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Predigten zu Johannes 13,1

"Vor dem Feste des Passah aber, als Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen war, daß er aus dieser Welt zu dem Vater hingehen sollte, da er die Seinigen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende."

Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"... so liebte er sie bis ans Ende."

Eine verzweifelte Mutter aus vornehmer Familie erklärte, nachdem sie die fast zwanzigjährige Leidensgeschichte erzählt hatte, die sie mit ihrem ungeratenen Sohn durchgemacht, dass sie jetzt mit ihrer Liebe zu ihm fertig sei. Ähnliches kann man beobachten, wenn ein Mann jahrelang seine kranke Frau pflegen soll, oder eine erwachsene Tochter die fast blödsinnige Mutter: ihre Liebe verliert zuletzt die Spannkraft. So sind wir eigentlich von Natur alle - was uns zu lang dauert, wo wir kein nahes Ende absehen, da versagt zuletzt unsere Liebe. Jesus liebte die Seinen bis ans Ende! Obschon dieses furchtbare Ende erst seine ganze Liebeskraft herausforderte, sich für diese gleichmütigen, unverständigen Jünger ebenso wie für seine Feinde in Marter und Tod zu geben - er liebte sie bis ans Ende! Er wird uns im Sterben nicht verlassen und uns hindurchlieben, "bis am goldenen Ufer leuchtend der Tag erwacht." Sollen wir uns nicht solcher treuen Liebe gänzlich, täglich, freudig ausliefern! Müssen wir nicht von solcher ewig währenden Liebe endlich mit angesteckt werden, ihr ähnlich zu werden?

Ach, Herr Jesu, schärfe die Sinne unserer Seele, dass wir deine Liebe feuriger empfinden und treuer ausstrahlen auf andere, die du doch alle ebenso liebst wie uns. Segne unser Lieben nach deinem Reichtum! Amen.


Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
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Der Heiland bleibt sich in Seiner Liebe gleich, und hat diese Seine Liebe am letzten Abend noch am herrlichsten gezeigt. Bis in den Tod hinein hat Er geliebt, und wohlgetan mit Seiner Liebe; noch am Kreuz hat Er geliebt. Seine Liebe wendet Er vornehmlich den Seinen zu, die Ihn hörten, die Ihm folgten, die sich auch zu Seinem Dienst brauchen ließen. Denn das sind eigentlich die Seinen, die sich von Ihm in Seinem Dienst brauchen lassen. Man hörte Ihn fragen (Mark.3,33ff.): „Wer ist Meine Mutter und Meine Brüder?“ Dabei sah Er rings um Sich auf Seine Jünger, die um Ihn im Kreise saßen, und sprach: „Siehe, das ist Meine Mutter und Meine Brüder; denn wer Gottes Willen tut, der ist Mein Bruder und Meine Schwester und Meine Mutter.“ Auch zu dem reichen Jüngling sagte Er: (Matth.19,21): „Willst du vollkommen seyn, so verkaufe, was du hast, und komm und folge Mir nach.“ Daher war's im Anfang immer so, daß, wer mit Ihm es halten wollte, sich gleich anstellen und aussenden lassen mußte.

Auch heute noch müssen wir uns, wie es eben möglich ist und etwa gefordert wird, in Seinen Dienst nehmen lassen, und nicht bloß andächtelnd zu Ihm hinaufblicken wollen. Ihm dienen aber kann man in jedem Stand und unter jedem Verhältnis; und was man Einem Seiner Geringsten tut, ist schon Ihm gedient. Tut man's, so erfährt man Seine Liebe, Seine Durchhilfe, Seine Barmherzigkeit, auch den Frieden in der Seele, der eigentlich nichts anderes ist, als ein Ruhen in der Liebe Christi. „Friede sei mit euch!” hören wir den Auferstandenen zu Seinen Jüngern sagen. Ach! dieser Friede möge mit uns seyn!

