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Predigten zu Römer 8,1

"Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christo Jesu sind."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind."

Komm, liebe Seele, und denke hierüber nach. Glaubst du an den Herrn Jesum, so bist du wirklich und gründlich von aller Schuld erlöst, du bist aus deinem Gefängnis herausgeführt. Du bist nicht mehr mit Ketten gebunden wie ein Leibeigner; du bist schon jetzt frei geworden aus der Sklaverei des Gesetzes; du bist befreit von der Herrschaft der Sünde und darfst frei umhergehen als ein Freier; deines Heilandes Blut hat dir eine vollkommene Freiheit erworben. Jetzt hast du ein Recht, zum Throne deines Vaters zu kommen; keine flammenden Schwerter der Zornesrache schrecken dich von hier zurück; keine drohende Cherubswache wehrt dir den Zugang; die Gerechtigkeit darf den Schuldlosen nicht schlagen. Alle deine Schwächen und Mängel sind nun beseitigt: sonst warst du nicht imstande, deines Vaters Antlitz zu sehen: jetzt darfst du es mit Lust betrachten. Du konntest nicht mit Ihm reden; jetzt aber hast du freien Zugang zu Ihm. Einst lag Furcht der Hölle auf dir; jetzt aber weißt du nichts mehr von solcher Furcht, denn wie kann den Unschuldigen Strafe treffen? Wer da glaubt, der wird nicht verdammt und kann nicht gestraft werden. Und mehr als dies alles, alle die seligen Vorrechte, derer du dich hättest erfreuen dürfen, wenn du nie gesündigt hättest, sind jetzt dennoch dein, weil du gerecht gemacht bist. Alle die Segnungen, die dir zuteil geworden wären, wenn du das Gesetz gehalten hättest, und noch weit mehr, sind nun dein, weil Christus das Gesetz für dich erfüllt hat. All die Liebe und Wonne, welche dir ein vollkommner Gehorsam bei Gott erworben hätte, gehören nun dir zu, weil Christus um deinetwillen vollkommen gehorsam war und all sein Verdienst dir zugerechnet hat, damit du überschwenglich reich würdest durch Den, der um deinetwillen unsäglich arm und elend geworden ist. O, wie groß ist doch die Liebesschuld und Dankespflicht, die du deinem Heiland schuldig bist! "Ich bin gerecht durch meinen Glauben, Der mich dem Heiland einverleibt; Wer kann mir dieses Kleinod rauben, Das mir sein Blut und Tod verschreibt? Sein teures Wort bekräftigt dies; - ich bin's gewiss!"


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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"Völliger Sieg in Jesu So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind."

