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Predigten zu Psalm 73,28

"Ich aber, Gott zu nahen ist mir gut; ich habe meine Zuversicht auf den Herrn, Jehova, gesetzt, um zu erzählen alle deine Taten."

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Mir aber ist die Nähe Gottes köstlich. Ich habe den Herrn, Herrn zu meiner Zuflucht gemacht, zu erzählen alles, was Du tust!" Ps. 73,28

Wir dürfen in der Gesamtschau des Lebens eines David nie das Tiefste und Wertvollste übersehen: Die Glaubenssprache seiner Psalmen. Es spricht etwas in seinen Psalmen, das weit über David selbst hinausweist, und einen selten tiefen Widerhall in jeder menschlichen Seele findet.

Dies Geheimnis der Psalmen löst sich nur aus dem Bekenntnis Davids: "Der Geist des Herrn redete durch mich, und sein Wort ist auf meiner Zunge." So menschlich die Zunge auch war, die da sang, - was sie sang, bleibt ewig. So stark auch das Ewige in seiner Offenbarung an das Empfangen und Erleben Davids gebunden war, es spricht auch heute zu uns als überzeitliche Botschaft von dem Gott alles Trostes und dem Vater der Barmherzigkeit, der weit grösser ist als die verflossenen Jahrtausende und unser menschliches Leben. Ihm gehört das Heute nicht weniger als das Gestern Ihm gehörte und das Morgen Ihm gehören wird.

Haben wir Gott auch in den einzelnen Lebensphasen Davids gesehen, in seinen lichten und tragischen Stunden, - die verborgene Werkstatt Gottes betreten wir erst in seinen Psalmen. Hier wurde zunächst von Gott gewirkt, was eines Tages als Erkenntnis und Beugung, als Vertrauen und Hingabe, als Mut und Zuversicht, als Erleuchtung und Kraft in David Tat und Leben wurde.

Gab es auch manches in Davids Leben, das eines Tages dem Gericht verfiel, war auch in seiner königlichen Mission unendlich viel, das sich nur als ein wertvoller Beitrag in der Geschichte seines Volkes erwies, - sein Lied und Glaubenspsalm gehören der Gottesgemeinde aller Zeiten. In denselben ist er mehr als ein gesegneter Spross Isais und als ein zeitgenössischer Sänger seines Volkes. Er ist Glied der Menschheit, die ihn als Propheten hören wird, sobald auch sie in ihrem Suchen und Ringen Gott erlebt in seiner Wirklichkeit und Kraft.

So bescheiden er uns auch als Mensch erscheint, so tapfer er auch als Diener seines Königs Saul war, so schwer er auch an den Konflikten mit Saul trug, so glanzvoll er auch seine königliche Mission in Israel erfüllte - am schönsten bleibt David uns doch in dem, was er gesungen. In seinen Psalmen spricht der Mensch in seinem Leid und Kampf, in seiner Armut und Schuld, in seinem Flehen und Warten, in seiner Freude und Anbetung. Sein Lied spricht nicht von menschlicher Grösse und Kunst, sondern von jenem Gott des Heils und der Kraft, der Offenbarung und Zukunft, der in seinem verborgenen Wirken über jedem menschlichen Leben steht.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Ja, wo willst du bleiben, wo willst du hin, wie soll es kommen, wie wird es gehen? denkt die Seele und denkt nicht an Gott, nicht an Gott allein. Ist er denn nicht der Herr, so dass alles seinem Befehl unterworfen ist, dass er Macht hat, um den Elenden zu helfen und niederzustoßen alles, was sich wider ihn erhebt, was wider seine Wahrheit sich empört, und Schutz zu sein allen, die auf ihn vertrauen und auf seine Hilfe hoffen? Ist er nicht der treue Bundesgott, der da selig macht nach seiner Fürsehung und erhält nach seiner Vorsehung? Er hat geschworen: Ich werde sein, der ich sein werde. So hat er sich seinem Volke bekannt gemacht, dass er es durch Mose aus Ägypten führte. So sprach er zu dem Volk: Ich werde sein. Ich lebe heute, schlaft ruhig, ich lebe morgen und übermorgen auch. Denkst du: Ach, am Ende hält es doch nicht, und ich gehe doch noch verloren und muss unterliegen in dem Streit. Aber Gott spricht: Ich habe einen ewigen Bund gemacht mit meinem Gesalbten, und in ihm bist du jetzt schon gekrönt. So setze ich meine Zuversicht auf den Herrn und sehe die Wunder seines Tuns. Je mehr sie wüten und drängen, je mehr die Oliven und Trauben in die Presse kommen, um so mehr fließt köstlich Öl und Wein heraus. Glückliches Volk, des der Herr sein Gott ist, das da aufgenommen ist in den Bund ewiger Gnade, das Volk, von dem Hamans Weib schon erklärt hat, dass man wider dasselbe nichts vermöge, sondern vor ihm falle. Und der Herr hat daran sein Vergnügen, dass seine Schafe rein aussehen, Überfluss haben, gegen den Abend in den Stall kommen, und er ist Hüter in der Nacht.

Wenn ich merk auf Gottes Güte,
die er jeden Tag mir zeigt,
das erhebet mein Gemüte,
unter meiner Last gebeugt.
Oft besing ich in der Nacht
seine Liebe, seine Macht;
und ich bete nicht vergebens
zu dem Grotte meines Lebens.