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Predigten zu Psalm 94,19

"Bei der Menge meiner Gedanken in meinem Innern erfüllten deine Tröstungen meine Seele mit Wonne."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Ein Gotteskind hat Trost im Leiden

"Ich hatte viele Bekümmernisse in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergötzten meine Seele."

"Aber deine Tröstungen": ein köstliches "Aber"! Neben einer Waagschale, in der die Leiden und Bekümmernisse lagern, ist eine zweite. In ihr befinden sich die Tröstungen. Die erstere mag schwer belastet sein. Doch die zweite gewinnt das Übergewicht und zieht die Waagschale mit all ihrem Leid empor. Wenn wir des Leidens viel haben, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christum. Der Trost überwiegt. Es sind "Tröstungen". Es ist schon ein Trost, zu wissen, dass die Leiden von oben geordnet werden."Ihr seid in mancherlei Anfechtungen", sagt Petrus,"wo es sein soll". Also verhängt Gott nicht mehr, als sein muss. Er plagt seine Kinder nicht "von Herzen". Er kann ihnen Leiden nicht ersparen zu ihrer Reinigung, Erprobung und Ausreifung. "Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?" "Ich weiss, dass mein Gott die Liebe ist. Gefällt es ihm, mich in diesem Trübsalsofen zu lassen, dann ist es mir auch recht. Er sucht mein Bestes", äußerte öfter eine edle Dulden.

Ein weiterer Trost ist das künftige schöne Los, das denen winkt, die "erduldet" haben. Die Leiden sind kurz im Vergleich zu der ewigen Herrlichkeit und leicht im Verhältnis zu dieser unaussprechlich gewichtigen Herrlichkeit. Dort werden die Leidträger reichlich entschädigt. Gott wischt alle Tränen ab. "Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein." Der beste Trost aber ist die Gnade oder die Gewissheit, dass Jesus mich liebt, und dass Gott mein Vater ist. Das hebt empor, wenn der Mut sinken will. Das erquickt in der Hitze der Trübsal. Das hält uns über den Wassern, dass wir nicht versinken. Oft müssen die Bekümmernisse von außen erst dazu führen, dass die Seele diesen besten Trost findet. Die Traurigkeit, die durch schwere äußere Erfahrungen bewirkt wird, verwandelt sich dann in eine andere, die uns überkommt angesichts unserer vielen Verfehlungen und Versäumnisse. Diese göttliche Traurigkeit und Bekümmernis über unsere Sünde bahnt den wahren Trost an, den Trost der Vergebung aller Sünden, und dieser Trost wiegt ein Meer von Leiden auf. "Wenn ich nur dich habe, mag mir Leib und Seele verschmachten, du bist meines Herzens Trost und mein Teil."

Alle diese Tröstungen aber bietet uns das göttliche Wort. Die Bibel ist das große Trostbuch. Sie ist großenteils aus Leid und Schmerz geboren worden. Die Gottesmänner der Bibel empfingen ihre Offenbarungen meist unter viel Druck und Not. Die Heilige Schrift ist ein Buch für die Leidtragenden. Die leichtfertigen Genussmenschen finden, dass die Bibel ein düsteres Buch ist voll finsterer Drohungen. Aber die Kreuzträger entdecken in ihr lauter Trostquellen. "Die Reden des Herrn sind freundlich den Frommen" (Micha 2,7). Machen wir uns nur mit dem teueren Bibelwort recht bekannt! Dann fehlt es uns nicht an Trost in unseren Bekümmernissen.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Bei der Menge meiner Gedanken in meinem Innern erfüllten deine Tröstungen meine Seele mit Wonne." (Wörtlich)