Der Bann ist aufgehoben für die, die in Christo Jesu sind. Der Sünde und darum auch dem Satan, der hinter der Sünde steht, ist das Recht abgesprochen. Die Sünde darf uns nicht mehr verdammen, sie ist getilgt. Auch können uns Sünde und Satan nicht mehr unterjochen und gefangenhalten. Satan muss seine Beute loslassen, er hat kein Recht mehr an die, die in Christus Jesus sind. Der Glaubensblick auf den Herrn Jesus und die Glaubensstellung in ihm bringen die Lösung des quälenden Rätsels: Wer wird mir elendem Menschen helfen? Der Kampf ist gewonnen durch Jesus. - Und doch ist damit noch nicht für alle Zeit der innere Zwiespalt überwunden. Man steht nicht mit einem Schlag für immer in Römer 8. Es kommen Rückschläge und Rückfälle. Der Glaubensblick verdunkelt sich, die Glaubensstellung wird erschüttert. Das finstere Alte macht sich wieder mit Macht geltend. Man gibt nach, unterliegt. Neue Buße, neues Ergreifen des Heils muss erfolgen. - Das Gesetz Gottes hat noch nicht mit einem Schlag so ganz hineingeleuchtet. Man würde es nicht ertragen. Es sind noch unerhellte Partien im Seelenleben. Man meint, über alles schon hinübergehoben zu sein, und singt Jubellieder, kennt aber noch nicht im Licht des Gesetzes sein Grundverderben. Mit der Zeit wird so manches erst ans Licht gezogen. Man empfindet: es stimmt da und dort noch nicht, ich bin von dem und jenem nicht los, ich hänge noch am Geld, an der Ehre, an mir selbst, an der Gesundheit, am Leben, am Genuss. Da gibt es neuen Kampf, vielleicht erst nach langem Schwanken neuen Sieg in Christo. - Gewisse Lieblingssünden spielen uns immer wieder einen bösen Streich, übervorteilen uns: Zorn, Ungeduld, unüberlegtes Reden. Das wirft uns in Römer 7 zurück. Wir klagen und jammern, bis wir wieder den Glaubens- und Siegesboden errungen haben. - Es kommen besondere Proben, z. B. Leidensproben. Wir geben dem Willen Gottes recht nach dem inwendigen Menschen. Aber wir können uns doch nicht gleich in ihn fügen, uns ihm willig unterwerfen. In Jesu ist der Sieg. Aber wir haben ihn nicht gleich im Glauben. - Es gibt Plagegeister, die uns Gott an die Seite setzt. Wir sollen nach seinem Willen überwinden. Aber statt dessen werden wir überwunden von Unwillen, Gehässigkeit oder Abneigung. Wir verurteilen uns selbst, aber können und wollen oft auch im Grund nicht überwinden, werfen die Last ab oder laufen aus der Schule. - Unser Ziel ist und muss sein, in Römer 8 stetig und ganz zu stehen, so dass keine Anklage mit Recht uns mehr treffen kann, so dass nicht nur alles vergeben, sondern auch alles überwunden ist. Denn aus den Gebundenheiten und Niederlagen, dem immer neuen Nachgeben und Straucheln erheben sich immer neue Anklagen. Das Ziel ist, dass wir in Jesu wandeln und von seinem Geist uns in allem regieren lassen, kurz: ein Überwinderleben führen. Und das ist, gottlob, möglich.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind." (Der Nachsatz fehlt in den besten Handschriften.)

Nichts Verdammliches? Widerspricht dem nicht mein Gewissen und die tägliche Erfahrung? Waren nicht heute am Tage noch gewisse Gedankengänge und Empfindungen in meiner Seele verdammlich? Da ist es schon eine Erleichterung, dass der Grundtext eigentlich sagt: "So ist nun keine Verdammnis an denen..." Verdammnis als Endurteil Gottes über einen Menschen, der in Christo Jesu ist, kann es wohl nicht geben. Denn in Christo Jesu sein, das wird doch wohl heißen, auf seiner Seite stehen, ihm kindlich trauen, auf seine Hilfe hoffen. Sind wir so sein Eigentum, dann ist die Verdammnis abgewendet, von ihm für uns getragen und trifft uns nicht mehr. Dessen muss ich mich heute abend trösten: an mir und in mir ist mancherlei Unruhe und mancherlei Schwäche, aber seine Gnade hat keine Lücke. Die deckt all meine eigene Erbärmlichkeit ganz zu, so dass ich mich nicht auf meine Bravheit verlasse, sondern auf sein Erbarmen. Es ist dabei nebensächlich, ob ich schöne Gefühle, große Freudigkeit und süsse Andacht empfinde, es kommt bloss auf meines Glaubens Richtung an: sucht meine Seele ihn, dann deckt er Schuld und Übertretung, und das nicht nur heute, sondern er wird den ganzen Prozess meines Lebens zum seligen Ende hinausführen.

O Herr Jesu, lies eben in meiner armen, bedrückten Seelenverfassung die Sehnsucht nach dir und deiner Gnade. Deck mich mit deiner Versöhnung und tröste mich mit deiner Liebe! Amen.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Das sollen nun etliche nicht so verstehen, als sei für sie keine Verdammung da, obschon sie in ihren Sünden bleiben und der Welt und ihren Gelüsten dienen, und obschon in ihnen kein wahrhaftiges Verlangen ist, von dem Joch der Sünde und der Gewalt des Todes befreit zu werden; denn was hat der Trost des Evangeliums zu tun mit den Unbußfertigen, was mit solchen, denen die Sünden nicht zur Last, nicht von Herzen leid sind? Den Trost dieses Wortes eignen sich etliche an mit einem trügerischen Herzen, und um ihre innere Unruhe zu stillen; sie bedecken mit solchen Wahrheiten ihre Arglist, nach welcher sie sich einreden: sie könnten Laster und Feier vereinigen, auf ihren sündlichen Wegen bleiben und doch Gnade finden; sie meinen, das Gesetz gehe sie laut solcher Predigt doch nichts an und könne sie nicht verdammen. Diese sollen doch wissen, dass der Geist des Lebens in Christo Jesu ein Geist der Heiligung ist, der dem Gesetze seine Verdammung nicht nimmt gegenüber mutwilligem Übertreten, dass er ein Geist ist, der kein Gesetz gibt, wobei er einem Menschen das Sündigen frei lässt; und dass das Leben in Christo Jesu kein gegemaltes Leben ist, sondern ein Leben, welches sich äußert in Selbstverleugnung und in Drangebung alles dessen, was wider Gottes Gebot ist. Denn dabei soll es wohl bleiben, was der Apostel an einem andern Ort bezeugt: Die Beschneidung ist nichts, und die Vorhaut ist nichts, sondern die Bewahrung der Gebote Gottes.

