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Predigten zu 1. Korinther 4,1

"Dafür halte man uns: für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes."

Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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EIN SKL AVE CHRISTI

Der Apostel Paulus war ein „Sklave“ Christi. Aus Liebe hat er diese Rolle gewählt – nicht aus Furcht. Zur Zeit des Römischen Reiches gab es wahrscheinlich Millionen von Sklaven. In den meisten Fällen behandelte man sie nicht wie Menschen, sondern wie Gegenstände. Wenn es einem Herrn gefiel, seinen Sklaven zu töten, konnte er das tun, ohne mit einer Strafe rechnen zu müssen. Bei den Römern hatte der Begriff „Sklave“ eine negative Bedeutung. Ganz im Gegensatz dazu verbanden die Hebräer Würde, Ehre und Respekt mit diesem Wort, und für die Griechen verkörperte es Demut. So paradox es klingen mag, beides – erhöht und erniedrigt zu sein – traf auf Paulus, einen Sklaven Christi, zu. In diesem ambivalenten Spannungsfeld befindet sich jeder Nachfolger Jesu Christi. Wenn ich an die Ehre denke, das Evangelium Jesu Christi predigen zu dürfen, bin ich überwältigt. Es gibt keine höhere Berufung im Leben, als Gottes Wort von der Kanzel, unter dem Einfluss des Heiligen Geistes, verkünden zu können. Zur selben Zeit müssen wir aber festhalten, dass kein Knecht Christi es wert ist, ihm dienen zu dürfen. Er muss sich dessen bewusst sein, dass er ein unwürdiger Sklave ist, dem das außergewöhnliche Privileg zuteil wurde, das Evangelium verkünden zu dürfen.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Dafür halte uns jedermann: für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse."

Dass wir so etwas von uns selbst sagen, macht die Sache noch nicht zur Wirklichkeit, sondern wir sollen so leben und arbeiten, dass andere diesen Eindruck von uns bekommen: Dieser Mensch ist kein Menschenknecht, sondern redet in Christi Vollmacht, und er hausiert nicht mit Menschenfündlein, sondern verwaltet Gottes heimliche Schätze, die der Welt verborgen sind. Gilt das Wort in erster Linie auch den Predigern, so ist doch von solcher Regel kein wahrhaft gläubiger Christ ausgenommen, der seines Herrn Wort in den Mund nimmt. Von Christo her zu andern Menschen gesandt, die Hände gefüllt mit den geheimnisvollen Schätzen Gottes: Friede, Vergebung, Reinheit und Kraft, Trost und Freude! Lege diesen Maßstab nicht immer an die Predigt deines Geistlichen, sondern an dein eigenes Leben. Können die andern, die dich näher kennen lernen, den Eindruck nicht verwinden: dieser Mann handelt in Christi Auftrag und teilt Gottes Gaben aus? Oder bleibt alles an deinem eigenen Wesen und Denken haften? Dann verlierst du den Anspruch auf den Trost Christi, wenn dir Trost am nötigsten sein dürfte und wenn du Kraft brauchst, wird die Ebbe in deiner Gedankenkasse offenbar.

Herr Jesus, ich fürchte mich vor mir selbst und dem Meinen. Lehre mich deinen Willen erkennen und ausrichten. Offenbare mir zuerst deine Geheimnisse, dass ich sie kund tun kann als dein Wort und damit wirken kann dein Werk. Amen.


Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Also soll man uns betrachten: als Christi Diener und Haushalter göttlicher Geheimnisse."

