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Predigten zu Johannes 18,36

"Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so hätten meine Diener gekämpft, auf dass ich den Juden nicht überliefert würde; jetzt aber ist mein Reich nicht von hier."

Autor: William MacDonald (* 07.01.1917; † 25.12.2007) US-amerikanischer Prediger der Brüdergemeinden
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"Mein Königreich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Königreich von dieser Welt wäre, so hätten meine Diener gekämpft ..."

Die Tatsache, dass das Königreich Christi nicht von dieser Welt ist, genügt schon, mich von der Politik dieser Welt fernzuhalten. Wenn ich mich politisch betätige, dann demonstriere ich dadurch mein Vertrauen in die Fähigkeit des gegenwärtigen Systems, die Probleme der Welt lösen zu können. Aber, ehrlich gesagt, habe ich dieses Vertrauen nicht, weil ich weiss, dass "die ganze Welt in dem Bösen liegt" (1. Johannes 5,19).

Die Politik hat sich als erstaunlich unfähig erwiesen, die gesellschaftlichen Probleme zu lösen. Politische Maßnahmen sind nichts anderes als ein Heftpflaster auf ein eiterndes Geschwür; sie dringen nicht bis zum Infektionsherd vor. Wir wissen, dass Sünde das grundlegende Übel in unserer kranken Gesellschaft ist. Alles, was nicht die Sünde in den Griff zu bekommen versucht, kann als Heilmittel nicht ernstgenommen werden.

Es ist also eine Frage der Prioritäten. Soll ich meine Zeit in politische Betätigung investieren, oder soll ich diese selbe Zeit der Ausbreitung des Evangeliums widmen? Der Herr Jesus beantwortete diese Frage, als Er sagte: "Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber gehe hin und verkündige das Königreich Gottes" (Lukas 9,60). Christus bekanntzumachen hat den obersten Vorrang, weil Er die Antwort auf die Probleme dieser Welt ist.

"Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern göttlich mächtig zur Zerstörung von Festungen" (2. Kor. 10,4). Weil das nun wirklich so ist, kommen wir zu der kühnen Einsicht, dass wir den Verlauf der nationalen und internationalen Geschichte durch Gebet, Fasten und das Wort Gottes mehr beeinflussen können, als es durch Wahlbeteiligung je möglich wäre.

Eine Person des öffentlichen Lebens sagte einmal, dass Politik schon ihrem Wesen nach verdorben sei. Und als Warnung fügte er hinzu: "Die Versammlung sollte nicht ihre eigentliche Aufgabe vergessen, indem sie sich auf ein Gebiet menschlicher Anstrengungen begibt, wo sie zwangsläufig eine armselige Figur abgibt ... Wenn sie sich darin einmischt, wird sie die Reinheit ihres Existenzgrundes verlieren."

Gottes Plan für dieses Zeitalter ist es, aus den Nationen ein Volk für seinen Namen herauszurufen (vgl. Apostelgeschichte 15,14). Statt es den Menschen in einer verdorbenen Welt möglichst erträglich und bequem zu machen, ist Er damit beschäftigt, Menschen aus ihr herauszuretten. Ich sollte damit beschäftigt sein, bei diesem herrlichen Befreiungsunternehmen mit Gott zusammenzuarbeiten.

Als die Menschen den Herrn Jesus fragten, wie sie die Werke Gottes wirken könnten, antwortete Er, dass es das Werk Gottes ist, an Den zu glauben, den Er gesandt hat (Johannes 6,28.29). Das also ist unsere Aufgabe - Menschen zum Glauben zu führen, nicht zur Wahlurne.


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Mein Reich ist nicht von dieser Welt."

Wie ein Reich von dieser Welt ist, sehen wir mit unseren Augen. Es kommt "mit äußerlichen Gebärden", mit äußerer Pracht, mit äußerem Ansehen, mit leiblicher Macht, Heeren, Waffen, Titeln und allerlei Veranstaltungen, die diesem äußeren Leben dienen. Das Reich Christi dagegen ist ein geistliches, ein unsichtbares Reich, vor Menschenaugen verächtlich und elend. Es dient nicht diesem Leben, sondern unserem ewigen Heil und einer anderen Zeit.

