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Predigten zu Römer 14,7

"Denn keiner von uns lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst."

Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Dieser Grundsatz des Apostels Paulus sollte auch uns kennzeichnen, die wir uns Christen nennen. Paulus hat uns dafür auf allen Gebieten das Vorbild gegeben und fordert uns auf, seine Nachahmer zu sein. «Keiner von uns lebt sich selbst» – werden unsere Beziehungen zu unserer Umgebung von dieser Gesinnung geleitet? Es gibt schmerzliche, traurige Zustände unter den Kindern Gottes, weil sie für sich selbst, nicht für die anderen leben. Daß wir empfindlich sind und nicht wirklich geistlich leben, liegt im Grunde genommen daran, daß unser Eigenleben Rücksichtnahme verlangt, während es doch mit Christus gekreuzigt sein sollte. Unüberlegtes Handeln, verletzendes Verhalten sind eigentlich nichts anderes als das Ergebnis eines für sich selbst gelebten Lebens, in dem man nicht auf die anderen achtet. Wir wollen es zugeben und dieses Bibelwort mit Sanftmut in uns einpflanzen lassen. Haben wir es nicht alle nötig, unser Leben und unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen zu prüfen?

«Keiner von uns lebt sich selbst ...» Gott hat jedem ein Werk anvertraut, das er vollbringen soll. Warum herrscht denn so viel Verständnislosigkeit unter uns? Warum gibt es Neid und Spaltungen, die eine der Ursachen für geistliche Schwäche sind? Der Grund ist immer der gleiche: Wir leben für uns selbst, für unseren religiösen Kreis, nicht für die anderen. Wir wissen nicht, wie sehr der Heilige Geist den ganzen Leib Christi liebt und um ihn leidet. Wenn wir uns in uns selbst verschließen und nicht an die verlorene Welt denken, verfallen wir einem geistlichen Tod, der um so schrecklicher ist, weil wir ihn gar nicht bemerken.

Ein Christ, der nicht sich selbst lebt, hat immer das Heil der anderen im Auge. Ist sein Zeugendienst nach einer Richtung hin getan, dann sucht er eine andere Gelegenheit, die Fülle der Liebe Gottes zu verbreiten. Aus seinem Leben fließen Ströme lebendigen Wassers. Seine uneigennützige Aktivität hört nie auf.

Das Kreuz Christi ist die Quelle und verborgene Triebfeder eines ganz hingegebenen Lebens. Laßt uns von dort die Kraft schöpfen, um dem nachfolgen zu können, der auf diese Erde kam, um zu dienen und Sein Leben hinzugeben!


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Gibt es Unterschiede in der Christenheit? O ja, sogar Unterschiede im Glauben. Paulus sprach von solchen, die im Glauben schwach, und von solchen, die im Glauben stark seien. Noch viel mehr gibt es Unterschiede in unserer Erkenntnis, in der uns gegebenen Pflicht, in dem uns zugeteilten Beruf. Gibt es denn noch ein gemeinsames Merkmal aller Christen? Lässt sich noch eine Grenze zwischen denen ziehen, die in der Gemeinde stehen, und denen, die nicht zu ihr gehören? O ja, sagt Paulus; diese Grenze ist unverrückbar. Keiner gehört zur Christenheit, der für sich selber lebt; jeder von uns lebt für den Herrn. Auch die Natur prägt uns in ihrer Weise ein, dass keiner für sich selber lebt. Sie gibt jedem das Leben, damit er es anderen gebe, und gestattet keinem, nur für sich selber Eigentum anzusammeln; ob er will oder nicht, er muss es anderen lassen. Aber die Natur verhindert es nicht, dass wir ihre Gaben eigensüchtig missbrauchen und den Versuch machen, mit dem, was sie uns gibt, für uns selbst zu leben. Anders steht es aber da, wo Jesus als der Herr regiert. Denn Er stellt uns vor Gott und dadurch ist es mir ganz unmöglich gemacht, für mich selbst zu leben. Sowie mein Blick Gott erreicht, ist die selbstische Verengung meiner Gedanken und Ziele zersprengt. Gott ist größer als ich. Wie könnte ich mich über Gott erheben und ihn zu meinem Diener machen, wie seine Gabe nur dazu benützen, um mich in meiner Ichheit zu stärken und zu vervollkommnen?

Die weltweite Größe seiner Gnade, die eins ist mit seiner regierenden Majestät, hat er mir dadurch gezeigt, dass er Christus zu meinem Herrn gemacht hat. Indem ich an ihn glaube, gründe ich mein Leben auf das, was er mir gibt; er gibt aber seine Gaben nicht einzig mir. Indem mir sein Wille heilig wird, bin ich ihm untertan und ihm gehorsam gemacht; er führt mich aber zu denen, die wie ich sein eigen sind, und verpflichtet mich für sie. Nicht nur sein Gebot verbietet mir, dass ich für mich selber lebe, sondern die von ihm mir gegebene Gestaltung meines Lebens macht mir dies zur Unmöglichkeit. Freilich kann ich auch meinen Christenstand meinem Eigennutz dienstbar machen und sein Wort nur dazu hören, damit es mich erleuchte, und seine Gabe nur dazu begehren, damit ich selber von Schuld, Schande und Gericht befreit und ewig selig sei. Dann weiß ich aber auch, dass ich unter der Verurteilung stehe, die Jesus mit gewaltigem Wort und heißem Ernst auf alle die gelegt hat, die Gottes Gnade nicht von ihrer boshaften Eigensucht befreit.

Bei Dir, heiliger Vater, vergeht das Elend, das mich plagt, solange ich für mich selber leben will. Gepriesen sei Deine Gnade, die in unserer armen, dunklen Welt Deine Kirche schuf, in der keiner für sich selbst lebt. Aus Dir zu Dir schufst Du sie und zeigst uns dadurch Deine Liebe. Durch sie töte unsere Eigensucht. Amen.