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Predigten zu Psalm 84,6

"Durch das Tränental gehend, machen sie es zu einem Quellenort; ja, mit Segnungen bedeckt es der Frühregen."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Die durch das Jammertal gehen, machen daselbst Brunnen. Und die Lehrer werden mit viel Segen geschmückt."

Hier wird uns gezeigt, dass der Trost, der dem einen zuteil ward, sich auch gar oft einem andern wirksam erweist; gerade wie Brunnen auch von den Reisenden benutzt werden, die hernach vorüberziehen. Wir lesen etwa ein Buch, das uns reichen Trost gewährt und dem Stabe Jonathans gleicht, der vom Honig troff. Ach! da denken wir unser Bruder sei schon vor uns in derselben Lage gewesen wie wir, und er habe diesen Brunnen ebensowohl für uns gegraben, wie für sich selber. Manche herrliche "Abendklänge,"Reisepsalter,"Kreuz- und Trostlieder,"Siech- und Siegesbette,"Trost im Leiden," sind solche Brunnen gewesen, die irgend ein Pilger für sich selbst gegraben hat, und die sich für andre als ebenso erquickend bewährt haben. Das bemerken wir besonders in den Psalmen, wie z.B.: "Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?" Reisende haben sich oft mit Entzücken gefreut über die Spuren der Fußtritte eines Menschen auf einem öden Strande, und wir sehen so gern die Pfadspuren der Pilger, wenn wir durch dies Tränental wandern. Die Pilger graben den Brunnen; aber sonderbar, er füllt sich von oben, statt von unten. Wir brauchen die Mittel, aber der Segen stammt von oben, und nicht von den Mitteln. Wir graben einen Brunnen, aber der Himmel füllt ihn mit seinem Segen. Das Pferd ist bereit auf den Kampftag, aber der Sieg kommt vom Herrn. Die Mittel stehen im Zusammenhang mit dem Zweck, aber sie bringen denselben nicht zur Vollendung. Siehe, so füllt der Regen die Teiche, und die Brunnen erfüllen dadurch ihre Bestimmung, dass sie Behältnisse für das Wasser sind; die Arbeit ist nicht umsonst, aber sie macht die göttliche Hilfe nicht überflüssig. "Die Lehrer werden mit viel Segen geschmückt." Die Gnade kann dem Regen verglichen werden um ihrer Reinheit, um ihrer erfrischenden und belebenden Wirkung willen, weil sie von oben stammt, und weil sie nach göttlichem Wohlgefallen geschenkt oder entzogen wird. Regenströme mögen euch, liebe Seelen, erquicken, und mögen eure Brunnen sich mit frischem Wasser füllen! Ach, was sind doch Heilsmittel und Heilsvorschriften ohne den Beifall des Himmels! sie sind Wolken ohne Regen und Brunnen ohne Wasser. O, Du Gott der Liebe, öffne die Fenster des Himmels und giesse über uns aus Deinen Segen!


Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Heil den Menschen, die ihre Kraft in Dir finden, (wenn sie) auf Wallfahrten in ihrem Herzen sinnen." Ps. 84,7

Nach dem Zeugnis eines Aben Esras mussten die Wallfahrten zu den drei großen Festen in Jerusalem von den Männern und Festpilgern zu Fuß zurückgelegt werden. Man schloss sich an andere Festpilger an, bildete mit ihnen zusammen eine Karawane und zog so hinauf gen Jerusalem. Ob man nun vom Westen oder Osten, vom Norden oder Süden her seine Reise antrat, immer waren diese Pilgerreisen für den Einzelnen mit einem starken Kraftaufwand und mit vielen Fährlichkeiten verbunden. Sie mussten vor dem Beginn der Reise zuvor innerlich im Glauben überwunden werden.

