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Predigten zu 1. Petrus 1,22

"Da ihr eure Seelen gereinigt habt durch den Gehorsam gegen die Wahrheit zur ungeheuchelten Bruderliebe, so liebet einander mit Inbrunst aus reinem Herzen,"

Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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EINE UNERSCHÖPFLICHE QUELLE

Als Christen tragen wir die gewaltige Verantwortung, einander zu lieben, doch wie werden wir ihr gerecht? Indem wir uns der Quelle bewusst werden! Die Quelle der Liebe steht uns allen zu Verfügung, und wir sind selbst schuld, wenn wir sie nicht in Anspruch nehmen. Wir müssen uns dem Geist unterordnen und lernen zu lieben. Wir müssen unsere Herzen reinigen, indem wir unsere Sünden bekennen und uns der wichtigen Tatsache bewusst werden, dass andere durch unsere Liebe zu Christus gezogen werden. Eine bewusste Entscheidung, andere zu lieben, ist unumgänglich. Wir sollen Gemeinschaft pflegen mit den Gläubigen und uns mehr um andere kümmern als um uns selbst. Auch die Auswirkungen der Liebe sollten wir uns klar vor Augen halten, denn Liebe wird zwangsläufig erwidert.

Als Gott dich errettet hat, wurdest du völlig neu gemacht und besitzt jetzt die Fähigkeit, wirklich zu lieben. Die Quelle der Liebe wird auch nie versiegen. Du hast das große Vorrecht, in dieser Welt ein Bote Gottes zu sein, indem du deine Mitmenschen liebst, wie er sie geliebt hat, und im Gegenzug wiederum Liebe empfängst.


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Habt euch untereinander brünstig lieb aus reinem Herzen, als die da wiedergeboren sind."

Da die Liebe zu den Kindern Gottes eine Frucht und ein Zeichen der Neugeburt ist, so folgt daraus, dass eine Ermahnung zu dieser Liebe nur die wiedergeborenen Christen angeht. Möchte man sich darum nie vornehmen, den zu ermahnen, "der (nur) nach dem Fleische geboren ist", dass er den liebe, "der nach dem Geist geboren ist". Denn es wird immer eine vergebliche Arbeit bleiben, die alte Feindschaft zwischen der Schlange Samen und des Weibes Samen, (zwischen den Ungläubigen und den Gläubigen), aufzuheben. Nur die Gläubigen betrifft es, wenn der Herr Jesus und Seine Apostel ermahnen: "Habt euch untereinander brünstig lieb!" - Obwohl die Liebe vom Geist in unseren Herzen geboren ist und aus unserer Vereinigung mit dem Heiland wächst, bedarf sie doch - wie alle Geistesfrüchte - wohl gepflegt und bewahrt zu werden. Daher alle Ermahnungen und Aufforderungen der Schrift zur Liebe. Es ist ein großer Verlust und eine große Gefahr, wenn du deine Liebe zu den Brüdern verlierst. Zwar sind auch viele Umstände da, die diese Liebe abkühlen wollen. Unser abgesagter Feind, der wohl weiss, was er gewonnen hat, wenn er dich vom Bruderkreise trennen kann, zielt stets auf die Bruderliebe der Christen. Und er findet dafür in unseren eigenen Herzen gar viele Mittel. Wie diese Liebe aber eine so bezeichnende Frucht des Lebens in Christus ist, so ist sie auch stets von diesem Leben abhängig. Solange ich in gesunder Übung der Buße und des Glaubens stehe, liebe ich auch die Brüder. Darum liegt die erste und wesentlichste Ursache einer erkaltenden Liebe in einem geschwächten Gnadenleben.

