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Predigten zu Psalm 73,2

"Ich aber - wenig fehlte, so wären meine Füße abgewichen, um nichts wären ausgeglitten meine Schritte."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Hier beginnt der Bericht über einen großen Kampf der Seele, einen geistlichen Marathon, ein heiß umkämpftes Schlachtfeld, bei dem der Halbüberwundene am Ende den völligen Sieg erringt. Irrtümer des Herzens und des Verstands beeinflussen sehr leicht unser Verhalten. Es besteht eine enge Verbindung zwischen dem Herzen und den Füßen. Asaf konnte sich kaum aufrecht halten, seine Rechtschaffenheit schwand dahin, seine Knie knickten ein gleich einer einstürzenden Mauer. Wenn Menschen die Gerechtigkeit Gottes anzweifeln, beginnt auch ihre Integrität zu wanken. Asaf kam auf dem guten Weg nicht weiter, seine Füße glitten aus, als ginge er über glattes Eis. Er war zu schwach, irgendetwas zu unternehmen, und stand in großer Gefahr, akut in Sünde zu geraten und tief zu fallen. Wie sorgsam sollten wir auf den inneren Menschen achten, weil er so stark das äußerliche Betragen beeinflusst. Asafs Bekenntnis ist in dieser Sache – wie es stets sein sollte – sehr klar und deutlich. Es ist sehr beklagenswert, wenn ein Himmelserbe bekennen muss: »Ich war neidisch.« Schlimmer noch, wenn er sagen muss: »Ich beneidete die Übermütigen.« Doch fürchten wir, dass dies für die meisten von uns gilt. Seht! Schaut! Nehmt wahr! Hier ist das andauernde Rätsel! Das Problem mit der Vorsehung! Der Stolperstein des Glaubens! Hier sieht man die zu Unrecht Belohnten, die Unbestraften, und das nicht nur für einen Tag oder eine Stunde, nein, sondern ein Leben lang. Von ihrer Jugend an rühmen sich diese Menschen ihres Wohllebens, wo sie doch nichts als die Hölle verdienen. Sie müssten an Ketten aufgehängt werden, doch goldene Ketten hängen ihnen um den Hals; sie sind es wert, von dieser Welt vertrieben zu werden, stattdessen wird ihnen die Welt zu Eigen. Der arme, kurzsichtige Verstand schreit: »Seht euch das an! Wundert euch und staunt und versucht, dies mit der göttlichen Gerechtigkeit in Einklang zu bringen, falls ihr das könnt! Sowohl Reichtum als auch Gesundheit wurde ihnen zuteil. Weder Schuldenlasten noch Konkurse machen ihnen zu schaffen, stattdessen vermehrt sich ihr Gut durch Räuberei und Unrecht. Geld kommt zu Geld, und Goldstücke regnen auf sie herab; die Reichen werden immer reicher und die Stolzen immer stolzer. Herr, wie kommt das? Deine armen Diener, die immer ärmer werden und unter ihren Lasten stöhnen, haben ihre Schwierigkeiten mit Deinen geheimnisvollen Wegen.«

Hier wird diese Sache in klarster Form dargestellt, und mancher Christ wird in seiner Erfahrung bestätigt. Solche Knoten hat auch er zu lösen versucht und dabei seine Finger schrecklich müde gemacht und seine Zähne dran ausgebissen. Wir haben unsere Erkenntnis teuer gekauft; aber wir haben sie gekauft, und darum wollen wir von nun an aufhören, uns über die Übeltäter zu ärgern; denn der Herr zeigte uns, wie das Ende dieser Menschen aussehen wird.


Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Beinahe umgekommen

Ich weiß zwar nicht, wie stark andere im Geist sind, aber so heilig kann ich nicht werden, auch wenn ich noch so gelehrt oder voll Geistes wäre, wie andere es von sich meinen. Immer noch erlebe ich, dass wenn ich ohne die Bibel bete, Christus nicht zu Hause ist. Auch fehlt es mir an Lust und Geist. Aber sobald ich mir einen Psalm oder Spruch aus der Bibel vornehme, so wird es hell und warm in meinem Herzen, sodass ich wieder Mut und Verlangen zum Beten bekomme. Die Ursache ist diese – wie jeder selbst erfahren kann: Unsere Gedanken sind so unsicher, schlüpfrig und verwirrt, dass wenn wir ohne Gottes Wort um etwas Ernsthaftes bitten oder an Gott denken wollen, wir unversehens wohl hundert Meilen von den ersten Gedanken entfernt sind. Jeder sollte es versuchen und dann berichten, wie lange er an einem vorgenommenen Gedanken festhalten konnte. Oder nehmt euch ein Stündchen vor und versprecht mir, alle eure Gedanken zu berichten. Was wird dabei herauskommen? Ihr werdet euch schämen müssen und vor euch selbst bange werden, wenn ihr alles sagen müsstet, was euch alles so eingefallen ist. Mir geht es oft so, auch wenn ich mir die ernstesten und allerbesten Gedanken vorgenommen habe. Ein so innerlich zerrissenes Ding ist das Herz des Menschen. Es schwebt und wankt, dass weder Wind noch Wasser so wechselhaft und unbeständig sind.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Ich aber hätte schier gestrauchelt mit meinen Füßen, mein Tritt wäre beinahe geglitten.

Was soll ich denn tun, wenn der Feind mir ins Ohr ruft: Was hilft eigentlich die Frömmigkeit? Was hat sie denn dir geholfen in deinen Lebensnöten? Ja, was soll ich denn tun, wenn mir allerlei Bücher in den Weg kommen, die mir alles, was meiner Jugend teuer war, zerstören und rauben? Was du tun sollst, das zeigt dir Johannes der Täufer. Sage es treuen Menschen! Johannes im Gefängnis hat sich nicht geschämt, seine Schüler in seine Zweifel einzuweihen. Wir preisen Johannes, dass er seine armen Schüler hineinsehen ließ in sein Leid, und wir sollen uns auch nicht schämen, treuen Menschen, an deren Hochachtung uns etwas gelegen ist, offen zu sagen: hilf mir, ich versinke!