Mel. Wer ist wohl wie Du. Zeuch mich ganz zu Dir, Daß dein Lieben mir Ganz durchströme Herz und Sinne, Und mein Elend ganz zerrinne, Süßes Heil, in Dir; Wohne Du in mir.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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O, wo ist so ein treues, liebhabendes Herz wie das Herz des Herrn Jesu. Drei Jahre war er nun mit den Seinen umgegangen, sie hatten ihm in dieser Zeit viel Not und Kummer verursacht, aber doch war seine Liebe nicht geschwächt, sondern dieselbe geblieben. Warum erniedrigte er sich dazu, seinen Jüngern die Füße zu waschen, sogar dem Verräter? Warum gab er sich so willig hinunter? Aus Liebe. An seinem eigenen Beispiel wollte er ihnen zeigen, wie sie sich gegeneinander betragen sollten, es war ihm darum zu tun, daß sie gesinnt werden sollten, wie er gesinnt war, daß sie in das hineinkommen sollten, wovon Paulus in Philipper 2,6-8 schreibt; nur ihr Bestes suchte er damit. - Sehet in seine letzten Reden hinein, die er am Mittwoch und Donnerstag zu seinen Jüngern sprach, wie sie Johannes aufgezeichnet hat, ihr werdet nichts als die zärtlichste Liebe gegen die Seinen daraus hervorleuchten sehen. Wie warnt er sie! Wie tröstet er sie! Wie ermuntert er sie! Wie hebt er ihren Blick vom Gegenwärtigen hinaus in des Vaters Haus! Wie sucht er sie mit Liebe zu überwinden und ihre Herzen fest zu machen und zu verwahren auf die bevorstehende Trübsal, daß sie doch ja nicht möchten zu sehr irre werden, wenn das Wort erfüllt werde: Ich werde den Hirten schlagen und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen. Man darf diese seine letzten Reden nur lesen, und ein jeder wird den Eindruck haben: Wie Jesus geliebet hatte die Seinen, so liebte er sie bis ans Ende. - Und wie ging's in seinem Leiden selber? Wie ging's in Gethsemane? Wie stellte er sich da in den Riß und suchte seine Jünger vor der Gewalt der Feinde zu retten. »Suchet ihr mich«, sprach er zu der Schar, »so lasset diese gehen«, auf daß das Wort erfüllt würde, welches er sagt: Ich habe der keinen verloren, die du mir gegeben hast. Und als Petrus ihn in des Hohepriesters Palast dreimal verleugnet hatte und der Hahn zum zweitenmal krähete, da sähe sich Jesus um nach Petro und sähe Petrum an. Man sollte meinen, der Heiland werde da nur mit seinem Elend beschäftigt gewesen sein, denn er befand sich ja jetzt gefangen unter der Schar Kriegsknechte, aber das Wohl seiner Jünger lag ihm noch tiefer im Herzen als sein eigenes. Darum dieser Liebesblick, der den Felsenmann zerbrach. Er hat die Seinen geliebet bis ans Ende. Herr, laß deine Liebe decken meiner Sünden Meng und Flecken! Du hast das Gesetz erfüllet, des Gesetzes Fluch gestillet. Laß mich wider dessen Stürmen deiner Liebe Schild beschirmen; heiige meines Herzens Triebe, salbe sie mit deiner Liebe.

Deine Lieb hat dich getrieben, Sanftmut und Geduld zu üben, ohne schelten, drohen, klagen andrer Schmach und Last zu tragen, allen freundlich zu begegnen, für die Lästerung zu segnen, für der Feinde Schar zu beten und die Mörder zu vertreten. Und wie hoch stieg sein Erbarmen, als du für die ärmsten Armen dein unschätzbar teures Leben in den ärgsten Tod gegeben. Da zur Marter du erlesen, aller Schmerzen Ziel gewesen, und den Segen zu erwerben als ein Fluch hast wollen sterben.


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Diese Liebe, mit der wir bis ans Ende geliebt werden, reicht aus für die größten Bedürfnisse, die schwierigsten Verhältnisse und Probleme der Menschen. In der Not lernen die Jünger, mit Gott zu rechnen, und ihr geistliches Leben wird dadurch bereichert. Diese Liebe bringt ihnen auch Antwort, Lösung und Hilfe durch Umwandlung ihres Herzens, ihres Lebens und ihrer Verhältnisse. Für diese lebendige, immer gegenwärtige Liebe gibt es keine Lage, in der sie nicht siegreich wirken könnte. Auf diese Weise werden wir geliebt bis ans Ende.