Ach, eins ist, das mich quält!
Wer merkt, wie oft er fehlt?
Wer kann sein Herz ergründen?
O Gott, erbarme dich!
Vergib und heil'ge mich
von den verborgnen Sünden!


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Alle, die von Schrecken überfallen werden bei dem Donnern und Krachen, bei dem Zürnen, Verfluchen und Verdammen des Gesetzes, tröstet das Wort also: Fürchtet euch nicht! Das geht euch nicht an, solches Verdammen gilt euch nicht; denn ihr seid die Gesegneten des Vaters, indem ihr euch arm und elend, wie ihr seid, an den Einen haltet, der für euch gestorben und auferweckt ist von den Toten und nunmehr euch den Tröster gegeben hat und gibt, dass dieser in euch alles schaffe, was das Gesetz gebietet, und bleibe bei euch immerdar.

Dieser evangelische Trost gilt solchen, die ihrer Sünden und inneren Verdorbenheit wegen bekümmert und angefochten in der Schwebe bleiben zwischen dem Gesetz des „Tue das“ und dem Festhalten an der Gnade, durch welche wir Gott wohlgefällig sind und im Geist und Wahrheit vor ihm wandeln. Diese laufen fortwährend Gefahr, aus Angst und Furcht vor der Verdammung, ja aus wahrer Gottesfurcht, im Kampf gegen die innere Verdorbenheit, sich zu dem Gesetze des „Tue das“ hin, und von der Gnade wegzubegeben, um durch das „Tue das“ der Sünde Meister zu werden. Andrerseits möchten sie doch gerne bei der Gnade bleiben, auf dass sie mit dem Gesetz nach Geist und Wahrheit in Übereinstimmung seien. Solchen wird hier Mut gemacht, dass sie vor der Verdammung des Gesetzes sich deswegen nicht fürchten, weil sie Sünden haben, ja, große, schwere Sünden, und gar keine Frucht der Gottseligkeit bei sich finden, auch nichts aufzuweisen haben, dessen sie sich rühmen können. Ihnen wird Mut gemacht, auf dass sie sich vielmehr an Christo geklammert halten und sich von dem Geist treiben, leiten und führen lassen; denn nur in dem Wege werden sie Gott Frucht tragen, von welchem gerade das schwache Herz, wie auch Teufel, Welt und Tod sie gerne möchten ablenken, um sie aus der wahren Heiligung, womit der Herr heiligt, wegzuzaubern.

Fehlt's deinem Knecht an Licht,
du gibst ihm Unterricht
im Wort von deinem Thron;
wer deinen Willen tut,
ist immer wohlgemut
und findet großen Lohn.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Darum geht es: Was ist der geheime Motor meines Lebens? Was ist es, das mein Reden, Denken, Tun bestimmt? „Fleisch“ oder „Geist"? Wir können sehr „fromm", sehr „christlich" sein und doch – regiert und bestimmt vom „Fleisch". Ja, man kann in den Augen der Welt ein „guter und edler" Mensch sein und doch – regiert und bestimmt vom „Fleisch".

„Fleisch" – mit diesem Wort bezeichnet die Bibel das natürliche Wesen des gefallenen Menschen. „Fleisch" – das ist unsere natürliche Art, die zu den gröbsten Sünden jederzeit fähig ist. „Fleisch" – das ist auch unser Temperament. „Fleisch" – das ist die elende Art, die je und dann moralisch ist und sich dann mit Vergnügen selbst beschaut und bespiegelt.

