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Predigten zu Römer 10,10

"Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde wird bekannt zum Heil."

Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, mit dem Munde bekannt zur Errettung."

Schöner, voller, vertrauter klingt's in der Lutherschen Übersetzung: "Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht, und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig." Ist denn überhaupt ein Gegensatz zwischen "mit dem Herzen glauben" und "mit dem Munde bekennen"? Ja, es kann ein stufenmässiger Fortschritt, ein Weiterkommen damit angedeutet sein. Der Herzensglaube schafft innerlich im Menschen die Rechtfertigung; das darauffolgende Bekenntnis schließt erst die Heilserfahrung ab. Daher mag es kommen, dass wir nach einem Bekenntnis Jesu unter erschwerenden Umständen ein so gehobenes Gefühl, eine Beseligung erfahren, als wäre jetzt erst alles in Ordnung. Es muss nun noch hinzugenommen werden, was damals das Bekennen Jesu meistens einbrachte: Trübsal, Verfolgung und Verachtung. Bei uns ist's oft nur das letzte Stück, und wie scheuen wir jenes verächtliche Zurückziehen, jenes "Geschnittenwerden" oder Totschweigen. Dann muss noch hinzugerechnet werden, dass manche Naturanlage schnell fertig ist mit dem Bekenntnis; da ist die Tugend kleiner. Andere ringen sich ordentlich mit äußerster Selbstüberwindung das Aussprechen ihres Seelengeheimnisses ab, dann bedeutet und wirkt solches Bekenntnis mehr.

Herr Jesu, vergib mir, dass ich heute am Tage eine gute Gelegenheit, dich zu bekennen, so ängstlich gemieden habe. Innerlich wog das wie eine Verleugnung! Und doch liebe und suche ich dich! Amen.


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Ein schweigsamer Christ: Gibt es das?

Die Bibel verbindet Glauben mit Äußerung – und Glaube, der sich nie äußert, ist kein biblischer Glaube. Uns wird gesagt, wir könnten nur errettet werden, wenn wir in unserem Herzen glauben und mit unseren Lippen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist. Ich bin der Meinung, liebe Brüder, dass mit dem schweigenden Christen etwas nicht in Ordnung ist! Psychologen versuchen, unnormales menschliches Verhalten zu behandeln, z. B. wenn Kranke aufgrund schwerer Depressionen einfach nicht mehr reden können. Sie mögen nicht sprechen – sie antworten nicht. Sie schweigen einfach, weiter nichts. Etwas stimmt mit dem Verstand eines Menschen nicht, wenn er nicht reden und kommunizieren mag. Gott gab jedem von uns einen Mund, und Er wollte, dass wir ihn gebrauchen, um etwas von den Wundern, die sich in unserem Inneren vollziehen, auszudrücken. Jemand, der die Quäker beschrieben hat, sagt von ihnen, sie redeten nicht über ihre Religion – sie lebten sie. Das ist eine törichte Vereinfachung – denn was unserem Herzen am nächsten steht, darüber reden wir, und wenn Gott nahe bei unseren Herzen ist, dann werden wir auch über Ihn sprechen! Diese schweigende Religion, die mit der Ausrede daherkommt: »Ich habe nichts zu sagen!«, passt nicht zu der Vision der himmlischen Wesen, die nicht aufhören zu rufen: »Heilig, heilig, heilig!« Du magst nun sagen: »Gut, aber ich bete Gott in meinem Herzen an.« Ich glaube nicht, dass du das tust. Ich fürchte, du willst nur die Tatsache verschleiern, dass du zu wenig geistliche Wärme entwickelt hast, die deinen Mund von selbst öffnen würde!


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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In einer württembergischen Gemeinschaftsstunde legte einmal ein origineller alter Bruder dar, was der rechte Glaube sei. Unsere Zeit mit ihrer religiösen Verwirrung kann dies Wort wohl recht brauchen.

Da ist zunächst der Aberglaube. Man fürchtet allerlei dunkle und verborgene Mächte. Man glaubt an Sterne und an Talismane und Amulette. Man fürchtet alles Mögliche, nur nicht den lebendigen Gott. Man glaubt an alles Mögliche, nur nicht an den lebendigen Herrn. Der Glaube ist nicht der rechte. Dann ist da der Menschenglaube. Da glaubt man an andre Menschen oder gar an sich selbst. Aber damit fällt man unter Gottes Wort (Jeremia 17, 5): Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt!" Der Glaube ist auch nicht der rechte. Und dann gibt es den Kopfglauben. Da weiß man alles. Man hat die rechte Lehre und kennt seinen Katechismus. Aber das Herz ist völlig unbekehrt und tot. Der Glaube ist auch nicht der rechte.

Und dann der Mundglaube. Da kann man schön und fromm reden. Aber es sind leere Worte. Und weil das Reich Gottes nicht in Worten, sondern in Kraft besteht, ist dieser Glaube auch nicht der rechte. Dann gibt es einen Ohrenglauben. Da gibt es Leute, die hören und hören! Keine Predigt und keine Evangelisation lassen sie sich entgehen. Nun ist das Hören eine gute Sache. Und ohne Hören des Wortes Gottes entsteht kein rechter Glaube. Aber wo. es eben nur beim Hören bleibt, ohne dass das Wort Frucht bringt, da ist es auch nichts.

Ja, was ist denn der rechte Glaube? Der rechte Glaube ist eine Herzens- und Gewissenssache. Wo ein Herz in das Licht der Wahrheit Gottes gekommen ist und so recht seinen verlorenen Zustand erkennt – da ist der Boden bereitet für den Herzensglauben. Da lernt man aufschauen auf den Heiland, der unsere Schuld am Kreuz getragen hat, glaubt an Ihn und ergibt sich Ihm von ganzem Herzen. Amen.