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Predigten zu Psalm 55,17

"Abends und morgens und mittags muß ich klagen und stöhnen, und er hört meine Stimme."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Der Psalmist wollte nicht wagen, den Anschlägen seiner Feinde mit Gegenanschlägen zu begegnen, oder es ihrer unaufhörlichen Gewaltanwendung gleichtun. Stattdessen wollte er sich, in völligem Gegensatz zu ihrem Verhalten, beständig zu Gott wenden. So hat es Jesus auch getan, und es war stets die Weisheit der Gläubigen, es ebenso zu tun. Wie dies den Unterschied zu dem Wesen der Feinde deutlich macht, so sagt es auch den Unterschied zu deren Ende voraus: Die Gerechten werden aufsteigen zu ihrem Gott, und die Gottlosen werden ins Verderben sinken.

Große Notzeiten rufen nach häufigen Gebetszeiten. Die drei hier gewählten sind sehr passend: Den Tag mit Gott anzufangen, fortzuführen und zu beenden, ist höchste Weisheit. Wo die Zeit natürliche Grenzen gesetzt hat, lasst uns Altarsteine errichten! Der Psalmist hat sich vorgenommen, immer zu beten. Er wollte den ganzen Tag über im Gebet verharren und der Sonne mit seinen Bitten folgen. Tag und Nacht sah er seine Feinde bei ihrem Werk (Vers 11), und darum wollte er ihrem Tun mit beständigem Gebet begegnen. Er war sich sicher, Sieger zu bleiben. Ihm war es keine Frage, ob er erhört wurde; er redete, als sei er schon erhört. Wenn unser Fenster zum Himmel hin offen steht, sind auch die Fenster des Himmels für uns geöffnet. Habe nur ein betendes Herz, dann hat Gott auch spendable Hände. Sein eigenes gottesfürchtiges Empfinden veranlasst ihn, an die verwegene Gottlosigkeit der Bösen zu denken. Er merkt, dass ihn seine Drangsale zu seinem Gott getrieben haben, und er erklärt, ihr ununterbrochener Wohlstand sei die Ursache für ihre dauernde Gottvergessenheit. Es ist eine erwiesene Tatsache, dass lang anhaltendes Wohlsein und Vergnügen mit Sicherheit den schlimmsten Einfluss auf verworfene Menschen haben. Zwar bekehren Sorgen niemanden, doch wenn sie fehlen, entfaltet sich ihr verdorbenes Wesen noch rascher. Stehendes Wasser wird faulig, und die Sommerhitze brütet schädliches Ungeziefer aus. Wer ohne Kummer ist, ist oft auch ohne Gott. Das ist ein kräftiger Beweis für die menschliche Schlechtigkeit, dass sie mit Gottes Güte die Sünde nährt. Der Herr bewahre uns davor!

Für die Gottlosen ist ein sicherer, schrecklicher und tödlicher Absturz vorgesehen. Sie mögen klettern so viel sie wollen, die Grube lauert auf sie. Gott selbst wird sie zwingen, in sie hinabzusteigen, und dort wird ihnen Vernichtung zuteil. Sie waren in ihren Herzen für andere zu Mördern geworden, doch wurden sie in Wirklichkeit zu Selbstmördern. Habt keinen Zweifel daran, dass Tugend das Leben verlängert – und dass Betrug es verkürzt. Ein sehr weiser, praktischer Entschluss wird in den Worten gefunden: »Ich aber will auf Dich vertrauen.« Wir können keine bessere Zuversicht haben. Der Herr ist alles und mehr als alles, was der Glaube je nötig hat als Grundlage für friedevolle Abhängigkeit. Herr, lass unseren Glauben immerfort zunehmen!


Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
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Die Losung erinnert uns an das Vielen unter uns bekannte Verslein nach Psalm 55, 17. 18. 23). „Ich will schrei'n zu Gott, dem HErrn.“ Was wollen wir denn anfangen in der Not? Wohin sollen wir gehen? wenden sich nach rechts und links, in die Kreuz' und Quere, wenn's möglich wäre, bis an's Ende der Erde. Wir aber wollen einen anderen Entschluß fassen. Beschlossen sei's, daß wir sagen: „Ich will zu Gott rufen.“ Aber du mußt's nicht nur so tagelöhnersmäßig tun wollen, sondern mit ganzem Herzen und vollem Ernst, daß es heißte „Ich will.“ Nun, tue also; und wenn du recht willst, und dein Glaube wirklich zu Gott gerichtet ist, so wird dir gewißlich, wie David dazu setzt, der HErr helfen, sei's so oder so! Helfen wird Er. Das heißt aber nicht: alle Last wegnehmen, alles Kreuz aufheben, sondern es heißt nur: helfen, wohl auch nur: tragen helfen. Da ist's auch etwas. Jedenfalls wird Er's so machen, daß du durchkommst, und zuletzt alles recht wird.

Man muß nicht gleich zu viel wollen. Da meint wohl Eins, wenn es krank ist, erst dann sei es erhöret, wenn es wieder gesund ist. So hilft der HErr nicht immer. Er hilft auch unter der Krankheit, unter dem Kreuz so, daß die Krankheit bleibt, und das Kreuz bleibt, aber die Hilfe dabei ist. Für das muß man auch dankbar sein, daß man wenigstens fortkommt. Wenn wir für das dankbarer wären, so hätten wir's viel besser, und würden wir auch unter der Trübsal viel freudigere Stimmungen haben. Ist übrigens mehr nötig, so wird der HErr auch mehr helfen. Es ist aber in der Regel das Seine Weise, daß Er etwas zu tragen und sich zu schleppen übrig läßt, und nur so weit hilft, daß es geht. Verstehst du's? und willst du zufrieden sein ? Sei's ! ich rate dir's !

Mel. Weil ich Jesu etc. Ich will schrei'n zu Gott dem HErrn; Und es hilft der HErr mir gern. Wenn ich Abends vor Ihm weine, Morgens ich vor Ihm erscheine, Ich auch Mittags klage Ihm, Wird Er hören meine Slimm'. Auf den HErrn wirf deine Last, Jede Sorg', die dich erfaßt. Der wird also für dich sorgen, Daß dir kommt ein froher Morgen. Ewig läßt in Unruhpein Den Gerechten Er nicht sein. (nach Ps.55, 17. 18. 23.)