Wenn ein irdischer Sinn anfängt, bei einem Christen überhandzunehmen, so dass er nicht mehr in täglicher Übung der Buße und des Glaubens, der Erkenntnis der Sünde und des Umfassens der Gnade lebt, dann fängt er sogleich an, kalt gegen die Brüder zu werden und statt der in ihnen wohnenden Gnade mehr ihre Fehler zu sehen. Auch hierin gehen die Worte aus dem Mund des Herrn in Erfüllung: "Weil die Ungerechtigkeit überhandnimmt, wird die Liebe in vielen erkalten." Daneben finden sich bei den Brüdern auch viel Unverstand und andere Unarten, die die Liebe abstossen und erkalten lassen können. Endlich kommen zuweilen auch unterschiedliche Meinungen hinzu, die den Bruderkreis spalten. Gewiss betreffen die Meinungsverschiedenheiten nur weniger wesentliche Fragen, denn in der Hauptsache sind alle. Gläubigen in der ganzen Welt einig. Dennoch aber können diese Nebenansichten der Liebe tödliche Wunden schlagen, wenn ich nicht verstehe, dass ein Bruder ein ebenso redlicher und begnadigter Christ sein kann, auch wenn er nicht alle Punkte im Wort Gottes so auffasst wie ich, oder wenn ich nicht verstehe dass unter denen, die in gewissen Fragen andere Ansichten haben, auch gläubige Kinder Gottes sind. Denn daraus folgt, dass ich anfange, alle diejenigen zu verurteilen, die in irgendeiner Hinsicht anderer Meinung sind als ich. Ein solches Richten aber wird immer die Liebe verletzen. Etwas anderes ist es, wenn ich einer falschen Ansicht widerstehe und einen Fehler oder ein unverständiges Betragen meines Bruders strafe, etwa wie der Herr Jesus den Petrus strafte, als dieser das Schwert ergriff, und als Er ihn ein anderes Mal "Satan" (Widersacher) nannte. Solche Bestrafung lässt sich immer mit der Liebe vereinigen. Denjenigen aber zu verdammen, der in Christi Blut seinen einzigen Trost, sein Alles in Allem hat, ist ganz gewiss gegen die Liebe und tötet sie.

Dies geschieht auch, wenn diese Nebenfragen mir so groß und wichtig werden, dass sie den ersten Platz in meinem Herzen einnehmen, was sich dadurch beweist, dass alle, die in dieser Sache mit mir einig sind, auch wenn sie nicht in Christus leben, mir lieber werden als diejenigen Freunde Jesu, die in dieser Sache nicht mit mir einig sind. Es ist immer ein bedenkliches Zeichen, wenn eine Frage ganz oberflächlicher, ja, weltlicher Bedeutung mir so wichtig wird, dass ich ihren ungläubigen Befürwortern mit aller Wärme und viel grösserer Liebe begegne als den Geschwistern in Christus, die mit mir denselben Glauben empfangen haben in der Gerechtigkeit, die unser Gott gibt und der Heiland Jesus Christus." Sollte ein Mensch, der ein Feind meines Herrn ist, und dem es noch nie in den Sinn gekommen ist, seine Versöhnung und seinen Frieden im Blutdes Lammes zu suchen, oder der noch nicht als ein verlorener Sünder zu Jesu Füßen gelegen hat, sondern den Sohn verachtet und das Blut des Testaments unrein achtet, mir lieber sein als ein Freund Jesu, der in dem Tod und dem Schmerz des Lammes sein Alles in Allein hat und der ein Kind Gottes und mein Ewigkeitsbruder ist? Ist das nicht ein bedenkliches, ein furchtbares Verhältnis? Zeugt es nicht davon, dass jene Nebenfrage, die die Ursache von allem gewesen ist, mir wichtiger wurde als der Heiland, wenn die Menschen, die diese Ansicht mit mir teilen, mir lieber geworden sind als die Brüder in Christus?

Da die Liebe zu den Kindern Gottes also durch so viele Umstände erkalten kann, ist es sehr wichtig, genau auf sich sowie auf die vielen Gründe achtzugeben, die wir haben, die Gnadengeschwister zu lieben.