Gegen unser allergrößtes Übel haben alle Reiche der Welt keine Hilfe. Die Sünde beugt die mächtigsten Könige unter ihre Gewalt. Der Teufel, "der Fürst dieser Welt", zwingt alle Könige und Fürsten, ihm zu dienen, wenn sie nicht zu Christus geflohen sind und von Ihm erlöst wurden. Vor dem Tod legt jeder König sein Zepter nieder und lässt sich still wegführen; ja, die ewige Verdammnis trifft ebenso den unbussfertigen König wie jeden anderen Menschen.

Gegen dieses ewige Übel haben alle Reiche der Welt keine Hilfe, gerade hier aber soll das Reich Christi uns dienen. Es hat zwar in der Welt kein Ansehen, vor den Augen der Menschen ist es elend und jämmerlich, wie sein König es auch war, als Er gegeißelt, verspottet und mit Schmach bedeckt vor Pilatus stand. Sein Reich erscheint also höchst elend. Es schützt nicht vor Verachtung durch die Welt, nicht vor der Unterdrückung durch die Menschen, nicht vor Kreuz und Leiden, nicht einmal vor Versuchungen und Anfechtungen durch die Sünde und den Satan, nein, es bringt eher alles das über uns. Aber vor dem Zorn Gottes und dem ewigen Tod schützt es. Von der Sünde, sowohl von ihrer Strafe als auch von ihrer Herrschaft, befreit es. Von der ganzen Herrschaft und der Übermacht des Teufels errettet es. Vor der Hölle und dem ewigen Feuer bewahrt es. Die Menschen, die an Jesus glauben und in Seinem Reiche sind, werden nicht ewiglich sterben, sondern, wenn der leibliche Tod diesem elenden Erdenleben ein Ende macht, werden sie erst recht zu leben anfangen, gleichwie Jesus gerade da zu Seiner Herrlichkeit einging, als Er starb. So ist Sein Reich, so Seine Meinung mit den Worten: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt."

Dies aber müssen wir uns vor allem durch das Bild des Königs einprägen. Denn dazu sollte die tiefe Erniedrigung des Herrn Christus und Sein Leiden uns in so ergreifenden Zügen vor Augen gestellt werden, dass die Gläubigen zu allen Zeiten in Ihm ein Vorbild ihres eigenen Weges durch Leiden zur Herrlichkeit sehen sollten. Dieser Weg oder das Reich Christi auf Erden, wird uns oft so niederdrückend und so verwunderlich, dass auch seine erleuchtetsten Mitglieder unaufhörlich daran irre werden. Darum musst du den König oft und gründlich als ein Beispiel der Art und Beschaffenheit des Reiches betrachten; übe dich darin, die großen Gegensätze bei Christus recht zusammenzuhalten, die Gegensätze zwischen dem Wesen und dem Außehen. Sieh, welch eine herrliche Person. Und sieh, welch eine tiefe Erniedrigung, welch ein jämmerliches Außehen! Der Person und der Wirklichkeit nach ist der "König der Ehren", der eingeborene Sohn des Vaters, dem der Vater auch als Mensch "alle Gewalt im Himmel und auf Erden" und "einen Namen gegeben hat, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle Knie derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters." So ist der König in Wirklichkeit. Aber sieh, was davon an Ihm gesehen wird! Er wird in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt. Er war während Seines ganzen Lebens "der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit", so arm, dass - während "die Füchse Gruben und die Vögel unter dem Himmel Nester haben - des Menschen Sohn nicht hatte, da Er Sein Haupt hinlegte." Und als Er Seinen bedeutungsvollen, von den Propheten vorausgesagten Einzug in Jerusalem hält, reitet Er auf einem geliehenen Füllen der lastbaren Eselin, die Kleider Seiner Jünger zum Sattel. Ist dieser Jesus der große König der Ehren, von dem die Propheten von Anfang der Welt an sangen? Ja, Er ist es, "der König der Ehren, mächtig im Streit." Dies aber war jetzt so vollständig verborgen, dass man sich nicht zu wundern brauchte, wenn alle Menschen versucht würden, über Seinen Königsnamen zu spötteln und zu sagen: Dann ist es gewiss ein Bettelkönig.

