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Predigten zu Kolosser 1,13

"der uns errettet hat aus der Gewalt der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe,"

Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Danksaget dem Vater, der uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes."

Ein hochgestellter deutscher Offizier erzählte einmal in öffentlicher Versammlung, er sei in seiner militärischen Laufbahn verschiedene Male versetzt worden, von Garnison zu Garnison, von Süd nach Nord; aber keine Versetzung sei so durchgreifend gewesen als die eine, da er versetzt worden sei von der Obrigkeit der Finsternis in das Reich Jesu Christi. Es sind je und je solche "Versetzungen" in auffälliger Weise geschehen. So bei dem Apostel Paulus, der aus der Verblendung des Pharisäertums mit einem Schlag versetzt wurde in die Gemeinschaft der begnadeten Jünger Jesu. - Aber solch eine Versetzung, wenn auch oft zunächst verborgen, ist für jeden Menschen nötig, der selig werden will. Im Boden der Natur, um ein anderes Bild zu brauchen, wächst die heilige Gottesliebe nicht. Die Pflanze muss versetzt werden in den Boden der Gnade; dann erst gedeiht das innere Leben.

Zwei Gebiete werden hier genannt: die Obrigkeit der Finsternis und das Reich des Lieben Sohnes. Zu welchem gehörst du? Es gibt eine Errettung, eine Versetzung. Sage dem Vater Dank, wenn er dieses gnadenvolle Werk an dir getan hat. Rufe ihn um Rettung an, wenn du es noch nicht erfahren hast. Nur bleibe nicht gleichgültig.

Vater, ich danke Dir, dass Du mich von der Obrigkeit der Finsternis errettet und mich versetzt hast in das Reich Deines lieben Sohnes. Lass mich ein treuer Untertan sein und bleiben.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Was versteht denn der Apostel unter der Macht der Finsternis? Er versteht darunter das Regiment und Kommando des Teufels. Dieser hat drei Stricke, an denen er die armen Menschen gängelt und leitet, die den Heiland nicht kennen: des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoff artiges Leben, oder mit andern Worten: Fleischeslust, Geiz und Hochmut. In diesen Ketten lagen die Kolosser gefangen, ehe sie in das Reich Christi versetzt wurden durch Gnade, denn die meisten unter ihnen waren vorher Heiden gewesen. Was die Heiden für Leute waren, sagt Petrus im 1. Brief 4,3 und Paulus Eph. 4,17.18 ff. So ging's das ganze Jahr bei ihnen, jeder suchte es zu treiben so gut er konnte; sie hatten aber noch besondere Festzeiten, wo dem Willen des Fleisches ganz Zaum und Zügel gelassen wurde, wo man glaubte ein Privilegium, einen Freibrief zu haben, daß man seine unsinnige Torheit und fleischliche Lust recht austoben und sich auswüten lasse. Dies alles nennt nun der Apostel des Teufels Werke, und vor diesen seid ihr errettet, schreibt er den Kolossern, ihr meinet nicht mehr, daß ihr's mitmachen müßt, die Ketten sind an euch hinabgefallen, ihr seid frei. - Wir nun sind zwar keine Heiden mehr, wir sind Christen, aber nicht vielleicht erst nur dem Namen nach? O, man darf nicht weit gehen in der Christenheit, um dieselben Greuel zu entdecken, man braucht nicht zu den Heiden hinauszugehen, man darf nur in seine nächste Umgebung, in seine Stadt, in sein Dorf hineinblicken, so findet man diese wüsten Dinge, und auch bei uns hat man nicht genug, wenn's das ganze Jahr hindurchgetrieben wird, nein der Teufel will auch seine Tage haben, wie der Herr seine Tage hat, wo er sich recht ungescheut mit seinen Werken offenbart. Ja bei uns ist's in dieser Hinsicht ärger als bei den Heiden. Die hatten's in der Unwissenheit getan, aber bei uns weiß man's, und gleichsam dem Herrn zum Trotz werden seine Festtage zu Satanstagen verkehrt. Was ist nur aus dem Feste der Kirchweihe, was aus dem Neujahr, was aus dem Osterfest und Ostermontag geworden? Tage, die zu Unreinigkeit und Bubenstücken angewandt werden! Man muß aber das Kind beim rechten Namen nennen; der Teufel ist's, der das anrichtet; er ist der Fürst der Welt, er führt das Kommando.

Herr, wann wirst du Zion bauen, Zion, die geliebte Stadt, die sich dir ergeben hat? Ach soll sie nicht einmal schauen ihre Mauer aufgericht? Ja der Herr verstößt sie nicht!

