hat. Er kennt den Charakter und das Alter jedes der Seinen. Er versichert uns, dass selbst die Haare auf dem Haupt gezählt sind. Der Herr Jesus hat keine Schafe, die ihm unbekannt sind. Es ist nicht möglich, dass er eines übersehen oder vergessen haben sollte. Er hat eine so gute Kenntnis von denen, die er durch sein kostbares Blut erlöst hat, dass er nie eins mit dem andern verwechselt oder falsch beurteilt. Er kennt ihr Gemüt, er kennt die Schwachen, die Nervösen, die Schreckhaften, die Starken; die, welche eine Neigung zur Schwindsucht haben; die Tapferen, die Kranken; die Sorgenvollen, Ermatteten oder Verwundeten. Er kennt diejenigen, die der Teufel jagt, die sich zwischen den Klauen des Löwen befinden und geschüttelt werden, bis sie fast das Leben verlieren.

Er kennt unsere innersten Gedanken und Gefühle besser als irgend jemand von uns selbst. Er kennt unsere Prüfungen - die besondere Prüfung, unter der du jetzt niedergebeugt bist. Und die Schwierigkeiten, die besondere Schwierigkeit, die dir gerade jetzt innerlich in den Weg tritt, mein Bruder. Alles, was unser Leidenskelch enthält, ist ihm bekannt. Es ist unmöglich, sich eine Kenntnis zu denken, die vollkommener ist als die, welche der Vater von seinem eingeborenen Sohn hat, und ebenso unmöglich ist es, sich eine Kenntnis zu denken, die vollkommener ist als diejenige, welche Jesus Christus von jedem seiner Erwählten hat.


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Ich erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen."

Nicht ohne weiteres wird man erkennen können, welch ein großes Geheimnis in diesen Worten liegt. Sie sagen uns, dass eine innige Bekanntschaft zwischen dem Herrn und Seinen Schafen herrscht, auf der alles beruht. Was mag das bedeuten? Man fängt an, etwas zu ahnen, wenn man denselben Herrn in der entscheidenden Stunde, in der Er an Sein Versöhnungswerk geht, feierlich erklären hört: "Das ist das ewige Leben, dass sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen." Höre, was der Herr Christus für das ewige Leben erklärt! Nur Gott und den Heiland zu erkennen. Und, wenn Er von dem feinsten Selbstbetrug in geistlichen Dingen redet, von dem Betrug einer eigenen Frömmigkeit, Kraft und Geistlichkeit, durch den viele am Jüngsten Tag sagen werden: "Haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt und in Deinem Namen Teufel ausgetrieben und in Deinem Namen viele Taten getan?" - dann wird Er sie mit den Worten "Ich habe euch noch nie erkannt" abweisen. - Dieselben Worte finden wir in dem ewig gültigen Abweisungsurteil über die Jungfrauen, die zur Hochzeit wollten, ihre Lampen nahmen, dem Bräutigam entgegengingen, aber kein Öl hatten. Der Herr wird nur diese eine Bemerkung machen: "Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Ich kenne euch nicht." - Bedenke, wie bedeutungsvoll dieses Wort "kennen" hier sein muss. Dasselbe Richterwort gebraucht Er, als Er erklärt, weshalb diejenigen, welche durch die enge Pforte einzugehen trachteten, es aber dennoch nicht konnten und dann beschwörend sagen würden: "Wir haben vor Dir gegessen und getrunken, und auf den Gassen hast du uns gelehrt"; auch ihnen gilt das gleiche, niederschmetternde Richterwort: "Ich kenne euch nicht, woher ihr seid."

O, muss nicht ein jeder, der dies liest und dabei erkennt, wie der Herr Christus als der entscheidende Richter so ernstlich darum geeifert hat, dies hervorzuheben, - muss nicht ein jeder merken, dass hier ein überaus wichtiges Geheimnis vorliegt? Für die Gläubigen war und ist dies nichts Unvermutetes; im Gegenteil, für sie sollte es gerade eine erfreuliche Bestätigung dafür sein, dass sie Ihn recht erfasst haben. Unerwartet aber ist es für diejenigen, die sich darüber wundern, dass der Herr nicht sagt: "Ihr habt gegen Mein Gesetz gesündigt" oder "Ihr seid nicht ernstlich genug in eurer Besserung und Heiligung gewesen"; ja, auch für diejenigen, die sich wundern, dass der Herr nicht eine scharf eingeteilte Gnadenordnung vorlegte und sagte: "Gegen diese habt ihr gefehlt". Überraschend wird es für alle diejenigen sein, die es so haben wollen, die zu ihrer Verwunderung Ihn aber immer nur sagen hören: "Ich kenne euch nicht!" Alle werden erkennen müssen, dass in dem Texte vom Jüngsten Gericht bei Mt. 25, wo so viele Werke angeführt werden, dennoch das ganze Gewicht darauf gelegt wird: "Das habt ihr Mir getan," um Meinetwillen habt ihr Meinen geringsten Brüdern dies oder jenes getan, dass also Christus und eine innige Bekanntschaft mit Ihm die Quelle gewesen sind, aus der diese Werke flossen; dass allein Christus, nicht aber ihre eigene Heiligkeit, der Gegenstand ihres Auges und ihres Heiligungseifers gewesen ist.

