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Predigten zu Lukas 18,14

"Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus vor jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Hochmut erniedrigt

"Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden."

Der Grössensinn steckt tief in unserer Natur. Er macht so recht eigentlich das Grundverderben aus. "Ihr werdet sein wie Gott": durch diese lockende Aussicht erweckte die Schlange im Paradies den Hochmut. Dann fiel der erste Mensch, er verlor seine wahre Hoheit. Im Grunde erniedrigt sich der Mensch selbst durch seinen Hochmut. Denn die Demut ist allein wahre Grösse. Dann wird aber auch der Hoffärtige von Gott hinabgestossen und erniedrigt bis zum Abgrund der Hölle. Im Hochmut liegt ein direkter Gegensatz zu Gott. Selbstüberhebung ist Selbstvergötterung. Darum widersteht Gott den Hoffärtigen. Die Selbstverherrlichung ist nichts anderes als ein Raub an Gottes Ehre. Wir dürfen den Hochmut nicht im äußeren Auftreten, nicht im äußeren Gebaren zuerst suchen. Gewiss offenbart er sich auch in stolz vermessenen Worten, in der Kleidung, im Gang, im Blick und in Gebärden. Aber er hat seinen Sitz vor allem tief im Herzen und kann sich hinter äußerer Bescheidenheit, hinter demütig klingenden Redensarten verbergen. Man kann tun, als ob man gern zurücktrete, und ist doch sehr empört, wenn man zurückgesetzt wird. Es gibt zwei Erkennungszeichen des Hochmuts. Einmal will der Hochmütige sich nichts sagen lassen. Er will unfehlbar sein, erträgt keine Zurechtweisung und keinen Widerspruch. Hochmütige Menschen sind empfindlich, reizbar und schnell beleidigt. Sodann ist man lieblos und kalt gegen andere. Man verachtet sie, schaut auf sie herab, und wenn sie mehr sind und gelten oder mehr Erfolg haben, hasst und neidet man sie. Der Hochmut ist am schwersten auszurotten. Im unbekehrten Zustand wächst er sich ungehindert aus und macht sich dick und breit. Bei der Bekehrung bekommt er einen gewaltigen Stoss, und zeitweilig verschwindet er vielleicht. Im Bußschmerz fühlt man nur sein Nichts und seine Nichtswürdigkeit. Aber er taucht nachher wieder auf. Er tritt nicht mehr so grob, sondern in verfeinerter Gestalt auf als geistlicher Hochmut. Man bildet sich etwas ein auf seine Bibelkenntnis, auf seine christliche Urteilsfähigkeit, auf die Gabe der Wortdarbietung und schaut auf andere herab. Mancher hat schon einen beschämenden Fall getan. Gott ließ ihn fallen, weil er in falsche Höhe geriet. Denn Hochmut kommt immer vor dem Fall. Beugt man sich nicht, dann stürzt einen Gott immer tiefer. Vor unseligem Großwerden bewahre mich, o Herr, und beuge mich!

O stürz von jeder Hohe mich, darauf ich mich gestellt; lass mich mir selbst gestorben sein, gekreuzigt sein der Welt! Ja, mache mich, o Herr, recht klein, so wächsest du in mir, und was die ganze Welt nicht gibt, das find ich dann in dir.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Der Zöllner war Zöllner, d.h. ein schlechter Mensch, aber er erlangte Barmherzigkeit. Wie machte er's? Er stand von fern, er wagte es nicht nahe zu treten, er dachte: Ach dieser Pharisäer da kann sich schon dem Heiligtum nähern, denn er ist ein rechtschaffener Mensch, aber ich, ich habe den Zorn Gottes verdient, Gott würde mich verzehren in seinem Eifer, wenn ich ihm nahe träte, er wollte deswegen seine Augen nicht aufheben gen Himmel, er dachte: Ich bin's nicht wert, ich hab's zu arg gemacht, ich habe meinen gütigen Gott zu grob beleidigt, meine Sünden stehen zwischen mir und meinem Schöpfer. Er schämte sich und schlug an seine Brust zum Zeichen seiner tiefen Betrübnis und daß er sich selbst verdamme, er konnte deswegen auch nicht viele Worte machen, sondern er sprach nur: Gott sei mir Sünder gnädig. Nun gibt es aber auf der ganzen weiten Welt nichts Respektableres, als einen Sünder, der Buße tut. Wenn eine Seele anfängt, der Treber satt zu werden, und sieht sich nach etwas Besserem um und denkt: Ich will zu meinem Vater gehen, vielleicht nimmt er mich an, wenn ich auch nur Taglöhner bei ihm werde, so ist dies eins der schönsten und größten Werke, das der Geist, der neuschaffende Geist des Herrn an einem Menschen vollführen konnte. Mag da auch die Sünde noch so groß und noch so mächtig in den Gliedern gewesen sein, mag der Satan noch so sehr über eine solche Seele geherrscht haben, wenn der Mensch nur einen demütigen und zerschlagenen Geist vor den Gnadenthron Jesu Christi bringt, wenn er so dasteht: Schau her, hie steh ich Armer, der Zorn verdienet hat, gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad, da bricht dem Herrn sein Herz gegen eine solche Seele, die ewige Liebe bewegt sich in ewigen Liebestrieben gegen das verlorne Kind, die Gerechtigkeit Gottes tritt zurück, die Liebe behauptet nun ihre vollen Rechte, der Mensch geht gerechtfertigt in sein Haus, mit losgesprochenem Gewissen, mit der Vergebung der Sünden in seinem Herzen, er weiß, daß ihn nun nichts mehr verklagen dürfe vor Gott, daß seine Sünden in die Tiefen des Meeres versenkt seien und ihrer ewiglich nicht mehr gedacht werden soll. Große Gnade!

Nun so sei vor Gott gebeten, Sünder, der du dieses hörst: Eile, vor den Thron zu treten, dem du noch den Rükken kehrst! Was dir fehlet, was dich quälet, will der Herr mit Freuden hören, ja dich segnen und bekehren. O wie wartet dein Erbarmer, Mensch, auf deine Seligkeit! Komm doch, ruft er, komm du Armer und verlaß die Sicherheit! Die da träumen und versäumen, ihre Seelen zu erretten, bleiben ewig in den Ketten.