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Predigten zu Lukas 19,5

"Und als er an den Ort kam, sah Jesus auf und erblickte ihn und sprach zu ihm: Zachäus, steige eilends hernieder, denn heute muß ich in deinem Hause bleiben."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Zachäus, steige eilends herab."

Die Berufung Gottes ist eine eilige. Wenn der Sünder gerufen wird, so antwortet er: "Morgen." Wenn er eine ernste Predigt hört, so sagt er: "Ich will mich bald zu Gott bekehren;" die Tränen fließen über seine Wangen, aber sie werden bald wieder abgewischt. Einiges Gute kommt zum Vorschein, aber es wird wieder, wie die Morgenwolke, zerstreut durch die Sonne der Versuchung. Der Mensch sagt: "Ich gelobe feierlich, von jetzt an mich zu bessern. Wenn ich noch einmal meine Lieblingssünde genossen habe, so will ich meinen Lüsten entsagen und mich für Gott entscheiden." Dieser Ruf haftet nicht. Er führt zwar zu guten Vorsätzen, aber der Weg zur Hölle ist, wie man sagt, mit lauter guten Vorsätzen gepflastert. Diese guten Vorsätze sind die Frucht einer allgemeinen Berufung. Der Weg zum Verderben ist ganz mit Zweigen von den Bäumen belegt, worauf die Menschen sitzen und wovon sie oft nur Zweige abbrechen und sie hinunterwerfen, ohne selbst herabzusteigen. So gibt es viele Menschen, welche ihren Pfad mit Bußgelübden und Versprechungen bestreuen, um leichter und geräuschloser in das Verderben hinabzusinken. Aber der Ruf Gottes ist nicht ein Ruf auf den morgenden Tag. "Heute, so ihr seine Stimme höret, so verhärtet eure Herzen nicht, wie es geschah in der Verbitterung, am Tag der Versuchung in der Wüste."

Die Gnade Gottes kommt immer mit Eile; und wenn du von Gott gezogen wirst, so läufst du Ihm nach und sprichst nicht von Aufschub auf die Zukunft. Morgen - Morgen - steht in Satans Kalender, und sonst nirgends. Morgen - ist ein Felsen, weiss gemacht durch die Gebeine der Seeleute, die daran Schiffbruch erlitten haben. Morgen - ist die Trinkschale, welche nach der Fabel des Dummkopfes am Fuß des Regenbogens liegt, welche aber noch niemand gefunden hat. Morgen - ist die schwimmende Insel, die noch niemand gesehen hat. Morgen - ist ein Traum, eine Täuschung. Morgen - ja Morgen magst du deine Augen in der Hölle aufheben und in der Qual dich befinden. Aber jede Uhr sagt "Heute;" dein Puls, dein Herzschlag sagt "Heute." Alles ruft "Heute;" und der heilige Geist spricht: "Heute, wenn ihr seine Stimme hören wollt, so verhärtet eure Herzen nicht


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Gestilltes Heilsverlangen (II)

"Als Jesus kam an die Stätte, sah er auf und ward sein gewahr und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilends hernieder; denn ich muss heute in deinem Hause einkehren."

"Jesus sah auf." Die innere Stimme sagte ihm: "Hier ist eine Seele, die deiner bedarf!" Zwischen ihm und Zachäus war bereits ein Band geknüpft. Er weiss um die Kämpfe seiner Seele. So nennt er ihn auch mit Namen, obwohl er ihn noch nie gesehen hatte. Es entgeht dem Heiland nicht, wenn in der Seele eines sonst satten und selbstgerechten Menschen ein Hunger nach Gerechtigkeit anhebt. Sein Geistesohr vernimmt den Schrei des erwachenden Gewissens. Die Sehnsucht eines Herzens nach Leben und Frieden übt auf ihn eine Anziehungskraft aus. Ihn zieht es unwiderstehlich nach solch gottverlangenden Menschen. Sie sind ihm vom Vater zugewiesen und "gegeben", er betrachtet sie als kostbare Geschenke. - Zachäus erhielt sehr viel mehr, als er gehofft hatte. Er sehnte sich, Jesus zu erblicken, und erhielt nun einen Blick von Jesu, aus dem ihm die rettende Liebe entgegenstrahlte. Das war kein kalter, auch kein vorwurfsvoller Blick, wie er ihn freilich verdient hätte. Es war der Blick des Guten Hirten, der sein verirrtes Schäflein fand. - Jesus gönnte ihm nicht nur einen Blick, sondern auch ein Wort, ja, er verheißt ihm Einkehr in seinem Hause. "Steig eilends hernieder!" Wo es sich um die Rettung der Seele handelt, tut Eile not. Bei gleichgültigen Dingen ist es einerlei, ob man sie heute oder morgen oder überhaupt nicht tut; aber wo das Heil der Seele auf dem Spiel steht, da ist Aufschub nicht am Platz. Wer in diesem Fall säumt, kann sich um alles bringen. Wenn unser leibliches Leben durch Feuersbrunst oder Wassersnot in Gefahr kommt, säumen wir auch keinen Augenblick. Ist die Seele nicht mehr als der Leib? Es ist wirklich unverantwortlich, wenn man in dieser wichtigen Sache zaudert und wartet. - Der Herr Jesus setzte seinerseits auch etwas aufs Spiel, als er in das Haus des Zöllners einkehrte. Es "murrten" alle, als sie sahen, dass er bei einem Sünder einkehrte. Es gab in Jericho so manche ehrbare Leute; warum muss er gerade in diesem anrüchigen Haus einkehren? Jesus fragt nach niemandem. Was ihn der Vater heißt und der Drang der rettenden Liebe ihm gebietet, das tut er. Niemals hielt ihn eine falsche Rücksicht zurück, die Wahrheit zu sagen oder auch eine Liebe zu erweisen (Lk. 14, 1 - 4).

