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Predigten zu Psalm 38,17

"Denn ich bin nahe daran zu hinken, und mein Schmerz ist beständig vor mir."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Bei den Heiligen stellt man auch die kleinsten Fehler fest; lange bevor es zu einem Fall kommt, beginnt der Feind zu lästern; der kleinste Fehltritt des Fußes lässt alle Hunde der Hölle laut bellen. Wie sorgsam sollten wir sein, und wie unablässig müssen wir um Gnade bitten, um nicht zu straucheln! Wir möchten nicht wie der blinde Simson unseren Feinden zur Belustigung dienen; darum müssen wir uns vor der treulosen Delila der Sünde hüten, derentwegen uns bald die Augen ausgestochen werden könnten.

Einigen von uns ist schmerzlich bewusst, was es bedeutet, trockenem Zunder für die Funken des Kummers zu gleichen, bereit zu zaudern, bereit, zu klagen und bei jeder Gelegenheit und zu jedem Anlass zu seufzen und zu heulen. David brauchte nicht aus dem Fenster zu blicken, um Kummer zu finden; er fühlte ihn bei sich drinnen und stöhnte unter einer Last von Sünden, die ihm zu einer immer schwereren Plage wurden. Tiefes Überführtsein hört nicht auf, das Gewissen zu martern; es ist nicht mit einem Scheinfrieden zu beruhigen, sondern wehrt sich wild gegen das Messer, bis die Feindschaft bezwungen ist. Bevor der Heilige Geist nicht das kostbare Blut Jesu auf den wahrhaft erweckten Sünder anwendet, bleibt er mit offenen Wunden bedeckt und kann weder geheilt noch verbunden werden, noch besänftigt eine Salbe seinen Schmerz.

Ein offenes Bekenntnis tut der Seele wohl. Wenn Schmerz zu bußfertiger Anerkennung der Sünde führt, ist es ein gesegneter Schmerz, etwas, wofür man Gott von ganzem Herzen danken kann. Mein Bekenntnis wird dann mit bitteren Tränen gesalzen sein. Es ist gut, nicht so sehr unsere Schmerzen zu beklagen, als vielmehr die Sünden zu benennen, die den Grund dafür bilden. Über Sünden Leid zu tragen, bringt keine Versöhnung; aber es ist die richtige Gesinnung, um sich zu Jesus zu wenden; Er ist die Versöhnung und der Erlöser. Ein Mensch ist dem Ende seines Kummers nahe, wenn er auch mit seinen Sünden zu einem Ende kommt.

Der arme Bettler war weit gegangen und nahe daran zu sterben; nur schnelle Hilfe konnte seine Umkehr sicherstellen. Seht, wie Schmerzen die Hartnäckigkeit des Gebets beleben! Hier erkennen wir eines der schönen Ergebnisse von Anfechtung: Es verleiht unserem Flehen neues Leben und treibt uns mit Ernst zu unserem Gott. »Herr, meine Rettung!« Er ist nicht nur mein Erlöser, sondern auch meine Rettung. Wer den Herrn auf seiner Seite hat, ist auch im Besitz beständiger Rettung. Der Glaube sieht die gesegneten Ergebnisse des Flehens voraus und beginnt im letzten Vers, Gott die Ehre für die erwartete Barmherzigkeit zuzuschreiben. Der Herr wird uns nicht allein lassen. Seine Gnade wird uns bestimmt zur rechten Zeit helfen, und im Himmel werden wir sehen, dass wir nicht eine Trübsal zu viel erfuhren oder zu harte Schläge empfingen. Die Last der Sünden wird in der Freude der Errettung zerschmelzen, Leid wird zu Dankbarkeit und Dankbarkeit zu unaussprechlicher und verherrlichter Freude.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"... mein Schmerz ist immer vor mir."

Es ist noch nicht allzulange her, dass ich angefangen habe, Verdacht zu schöpfen gegen den Schmerz. Früher sah ich nur seine guten Seiten. Ohne Schmerz gäbe es keine Kultur und keinen Fortschritt: der Sonnenschein allein macht die Wüste. - Aber der Schmerz hat doch auch seine großen Gefahren, und wenn unser Textwort buchstäblich bei einem Menschen für Jahrzehnte wahr wird, soll er sich vor diesem Gast wohl in acht nehmen. Der Schmerz verwirrt unser Urteil und will in uns keine Lebensfreudigkeit aufkommen lassen: im Schmerz sehnt man sich nach Tod und Ruhe. Der Schmerz macht auch leicht selbstsüchtig, dass man sich zu viel mit sich selbst beschäftigt. Bei manchen Witwen, die vorher in glücklicher Ehe gelebt hatten, ist das der stets wiederkehrende Kehrreim aller Gespräche: Ach, warum ist mein Mann gestorben! Bei manchen Kranken, die noch im ersten Stadium des Siechtums sich befinden, ist die ganze Selbstsucht ihrer noch ungebrochenen Natur um den Altar des Schmerzes versammelt. Schmerz allein taugt nicht; aber wenn neben und hinter dem Schmerz Jesus bei uns ist, dann kann die Atmosphäre der Tränen die schönste Strahlenbrechung seines Lichtes schaffen - wie Sonnenuntergänge am Meer. -

Soll es Schmerzen geben, lieber Heiland, dann lass uns in dieser Gesellschaft nicht allein. Richte unsere Gedanken dann auf dich und deine Liebe und öffne uns den Trost, dass wir uns mit anderer Not und Glück selbstlos beschäftigen können. Lehre uns lieben mitten im Schmerz. Amen.