Nun aber, am Ziel der Sehnsucht, angesichts der Wohnungen des Herrn, preist das Lied jene glücklich, die sich durch keine Beschwerden und Nöte von der Wallfahrt zur heiligen Stätte abhalten ließen, sondern in Gott ihre Stärke fanden und solange in ihrem Herzen auf die Ausführung der Pilgerfahrten sannen, bis diese ihre Erfüllung finden konnten. Wahrlich, ein köstliches Zeugnis von der Kraft des Glaubens, wie sie im Aufblick zum Herr im Innern eines frommen Festpilgers alle Bedenken und Erwägungen überwand und ihn zu Entschlüssen und Handlungen fähig machte, die seine Seele das finden ließen, was ihr das Köstlichste und Heiligste auf Erden war!

Das war aber das Wesen des Glaubens zu allen Zeiten. Er stellte sich auf den Boden der Kraft Gottes und überwand die Welt. Und da die geistlichen Träger der Geschichte Israels immer wieder Männer waren, die auf dem Boden des Glaubens lebten, so ist Israels Geschichte zu allen Zeiten ein Zeugnis von der Kraft des Glaubens gewesen. Auf derselben Linie liegt aber auch das, was Paulus angesichts der ihn umgebenden Nöte, Ängste, Drangsale und Kämpfe schreibt: Er hat mir gesagt: "Es genügt dir meine Gnade, denn meine Kraft kommt bei Schwachheit zur Vollendung. Sehr gern werde ich mich vielmehr der Schwachheiten rühmen, auf dass die Kraft Christi bei mir Wohnung mache. Darum bin ich zufrieden mit Schwachheiten, mit Beschimpfungen, mit Nöten, mit Verfolgungen, mit Bedrängnissen um Christi willen. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich kraftvoll." Oder wenn er im Philipperbrief sowohl von dem Überfluss-Haben als Mangel-Leiden schreibt: Alles vermag ich in dem, der mich stark macht.

Wahrlich, in so einem lebendigen Glauben liegt weltüberwindende Kraft! Auch heute noch. Eine Seele, die die Quelle ihrer Kraft in Gott gefunden hat, wird immer wieder jene Welt überwinden, die sich auf ihrem Weg zu Gott als ein Hindernis entgegenzustellen sucht. Zu allen Zeiten wird sie rühmen: Heil den Menschen, die ihre Kraft in Dir finden!


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Woran liegt es nur, dass es in unserem Leben gar nicht so recht stimmt? Dass über unserem Leben ganz und gar nicht das Wort steht: „Wohl den Menschen …!" Es liegt an uns. Es liegt daran, dass wir in völliger Verkennung unseres armen und verlorenen Zustandes uns selbst für unsere Stärke halten.

„Wohl den Menschen, die den Herrn für ihre Stärke halten!" Was heißt denn das? Eine kleine alltägliche Geschichte soll es uns deutlich machen: Jungen balgen sich auf der Straße. Ein großer, starker Junge hat einem kleinen Kerl den Ball weggenommen. Und als der ihn wieder an sich reißen will, bekommt er noch Prügel. Weinend zieht er ab. Aber auf einmal versiegen die Tränen. Triumphierend dreht er sich um: „Wart, ich habe einen großen Bruder; der hilft mir!"

Der Kleine hielt nach seiner schmerzlichen Erfahrung nicht mehr sich selbst für seine Stärke. Aber er war doch siegesgewiss. Er hielt seinen Bruder für seine Stärke. „Ich habe einen großen Bruder, der führt meine Sache!" So triumphieren die Jünger Jesu gegen Satan und Welt, gegen Fleisch und Blut, ja gegen ihr eigenes, anklagendes Herz. „Ich habe einen großen Bruder!" Das ist der Herr Jesus, der sich nicht schämt, uns Schwache, Arme, Schuldbeladene Seine Brüder zu heißen. Wir sind schwach. Wie sollten wir allein fertig werden! Aber wohl uns, die wir den Herrn für unsere Stärke halten dürfen! Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Dass wir uns nur keine falschen Vorstellungen vom Christenstand machen! Wir denken uns die Sache meist so: Wir wollen unseren Weg, der uns wohlgefällt und den wir uns ausgedacht haben, gehen. Und dann wollen wir den Herrn bitten, dass Er mit uns gehe und uns in unseren Wegen segne und behüte.

