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Predigten zu Psalm 58,11

"Und der Mensch wird sagen: Fürwahr, es gibt Lohn für den Gerechten; fürwahr, es gibt einen Gott, der auf Erden richtet."

Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Dann ist es ja gut! Das ist sehr tröstlich . Sonst könnte man all die Ungerechtigkeit und Gewalttat, die auf dieser jammervollen Erde geschieht, einfach nicht ertragen. Es war eine dunkle Stunde, als der junge, geniale Dichter Heinrich von Kleist an der Welt verzweifelte und sich eine Kugel durch die Brust schoß. Vorher hatte er der Welt ein Buch geschenkt, das in erschütternder Weise von der Ungerechtigkeit der Welt spricht. Es ist der „Michael Kohlhaas". Dieser Kohlhaas war ein rechtschaffener Mann, dem durch einen Ritter furchtbares Unrecht getan wurde. Nun meinte er, er müsse doch sein Recht finden. Aber überall wurde es ihm verweigert. Da sammelte er sich eine Bande, um sich selber Recht zu verschaffen. Darüber wurde er selbst zum Gewalttäter und Rechtsbrecher.

So ist das in der Welt. Und der erste Teil dieser Geschichte von Michael Kohlhaas wird auch heute tausendfältig erlebt. Das ist nichts Neues. Schon vor dreitausend Jahren hat David im 58. Psalm gesagt: „Seid ihr denn stumm, daß ihr nicht reden wollt, was recht ist, und richten, was billig ist, ihr Menschenkinder? Ja, mutwillig tut ihr Unrecht im Lande und gehet stracks durch, mit euren Händen zu freveln . . . " Das greift an die Seele, wenn wir Unrecht sehen müssen. Und noch mehr, wenn wir es selbst leiden müssen. David hat es erlebt. Und er, der Starke, hat sicher manchmal mit den Zähnen geknirscht. Aber — dann hat er es nicht gemacht wie der Kohlhaas. Er hat vielmehr seine Augen aufgehoben „zu den Bergen, von welchen uns Hilfe kommt". Er hat sich getröstet und warten gelernt: „Noch ist ja Gott Richter auf Erden." Wollen wir nicht auch warten lernen und Gott Raum geben? Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Ist das wahr? Das ist ja zum Erschrecken ! Das hatten wir ganz vergessen! Unser Leben wäre anders verlaufen, wenn wir das immer vor Augen gehabt hätten: „Es ist ja noch Gott Richter auf Erden." In der herrlichen Reformationszeit geschahen leider auch Ausschreitungen. Da gab es die Bilderstürmer, die in die Kirchen eindrangen und alle Heiligenbilder zerschlugen. Das war nicht sehr schön.

Aber verstehen kann ich die Leute. Denn manchmal möchte ich auch Bilderstürmer werden. Allerdings — nicht in Kirchen möchte ich eindringen, sondern in die Herzen meiner Zeitgenossen. Da stehen nämlich so falsche Bilder von Gott. Ein moderner Dichter ließ Gott sogar auf der Bühne auftreten. Da erschien er als vornehmer, etwas hilfloser alter Herr, der erklärte, er käme nicht mehr ganz mit bei den Zeitereignissen, und er wolle sich vom Geschäft vielleicht zurückziehen. Ja, so etwa stellt man sich den „lieben Gott" vor. Sollte man da nicht Bilderstürmer werden? Aber unser Textwort besorgt es schon: „Es ist ja noch Gott Richter auf Erden."

Lassen wir die Zeitgenossen fahren! Das geht ja u n s an. Und die Christen unter uns vor allem. Denn Gottes Wort sagt: „Das Gericht Gottes muß anfangen am Hause Gottes", also an denen, die nicht mehr Gäste und Fremdlinge sind, sondern Gottes Hausgenossen. Als der Herr Jesus am Kreuze hing, starben neben Ihm zwei Schacher. Der eine führte noch in letzter Stunde freche Reden. Da fragte der andere erschüttert: „Fürchtest du dich auch nicht vor Gott?" Es wäre gut, wenn wir ab und zu unter diesem Kreuz stehen blieben und uns so fragen ließen. Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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„Wie kann Gott das alles zulassen, was geschieht?" Wieviel millionenmal diese Frage wohl schon gestellt worden ist: spöttisch, neugierig oder aus notvollem Herzen! Es gibt ein Ereignis, das uns mehr als alle andern die Frage aufdrängen muß: Das ist die Kreuzigung Jesu auf Golgatha. Diesem Jesus konnten selbst Seine Feinde nichts Böses nachsagen. Aber dagegen gab es Tausende, die Wohltaten von Ihm empfangen hatten. Mit allen Seinen Taten und mit jedem Worte hatte Er Gott gedient.

Und nun starb Er einen schrecklichen Tod dort am Kreuz. Wie konnte Gott das zulassen? Welch ein Rätsel! Dies Rätsel kann nur der lösen, der unser Textwort kennt: „Es ist ja noch Gott Richter auf Erden." Jawohl, dies Wort löst das Rätsel des Kreuzes. Da hat sich Gott als Richter gezeigt. Da hat der heilige Gott den Mann, der unter allen Menschen am schuld-beladensten war, gerichtet.

Den Schuldigsten aller Menschen? Das soll dieser Jesus sein, dem selbst Seine Feinde keine Sünde vorwerfen konnten? Und doch! Das war Er! Denn auf Ihm lag — die Schuld der ganzen Welt. Diese Schuld hat Er weggetragen, hinauf an das Kreuz. Und da hat Gott unsre Schuld gerichtet mit gerechtem Gericht. Erschüttert rief einer, der es begriff: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde wegträgt!" „Es ist ja noch Gott Richter auf Erden!" Das verdammt uns. Aber „die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten!" Das errettet uns. Nun dürfen wir uns im Glauben unter dies Kreuz Jesu stellen und es fassen: Das Gericht ist abgetan! Ich bin durch Jesus vor Gott gerechtfertigt. Amen.