Sollten nicht alle, die erkannt haben, welche besondere Fürsorge Jesus um dieses Verhältnis geübt hat, um des Herrn Christus und des ewigen Wohls ihrer unsterblichen Seelen willen einmal stillhalten und sich von dem Herrn, der die Schlüssel in Seiner Hand hat, sagen zu lassen, dass, wo Er zuschließt, kein Mensch aufschließt? Sollten wir nicht Seinen Worten stillhalten und sie ernstlich beherzigen? Viele ernste und fromme Männer sind nach jahrzehntelangem heiligen Eifer um Gott und Sein Reich dadurch über dies Verhältnis aufgewacht und wie Brände aus dem Feuer gerissen worden, dass sie das Geheimnis des Reiches Gottes in dem duldenden, blutenden Herrn mit den durchbohrten Händen und Füßen zu sehen bekamen. Nur in Ihm und in Seinem Tod haben sie hinfort ihr ganzes Leben, ihre Freude und ihren Trost erhalten und alsbald ihre bisherige irdische Seligkeit demgegenüber für Schal und jammervoll erachtet. So wird man gesinnt, wenn man Jesus recht erkennen lernt; und nur diejenigen, bei welchen Christi Erkenntnis solcher Art ist, sind Seine Schafe.

"Willst du dann ein für allemal wissen und deutlich definieren (bestimmen) können, was ein Christ sei", sagt Luther, "oder woher der Mensch ein Christ heiße, so musst du nicht sehen nach Mose Gesetz oder der größten Heiligen Leben und Heiligkeit, sondern nur hierher auf das Wort Christi: "Meine Schafe kennen Mich" , so dass du sagst: Ein Christ ist nicht, der da ein herrlich, streng, ernstlich Mönchs- und Einsiedlerleben führt; denn solches können auch Juden und Türken tun, unter denen etliche viel strenger leben. Kurz, alles, was in uns und von uns geschehen kann, das macht keinen Christen. Was dann? Allein das, dass man diesen Mann kenne, von Ihm halte und sich zu Ihm versehe, was Er will von Ihm gehalten haben, nämlich, dass Er sei der gute Hirte, der Sein Leben für die Schafe lässt und sie erkennt. Solche Erkenntnis heißt und ist nichts anderes denn der Glaube, so da folgt aus der Predigt des Evangeliums."

"Weicht alle von Mir!" O schreckliches Wort! So wird Er nur sagen zu jenen dort, Die hier nicht im Glauben zu Ihm gekommen Und Seine Versöhnung nicht angenommen Zu ihrem Heil.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Ich bin der gute Hirte.

Er kennt, was Hirtenbrauch und Hirtenpflicht ist. Er weiß, wie ein Hirte geartet und beschaffen sein muss, um seines Amtes wirklicher Ausführer zu sein. Er spricht: Ich bin der einzige, der den Namen des Hirten mit Recht trägt, wie er selbst sagt: „Ich bin ein vollkommener Hirte, ein Hirte, über den niemand mehr hinausgeht, an dem alle ihre Arbeit messen müssen, die je über die Welt als Hirten der Seelen ziehen. Ich bin ein Hirte, der alle Gottesgedanken und alle Menschengedanken, die einen in ihrer Angst und die andern in ihrer Freude, zusammenfasst und vereint.“ Alles das, was Sorge der Gemeinde, was Trauer des Einzelnen, was Angst und Not des Lebens und alles das, was mein himmlischer Vater an Trost und Antwort, an Segnungen und Gnade für mich hat, all das hat Jesus zusammengefasst: „Ich bin ein guter Hirte.“


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Ich erkenne die Meinen.

Er erkennt jede Seele nach ihren Gaben. Er stellt den Schwachen nicht auf einen harten und den Starken nicht auf einen leichten Posten. Er stellt den Eiligen nicht dahin, wo man säumt, und den Säumigen nicht dahin, wo Eile Not tut, sondern er stellt jeden Menschen nach den Gaben und Kräften an, die er bei ihm trifft. Welchem er viel gegeben hat, von dem fordert er viel, und wem er wenig vertraut hat, von dem erwartet er wenig. Und er erkennt auch, was ein jeglicher kann. Dem einen ist es gegeben, mit heißem Mut und vorwärtseilender Begeisterung zu streiten: den stellt er dahin, wo der Streit am heftigsten ist. Dem andern ist es gegeben, durch Geduld und ausharrender Stille sich zu bewähren: den führt er in die Einsamkeit des Lernens und Leidens.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Ich bin der gute Hirte, ich erkenne die Meinen.

