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Predigten zu Psalm 18,5

"Die Bande des Scheols umringten mich, es ereilten mich die Fallstricke des Todes."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Es war, als läge der Tod wie ein grausamer Sieger seine qualvollen Fesseln um ihn. Von allen Seiten bellten die wütenden Hunde der Hölle. Eine Meute von Teufeln umzingelte den Mann Gottes. Nirgends gab es ein Entrinnen. Immer enger wurde das Netz um den armen Gefangenen gezogen, das ihm jede Möglichkeit des Entkommens nahm. So war seine Lage hoffnungslos, so hoffnungslos, wie sie nur sein konnte, und so verzweifelt, dass nur der Arm des Allmächtigen noch Hilfe zu bringen imstande war.

Gebet ist der Weg nach oben aus der Grube der Verzweiflung, den der geistliche Bergmann sofort einschlägt, wenn die Fluten von unten hervorbrechen. Beachtet: Zuerst ruft er Gott unter dem Namen des HERRN an, schreitet dann aber fort zu dem vertrauten Wort »mein Gott«. So wächst der Glaube durch Übung, und den er zuerst als HERRN angerufen hat, erkennt er nun als den Gott, der zu ihm gehört. Es gibt nie eine unpassende Zeit zum Beten, kein Kummer sollte uns davon abhalten, das göttliche Hilfsmittel des Flehens zu gebrauchen. Trotz des Lärms der tobenden Wellen des Todes, trotz der bellenden Höllenhunde wird das schwächste Rufen wahrer Gläubiger im Himmel gehört.

Es dauerte nicht lange, bis auf den Notschrei die Antwort kam. Der Herr verzieht die Verheißung nicht; Er eilt Seinen bedrängten Kindern schnell zur Hilfe. Vor Davids geistigem Auge stehen die herrlichen Erscheinungen Gottes in Ägypten, am Sinai und zu verschiedenen Gelegenheiten zur Zeit Josuas und der Richter; und er meint, in seinen eigenen Erlebnissen sei dieselbe Herrlichkeit der Macht und Güte Gottes sichtbar geworden, und darum dürfe er die Beschreibung früherer Offenbarungen der göttlichen Majestät mit eigenen Erfahrungen vergleichen und diese in sein Loblied einweben.

Als Josef eine Weile im Kerker geschmachtet hatte, gelangte er in den Palast, und David kam aus der Höhle Adullam zum Thron. Nach Leiden sind Freuden besonders schön. Bedrängte Seelen erfreuen sich an den weiten Feldern der Verheißung, wenn Gott den Feind vertreibt und die Tore der einst belagerten Stadt öffnet. Dem allen liegt die freie Gnade zugrunde. Seid gewiss: Wir werden, wenn wir nur tief genug graben, immer die Wahrheit von der souveränen Gnade als Quelle aller Barmherzigkeit entdecken. Wer sein Netz in die Tiefen des Ozeans des göttlichen Reichtums senkt, wird immer die Perlen der auserwählenden, zielgerichteten Liebe ans Licht bringen. Warum der HERR an uns Gefallen findet, bleibt eine unbeantwortbare Frage und ein Geheimnis, das auch Engel nicht zu lüften vermögen; doch dass Er Wohlgefallen an den Geliebten hat, ist sicher und bildet die fruchtbare Wurzel Seiner ebenso zahlreichen wie kostbaren Wohltaten. Kind Gottes, geh in die Stille und verarbeite die lehrreiche Wahrheit, die jetzt vor dir liegt, und lerne die grundlose Liebe Gottes als den Grund aller Freundlichkeit kennen, die uns zuteil wird!