Die Kirche Christi ist auch die Verwalterin der Geheimnisse Gottes. Sie hat als Gottes Prophetin dessen Offenbarungen zu dolmetschen und als Apostel Jesu Christi die Kreuzes- und Auferstehungsbotschaft zu künden. Denn Prophet Gottes zu sein bedeutete einst ein Dolmetscher der Offenbarung, das Gewissen der Welt und ein Künder des ewig Neuen zu sein, das Gott zu wirken vermag. Schwieg erst der Prophet, dann redeten in der Regel die Gerichte der Welt. Dolmetschte erst kein Prophet mehr einem Nebukadnezar seine Träume, dann suchte er vergeblich Philosophen und Staatsmänner, die ihm den wahren Sinn des Lebens, die Verantwortung für seine Handlungen, den Gang der Geschichte und die Herrschaft des Höchsten zu deuten vermochten. Und hat die Kirche in unsern Tagen erst der Welt nichts mehr zu sagen, dann hat die Welt ihr etwas zu sagen. Hört die Welt mit ihren Sünden und Gerichten, mit ihrem Materialismus und Untergang, mit ihrer Schauspielerei und Verzweiflung, mit ihrer Sehnsucht und Enttäuschung auf, das Missionsfeld der Kirche zu sein, dann wird die Kirche zum Missionsfeld für die Propheten der Welt. Schweigt erst auf unsern Kanzeln und Kathedern, in unserem Volks- und Staatsleben die Gottesstimme, dann hören wir überall nur noch die Stimme des Menschen. Niemals wies aber des Menschen Stimme über den Menschen und dessen Zersetzung und Untergang hinaus.

Was wir, was unser Volk, was die Völker brauchen, ist daher Licht vom göttlichen Licht, eine Orientierung vom Standpunkt der Ewigkeit aus, einen Aufbau, der sich aus der inneren Erneuerung des Geistes und des Lebens ergibt, eine Hoffnung, deren Sehnsucht auf den Anbruch der Königsherrschaft Jesu Christi geht.

Denn alles Heil für unsere gefallene Schöpfung und Menschheit kann nur von Christus ausgehen. Was zu Gott führen soll, muss von Gott herkommen. Daher muss die Kirche in ihrem Dienste auch Apostel sein. Als solcher hat sie jene Kreuzesbotschaft zu bezeugen, in der die Welt das Gericht ihres von Gott gelösten Lebens erkennt, und jene Auferstehungsbotschaft zu bringen, durch die derselben der Anbruch eines neuen, von Gott gerechtfertigten Lebens angeboten wird. Ihr Leben ohne Gott, das sich durch das Kreuz gerichtet sieht, soll durch die neuschaffende Kraft des Geistes zu jenen neuen Menschen erweckt werden, dessen Kraftquellen hinfort in Dem ruhen, der als der Auferstandene der Anbruch einer neuen Schöpfung geworden ist.


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Durch Gottes Berufung wird ein Prediger zu etwas Besonderem

Die christliche Gemeinde ist Gottes Zeuge an die jeweilige Generation, und die Prediger sind ihre Stimme. Durch sie wird sie hörbar. Durch sie hat sie zu aller Zeit zu der Welt gesprochen, und durch sie hat Gott zur Gemeinde selbst geredet. Das Zeugnis frommer Laien ist zu aller Zeit eine kräftige Hilfe bei dem Werk gewesen, das die Gemeinde zu tun hat. Aber ihre Laien können niemals tun – und sie sind sicher auch nicht dazu berufen –, was die Prediger tun sollen. Durch Begabung und Berufung nimmt der Prediger eine Sonderstellung ein. Damit die Botschaft des Predigers etwas nützt, muss sie lebendig sein. Sie muss aufwecken, erschüttern, herausfordern. Sie muss die Stimme des gegenwärtigen Gottes in einer bestimmten Versammlung sein. Dann, und nur dann, ist sie prophetisches Wort und der Mann ein Prophet. Um seiner Berufung zu entsprechen, muss der Mann beständig unter der Leitung des Heiligen Geistes stehen. Außerdem hat er moralische und geistliche Zustände zu erkennen, vor allem bei sich selbst, damit sie dann auch das tägliche und private Leben der Hörer beeinflussen. Ohne persönlich zu werden, wird der wahre Prophet das Gewissen aller Zuhörer so durchdringen, als sei die Botschaft an jeden persönlich gerichtet. Um die Wahrheit richtig darzustellen, ist es oft nötig, dass der Mann Gottes die Herzen der Menschen besser kennt als diese selbst! So ist der Prediger unbedingt auf die Weisheit Gottes angewiesen. Er muss das sagen, was Christus gesagt haben will, und dazu braucht er unausweichlich die geistliche Kraft und den seelischen Durchblick des Heiligen Geistes, sonst kann er dieser Aufgabe nicht gerecht werden!


