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Predigten zu Johannes 13,31

"Als er nun hinausgegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm."

Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Aus Jesu Missetätersgestalt bricht der Glanz seiner unendlichen Majestät am herrlichsten hervor; das bespeite Angesicht leuchtet heller als die Sonne. Sollten wir eine Vergleichung anstellen, so ist er am anbetungswürdigsten an dem Kreuz, in seinen Wunden, wenn seine Züge sich im Tod entstellen, wenn er ausruft: »Es ist vollbracht!« Wenn er sein Haupt neigt und stirbt, da ist er anbetungswürdiger, als wenn der Vater zu ihm sagt: »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache!« Anbetungswürdiger ist er in seinem Todesleiden als in seiner Lebensherrlichkeit. Warum das? Darum weil hier sein volles Herz, seine größte Liebe geoffenbart ist, weil hier für die gefallene Kreatur Leben und Friede wehet, und weil wir nicht wüßten, wie wir mit ihm daran wären, wenn er sich nicht zu solchem Leiden erniedrigt hätte. Stolzer Mensch, der du in deinem Herzen dich so hoch erhebst, diesen Mann der Schmerzen sollst du anbeten, vor ihm sollst du dich beugen, der für dich so tief erniedrigt wurde! Und du armes, über deine Sünden bekümmertes Herz, du darfst ihn anbeten. Für dich hat er sich in die Tiefe herabgelassen, damit du mit all deinem Elend ihm nahe kommen könntest. Wäre er aber im Himmel geblieben, so wäre er nur für die ungefallenen reinen Geister; nur diese dürften ihn ihren Gott und Herrn nennen; er wäre nicht für euch, selbst nicht für den frömmsten Menschen in der Welt, denn wir sind alle tief gefallene Sünder.

Ruhe hier, mein Geist, ein wenig und beschau dies Wunder groß, wie dein Herr und Ehrenkönig hängt am Kreuze bleich und bloß, den sein Lieben hat getrieben zu dir aus des Vaters Schoß!

Ob dich Jesus liebt von Herzen, kannst du hier am Kreuze sehn: schau, wie alle Höllenschmerzen ihm bis in die Seele gehn, Fluch und Schrecken ihn bedecken, Todeslüfte um ihn wehn.

Ach ich Sündenkind der Erden! Jesu, stirbst du mir zugut? Soll dein Feind erlöset werden durch dein eigen Herzensblut? Ich muß schweigen und mich beugen für dies unverdiente Gut.


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Damals war Gott verklärt, als Judas vom Mahl des Herrn wegging und sich zu den Priestern begab und ihnen sagte: Er weiß alles, weiß, dass ich ihn verraten habe, worauf sie erklärten: jetzt muss gleich gehandelt werden; sonst sind wir nicht sicher, dass er uns nicht entrinnt. Damit, dass Jesus zu Judas sagte: was du tust, das tue gleich, begann er seinen Gang in den Tod. Darum ist Jesus jetzt verklärt und Gott in Ihm verklärt, weil jetzt durch Ihn Gottes Größe, Ruhm und Herrlichkeit sichtbar geworden sind. Jesus hätte nicht nach dem Kreuz begehrt, wenn er nicht durch sein Kreuz die Verherrlichung Gottes erreicht hätte. Der Sohn hat den Vater lieb und geht deshalb ans Kreuz, weil er dadurch Gott verherrlicht, und der Vater hat den Sohn lieb und sendet ihn deshalb ans Kreuz, weil er den Sohn dadurch verherrlicht. Wieso wurde der Glanz der Herrlichkeit Gottes in jener Stunde offenbar? Muss ich noch fragen? Siehe ich nicht, dass hier, nur hier, hier aber auch vollständig Gott als Gott behandelt wird? Hier wird Gott seine ganze Ehre gegeben. Als Jesus das Kreuz aus Gottes Hand nahm, wurde wie niemals sonst in Wahrheit gesagt: dein Wille geschehe, du allein sollst es sein. Ohne Murren und Widerstreben, nicht nur mit Worten, sondern mit der Tat wurde hier bezeugt: du bist gerecht, wenn du richtest, und mit ebenso unbedingter Gewissheit wird zur Tat gemacht: du bist der, der vergibt. Wann wurde Gott wirklich zugestanden, dass ihm alle Dinge möglich sind? Damals, als Jesus aus sich den Sterbenden machte. Damals hat er sich zu Gott bekannt als zu dem, der den Toten ruft, damit er lebe. Es gibt keinen Gottesdienst, der Gott völliger und herrlicher gepriesen hätte als jene Stunde, in der Jesus zu seinen Jüngern sagte: „Der Fürst dieser Welt kommt. Steht auf, lasst uns gehen.“ Wer aber Gott verklärt, ist selbst verklärt. Für den Menschensohn gibt es keine andere Größe, Ehre und Erhabenheit als die, dass Gott durch ihn verherrlicht werde, und weil Jesus dies mit seinem kreuz gewann, sprach er: Mein Kreuz ist meine Herrlichkeit.

