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Predigten zu Psalm 73,15

"Wenn ich gesagt hätte: Ich will ebenso reden, siehe, so wäre ich treulos gewesen dem Geschlecht deiner Söhne."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Es ist nicht immer klug, seine Gedanken auszusprechen; bleiben sie in unserem Inneren, so schaden sie nur uns; aber einmal geäußert, können sie großes Unheil anrichten. Wenn ein Mann wie der Psalmist seine Unzufriedenheit durch sein Reden verrät, so bedeutet das einen schweren Schlag und tiefe Entmutigung für die gesamte Gemeinschaft. Obwohl er ein Heiliger Gottes ist, hat er sich betragen wie einer jener Toren, die Gott verabscheut. Hat er sie nicht sogar beneidet? Und was heißt das anderes, als ihnen gleich sein zu wollen? Wenn die Gnade dies nicht verhindert, verfügen die Klügsten über genügend Torheit, sich unglücklich zu machen. Aber es war nur ein Beweis seiner wahren Weisheit, dass er sich seiner Torheit so tief bewusst wurde. Wir sehen, wie bitter fromme Menschen ihre geistlichen Verirrungen beklagen; sie entschuldigen sich nicht einfach, sondern stellen ihre Sünden an den Pranger und klagen sie aufs Heftigste an. Welche Gnade ist es, wenn man selbst den Anschein des Bösen verabscheut!

Sein Geist betrat die Ewigkeit, wo Gott als an einem heiligen Ort wohnt; er ließ das Sichtbare zugunsten des Unsichtbaren zurück, sein Herz schaute hinter den Vorhang, er war dort, wo der dreimal heilige Gott war. Dadurch verschob sich seine Betrachtungsweise, und scheinbare Ungereimtheit löste sich in Harmonie auf. Er hatte zu wenig gesehen, um ein Urteil fällen zu können; ein erweiterter Blick veränderte seine Vorstellungen. Er sah mit den erleuchteten Augen des Herzens die Zukunft der Gottlosen, und seine Seele war nicht mehr im Zweifel über deren Glück oder Unglück. Der Neid nagte nicht mehr an seinem Herzen, stattdessen war seine Seele nur erfüllt von dem 18. Juni Schrecken wegen des über sie hereinbrechenden Unheils und wegen ihrer gegenwärtigen Schuld. Ihn schauderte davor, das gleiche Urteil wie diese stolzen Sünder zu erhalten, die er soeben noch bewundert hatte.

Der höchste Kummer des Psalmisten war nicht die Tatsache, dass es den Gottlosen so gut ging, sondern dass Gott es so gefügt hatte. Wäre es zufällig so geschehen, hätte er sich gewundert, doch er hätte sich nicht beklagen können; doch wie der Lenker aller Dinge Seine zeitlichen Gunsterweise so verteilen konnte, verwirrte ihn. Jetzt wird ihm die Sache klar: Die göttliche Hand hatte diesen Menschen absichtlich Wohlstand und Bedeutung verliehen, aber nicht, um sie zu segnen, sondern das genaue Gegenteil war die Absicht. Ihre Stellung war gefährlich, und darum brachte Gott nicht Seine Freunde dahin, sondern Seine Feinde. Für Seine eigenen Geliebten wählte Er eine rauere, aber sicherere Stellung aus. Die Gottlosen waren nur auf richterliche Anordnung erhoben worden, damit ihre Verdammung umso schärfer ausfallen sollte. Die ewige Strafe wird noch schrecklicher sein, wenn man sie im Gegensatz zu dem früheren Wohlleben derer sieht, die dazu heranreifen. Aufs Ganze gesehen ist das Schicksal der Gottlosen von Anfang bis Ende schrecklich. Und ihre weltlichen Freuden machen in Wahrheit die Sache noch furchtbarer, anstatt den Schrecken zu mildern, genauso wie ein heller Blitz die Dunkelheit nicht erhellt, sondern die dichte Finsternis ringsumher noch intensiver erscheinen lässt.


Autor: William MacDonald (* 07.01.1917; † 25.12.2007) US-amerikanischer Prediger der Brüdergemeinden
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"Wenn ich gesagt hätte: Ich will ebenso reden, siehe, so wäre ich treulos gewesen dem Geschlecht deiner Söhne."

Der Psalmist machte eine schwierige Zeit durch. Er sah, sass es den Gottlosen in dieser Welt wohlging, während sein eigenes Leben ein Alptraum von Leid und Not war. Zweifel an der Gerechtigkeit Gottes begannen an ihm zu nagen, Zweifel an Seiner Liebe und an Seiner Weisheit. Es schien geradeso, als würde der Herr Gottlosigkeit belohnen und Rechtschaffenheit bestrafen.

Aber Asaph hatte einen vorbildlichen Entschluss gefasst. Er war entschlossen, seine Zweifel nicht zur Schau zu stellen, um keinem Gotteskind ein Anlass zum Straucheln oder gar Fallen zu sein.

Wahrscheinlich haben die meisten von uns ab und zu Zweifel oder Fragen. Besonders wenn wir das Ganze scheinbar nicht mehr aushalten können, wenn alles über uns zusammenzustürzen droht, dann geraten wir leicht dahin, die Vorsehung Gottes in Frage zu stellen. Wie verhalten wir uns in dem Zusammenhang richtig?

Es ist bestimmt möglich, unser Zweifel jemandem mitzuteilen, der die geistliche Qualifikation hat, uns zu helfen. Manchmal sind wir einfach zu verwirrt von unseren Problemen, um das Licht am Ende des Tunnels wahrnehmen zu können, während es für andere vielleicht ganz deutlich strahlt, und sie uns dahin geleiten können.

Grundsätzlich sollten wir "niemals in der Finsternis bezweifeln, was uns im Licht geoffenbart worden ist" . Wir sollten Gottes Wort nicht durch die Umstände auslegen, wie düster sie auch sein mögen. Stattdessen sollten wir unsere Umstände im Licht der Schrift auslegen und uns klarmachen, dass nichts die Pläne Gottes jemals verhindern oder Seine Verheißungen zunichte machen kann.

Aber vor allem sollten wir nicht umhergehen und unsere Zweifel zur Schau stellen. Es besteht nämlich die furchtbare Gefahr, dass wir die schwachen Kinder Gottes zu Fall bringen, die "Kleinen", über die der Herr gesagt hat: "Wer aber irgend eines dieser Kleinen ärgern (d.h. ihm einen Fallstrick legen (Fußnote Elberf.)) wird, dem wäre nütze, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde" (Matthäus 18,6).

Unsere Gewissheiten sind zahllos; unsere Zweifel, wenn wir überhaupt welche haben, sind wenige. Wir wollen einander unsere Gewissheiten mitteilen. Schon Goethe sagte: "Gebt mir den Nutzen Eurer Überzeugungen, wenn Ihr welche habt, aber behaltet Eure Zweifel für Euch selbst, denn ich habe genug eigene."