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Nach unserer Denkweise, die Torheit ist, sagen wir, Paulus sei ein Original gewesen, sogar ein Genie. Er hat in der Tat vieles gesagt, was vor ihm keiner sagte, und war bei mancher Gelegenheit ein Anfänger, der Neues schuf. Das ergab sich aus seinem Grundsatz, mit dem Wort dahin zu gehen, wo es noch unbekannt war. Weil er die Gemeinde auf einem noch unberührten Boden baute, musste er manches Neue erdenken und tun. Paulus lehnte aber diese Weise, sein Wirken zu betrachten, ab. Er selber sieht in sich einzig den Verwalter, und dieser erwirbt nicht neuen Besitz, sondern macht fruchtbar, was ihm übergeben ist. Die Art und der Umfang des Guts, das er zu verwalten hat, hängt nicht vom Verwalter ab. Darum gab es für Paulus nur eine einzige Pflicht, die, treu zu sein. Das ist Gottes Ordnung für uns alle. Vor allem Erwerben steht das Empfangen und daraus ergibt sich für uns das Ziel, an das wir mit heiliger Pflicht gebunden sind. Verdirb nicht, was du empfangen hast. Freilich ist es wahr, dass die Zeit sich bewegt und die Geschichte nicht stille steht, auch nicht die eines jeden Einzelnen. Wir kommen in neue Lagen und tun Gottes Willen nur dadurch, dass wir unsere Vernunft erneuern. Was gestern richtig war, ist es nicht auch heute. Aber die unzerstörbare Bedingung für jeden neuen Schritt der Christenheit ist, dass sie das ihr Gegebene nicht zerstöre, sondern wirklich besitze, und sie besitzt es nur dann, wenn sie es fruchtbar macht. Wer da hat, dem wird gegeben. Ich kann nicht neue Gabe empfangen, wenn ich das, was mir gegeben wurde, missachte und entkräfte. Wenn Paulus nur die eine Verpflichtung anerkannte, treu zu sein, so stand ihm die Herrlichkeit Jesu vor seinem Auge. Was Jesus uns gebracht hat, bedarf keiner Ergänzung und Verbesserung durch den Apostel oder durch die Christenheit. Weil Paulus an Jesus glaubte, kam es ihm nicht in den Sinn, ein Original zu sein mit dem Anspruch, dass er über Jesus emporwachse. Er empfand das Verwerfliche einer solchen Einbildung deshalb stark, weil er Gottes Willen zu tun hatte. Das stellt ihn vor die Geheimnisse Gottes, in die wir nicht eindringen, als verfügten wir über sie. Darum zeigt er sich und der ganzen Christenheit kein anderes Ziel als das, dass sie treulich verwalte, was Jesus ihr erworben hat.

Dein Geheimnis, Vater, steht auch über meinem Leben. Es ist das Geheimnis Deiner Gnade. Bewahre meine Gedanken, dass sie sich nicht an Deinem Geheimnis vergreifen, und schaffe in mir das reine Herz, das Dir für das dankt, was du mir gabst, und es treulich braucht nach Deinem Willen. Amen.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Dafür halte uns jedermann: für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse.

All die Gnaden, die wir täglich hören: Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit, Christi Fürbitte, Gottes Erbarmen sind so bekannte Dinge, dass vielleicht nur wenige für diese reichen Gaben danken. Und wenn die Gaben nicht hoch geschätzt sind, wie sollten die in rechten Würden bei der Gemeinde sich finden, welche Haushalter über diese Gnaden sind. Und doch muss gesagt werden, dass die Erde nicht wert wäre, fernerhin bewohnt und betreten zu sein, und der Himmel sich verschlossen erwiese, und der Abgrund der Trostlosigkeit sich auftäte, wenn einmal der Herr sein Wort verstummen und die Haushalter und seine Geheimnisse zum Schweigen verurteilt sein ließe, wenn kein Glockenton mehr sonntäglich riefe und kein Choral mehr unser Herz erquickte und im ewigen Einerlei des Tages nicht die himmlische Anregung, sondern die irdische und satanische Aufregung die einzige Abwechslung böte. Wie furchtbar leer und arm wäre dieses Leben, des Namens, mit dem es genannt ist, nicht wert!