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Predigten zu Psalm 104,19

"Er hat den Mond gemacht für die bestimmten Zeiten; die Sonne weiß ihren Untergang."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Jetzt ist die Einsetzung der großen Lichter das Thema des Lobes. Der Mond wird zuerst genannt, weil bei den Juden die Nacht den Anfang macht. Durch die Zu- und Abnahme des Mondes wurde das Jahr in Monate und Wochen eingeteilt, wodurch die genauen Daten für die heiligen Tage festgelegt werden konnten. So wurde die Leuchte der Nacht zu einer Dienerin des Menschen, und indem sie die Zeiten der heiligen Versammlungen festlegte (wie sie es bei den Juden tat), kam sie mit dem Höchsten selbst in Berührung. Lasst uns die Mondphasen niemals als das Ergebnis unausweichlicher, seelenloser »Naturgesetze« betrachten, sondern als Einsetzungen Gottes.

Die Nacht hat wie der Tag ihre Stimme zum Loben. Sie klingt leiser und beruhigender, ist aber darum nicht weniger wirklich. Der Mond beleuchtet eine feierliche Stille der Anbetung unter den Zweigen der Tannen, durch die sanft der Nachtwind seine »Lieder ohne Worte« haucht. Ab und zu, wenn ein bei Tage kaum wahrgenommener Laut erklingt, wirkt er nachts erschreckend und unheimlich inmitten der Schatten, als habe die Gegenwart des Unbekannten das Herz erzittern lassen, als spüre man die Nähe des Unendlichen. Dadurch erwacht die Vorstellungskraft; der Unglaube empfindet Stille und Feierlichkeit als unpassend, doch der Glaube schaut zum Himmel auf und erkennt die himmlischen Dinge viel deutlicher als bei Sonnenlicht und beugt sich in Anbetung vor dem Großen Unsichtbaren! Es gibt Geister, die nachts Wache halten, und viele einsame Wanderer haben eine Ahnung von ihrer Gegenwart gehabt. Gott selbst ist die ganze Nacht unterwegs, und Seine verbergende Herrlichkeit wird oft stärker empfunden als die Ihn offenbarende. Preise den HERRN, o meine Seele!

Werke in den Himmeln droben und Werke auf der Erde hier unten und in den Wassern unter der Erde, Werke, welche die Zeitalter überdauern, Werke, die in einem Jahr zur Vollkommenheit gelangen und dann wieder vergehen, Werke, deren Schönheit keinen Tag überlebt, Werke innerhalb der Werke und wieder Werke in diesen – wer könnte auch nur ein Tausendstel davon aufzählen? Gott ist der große Werkmeister und Schöpfer der Vielfalt. Unsere Aufgabe ist, Seine Werke zu studieren; denn sie sind groß und begehrt bei allen, die Freude daran finden. Alle Dinge sind Seine Werke, durch Seine Kraft hervorgebracht, und sie alle offenbaren Seine Weisheit – keines dürfte fehlen, jedes Glied ist für die Kette der Natur notwendig – wilde Tiere genauso wie die Menschen, Gifte ebenso wie die duftenden Kräuter. Sie sind in Weisheit gemacht – jedes füllt seinen Platz aus und freut sich, dies tun zu können. Die Gesamtheit der Schöpfung ist eine Großtat Seiner Weisheit, einerlei wie viele Geheimnisse sie enthält und wie sehr manche Schrecken sie verdunkeln. Alles wirkt zum Guten zusammen und dient wie ein völlig harmonisches Werkstück genau den Zwecken des Großen Werkmeisters.