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Predigten zu Psalm 38,10

"Mein Herz pocht, verlassen hat mich meine Kraft; und das Licht meiner Augen, auch das ist nicht bei mir."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Gepriesen sei der Herr, Er nimmt alle Sehnsucht der Herzen wahr; nichts kann vor Ihm verborgen bleiben. Was wir Ihm nicht sagen können, versteht Er trotzdem vollkommen. Der Psalmist weiß, dass er nicht übertrieben hat, und darum bittet er den Himmel, seine Worte zu bestätigen. Der Gute Arzt erkennt die Symptome unserer Krankheit und sieht das verborgene Übel, das sie offenbaren. Darum ist unser Fall bei Ihm in sicheren Händen. Sorgen und Ängste verbergen sich vor der Beobachtung durch den Menschen; aber Gott erspäht sie. Es gibt keinen einsameren Menschen als den zerbrochenen Sünder; aber er hat den Herrn als seinen Begleiter.

Vers 11 beginnt mit einer weiteren Wehklage. David schmerzte die Unfreundlichkeit seiner Freunde dermaßen, dass sein Herz dauernd heftig pochte. Im Schmerz sucht die Seele Mitleid, und wenn sie keins findet, schlägt das Herz in Erregung. Auch wenn seine Bekannten Freundschaft vorgaben, so mieden sie doch seine Gesellschaft. Wie sinkende Schiffe oft andere Boote mit sich nach unten ziehen, mögen sie gefürchtet haben, sie würden auch in sein Unglück hineingezogen werden. Es ist grausam, wenn diejenigen, die uns als Erste helfen müssten, die Ersten sind, die uns im Stich lassen. In Zeiten tiefster Seelennot können sich die liebevollsten Freunde nicht in die Lage des Leidenden versetzen; so gern sie es auch wollten, sie können die Wunden eines zarten Gewissens nicht verbinden. Ach, welche Einsamkeit durchlebt doch eine Seele unter der überführenden Macht des Heiligen Geistes!

Ganz schlimm wird es für uns, wenn zu den inneren Schmerzen äußere Versuchungen auf uns einstürmen. Davids Feinde wagten die Niedertracht, ihm Schlingen zu legen. Wenn er mit ehrlichen Mitteln nicht zu überwinden war, wollte man es mit gemeinen versuchen. Dieses Fallenstellen ist ein schmutziges Geschäft. Des Teufels eigene Wilderer nur geben sich dazu her; aber das Gebet zu Gott befreit uns; denn die gesamte List der versammelten Versucherschar kann von denen ausgeschaltet und überwunden werden, die sich durch den Heiligen Geist leiten lassen. Lügen und Verleumdungen fließen aus den Versuchern heraus wie das Wasser aus der Leitung. Konnten sie nichts unternehmen, dann redeten sie, und konnten sie nichts sagen, so erfanden sie etwas und planten und heckten etwas aus. Unser Trost ist, dass unser herrliches Haupt die hartnäckige Bosheit unserer Feinde kennt und ihr zu seiner Zeit ein Ende bereiten wird. Und auch jetzt schon setzt Er ihr Grenzen. David übergab sich dem, der recht richtet, und hatte so in Geduld seine Seele unter Kontrolle. Die Hoffnung auf das Eingreifen Gottes und der Glaube an die Macht des Gebets sind zwei gesegnete Stützen in Zeiten der Anfechtung. Indem wir uns direkt vom Geschöpf zum souveränen Herrn über alles wenden und Ihn als unseren Bundesgott ansehen, werden wir im Warten auf Ihn den reichsten Trost finden. Ein guter Ruf mag wie eine schöne Perle in den Schmutz getreten werden; aber zu Seiner Zeit, wenn der Herr den Glanz Seiner Juwelen wiederherstellt, wird der gottesfürchtige Charakter in wolkenloser Pracht erstrahlen. Sei darum ganz ruhig, du, den man verleumdet hat, und lass deine Seele nicht von Ängsten hin- und hergezerrt werden.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Der 38. Psalm spricht eine Sprache, die für die oberflächlichen Menschen der Gegenwart geradezu erschreckend ist. Gottes Gericht ist über David hereingebrochen wie ein Sturm: „ . . . deine Pfeile stecken in mir... Ich heule vor Unruhe meines Herzens."

Er muß fliehen vor dem schrecklichen und zornigen Gott. Und dabei sagt ihm sein Gewissen, daß dieser Zorn Gottes so unheimlich berechtigt ist. „Meine Sünden gehen über mein Haupt. Wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden." David muß fliehen vor Gott. Ja, wohin denn in aller Welt? Wo wäre denn wohl ein Platz, wohin man vor Gott fliehen könnte?! Im 139. Psalm heißt es: „Führe ich gen Himmel, so bist du da. Bettete ich mich in die Hölle, siehe, so bist du auch da."

Wohin soll man fliehen vor Gottes Zorn? David weiß einen Platz. Es klingt seltsam. Aber es ist so: Er flieht vor Gott — zu Gott. Er birgt sich vor dem zornigen Gott bei dem gnädigen Gott. Er flieht vor dem Zorn Gottes zu Jesus. Denn nur in Jesus ist Gottes Gnade erschienen. Das gibt diesem Psalm seine Gewalt, daß hier ein Mensch spricht, dem das Evangelium nicht eine Theorie ist. Nein! Er erlebt das süße Evangelium. Noch zitternd birgt sich sein erschrockenes Gewissen bei dem Heiland. John Wesley saß einst am offenen Fenster. Da schoß eine Taube herein, die von einem Habicht verfolgt wurde, und barg sich an seiner Brust. Das wurde Wesley zum Anlaß, daß er das Lied dichtete: „Jesus, Heiland meiner Seelen / laß an deine Brust mich fliehn / da die Wasser näher rauschen / und die Wetter höher ziehn." Wohl dem, der diese Zuflucht kennt. Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Wenn ich von einer Reise zurückkehre, dann herrscht in meinem Koffer meistens eine große Unordnung. Wild durcheinander liegen Kleider und Mitbringsel und Wäsche und Bücher. Und ich bin immer froh, wenn ich bei der Heimkehr jemand finde, der das alles auseinanderliest und in Ordnung bringt. Daran mußte ich denken, als ich dies Wort des Psalmsängers David las: „Alle meine Begierde ist vor dir." Das ist ja, als wenn David einen großen Sack einfach ausleert, als wenn er so einen Koffer einfach umstürzt.