Du, Herr Jesus, bist anders als wir und so muss es sein. Du darfst nicht unserem dunklen Herzen gleichen. Du sprichst von Herrlichkeit, wo wir von Verderben reden und freust dich am Sieg, wo es uns scheint, deine Sache sei verloren. Darum dankt Dir Deine Schar, weil Du anders bist als wir und das tust, was wir nicht können, Gott wahrhaft ehren. Weil Du den Vater verherrlicht hast mit Deinem Blut, bist Du der Heiland der Welt. Amen.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Da er aber hinausgegangen war, spricht Jesus: nun ist des Menschen Sohn verkläret, und Gott ist verkläret in ihm.

Nun ist des Menschen Sohn verkläret. Wenn uns ein Wort des Herrn in Erstaunen setzen kann, so ist es dieses Wort, das Er redete, als Judas hinausgegangen war, ihn zu verraten. Was uns zunächst überraschen könnte, ist die völlige innere Ruhe des Heilandes bei dem unheimlichen Gang des Verräters. Dass ihn die Untreue des Judas tief bewegen und schmerzen musste, ist keine Frage; aber er hat sich auch über diesen Schmerz völlig hinübergebetet, und nahm auch diese schwere Erfahrung aus der Hand seines Vaters. Warum kommt so manches Menschenherz bei schweren Erfahrungen so lange nicht zur Ruhe, zum Abschluss? Man lässt es fehlen, seinen Kummer so mit dem Herrn durchzusprechen,und den Herrn so mit sich reden zu lassen, dass man ihm die Sache endgültig in die Hand legen kann, um ruhig zu werden und ruhig zu bleiben. Darum wollen wir aus dieser heiligen Ruhe des Herrn lernen, dass es möglich ist, auch für uns, die bittersten Dinge vor dem Gnadenthrone niederzulegen, und das Herz an Gottes Vaterherzen zu stillen. Der Herr ist aber mehr, als nur ruhig, nach dem Hinausgehen des Judas, er spricht: nun ist des Menschensohn verkläret; Judä Gang lässt ihn seine eigene Verherrlichung schauen. Der Vater hat ihm herrlich hinüber geholfen, auch über die schweren Versuchungen, die ihm Judas bereitete, und er steht da, ohne sich den leisesten Vorwurf machen zu müssen, dem Judas gegenüber. War das nicht Herrlichkeit? Ach, dass wir diese Herrlichkeit in ähnlichen Fällen auch hätten, und uns keine Vorwürfe machen müssten über Fehler, die wir gemacht haben. – Doch noch in höherem Sinn sagt der Heiland, er sei verkläret. Der Gang des Judas ist ihm das erste Glied der Kette von Leiden, durch die er gehen muss vor seiner Verherrlichung. Seine Bereitschaft für seinen Todesgang ist eine so völlige, dass er jetzt über alles zunächst Kommende wegschaut auf sein Ziel, als hätte er es schon erreicht. Das ist Glaube, der Glaube, der sich ganz in die Liebe des Vaters versenkt, nur diese sieht, und dann von dieser Liebe hinübergetragen wird über die Tiefen und Abgründe, die vor Einem liegen. Dieses Leben im Glauben war die Verklärung des Vaters im Sohn. So will nun Vater und Sohn sich auch in uns verklären. Dieselbe Liebe, die den Menschensohn durch seine Leidens und Todesnacht hindurch trug zur Herrlichkeit, trägt uns, wenn wir glauben.

Herr! Was ich noch lebe, will ich leben im Glauben des Sohnes Gottes. Hilf mir dazu. Amen