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Predigten zu Johannes 20,16

"Jesus spricht zu ihr: Maria! Sie wendet sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni! das heißt Lehrer."

Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Jesus spricht zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni! Das heißt Meister."

"Wer nach ihm weint, dem ist er nah", heißt es in einem Lied. Wie nahe war Jesus, der gute Hirte, dem armen Schäflein, das sich ganz unglücklich und verlassen wähnte. Merke es, o Seele, wenn du dich nach Jesus sehnst und nach seiner Nähe schreist, so ist's, weil er dich sucht und zu sich ziehen will. Nach einer Zeit schwerer Anfechtung, so lesen wir im Leben der Katharina von Siena, offenbarte der Herr sich ihr wie ehedem, und sie lauschte mit Entzücken seiner Stimme. "Wo warst Du doch, geliebter Herr, da mein Herz so gequält war?" fragte sie. "Ich war in deinem Herzen verborgen", lautete die göttliche Antwort. "Wäre ich nicht in dir gewesen, so hättest du ja Wohlgefallen gehabt an den sündlichen Gedanken." -

"Wen suchst du?" fragte Jesus die betrübte Frau, die ihn im Morgengrauen nicht erkannte. Und du, liebes Herz, was oder wen suchst du? Suchst du eine Erfahrung, ein freudiges Gefühl, oder suchst du Jesum selbst? Wenn ja, dann harre nur im Glauben aus! Er wird dich bei deinem Namen rufen, du wirst ihn als deinen Heiland erkennen und sprechen: Rabbuni, mein Meister!

Herr, ist nicht heute gleich noch Deine Huld, Dein unendliches Erbarmen, Deine Liebe und Geduld, O so tue an mir Armen Wie Du tatst an Deinem Schäflein dort, Durch Dein Wort!


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Diese Frau war fassungslos in ihrem großen Schmerz; aber es genügte, daß sie ihren Namen aussprechen hörte, damit sie ihr Gleichgewicht und den Frieden Gottes, der allen Verstand übersteigt, wiederfand.

Als der Herr sie bei ihrem Namen nannte, bewies Er damit, daß Er Sein Kind erkannt hatte. Sie hatte zwar gedacht, Jesus wäre der Gärtner; aber Er konnte sich im Hinblick auf Sein Kind nicht irren; mit Seinem Anruf bewies Er ihr, daß Er sie nicht aus den Augen verloren hatte, daß die große Erschütterung, die sie durchgemacht hatte, sie nicht aus Seiner Hand hatte reißen können.

«Jesus spricht zu ihr: Maria!» Dieser Anruf war auch ein Zeichen der Anerkennung; der Herr machte Maria wieder neu zu Seinem Eigentum. «Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. Wenn du durchs Wasser gehst, so will ich bei dir sein, und wenn durch Ströme, so sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du durchs Feuer gehst, sollst du nicht versengt werden, und die Flamme soll dich nicht verbrennen» (Jesaja 43,1-3). Ja, Er ruft Seine Schafe beim Namen. Er beweist ihnen, daß Er sie nicht nur nicht vergißt, sondern daß sie Ihm für immer angehören.

Aber in diesem Anruf liegt noch mehr. Jesus redet mit Maria als der auferstandene Herr. Er offenbart ihr Seinen himmlischen Vater: «Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.» Er offenbart Seinem Kind, daß sie nicht mehr allein steht, sondern das geliebte Kind des himmlischen Vaters ist, und daß Er ihr die ewige Herrlichkeit erschließt.

Wie die Namen der Stämme Israels auf den Schultern und dem Herzen des Hohenpriesters eingeschrieben standen, wenn dieser vor den HERRN trat, so sind unsere Namen eingeschrieben auf den Schultern und dem Herzen unseres Großen Hohenpriesters, der jetzt in der Herrlichkeit ist. «Siehe, in meine Hände habe ich dich eingezeichnet; deine Mauern sind allezeit vor mir» (Jesaja 49,16). Darum wollen wir stille werden mitten im Sturm, bis wir den Herrn unseren Namen sagen hören und verstehen, was das bedeutet.