Aber Sein Reich ist ein Reich der schärfsten Gegensätze, der größten Ehre und Herrlichkeit vor Gott, des größten Elends aber vor uns und vor allen Menschen. Sein Reich ist ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, zugleich aber ist darin eine beständige Sünde und Unruhe, ein beständiger Streit. Seine Gläubigen sind vor Gott in größter Gnade und Ehre, sind nichts Geringeres als Gottes Kinder - "Meine Söhne und Töchter", spricht der allmächtige Herr. Ja, wir sind Christi Brüder und Miterben, die "leuchten werden wie die Sonne in unseres Vaters Reich" - und gehen doch hier auf Erden oft wie ganz von Gott verlassen einher, als wären wir wegen unserer Sünden unter Seinem Zorn. Wir sollten dann vielmehr der Gestalt unseres Königs eingedenk und darauf bedacht sein, dass die große Gnade und Herrlichkeit hier auf Erden unter allem Jammer und Elend verborgen sein soll, auf dass der Glaube eine beständige Übung habe!

Es glänzet der Christen inwendiges Leben, Obgleich sie von außen die Sonne verbrannt; Was ihnen der König des Himmels gegeben, Ist keinem als ihnen nur selber bekannt. Was niemand verspüret, was niemand berühret, Hat ihre erleuchteten Sinne gezieret, Und sie zur göttlichen Würde geführet.


Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Mein Reich ist nicht von dieser Welt."

Mit bewegtem Herzen hat unser Geschlecht die Umwälzungen geschaut, die Schlag auf Schlag in der Völkerwelt erfolgt sind. Throne sind gestürzt, berühmte Namen in den Staub gezogen worden. Unheimlich jubelten die einen, tief gebeugt waren die anderen. Und mitten in den brausenden Wogen des Völkermeeres stand und steht unerschütterlich fest das Reich, von dem sein dornengekrönter König einst bezeugte: Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

Nie, auch nicht in den blühendsten Friedensjahren hat sich die Realität des Reiches Gottes so fühlbar gemacht, wie in den Zeiten des Sturmes und des Umsturzes. Der Christ kann wohl ein warmer Vaterlandsfreund sein, aber seine tiefsten Wurzeln sind im unsichtbaren Reich seines Gottes. Dort ist seine Heimat. Für den ewigen König schlägt sein ganzes Herz. Und wenn er auch ob des Unglücks und der Sünden seines Volkes mit Jeremia ausruft: "Meine Augen fließen mit Tränen Tag und Nacht über die Erschlagenen meines Volkes", so findet er doch Trost in dem Bewusstsein, dass alle diese Stürme nur dazu dienen müssen, das Kommen des Königs vorzubereiten. Nichts und niemand kann ihn scheiden von der Liebe seines Herrn. Das gibt Kraft und Frieden.