"Ich muss heute bei dir einkehren." Es ist das heilige Muss, das Jesus erfüllte. Schon in seinem zwölften Jahre musste er sich mit dem abgeben, was seines Vaters war. Kein Druck oder Zwang von außen her hat ihn je im geringsten beeinflussen, keine Drohung ihn bewegen können, auch nur einen Tag früher seine Arbeit abzuschließen (Lk. 13, 31 - 33). - "Heute": so heißt es beim Heiland; nicht morgen oder später einmal, wie es bei uns leider oft üblich ist. Er besinnt sich nicht und schiebt nicht auf, er errettet heute und jetzt. Wenn seine Hilfe länger ausbleibt, liegt die Schuld allein auf unserer Seite.


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Das geschah in Jericho, als Jesus nach Jerusalem zum Sterben ging. Darum sagte er: Heute muss ich in das Haus des Zöllners hinein. Er muss es jetzt zum Beginn seines Leidens nochmals allem Volk zeigen, wozu ihn der Vater gesandt hat und wozu er ihn an das Kreuz schickt, und das muss er nicht nur um des Volkes, sondern auch um seinetwillen. Er muss, ehe er leidet, nochmals das Werk des Vaters sehen, das er in der Sendung seiner Gnade zu vollenden hat, muss er nochmals erfahren, dass ihn der Vater dazu in die Welt und in das Leiden sendet, damit ein Mann wie Zachäus noch etwas anderes bekomme als ein großes Geschäft und einen großen Gewinn und eine große Masse von Versündigung, nämlich einen gnädigen Gott. Es war ein Sünder, den er gewann, den die rechten für ihren Feind hielten und verdammten. Es muss so sein, sagte Jesus. Denn das ist Gottes große Tat und herrliche Offenbarung, dass er denen hilft, denen niemand helfen kann, vor denen die Gerechten ratlos stehen, weil sie nichts anderes können als sie zu entehren und zu verdammen. Darum offenbart Jesus da, wo das Vermögen der Menschen endet, Gottes Vermögen und stellt neben die Armut der Gerechten den Reichtum der göttlichen Liebe und fügt zur hilflosen Ohnmacht des Verschuldeten die Allmacht der Gnade, die ihm die Neuheit eines wiedergeborenen Lebens schenkt. Nur ein einziger war es, dem er helfen konnte, während Israel als Ganzes der Führung seiner Gerechten folgte und ihn von sich stieß. So muss es sein, sagt Jesus; denn Gott ist nicht an die Menge gebunden und bewundert nicht das menschliche Große, sondern reicht seine Gabe auch dem Einen und Kleinen und macht an ihm seine rettende Gnade allen offenbar. Wie Jesus sein Leiden damit begann, dass er einen Zöllner für sich gewann, so beschloss er es damit, dass er den einen neben ihm Gekreuzigten mit sich ins Paradies nahm. So machte er offenbar, was er mit seinem Leiden schuf.

Ich muss alle meine Gedanken wenden, um Dich, o Jesus, zu verstehen und mich mit dem zu einigen, was Du tust. Denn, was wir klein heißen, gibst Du Dein Wohlgefallen und bringst dem, was wir verdammen, die Heilung und hebst, was wir verachten, hoch empor. So bist Du der Heiland, der uns hilft, der Meister, der uns führt, der Herr, der uns befreit. Kehre auch bei mir ein; kehrst Du bei uns ein, so bringst Du Gottes Reich mit Dir zu uns. Amen.