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Predigten zu Johannes 13,34

"Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet, auf daß, gleichwie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet."

Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Als Jesus zu seinen Jüngern sagte: Ich habe euch lieb gehabt, sagten sie mit ganzem Herzen: Ja, so ist es, du hast uns lieb gehabt. Wir haben aus deiner Fülle Gnade um Gnade genommen. Alles, was du sagtest, war Hilfe für uns, und was du tatest, geschah uns zugut. Du hast nicht dich in der Überlegenheit deiner Einzigkeit über uns erhoben, sondern hast zwischen dir und uns die Gemeinschaft gestiftet und uns an dem teilgegeben; was dein eigen ist. Dieses Bekenntnis hat keiner der Jünger Jesu verweigert außer dem einen, der meinte, er sei von Jesus betrogen worden, weil er zum Kreuz ging. Nun sagt ihnen Jesus, wozu er sie geliebt habe, dazu, damit sie einander lieben, und das ist sein Gebot für sie, das er ihnen jetzt gibt, weil er von ihnen scheidet. Jetzt ist es Zeit, dass sie erfahren, was er von ihnen verlangt, womit sie seinen Willen tun und ihm gehorsam sind. Er gab ihnen keine Vorschrift für ihre Lehre und keine Verfassung für die Kirche, die sie gründen, und keine Gesetzgebung, die ihnen ihr Handeln vorschriebe. Mit einem einzigen Gebot sagt er ihnen, was er von ihnen will: einander lieben! Sie, die vereint seine Boten sind und in gemeinsamem Wirken sein Wort zur Menschheit bringen, sollen einander schätzen und werthalten und jeder dem anderen zu Diensten stehen, Petrus dem Johannes und Johannes dem Petrus, Philippus dem Matthäus und Matthäus dem Philippus, und dies ist ihr Weg und sein Gebot, weil er selbst sie alle lieb gehabt hat, nicht den Petrus allein und den Johannes allein, sondern sie alle, die nun miteinander leben und miteinander arbeiten. Das ist ein neues Gebot; denn vorher gab es noch keine Apostelschar mit dem Beruf, den Christus der Welt zu zeigen. Die neue Lage schafft neue Pflicht und verlangt neue Liebe. Als er bei ihnen war, hielt er sie beieinander und war ihr Friede. Weil er nun geht, ist ihre Gemeinschaft an das gebunden, was sie selber tun. Hoch steht diese neue Pflicht über allem, was ihnen bisher geboten war. Aber dieses neue Gebot ist keine neue Last, sondern entsteht aus dem, was er ihnen getan hat, und verlangt von ihnen das Eine, dass seine Liebe in ihnen wirksam sei.

Aus Deiner Gnade entsteht Dein Gebot und darum macht es uns selig. Es wird mir zu schwer, wenn ich auf mich sehe, und süß, wenn ich auf Dich blicke. Es hat heilige Notwendigkeit, das erkenne ich wohl. Wie können wir Dein Werk treiben, wenn wir, die wir uns zu Dir halten, einander nicht lieben? Das ist das, was uns fehlt und was wir bedürfen. Erbarme Dich unser und vergib uns. Amen.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Ein neu Gebot gebe ich euch, dass ihr euch unter einander liebet, wie ich euch geliebet habe , auf dass auch ihr einander lieb habt. Dabei wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habt.

Das alte Gebot hieß: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Es war ein Befehl, vor dem jeder Israelite als Sünder stehen bleiben musste, weil er nicht die Kraft hatte, das Gebot zu halten. Das neue Gebot unseres Herrn stellt noch höhere Anforderungen, wenn er sagt: liebet einander, wie ich euch geliebet habe. Wie Jesus liebte, konnte niemand lieben im alten Bunde. Es ist aber nicht die höhere Forderung, die das Gebot des Herrn zu einem neuen Gebot macht, sondern das ist neu, dass der Gesetzgeber des neuen Bundes sein Gebot in die Herzen schreiben will durch seinen Geist, und dadurch die Kraft gibt es zu halten. Wie sollten wir lieben, wie Jesus liebte, wenn er nicht unsere Herzen füllt mit seiner Liebe? In seinem Herzen hatte nichts anderes Raum, als Liebe, und so muss unser Anliegen sein, ihm unsere Herzen ganz zu öffnen, damit wir in Wahrheit seine Jünger seien. Ach, wie liebebedürftig ist die Welt und wie ist aller Dienst und alles Wirken für den Herrn so kraftlos, ohne Jesu Liebe. Wenn wir seufzen über Zerrissenheit der Kirche, über Mangel an Einheit, so ist das ein Seufzen über Mangel an Liebe. Wie muss man sich schämen, wenn man sieht, wie auch gläubige Christen sich scheuen vor einander, einander fürchten, einander richten! Wie kann die Welt glauben, wie können wir sie gewinnen, wenn wir uns an ihrem Herzen und Gewissen nicht beglaubigen durch Jesu Liebe, wie der Heiland so ausdrücklich den Vater bittet im hohenpriesterlichen Gebet! Darum Brüder, in die Stille, auf die Knie! Da wollen wir im Geiste Jesum am Kreuze anschauen und lieben lernen, wie er liebte. Wir wollen ihn bitten, dass er seine Liebe in unsere Herzen ausgieße durch seinen heiligen Geist, und sie die Macht werde für unsere Familien, für unseren täglichen Beruf, ja, dass Lieben unser Lebensberuf sei.

Herr Jesu! Ich soll lieben wie Du liebtest und als Dein Jünger dastehen in dieser liebearmen Welt. Mache mein Herz zu einem Gefäß Deiner Liebe durch Deinen Geist. Amen