Die Seele hat immer eine Menge von Vorstellungen und Gedanken, die sie bewegt und erwägt, oder die eine Macht über sie erlangt haben und sie bewegen. Wie schwer fällt es nicht, einen bestimmten Gedanken aus seinem Bewusstsein zu verscheuchen! Und je schlechter er ist, je mehr er uns schmerzt und je mehr Sorge er uns macht, desto frecher kommt er wieder. Ja, die Menge unserer Gedanken! Erinnerungen verschiedenster Art, Kämpfe, Freuden, Schmerzen, Sorgen! Oft ist diese Menge die schlechteste Gesellschaft, die man sich denken kann. Es ist unerträglich, ihr wehrlos preisgegeben zu sein. Da plötzlich teilt sich der wirre laute Haufen: es wird totenstille, denn eine Gesandtschaft des Königs zieht daher. Und ihr Ziel bin ich, und ihr Inhalt ist lauter Gnade und Friede, dass mir die Tränen der Freude in die Augen kommen und meine Lippen ein Dankgebet stammeln. Ja, seine Tröstungen! Jesus ist ein Meister im Trösten. Wie weiß er, wenn es ihm drum zu tun ist, uns zu trösten, alles dazu zu benutzen: Sonnenstrahlen oder Regentropfen, den Schmetterling auf dem Blumenbeet oder Nachbars weißes Hündchen; - seine Größe in Kleinigkeiten hat mich schon oft mit bebender Wonne erfüllt.

Herr, wer bin ich, dass du meiner gedenkst?
Meine Seele bebt vor dir an und jauchzt über deiner tröstlichen Nähe.
Grüße alle deine Kinder in aller Welt mit solchen Wonnestrahlen, wenn sie im Dunkel trauern.
Gelobt seist du, o Christus! Amen.


Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Bei den vielen Sorgen in meinem Herzen erquickten Deine Tröstungen meine Seele." Ps. 94,19

Wer hat nicht die gewaltige Glaubenssprache empfunden, die in den Psalmen unserer Bibel geführt wird? Wie sprechen sie von einem Weltweh, von dem sich die einzelnen Völker, ja die ganze Schöpfung erfasst sieht. Wer von uns hat nicht seinen tiefsten Schmerz, für den unsere Seele keinen Ausdruck zu finden vermochte, in den einzelnen Klagen und Seufzern der Psalmen wieder gefunden! Denn in den Psalmen spricht nicht fromme Theorie, in ihnen zittert die nackte Wirklichkeit und der ganze Ernst unseres menschlichen Lebens wieder. Sie kennen das Leid, den Kampf, die Bosheit, die Schuld, die Spannungen unseres todverfallenen Daseins.

Aber die Psalmen künden uns mehr. Sie reden auch von einem Glauben, der aus dem Weh der Gegenwart den Weg zu Gott findet. Wie selten bleibt ein Psalm allein bei dem Leid der Zeit stehen. Der Glaube, der in ihm weint und klagt, erhebt sich zu Gott, bis er in Gott selbst zur Ruhe kommt.

Daher finden wir in den Psalmen nicht nur die bekannten Bußgebete, klingen in ihnen nicht nur die einzelnen Klagelieder wieder, sondern sie enden in so manchen Fällen mit seltenem Dank und tiefer Anbetung. Wenn wir auch keine scharfe Grenze zwischen Dank und Anbetung ziehen, aber die Dankgebete bleiben doch mehr oder weniger bei dem stehen, was der Mensch an einzelnen Segnungen von Gott empfangen hat. Man hat die Vergebung der Sünden erlebt und preist nun die Barmherzigkeit, die unsere Schuld zuzudecken und unser Leben mit neuem Segen zu krönen vermag. Oder man hat sichtbar Gottes Eingreifen in unsere Not und Verhältnisse erfahren, und zwar in einer Stunde, wo alle Wogen und Wellen über uns ergingen. Nun preist die Seele den, der auch aus dem Tode erretten kann. Die Dankeslieder bleiben in der Regel bei dem stehen, was man als Gabe, als Segen, als Rettung und Hilfe von Gott empfangen hat.

Es gibt aber auch Psalmen, in denen das Lob der Seele sich nicht mehr mit dem beschäftigt, was man von Gott empfangen hat, sondern was Gott uns in seiner Person, in seiner Majestät, in seiner Gegenwart und Herrlichkeit geworden ist. In ihnen spricht ein Glaube mit seinem geistigen Schauen, dem Gott mehr ist als seine Gabe, ein Glaube, der in seiner Hingabe und Anbetung Gott über alles ehrt. Er hat über den Segen den Weg zum Segnenden gefunden und bekennt vor der ganzen Schöpfung Gottes: "Du, Herr, bist mein Gut, nichts geht mir über Dich!"