O wann wird die Stimm erschallen, da man rufet allzumal in der Auserwählten Zahl: Babel, Babel ist gefallen, die mit ihrer stolzen Pracht alle Welt zu Fall gebracht! Höre, wie dein Zion klaget über Babels Dienstbarkeit jetzt in dieser finstern Zeit! Doch du wirst den, der sie plaget, stürzen bald durch deine Kraft und vertilgen Babels Macht.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Wie doch der Teufel alles verdrehen kann! Er ist wirklich ein Lügner von Anfang an! Er hat es fertig bekommen, in Tausenden von Köpfen die Dinge völlig zu verwirren. Es gibt Unzählige, die fürchten ganz schrecklich eine Bekehrung. Sie fürchten, damit kämen sie aus der hellen, frohen Welt in eine finstere, enge Höhle. Ja, man nennt geradezu die Jünger Jesu „Finsterlinge" und „Dunkelmänner".

In Wirklichkeit ist es gerade umgekehrt. Die unbekehrte Welt ist unter der „Obrigkeit der Finsternis". Solange wir nicht Jesum aufgenommen haben und „von Gott geboren" sind, sind wir in Wahrheit „Dunkelmänner" und „Finsterlinge". Wir sind Sklaven der Sünde, wir haben kein Licht über Gott und über uns selbst, wir leben ohne Hoffnung, wir halten uns an arme, vergängliche Dinge.

Und eine Bekehrung führt uns nicht aus der Sonne in die Dunkelheit, sondern umgekehrt: von der Finsternis ins Licht. Wer sich dem Herrn Jesus klar ausliefert, der ist wie ein Gefangener, dem die Türen aufgetan sind, wie einer, der aus düsterer Zelle in die helle Sonne läuft.

Denn es gibt nichts Helleres, Freundlicheres und Schöneres, als das „Reich des lieben Sohnes Gottes". Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Im Evangelium handelt es sich nicht um eine „Weltanschauung", über deren Wert oder Unwert man diskutieren kann, von der man einiges gutheißen und anderes ablehnen kann.

O nein! Im Evangelium handelt es sich um nicht mehr und nicht weniger als um eine neue Existenz.

Im Evangelium handelt es sich nicht um „seelische Erhebung" oder um fromme, andächtige Gedanken. Es handelt sich auch nicht um innere, mystische Erlebnisse. Im Evangelium handelt es sich um Errettung! Es ist dabei ziemlich gleichgültig, ob wir es wissen, wie sehr errettungsbedürftig wir sind, oder ob wir in Blindheit das bestreiten. Ein Ertrinkender, der bewusstlos auf den Wellen treibt und nichts mehr von der Todesgefahr weiß, ist ebenso errettungsbedürftig wie einer, der um sein Leben ringt und um die Gefährlichkeit seiner Lage weiß.

Wir alle sind von Natur unter der „Obrigkeit der Finsternis". Es ist eine große Gnade, wenn Gott uns diesen unseren verlorenen Zustand aufdeckt. Aber viel größer noch ist es, wenn das Evangelium an uns seine Macht beweisen konnte und wir mit allen Heiligen und Kindern Gottes rühmen können: „Er hat uns errettet und versetzt in das Reich seines lieben Sohnes." Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Es ist einmal eine Lebensbeschreibung veröffentlicht worden mit dem feinen Titel „Wandlungen".

„Wandlungen", das könnten wir alle über unser Leben schreiben. Wir machen alle eine Menge Wandlungen mit. Wir wandeln uns aus Kindern in Männer und Frauen. Reiche werden arm und Arme werden reich. Eingefleischte Junggesellen werden überzeugte Familienväter. Es ist nicht möglich, all die vielen Wandlungen aufzuzählen.

Aber auch die tief greifenden Wandlungen unseres Lebens sind noch keine entscheidenden. Denn sie verändern in keiner Weise unsere Stellung vor Gott. Ein Beispiel kann uns das deutlich machen: Da ist ein Seemann im Sturm vom Schiff ins Meer gespült worden. Nun treibt er in den schäumenden Wellen. Da kann er verschiedene Wandlungen durchmachen: Er kann Brustschwimmen und auf dem Rücken schwimmen. Er kann sieh treiben lassen oder an ein Holzstück klammern. Er kann von einem Haifisch gefressen werden oder ertrinken. Wandlungen! Aber immer bleibt der Seemann, was er ist: ein verlorener Mann.

Es gibt für ihn nur eine entscheidende Wandlung: dass er gerettet wird. So ist es mit unserem Leben! Ob wir arm oder reich, angesehen oder verachtet, alt oder jung, töricht oder klug sind, – wir sind vor Gott verlorene Leute. Und es gibt in unserem Leben nur eine entscheidende Wandlung: dass Jesus uns rettet! Gott schenke uns diese Wandlung! Arnen.