Bisher war der Herr bei Seinen Jüngern gewesen, nun wollte Er in ihnen Wohnung nehmen. Er wollte sie nicht als Waisen zurücklassen. Er würde sie verlassen, aber nur, um wiederzukommen… in ihr Herz hinein! Diese Liebe ist ein Teil Seiner selbst; sie hat das Verlangen, sich zu offenbaren, sie muß ihr Ziel erreichen. Gott hat die Welt so geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab. Der gute Hirte geht dem verlorenen Schaf nach, bis Er es findet. Die unersättliche Liebe unseres Gottes sucht nach Jüngern, die sie widerspiegeln, weitergeben und verkündigen. Diese Liebe ist tätig und kampfbereit, geduldig und langmütig. Und wir? Sind wir das auch in unserem Leben, unserem Zeugendienst, unserem Handeln?

Diese Liebe schließt alles in sich, was Gott für uns ist und hat, schließt aber auch alles aus, was Ihm in unserem Leben nicht gefällt. Diese Liebe ist anziehend, aber auch abstoßend. Hat der Herr nicht gesagt: «Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen» (Johannes 12,32)? Aber gleichzeitig treibt Er alles aus Seinem Tempel hinaus, was für sich selbst Geschäfte macht, was sich Seinem Willen und Seiner Gegenwart widersetzt (Johannes 2,13-17).

Damit diese Liebe in der Welt lebendig wird, braucht sie Jünger, in denen sie sich verkörpern kann. «Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch» (Johannes 20,21). «Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit der Vater euch gibt, was auch immer ihr ihn bitten werdet in meinem Namen» (Johannes 15,16).


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Jeder Schritt dem Ende zu steigerte den Anspruch an die Liebe Jesu. Der Groll des Judas wuchs, der das Verhalten Jesu Wahnsinn hieß. Die Schwermut des Thomas wuchs, der sagte: wir wollen mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben. Das Selbstbewusstsein der Jünger wuchs und ihr Eifer nahm zu, mit dem sie erkunden wollten, wer von ihnen der Größere sei. Je näher das Kreuz kam, um so deutlicher wurde es, dass sich die Jünger an ihm ärgerten, und um so fraglicher wurde es, ob sie beieinander bleiben, wenn er nicht mehr bei ihnen war, und sie sein Wort behalten, dem ihre eigenen Gedanken heftig widersprachen. „Ich habe für dich gebetet“, sagte Jesus zu Petrus, „damit dein Glaube nicht aufhöre. “ Aber nicht nur der Anspruch an die Liebe Jesu, sondern auch seine Liebe wurde immer größer. Er liebte uns bis zuletzt, sagte Johannes. Er vollendete, was er begonnen hatte, ließ seine Liebe nicht ermatten, sondern gab sie ihnen auch jetzt in unverminderter Vollständigkeit. Er tat dies dadurch, dass er sie am letzten Abend zum festlichen Mahl um sich sammelte, durch seine letzten Worte seine Gemeinschaft mit ihnen über seinen Tod hinaus befestigte und aus seinem einzigen Eigentum, das er hatte, aus seinem Leib und seinem Blut, die Gabe machte, die er ihnen verlieh. Dass er seine Liebe zu den Seinen vollendete, das war sein Sieg über die Welt, sein Triumph über den Satan, die Durchdringung des Kreuzes mit Freude, die Grundsteinlegung zur Kirche, die Vollendung seines Heilandsamtes. Nun hatte er die Seinen für immer für sich gewonnen; sie waren nun für immer seiner Liebe gewiss und keine Länge der Zeit löschte in Johannes diese Erinnerung an sie aus und keine schmerzhafte Erfahrung, die ihm das apostolische Werk brachte, verdunkelte sie. Als das Große, was der letzte Verkehr Jesu mit den Jüngern ihnen gab, erkennt er das, dass Jesus seinen Liebe denen gab, die in der Welt waren. Dadurch erhält das, was die Jünger erlebten, die weltweite Größe. Sie, die Empfänger dieser unüberwindlichen Liebe, waren in der Welt und trugen alles an sich, was unser Anteil am menschlichen Leben aus uns macht. Das nahm ihnen aber seine Liebe nicht. Indem er sie ihnen gab, offenbart er, dass die Liebe des Vaters ihn der Welt gegeben hat.

Deine Liebe geht, Herr Jesus, bis zum letzten Ende mit uns und trägt uns bis ans Ziel. Ich bete Dich an als den Anfänger des Lebens, Du wirst auch sein Vollender, als den Anfänger des Glaubens, Du wirst ihn auch vollenden zum Schauen, als den Anfänger und Eckstein Deiner Gemeinde; Du wirst sie auch vollenden zur ewigen Gottesstadt. Du bist A und O. Amen.