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Predigten zu Psalm 55,10

"Tag und Nacht machen sie die Runde um sie auf ihren Mauern; und Unheil und Mühsal sind in ihrer Mitte."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Der Pöbel und seine Anführer rotteten sich zusammen und schmiedeten Pläne, sie tobten und zogen gegen ihren König in den Krieg. Sie waren voll von tausend wilden und verwegenen Ideen. So konnte es nicht ausbleiben, dass sich unter ihnen Anarchie breit machte, und der König hoffte, dass die gleiche Gesetzlosigkeit, die ihn vertrieben hatte, jetzt seine Feinde schwächen würde. »Die Revolution frisst ihre Kinder.« Wer durch Gewalt an die Macht gekommen ist, wird früher oder später erfahren, dass solche Macht den Tod bedeutet. Absalom und Ahitofel können wohl den Pöbel aufreizen; aber zu regieren vermögen sie ihn schwerlich, noch ihre Taktik so abzustimmen, dass sie gute Freunde bleiben. Das Gebet Davids wurde erhört. Die Rebellen waren schon bald unterschiedlicher Meinung. Ahitofel ging daraufhin fort und erhängte sich mit einem Strick, und Absalom erhängte sich ohne Strick in einem Baum. Ahitofel war kein offener Feind, sondern einer, der sich als Freund ausgab. Er lief ins andere Lager über und versuchte, die Ehrlichkeit seines Frontwechsels dadurch zu beweisen, dass er seinen alten Freund verleumdete. Es gibt keine echteren Feinde als falsche Freunde. Angriffe von solchen, die uns vertraut waren, treffen unseren Lebensnerv, und diese Verräter sind gewöhnlich so gut mit unseren besonderen Schwächen vertraut, dass sie uns da anzutasten wissen, wo wir am empfindlichsten sind, und das zu sagen wissen, was uns den meisten Schaden zufügt. Vor offenen Feinden können wir einen Bergungsort finden; doch wer kann der Verräterei entkommen? Wenn sich unsere Feinde stolz gegen uns rühmen, raffen wir uns zum Widerstand auf; aber wenn solche, die vorgeben, uns zu lieben, uns verächtlich angrinsen, wohin sollen wir uns wenden? Unser gepriesener Herr hatte den Betrug und die Treulosigkeit eines bevorzugten Jüngers aufs Schlimmste erfahren. Da dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir berufen sind, einen Weg zu gehen, der von seinen durchbohrten Füßen vorgezeichnet ist. Es war nicht nur die gleiche Meinung, wie sie Menschen in öffentlichen und allgemeinen Themen verbindet, ihre Gemeinschaft war zart und vertrauensvoll. Die Seele des einen tauschte sich mit der Seele des anderen aus, wenigstens von Davids Seite her. Wie sehr vorgetäuscht die Liebe des Verräters auch gewesen sein mag, der verratene Freund hatte ihn nicht gleichgültig behandelt oder sich vor ihm in seinen Reden in Acht genommen. Schande auf den Elenden, der solche Gemeinschaft betrügen und solch Vertrauen verraten konnte! Der Glaube hatte ihre Gemeinschaft geheiligt, sie hatten sich zu gemeinsamer Anbetung vereint und sich über himmlische Dinge ausgetauscht. Wenn jemals Bindungen unbeschädigt erhalten werden sollen, sind es Glaubensbande. Eine abgrundtiefe Pietätlosigkeit der schändlichsten Art ist der Verrat, der die Verbindung von Menschen zerstört, die sich zur Gottseligkeit bekennen. Soll sogar der Altar Gottes durch Heuchelei besudelt werden? Sollen die Tempelversammlungen durch Verräterei verunreinigt werden? All das traf auf Ahitofel zu. Noch heute gibt es Vipern aus dieser Schlangenbrut, welche in die Hand beißen, die sie streichelt, und die für Silber diejenigen verkaufen, die sie in die Stellung erhoben, von der aus ihr scheußlicher Verrat erst möglich war.