Ich weiß, was du bedarfst. Du bedarfst der ernsten Führung, so will ich die Pflugschar tief halten, bis dein ganzes Herz, das tugendstolze, tugendreiche, zermalmt und deine Seele an dir selbst zuschanden geworden ist. Ich weiß, was du bedarfst: Da gibt er einem heiteren Gemüt viel Sonne, und einer schwermütigen Seele gibt er die Nacht. Weil der eine Mensch sonnig war, ohne es zu wollen, und der andere Mensch düster war, um sich darin zu sonnen, darum gibt er dem unbewusst Frohen Sonne und Freude und dem bewusst Trauernden düsteren Ernst. Er gibt dem Menschen, der arglos arbeitet, Erfolge, und dem, der auf Erfolg ausgeht, Niederlagen. Der Seele, die in ihrem Glück und in dem Glück der Einfachheit und Schlichtheit einhergeht, gibt er einen Sieg nach dem andern – einen nach dem andern, damit sie nicht übermütig wird –, und der andern Seele, die so gerne sich rühmt, sendet er Niederlagen. „Ich erkenne die Meinen.“


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Ich bin der gute Hirte, ich erkenne die Meinen.

Weil du selbst dich nicht erkennst, kannst du an den Führungen Jesu Christi erst erkennen, wie er dich einschätzt und kannst merken, wo eigentlich deine Gaben liegen. Du hörst den eingebildeten Menschen immer von seiner Bescheidenheit rühmen und den anspruchsvollen Menschen wirst du nie anders hören, als wie anspruchslos er sei. Es ist manchmal hoch betrüblich, dass man in Selbsttäuschung ergrauen kann. Es gehört manchmal zu den schwersten Erfahrungen der Seelsorge, wie ein Mensch die Spitze des Gotteswortes umbiegt und spricht: Das geht dich an. Wer aber unter die gewaltige Hand seines Herrn sich demütigt und der seelenkundigen Führung Jesu sich unterstellen will, der wird es erfahren: „Ich erkenne die Meinen.“


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Ich bin bekannt den Meinen.

Ist Jesus der Seele noch bekannt oder ist er ihr zum Lehrsatz herabgesunken? Wenn jemand eine korrekte Glaubensformel besitzt, die er nachbetet, so kennt er Jesum noch nicht; und wenn jemand einen guten Konfirmandenunterricht hatte und dessen Rest noch durch die Jahre hindurchgerettet hat, so kennt er Jesum nicht. „Ich bin den Meinigen bekannt, dass sie aus dem Gewirr der Stimmen, die sie umtönen, aus der Unrast und dem Ungestüm der Tagesmeinung, die sie umflutet, meine Stimme hören.“ Jesus spricht. Unter tausend Stimmen, die dein Herz umtönen, unter den vielen Tönen, die dein Leben umklingen, unter den vielen Ereignissen, die in rascher Flucht und eilendem Wechsel dein Leben durchfluten, steigt über alles klar und deutlich Jesu Gestalt und die Gewalt seiner Stimme: „Ich bin bekannt den Meinen“ , so bekannt, dass sie meiner Stimme nachgehen.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Ich bin bekannt den Meinen.

Ist Jesus bei uns noch die Größe des Lebens? Ist er dir überhaupt wenigstens noch eine Größe des Lebens? Ist Jesus eine persönliche Gestalt in deinem Leben, so wie irgend ein lieber Mensch? Hat er dir alte Züge oder die jugendfrohen? Ist es ein alter, grauer, müde und matt gewordener Jesus, den du durch deine Sünde verbraucht hast, oder ist es der Jesus, der in Majestät der Jugend heimgekehrt ist zum Vater? Die meisten Menschen sterben an dem alten Jesus, an dem Jesus, der sie nicht verjüngt, sondern den sie alt werden lassen. Die meisten Christen gehen an diesem Jesusbild, das immer grauere Farben angenommen hat, zugrunde; und wenn man ihr Leben durchschaut, hat nicht der Herr Christus es durchleuchtet, sondern ihr Leben hat ihn verachtet; und so ist man im Alter selbst alt geworden und vergisst, dass man das ewig Neue durch die Sünde hat alt werden lassen. Ist der Herr die Persönlichkeit, die dich auffahren lässt mit Flügeln wie ein Adler, die dich nicht müde noch matt werden lässt und aller Schwachheit des Leibes Schranken setzt? Denn „ich bin der Herr, dein Arzt.“ „Ich bin bekannt den Meinen.“