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Predigten zu Psalm 78,14

"Und er leitete sie des Tages mit der Wolke und die ganze Nacht mit dem Lichte eines Feuers."

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Und leitete sie bei Tage mit einer Wolke und die ganze Nacht durch helles Feuer. Er spaltete die Felsen in der Wüste und tränkte sie mit großen Fluten." Ps. 78,14 f

Diese Schechina, diese Herrlichkeit Gottes war es, die mitzog auch mit Israel in die Wüste und am Tage in einer Wolkensäule und des Nachts in einer Feuersäule vor dem Volke herzog, damit das Volk unabhängig vom Morgen und vom Abend ziehen konnte. Sie spaltete die Felsen in der Wüste und tränkte die Menge mit großen Fluten. Sie ließ Bäche aus dem Felsen hervorspringen und Wasser herabfließen in Strömen. Während Stephanus unter den Steinen einer fanatischen Menge zusammenbrach, gibt sie ihm, dem Sterbenden, einen offenen Himmel. Sie lässt Paulus und Silas im Kerker zu Philippi Psalmen der Anbetung singen.

Dieses Handeln entspricht der Macht, dieses Hinabsteigen der Herrlichkeit Gottes, die sich in unserer Nacht und in unsern Leiden offenbaren will. Gott kennt keine Bindungen durch Mächte und Zeiten, durch Orte und Verhältnisse. Er kennt nur das schöpferische Handeln. Ihm muss der Tod wie das Leben, die Finsternis wie das Licht, die Macht der Feinde wie die Hingabe seiner Freunde dienen, weil Er der Herr ist aller Dinge. Kein Pharao der Völker, keine Hölle der Menschheit schrieben Ihm je sein Handeln vor. Er bestimmte sie, nicht sie Ihn. Selbst ihre Auflehnung musste ein Beitrag zur Offenbarung seiner Majestät und Herrlichkeit werden. Das sind Wirklichkeiten in der Welt des Glaubens - ein Geheimnis zwar den Fernen, unerschütterliche Erlebnisse jedoch denen, die durch die Barmherzigkeit Gottes versetzt worden sind in die Königsherrschaft des Sohnes seiner Liebe.

Verstehen wir nun diese heilige Sehnsucht nach alltäglicher Gottesherrlichkeit angesichts so dunkler und krisenschwerer Zeiten, wie sie vor uns zu liegen scheinen? Der Mensch außerhalb der Welt des Glaubens sieht die Rettung nur in der äußeren Veränderung der Verhältnisse, in der Reinigung der politischen Atmosphäre, in der Hebung der allgemeinen Wirtschaftslage.

So sehr auch Glaubende solch eine Wendung innerhalb der Geschichte immer begrüssen werden, sie kennen für sich noch einen höheren Weg. Gottes ungebundene Macht und Gottes hinabsteigende Herrlichkeit können auch eine bleibende Not, sich steigernde Wirrnisse und sich mehrende Katastrophen von Fall zu Fall für sie so verklären, dass Rettung für sie wird, was anderen zum Untergang werden musste. Nur von dieser Schau aus konnte Paulus jenes ganz große Wort in die Geschichte der glaubenden Gemeinde schreiben: "Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Besten mitwirkt ... Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?"