Mein König, wie Dein Reich nicht von dieser Welt ist, so lass auch mich, wiewohl in der Welt lebend, nicht von der Welt sein, sondern volle Genüge haben in Dir.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Ja, das konnte man dort vor und in dem Richthaus an der mißhandelten und zerschlagenen Gestalt des Heilands erkennen. Diese Welt haßte ihn und stieß ihn aus als einen, der nicht zu ihr gehöre, und das ist auch wahr, denn sein Reich war und ist nicht von dannen. Schon als Kind mußte er von einem Ort zum andern fliehen, weil diese Welt ihm den Untergang drohte; in folgenden Jahren mußte er sein Brot im Schweiß seines Angesichts essen, als Lehrer hatte er kein eigenes Plätzchen auf dieser Welt, und wo war der Glanz und die Pracht, die irdische Throne zu umgeben pflegen? Ach, er trat ja auf in Knechtsgestalt, er hatte keine Gestalt noch Schöne; wir sahen ihn, aber das war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Die Welt verstand ihn nicht; sie haßte ihn. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Er zeugte vom Licht, doch die Finsternisse haben's nicht begriffen. Er mußte sich für einen Übeltäter, für einen Schwärmer verschreien lassen, es ging bei ihm durch Ehre und Schande, durch gute und böse Gerüchte, durch Bande, durch Schläge, durch Spott und Hohn, durch Geißeln, durch Kreuz und Tod, sein Reich war nicht von dieser Welt. Ach, diese Welt folgt andern Gesetzen, sie hat einen andern Gott, sie wird durch andere Triebfedern bewegt. Er hat ein Reich der Wahrheit gestiftet, die Welt aber reibt sich selbst in der Lüge auf. Das Reich des Heilandes ist ein Reich der Liebe, aber in der Welt sucht jeder nur das Seine, nicht das, das des andern ist. Das Reich Jesu Christi ist aufs Unsichtbare gebaut, die Welt aber trachtet nach dem, das sichtbar ist; das Reich des Herrn ist für die Ewigkeit gegründet, die Welt aber vergeht mit ihrer Lust. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre es von dieser Welt, seine Diener würden darob gekämpft haben, daß er den Juden nicht überantwortet würde. Aber es geziemete Gott, daß er den König des Himmelreichs, den Herzog unserer Seligkeit durch Leiden vollkommen machte. Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht! Ich will hier bei dir stehen, wenn dir dein Herze bricht. Wenn dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen in meinen Arm und Schoß.

Es dient zu meinen Freuden und kommt mir herzlich wohl, wenn ich in deinem Leiden mein Heil, mich finden soll. Ach möcht ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben! Wie wohl geschähe mir. Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für deine Todesschmerzen, da du's so gut gemeint. Ach gib, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, und wenn ich einst erkalte, in dir mein Ende sei!


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Kind zweier Welten

Im Reich Gottes geht es so zu: Der sicherste Weg, etwas zu verlieren, ist, wenn man versucht, es zu beschützen; und der sicherste Weg, etwas zu behalten, ist, es fahren zu lassen. Das meinte unser Herr Jesus Christus mit seinem Wort: »Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.« Christus wandte sich von der gefallenen Welt Adams ab und sprach von einer völlig anderen Welt, einer Welt, in der Adams Philosophie ungültig ist und in der seine Methode nicht funktioniert. Er sprach vom Reich Gottes, dessen Gesetze genau das Gegenteil der Gesetze des Reiches der Menschen sind.

Daher ist ein echter Christ ein Kind zweier Welten. Er lebt unter gefallenen Menschen, doch wenn er wiedergeboren ist, ist er dazu berufen, nach den Gesetzen und Maßstäben des neuen Reiches zu leben. Vielleicht versucht er, sein neues Leben nach irdischem Muster zu führen - dies bezeichnet Paulus als »fleischlich«. Darum ist es äußerst wichtig, dass sich ein Christ in das Leben emporhebt, das Gottes Geist schafft. Gib deine irdischen »Schätze« auf, und der Herr wird sie für dich aufbewahren bis zum ewigen Leben!


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.

