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Predigten zu Psalm 73,3

"Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich sah die Wohlfahrt der Gesetzlosen."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Es verdross mich der Ruhmredigen, da ich sah, dass es den Gottlosen so gut ging ."

Wir leben in einer Zeit, in der viel Unzufriedenheit herrscht. Da ist es heilsam, an einem biblischen Beispiel zu beobachten, wie man vom Geist der Unzufriedenheit erlöst werden kann. Asaph, der Sänger des 73. Psalmes, kann es uns zeigen. Wir sehen zuerst den unzufriedenen Asaph. - Er hatte die Ruhmredigen, die Stolzen, in ihrem Reichtum und ihrem Wohlleben beobachtet. Gedanken des Neides und Ärgers, Zweifel an Gottes Gerechtigkeit und Macht drohten den Frieden seiner Seele zu zerstören. Er sagte: "Ich sah, dass es den Gottlosen so wohl ging." Wenn unsere Augen nur auf gewissen Zuständen unserer Zeit haften, können auch wir innerlich verwirrt werden. Was muss man da nicht sehen! Die Lüge triumphiert über die Wahrheit. Gewissenlose Menschen bringen es zu etwas. Schmeichler erlangen Gunst und drücken Ehrliche an die Wand. Da lebt ein Ungerechter bei ungeheuer hohem Einkommen in Saus und Braus, während ein Gerechter kaum das tägliche Brot zu verdienen weiss. Asaph sagt: "Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst, reden und lästern hoch her und tun, was sie nur gedenken." - Aber, Asaph ist aus der Not dieser Anfechtung herausgekommen. "Ich dachte ihm nach, dass ich es begreifen möchte, aber es war mir zu schwer; bis ich ging in das Heiligtum Gottes." Da wurde ihm geholfen! Da mussten die finsteren Wolken der Unzufriedenheit weichen, da empfing er Licht über sich selbst, über die Torheit seiner Gedanken und über das schreckliche Geschick derer, die er beneidete. - Wie Asaph, so können auch wir aus der Verwirrung herauskommen. wenn wir uns mit all unseren Klagen und Anfechtungen in das Heiligtum des Gebetskämmerleins zurückziehen. Da wird der Blick weggelenkt von dem, was hier unten ist, und aufgehoben zu dem, was da droben ist. - Erleben wir das auch?


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Bei unseren gegenwärtigen Zuständen erschüttert diese Versuchung jeden in unserem Volk. Denn es wird unter uns in hellem Umfang und großem Maßstab der Tatbeweis geführt, dass man auch ohne Gott leben und nicht nur leben, sondern gedeihen kann. Wozu soll ich nun zu Jesus gehen und von ihm sein Joch empfangen, das mich zum Wettbewerb mit den anderen unfähig macht? Nun ist mir der Griff nach der Macht, der keine Rücksicht kennt, und der Rausch des ungehemmten Genießens versagt. Aber solche Gedanken können mich nicht nur dann packen, wenn ich in meinem innersten Denken und Wollen schon gottlos wäre. Nur dann könnte es mir scheinen, dass die Frage, ob ich für mich selbst oder für Gott leben wolle, durch eine Berechnung meiner Gewinne zu entscheiden sei. Wenn ich meinen Entschluss von meinem Vorteil abhängig mache, dann habe ich Gott verleugnet; dann ist er mir nicht mehr die Wirklichkeit, an die ich glaube, nicht mehr der Schöpfer, durch den ich bin, nicht mehr der Herr, dessen Willen ich tue, nicht mehr der Gute, dessen Gnade meine Freude ist. Glück oder Unglück, Macht oder Misserfolg, das scheidet völlig aus, wenn ich nach Gott frage, und hat meinem Christenstand nichts zu tun. Gottes Wahrheit und Gerechtigkeit, das ist das Einzige, wonach ich zu fragen habe, und wenn diese Frage mit ihrem heiligen Ernst in mir erwacht ist, dann hat der Erfolg der Gottlosen den versuchlichen Reiz verloren. Aber ich muss mich aus der schwülen Luft unseres öffentlichen Lebens immer wieder in die Nähe Jesu flüchten, damit ich unverwundbar werde, und muss seiner Mahnung gehorchen: bleib in meinem Wort; dann wirst du die Wahrheit erkennen; dann blendet dich kein prunkender Schein eines solchen Glücks.

Ich fürchte mich, Herr, Gott, vor mir und meiner Begehrlichkeit. Unsere Seele ist ein unzufriedenes Ding; sie will nicht unten bleiben, sondern stürmt nach oben, und mag nicht entbehren, sondern ist hungrig nach Genuss. Aus dem Lärm der Welt trete ich in Deine uns stille machende Gegenwart. Nun wird das Auge klar und die Seele froh und der Dank flammt auf, der Dank dafür, dass ich Dich kenne, weil Du mich erkannt hast. Amen.