„Fleisch" – das ist … ach, wer könnte damit fertig werden, den gefallenen Menschen und seine Art zu schildern? Aber eins ist sicher: „Fleischlich gesinnt sein ist eine Feindschaft wider Gott!" Und darum gilt das andere: „Fleischlich gesinnt sein ist der Tod!" Aber wie ein Jubelruf klingt es, wenn nun Paulus das B. Kapitel des Römerbriefes anfängt mit den Worten „… die wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist!"

Ein Neues ist durch Jesus gekommen! Wir dürfen unsere natürliche Art mit dem Gekreuzigten in den Tod geben. Und dann tritt der Heilige Geist die Herrschaft an. Wohl gibt es dann täglich heiße Kämpfe zwischen „Geist" und „Fleisch" in unserem Leben. Und doch – wir dürfen es selig erfahren: „Geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede." Amen.


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Paulus hat tief empfunden, was es bedeutet „im Leibe zu sein“. Für unser Sehfeld sind die Grenzen durch das festgelegt, was uns die Sinne geben, und unser Begehren entsteht durch das, was unser Leib bedarf. Freude und Leid, was uns wehtut und was uns erfreut, beides sprudelt in uns durch die Weise hinein, wie die natürlichen Vorgänge uns berühren. Unser ganzer Verkehr mit den Menschen, alles, was wir ihnen geben oder von ihnen empfangen, wird durch den Leib vermittelt, begrenzt, geschwächt und befleckt. Aber unser inwendiger Verkehr mit Gott ist ganz an unser leiblichen Verrichtungen gebunden; auch zum Glauben brauchen wir ein normal arbeitendes Gehirn. Paulus schilt unser Versenktsein in den Leib nicht. So sind wir durch den schaffenden Willen Gottes, der uns durch den leiblichen Vorgang begabt und regiert. Er fragt aber: gibt es nicht noch eine andere Macht, die uns ebenso kräftig umfasst, wie unser Fleisch es tut? Ist die Natur das einzige, was uns trägt und formt? Und er antwortet: Christus ist da und darum sind wir in Ihm. Durch die Natur wird uns Gott nicht so gegenwärtig und wirksam, dass ich ganz und immer in Berührung mit Ihm wäre. Denn sie trägt mir nicht jene Gnade Gottes zu, die mich inwendig in meinem Willen mit Gott einigte. Nun ist uns aber Christus gegeben und in Gottes Weise bei uns gegenwärtig, durch nichts von uns getrennt, in Gottes Macht wirksam, daher Herr über unser ganzes Wesen, auch über die inwendige Bewegung unseres Geistes, der uns verleiht, was uns Gottes Gnade gibt. Was bedeutet nun das, dass wir nicht nur im Leib, sondern in Christus sind? Das ist das Ende der Verurteilung. Als die, die im Leib sind, sind wir unter dem Gesetz, daher im Streit mit ihm, da unser natürliches Begehren dem Gesetz Gottes widerspricht, folglich in der Schuld, die durch die Übertretung des Gesetzes entsteht. Darum bedürfen wir noch einen anderen Ort und Herrn als unseren Leib und dieser ist uns dadurch gegeben, dass Gott uns Christus gab. Nur das ist das Ende der Not, die uns die Natur und das Gesetz bereiten. Nun stehen wir unter der Gnade, sind bedeckt durch das Versöhnen Jesu und von seinem Geist bewegt. Daher gibt es keine Verurteilung mehr für uns. Uns hilft nicht eine stückweise Vergebung, nicht ein Freispruch in diesem oder jenem Fall. Denn die Verurteilung trifft mein Wesen, verwirft das, was ich bin, somit beständig will und tue. Diese Verurteilung ist nun ganz von mir genommen, weil Christus mich in seine Macht und Gnade hineingesetzt hat.

Kehre ich mich weg von Dir, Herr Christus, so entsteht der Jammer. Wende ich mich Dir zu, so beginnt der Dank, der jede Klage verdrängt. Du machst Dich zu unserem Herrn. Was bedarf ich mehr? Das ist Gerechtigkeit und Heil. Amen.