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Predigten zu Markus 8,24

"Und aufblickend sprach er: Ich sehe die Menschen, denn ich gewahre solche, die wie Bäume umherwandeln."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Und er blickte auf und sprach: Ich sehe die Leute, als sähe ich wandelnde Bäume!"

Der Herr hatte den Augen des Mannes die Kraft zum Sehen gegeben, aber er hatte noch nicht die Fähigkeit, alles klar zu unterscheiden. Jesus fragte ihn, ob er etwas sähe. Er blickte auf, und sein erstes Freudenwort war: "Ich sehe!" Welch ein Segen!

Einige von euch können sagen: "Eines weiss ich: dass ich blind war und nun sehe. Ich sehe nicht soviel, wie ich vielleicht sollte, noch wie ich hoffe, einmal zu sehen, aber ich sehe. Ich weiss es genau. Ich sehe meine Nöte und Bedürfnisse, und wenn ich auch nichts anderes sehe, so sehe ich doch diese."

Nun, wenn ein Mensch irgend etwas sehen kann, so macht es nichts, was es ist; immerhin: Er kann sehen. Ob es ein schöner Gegenstand ist oder ein hässlicher, den er sieht, tut nichts zur Sache. So ist das geistliche Verständnis von irgend etwas ein Beweis dafür, dass du geistliches Leben hast.

Aber höre den Mann weiter. Er sagt: "Ich sehe die Leute." Das ist noch besser. Es gibt viele, die genug Sehkraft haben, um bestimmte Dinge zu unterscheiden. Obwohl du so blind gewesen bist wie eine Fledermaus, kann dich jetzt niemand mehr davon überzeugen, dass die Wiedergeburt durch die Taufe dasselbe sei wie die Wiedergeburt durch das Wort Gottes. Man sollte meinen, dass das allen klar ist; aber leider ist es nicht so. Du kannst genug sehen, um zu erkennen, dass es einen Heiland gibt, dass der Weg der Erlösung in dem Glauben an Jesus Christus besteht, dass die Erlösung, die Jesus Christus vollbracht hat, eine vollkommene ist, und diejenigen, welche sie erlangen, sicher in die ewige Herrlichkeit bringt.

Aber hört weiter auf den Mann, denn er sagt: "Ich sehe die Leute, als sähe ich wandelnde Bäume!" Er sah alles nur verschwommen.

So ist es mit dem ersten Licht, das vielen geistlich Blinden gegeben wird. Sie können nicht zwischen Rechtfertigung und Heiligung, dem Werk des Heilandes und dem des Heiligen Geistes unterscheiden. Aber es ist eine große Gnade, dass sie überhaupt sehen, und Gott wird ihnen nach und nach immer mehr Licht geben.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Und er sahe auf und sprach: ich sehe Menschen gehen, als sähe ich Bäume.

Der Herr ist in Bethsaida, wo sie einen Blinden zu ihm bringen. Er legt ihm die Hände auf und fragt ihn, ob er etwas sehe. Der Blinde sah auf und sprach: ich sehe Menschen gehen, als sähe ich Bäume; er sah also unklar. Darauf hin legte ihm der Herr abermals die Hände auf, dass er alles scharf sehen konnte. Diese Heilung ist nicht umsonst ausführlich berichtet, weil sie allen, die genau auf Gottes Wort merken wollen, verschiedene Winke gibt. So ist hier z. B. die Frage beantwortet: dürfen wir Kranken die Hände auflegen? Der Herr hat es getan, also dürfen auch wir es tun. Weiter hat man schon gefragt: Darf man einem Kranken mehr als ein mal die Hände auflegen? Wir sehen hier, dass selbst der Herr dem Blinden zwei Male die Hände auflegte. Besonders aber in geistlicher Beziehung ist dieser Blinde und seine Heilung sehr belehrend. Blind sind wir ohne Jesum alle; Er allein ist das Licht der Welt. Er muss also jedem Menschen die Augen öffnen, wenn er sehen soll. Der Herr kam zu seinem Volk; aber sie liebten die Finsternis; mehr denn das Licht, und so musste von Israel gesagt werden: mit sehenden Augen sehen sie nicht. Sie hätten sehen können, aber sie wollten nicht und blieben blind für Jesum. Das wiederholt sich täglich in unserer Mitte, trotz aller Predigt des Evangeliums. Wenn aber der Herr jemand die Augen geöffnet hat, so können sie auch wieder verdunkelt werden. Bei den Galatern war dieses der Fall; sie ließen sich durch das Gesetz die Augen verdunkeln, so dass sie das helle Licht des Evangeliums nicht mehr sahen. Die Laodizäer hatten ihr Licht verloren durch Lauigkeit und bedurften Augensalbe. Alles Sicheinlassen mit der Finsternis, d. h. mit der Sünde, verdunkelt die Augen. Es gibt aber viele, die wie zuerst dieser Blinde, sich die Augen nur halb öffnen lassen, weil sie sich nicht ganz von der Sünde trennen wollen, oder weil sie noch in verborgenem Unglauben stecken, wie wohl auch der Blinde zuerst noch etwas zweifelte. Wir bekommen Licht in dem Grade, in dem wir aufrichtig sind. Nur wenn ein Mensch ganz aufrichtig wird seinem Heiland gegenüber, kann er auch ganz sehend werden.

Herr Jesu! Gib mir helle Augen. Vertreibe alle Finsternis; aus meinem Herzen, und lass Deinen heiligen Geist helle in mir leuchten. Amen