Solange wir noch so stehen, werden wir schwere Enttäuschungen erleben. Der Herr wird nicht mit uns gehen. Er wird uns nicht segnen, sondern uns die bitteren Früchte unserer Torheit essen lassen. Er wird uns nicht behüten, sondern uns fallen lassen. Denn Er denkt gar nicht daran, uns auf unseren Wegen nachzuwandeln. Solange wir damit rechnen, haben wir keine Verheißung; solange steht das „Wohl den Menschen …" nicht über unserem Leben.

Nicht Er will mit uns ziehen, sondern wir sollen mit Ihm ziehen. Nicht darum geht es, ob Jesus unsere Wege mitgehen will, sondern darum, ob wir Jesu Wege mitgehen wollen.

„Jesus von Herzen nachwandeln", – das heißt: seine eigenen Wege drangeben und fragen: „Herr, was willst du, dass ich tun soll?" „Jesus von Herzen nachwandeln", – das heißt: sich nicht fürchten vor dem schmalen Weg, der zum ewigen Leben führt. Das heißt: sich nicht scheuen vor dem Kreuz, ohne das man auf Seinem Weg nicht gehen kann. „Jesus von Herzen nachwandeln", – dass heißt: alles können außer dem einen: einen Schritt tun ohne Ihn. Lasst es uns lernen! Dann gilt uns das „Wohl den Menschen …" Amen.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Wohl den Menschen, die Dich für ihre Stärke halten, und von Herzen Dir nachwandeln.

Es ist die Neigung des natürlichen Menschen, möglichst selbständig dazustehen, in eigener Kraft, unabhängig. In solcher Stellung gefällt und fühlt er sich, sie schmeichelt seinem Hochmut. Wird diese seine Selbständigkeit angetastet, so hält er es für ein Unglück. Gottes Ziel mit jedem Menschen ist, ihn in völlige Abhängigkeit von ihm zu bringen. Das kann aber nur geschehen durch Brechen solcher Selbständigkeit, die sündlich und gottlos ist. Zu diesem Zweck bringt Gott uns in Lagen in welchen eigene Weisheit, eigene Kraft und eigene Mittel nicht mehr ausreichen. Nun ist aber die große Frage, wie wir uns stellen, ob wir in solcher Notlage auf Kunstgriffe verfallen, das heißt auf Selbsthilfe und Menschenhilfe, oder ob wir uns demütigen und Hilfe bei dem Herrn suchen. Letzteres ist Gottes Gnadenwille, der aber leider von den meisten Menschen auch in der Not nicht verstanden wird. Es sind wenige, die sich gründlich demütigen, ihr Unvermögen erkennen und sich in die gottgewollte Stellung bringen lassen, den Herrn für ihre Stärke zu halten. Die Sünde verblendet den Menschen und diese Verblendung lässt ihn nicht erkennen, dass das die seligste Stellung ist, wenn wir im Herrn unsere Stärke haben. Nur mit dieser Stärke reichen wir allezeit aus, mit aller andern Kraft werden wir zu Schanden. Einem rechten Kinde ist es keine Last, von den Eltern abhängig zu sein; es ist ihm genug, sich von den Eltern versorgt zu wissen. So ist es für einen gedemütigten Menschen ein seliger Stand, in allen Dingen sich vom Herrn abhängig zu wissen und erfahren zu dürfen, seine Kraft ist in unserer Schwachheit mächtig, er versorgt uns. In solcher abhängigen Stellung wird der Wandel sehr erleichtert; man kann nicht beliebig wandeln, sondern wandelt nach dem Vermögen, das Gott darreicht,und lässt sich von ihm den Weg weisen.

Ich danke Dir Herr, mein Gott! dass Du meine eigene Kraft gebrochen hast. Bringe mich in allen Dingen in völlige Abhängigkeit von Dir und lass Deine Gotteskraft an mir offenbar werden. Amen