Das sind königliche Worte, mitten aus der Leidensgeschichte heraus. Unser Heiland heißt nicht umsonst schon in Jes. 9,6 der Wunderbare; er ist ein wunderbarer König: herrlich vor seinen Gläubigen, unverstanden und verachtet vor der Welt. Er steht da, als der Verspottete, Verspiene, Geschlagene und Gelästerte; ist er ein König, so kann sein Reich nicht von dieser Welt sein. Könige dieser Welt stehen und fallen mit äußerem Glanz und äußerer Macht; ihr Thron, und Reich geht zu Grunde, sobald sie der Verachtung anheim fallen und Gewalt der Waffen sie nicht mehr hält. Eben darum sind die Reiche dieser Welt vergänglich; ihre Grundlagen sind keine ewigen, sie stammen aus der Eitelkeit. Christus ist der König der Wahrheit, und sein Reich das Reich der Wahrheit. Darum behält er auch in aller Schmach, sei es vor dem Hohenpriester, oder vor Pilatus oder Herodes seine königliche Würde und Majestät. Seine Krone ist nicht von Volkes Gnaden, der ewige Gott hat sie ihm gegeben. Seine Dynastie ist keine zeitliche, er ist der König der Ewigkeit. Speichel, Schläge, Spott und Hohn können seine Herrlichkeit nicht schmälern, sie besteht in der Wahrheit, gegenüber der Lüge und dem Schein. Die Welt lebt von der Lüge und dem Schein, seit der Mensch dem Satan geglaubt hat. Was sie erobert und zusammenhält, tut sie mit Gewalt; was unser König Christus erobert, erobert er durch das Wort der Wahrheit; Anwendung äußerer Gewalt ist seinem Reiche fremd. Ein solches Königtum versteht Pilatus und Herodes nicht; dem Ersteren erscheint es als Eigensinn, dem Letzteren als Narrheit. So ist es heute noch. Lassen wir uns nicht irre machen. Christi Jünger verschmähen die Art und die Mittel der Weltreiche; sie wollen nicht äußerlich herrschen und glänzen; sie stützen sich nicht auf die Gunst der Mächtigen dieser Erde, noch auf den Beifall der Menge; ihre Macht und Herrlichkeit ist die Wahrheit. Von dieser zeugen sie, wie der Meister es getan und folgen ihm nach durch die Schmach in der Gewissheit: Die Reiche der Welt müssen unsers Herrn und seines Christus werden. Offb. 11,15.

Ja, Herr! Du bist mir herrlich. Du bist der Schönste unter den Menschenkindern, auch inmitten der Schmach. Deine Stimme will ich hören, und Dir folgen. Amen


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Mein Reich ist nicht von dieser Welt

Wohl mochte Pilatus fragen, ob Jesus ein König sei. Du armer, müder, verachteter Nazarener, bist du ein König? Wahrlich, ein eigentümlicher Kontrast gegen Herodes, der diese Gerichtshallen hatte erbauen lassen! Dein Volk scheint wenigstens deine Königswürde nicht anzuerkennen! – Aber Jesus zog seine Ansprüche nicht zurück. „Du sagst es“, spricht Er – „ich bin ein König!“

1. Der Ursprung seines Königreichs

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Damit wollte der HErr nicht sagen, wie diese Worte zu oft gedeutet wurden, dass sein Reich mit dieser Welt durchaus nichts zu tun habe; sondern nur, dass es nicht darin wurzle. Jesus ist König, nicht durch irdische Abstammung, ober menschliches Recht; sondern durch den ewigen Ratschluss des Vaters, der gesagt hat: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget; Ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion.“

2. Die Ausdehnung dieses Reiches

Es wird nicht durch bewaffnete Gewalt ausgebreitet; seine Diener kämpfen nicht darob. Sie sind Priester, eingekleidet in das weiße Gewand makelloser Reinheit; sie tragen ihr Banner hoch, mit der Inschrift: „Selig sind die Friedfertigen.“ Ihrem Meister gleich zeugen sie von der Wahrheit, und wo sie das tun, werden alle, die aus der Wahrheit sind zum HErrn hingezogen, wie Stahlspäne zum Magnet.

3. Wahrhaft königlich ist es, Zeugen der Wahrheit zu sein

In aller Demut dürfen wir uns des Meisters Worte aneignen: Hierzu sind wir geboren und in die Welt gestellt, dass wir durch alle unsere Taten und Worte von der Wahrheit zeugeten. Dadurch offenbart sich an uns ein königlicher Sinn, der nicht angeerbt oder von Menschen übertragen ist, sondern der in uns durch die Gnade des heiligen Geistes und die Mitteilung des Lebens Jesu gewirkt wird.