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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„Sie hat viel geliebt; deshalb wird ihr viel vergeben“, hat einst Jesus von einer anderen Frau gesagt. Er hat aber auch mit dieser Maria nach derselben Regel gehandelt. Mit ihren Gefäßen voll Salben war sie am Morgen zum Grab gewandert zu seinem getöteten Leib, und als sie ihn nicht mehr fand, jammerte sie bitterlich. Nun war ihr das Letzte genommen, was sie noch von Jesus hatte, der tote Leib. Und als die beiden Jünger, von ihr gerufen, das Grab beschauten und Johannes „sah und glaubte“, blieb sie in ihrer Trauer gebunden und weinte aufs neue. Sie tat es nicht erst deshalb, weil der Leichnam Jesu ihr entrissen ward. Wie hat sie vollends dann geweint und gelitten, als Jesus nach Golgatha geführt wurde und am Kreuz hing! Nicht einmal vor den Engeln fällt ihr die Hülle von den durch die Tränen gefüllten Augen und sogar der Anblick Jesu hat sie nicht sofort aufgeweckt. Hier war viel zu vergeben, viel Menschliches zuzudecken, was die Schwachheit des menschlichen Herzens offenbart. Aber kein Vorwurf trifft sie. „Maria“, sagt ihr Jesus und damit ist alles bedeckt und vergeben, alles Zweifeln, Klagen und Weinen. Er kam nicht als Zuchtmeister zu ihr, sondern als ihr Herr, der sie einst zu sich berufen hat und jetzt aufs neue zu sich beruft. Sie gehörte ihm. Maria hat dies erkannt und sagt: „Mein Herr!“ Es gab Zeiten in der Kirche, in denen man Marias Wort überbieten wollte: „Du Freund meiner Seele, mein Bräutigam, du bist mein und ich bin dein.“ So sprachen nicht die, die ihn selber kannten, und nicht nur in ihrer Fantasie mit seinem Bilde spielten. Solche Worte stehen tief unter dem, was Maria sagte. Denn sie legen die Festigkeit der Gemeinschaft Jesu mit uns in die Innigkeit unserer Liebe, die sich an Ihn klammern will. Das hat Jesus den Seinen immer unmöglich gemacht und am Ostermorgen war kein solcher Gedanke in Maria. Auf ein zerbrochenes Herz kann man sich nicht stützen, und wenn die Liebe nur noch klagen und weinen, aber nicht mehr glauben und hoffen kann, so wirkt sie nicht mehr als sicheres Band: „Mein Herr“, sagte sie; das gab ihrer Gemeinschaft mit Jesus die Festigkeit. Weil er ihr Herr war und damit sie es wisse, dass er es sei, kam er zu ihr. Dieses Band zerreißt nicht; denn der Herr verliert nicht, was sein eigen sei.

Über dem Ostertag leuchtet die ewige Hoffnung. Wirst du, Herr, einst auch meinen Namen nennen, so liegt auch darin die Herrlichkeit deines Vergebens und dann darf auch ich Dir antworten: Mein Herr! Amen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Jesus spricht zu ihr: „Maria!“

Viele hatten sie bei diesem Namen gerufen. Sie war gewöhnt ihn täglich oftmals von den verschiedensten Lippen zu vernehmen; aber nur Einer hatte ihn mit dieser Betonung gesprochen. In seinem Munde erhielten die einzelnen Laute eine Lieblichkeit und Zartheit, die sich ihrem Herzen tief eingeprägt hatten – wie der Duft des rumänischen Rosentals noch lange den Kleidern des hindurchreisenden Wanderers anhaftet.

Ihre Augen waren gehalten gewesen. Überrascht durch den freudigen Ausdruck, der plötzlich die Züge der am Grabe Wache haltenden Engel erhellte, hatte sie sich umgewandt, um zu sehen, was diesen Freudenstrahl hervorrufe. Doch auch jetzt noch erkannte sie ihren HErrn nicht. Allein ihr Ohr konnte sie nicht trügen; diese Stimme erkannte sie sofort wieder. Wir sehnen uns manchmal nach der Berührung einer uns entschwundenen Hand, nach dem Ton einer Stimme, die verstummt ist; o, wir werden diese Stimme wieder hören. Unser sterblicher Leib wird nach dem Auferstehungsleib Christi gebildet werden; und offenbar lag in diesem Leibe, die alte, wohlbekannte Stimme. Können wir daraus nicht mit Sicherheit schließen, dass die Stimmen, die uns am jenseitigen Ufer willkommen heißen werden, dieselben sind, die uns einst süße Schlummerliedchen sangen, da wir noch Kindlein waren; um unsere Liebe baten und uns der ihrigen versicherten, als wir herangereift waren; die sterbend ihre letzte Botschaft in unser Ohr geflüstert hatten.

Der Meister weiß wie wir heißen und ruft alle seine Schafe mit ihren Namen. Eine Antwort möchte Er uns entlocken: – die eine, die Ihn allein befriedigen kann; die eine, in der die Liebe und Hingabe unsers ganzen Lebens zusammengefasst ist. Lasset uns, wie Maria, uns zu Ihm wenden, mit dem Ruf: „Rabbuni! mein Meister!“