Welch ein Durcheinander von Begierden herrscht in unserem Inwendigen! Da sind edle Begierden: Man möchte doch im Leben etwas recht Nützliches leisten! Aber gleich daneben ist eine abscheuliche Begierde: Man möchte gern eine Rolle spielen, man möchte bewundert sein. Da ist vielleicht das Verlangen, ein recht guter Mensch zu sein. Aber gleich daneben sind schmutzige Begierden, die uns quälen und herunterziehen. Man möchte Gott dienen. Aber diese Begierde wird überwuchert von niedrigen Begierden. All das leert David aus vor dem Herrn Jesus. Er läßt seinen Heiland so recht sein Innerstes sehen und bittet: „Herr, ordne du meine Begierde! Töte und verwirf, was dir nicht gefällt. Und nimm hin und heilige, was du in mir sehen willst." Das Innerste muß vor dem Herrn Jesus aufgeschlossen werden. So wird Er der Herr unseres Lebens. Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Es ist doch merkwürdig, wie wenig im Grunde die Welt sich geändert hat seit Davids Zeiten: „Mein Seufzen..." Die Welt ist erfüllt mit Seufzen. Woher kommt das eigentlich? Treffe ich da ein kleines Schulmädel. Sonst sah ich sie immer nur lachen und singen und fröhlich herumspringen. Nun war sie ganz bedrückt und seufzte zum Erbarmen. „Was ist denn los?" fragte ich bestürzt. „Oh, wir schreiben morgen in der Schule eine Mathematik-Arbeit. Und das kann ich einfach nicht." Ich mußte lächeln über diese kleine Not. Doch daran ging mir auf, warum wir so viel seufzen müssen: Es wird mehr von uns gefordert, als wir leisten können.

Da steht das Gesetz Gottes. Ja, das sollten wir erfüllen. Aber die Kraft dazu ist nicht da. Und wir bleiben von Tag zu Tag im Rückstand und werden schuldig, und das Gewissen muß seufzen. Da werden wir in schwierige Verhältnisse gestellt. Wir müssen etwa zusammenleben mit Menschen, die uns unsympathisch sind. Wir sollten uns nun recht erweisen als Kinder Gottes in Liebe und Sanftmut. Aber — es will an keinem Tag gelingen. Da wird ein Leid auf uns gelegt. Wir wollen es gern tragen, weil wir wissen, daß ohne den Willen unsres himmlischen Vaters kein Haar von unserm Haupt fällt. Aber — es ist zu schwer zum Tragen.

Immer ist es so: Es wird mehr gefordert, als wir vermögen. Und so kommt es zum Seufzen. „Mein Seufzen ist dir nicht verborgen", sagt David. Und damit zeigt er uns einen köstlichen Weg. Wir dürfen vor unserm Heiland seufzen. Wir dürfen unser Unvermögen und unsre Kraftlosigkeit vor Ihn bringen. Er ist noch immer der „Heiland". Amen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

HErrn, vor dir ist alle meine Begierde

Gott kennt unsere Bitten, wenn wir sie auch nicht immer in Worten ausdrücken können. Vielleicht wagen wir kaum, sie den Ohren unserer liebsten Angehörigen anzuvertrauen; aber vor Ihm liegen sie offen da: jenes Ideal, nachdem wir uns in heiligen Augenblicken sehnen, – jener Pfahl im Fleisch, von dem erlöst zu werden wir begehren, – die Anliegen alle für solche, die uns lieber sind als unser Leben. „HErr, vor dir ist alle meine Begierde.“

Welches Verlangen hat doch je und je die Heiligen Gottes beseelt! Wir sehnten sie sich nach der Erfüllung der Verheißungen, nach der Erlösung der Menschheit, der Verherrlichung des HErrn. Wie warteten sie auf die göttliche Antwort gegenüber dem Spott, der höhnischen Herausforderung des Unglaubens, – auf das Kommen des Königs, die Wiederherstellung Israels, die Aufrichtung des tausendjährigen Reiches!

Komme wieder, komm von deines Vaters Thron, Dein Werk in seinem Tempel zu vollenden! Entreiß' dein Erbe deines Feindes Händen, Und nimm zu eigen deines Kampfes Lohn! O horch, im Seufzen der Natur erschallt Und aus der Deinen Brust die Sehnsuchtsbitte: Nimm ein dein Land, verkläre Gottes Hütte, Mach' alles neu! – Herr Jesu, komm uns bald!

Er, der solches Verlangen geweckt hat, wird überschwänglich mehr tun, als wir bitten oder verstehen. In alle irdische Freude mischt sich ein bitterer Tropfen, irgend etwas, wodurch wir getäuscht werden. Aber mit keinem Wunsch, den Gott in uns gelegt hat, kann es uns also gehen. Nein, da wird es immer wieder heißen, wie vor Alters: „Es ist mir nicht die Hälfte gesagt; es ist mehr, denn das Gerücht, das ich gehöret habe.“ Die auf Gott gerichtete Begierde wird in reichem Maße befriedigt werden.