Die Welt, die blinde, soll unsre Liebe seh'n, Sonst ist geschwinde das Ärgernis gescheh'n. Daran soll man die Jünger kennen, Dass sie recht herzlich in Liebe brennen.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Man kann das ganze Werk der Bekehrung eine Hineinführung des Menschen in die Wahrheit nennen. Wir sind von Natur so aufgebläht, daß wir unsere armseligen Heller für Dukaten halten. Durch unzählige Erfahrungen und Demütigungen lernt der Mensch zuletzt, daß die vermeintlichen Dukaten nichts seien denn rote Heller. Und wenn er dieses einsieht, steht er in der Wahrheit und in der Demut. Es ist aber dies bei manchen eine Weisheit, zu der sie nur nach vielen Jahren gebracht werden. Wir stecken eben voll Eigenliebe, und in dieser Eigenliebe sind wir eher geneigt, die Offenbarungen des Geistes der Wahrheit für Spiegelfechtereien zu halten, bevor wir unsere hohen und guten Gedanken von uns selber aufgeben. Darum möchte sich ein mancher bereden, der Geist Gottes stelle ihm seine Schlechtigkeit und Verwerflichkeit nur deswegen so groß vor die Augen seines Gemüts, um ihn zu demütigen; er sei aber in der Wahrheit nicht so schlecht. Er sagt deswegen: ich fühle mich gegenwärtig so undankbar gegen Gott, so verwerflich, so träge zum Gebet, so lau und kalt in der Liebe gegen den Heiland usw.; aber lieber Mensch, du darfst kecklich sagen: ich bin's, nicht: ich fühle mich. Du bist es; denn der Geist Gottes, der dich züchtigt, ist ein Geist der Wahrheit.

O lasset uns nur aufmerken auf die Stimme des Worts und des Geistes Gottes, so werden wir gewiß zuletzt klein in uns selber und wahr werden, und was Satan in uns selber ausgerichtet hat, wird weichen müssen. Denn mit einem wahren Christen geht es immer, wie man sagt, hinter sich; er wächst und wurzelt unterwärts; er erkennt täglich deutlicher seine Schwachheit und Sünde, wird täglich ärmer am Geist. Dies ist nun freilich ein Weg, der dem hochmütigen Herzen nicht gefällt, eine bittere Arznei für das Fleisch, aber süß für den Geist; denn nur in der Wahrheit ist Seligkeit. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lasset die Reichen leer. Nur die Armen taugen in das Reich der Wahrheit und Demut, die andern gehören mehr oder weniger unter die losen Verächter!

Herzenskündiger, du mein Gott und Herr, ach du weiß es, wie ich's meine, was ich bin und was ich scheine; mei nes Herzens Grund ist dir klar und kund. Urquell alles Lichts, dir verhüllt sich nichts. Wollt ich di auch nichts bekennen, würdest du mich doch erkennen, je du kennest mich besser noch als ich. Und du siehst mich an. Heilger, wer kann deiner Auger Blick ertragen, ohn an seine Brust zu schlagen; geh docl: in's Gericht mit dem Sünder nicht!


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Machet keusch eure Seelen!

Keuschheit ist die Liebe auf dem Ring- und Kampfplatz, die Liebe, die die Beschwerden erträgt, die Liebe, die sich bemüht, stark zu werden an dem inwendigen Menschen, die Liebe, die nach der Herrschaft trachtet über alle Dinge und deshalb ihren Leib zähmt. Es ist die Überlegenheit über sinnliche Freuden, die Macht, mit Entschiedenheit schwere Pflichten zu übernehmen um des teuren Meisters willen. Es ist Nüchternheit und Selbstverleugnung und Selbstüberwindung. Die Keuschheit ist die Liebe, die da fürchtet, in Fleischlichkeit zu erlahmen, oder in krankhaften schwärmerischer Gefühlsseligkeit zu zergehen und die deshalb auf der Wacht und zeitig regsam ist, die manchmal vor Tagesanbruch aufsteht zum Gebet und oft zu einem Tagewerk sich bequemt, vor dem die Trägheit zurückschreckt. Es ist die Liebe mit begürteten Lenden und mit bestaubten Füßen und mit Händen, die von Arbeit schwielig sind. Es ist die Liebe mit den leeren Taschen und den leuchtenden Wangen, die Liebe, die sich mit Brot und Wasser begnügt, die aber gesund und abgehärtet einhergeht.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Machet keusch eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit durch den Geist zu ungefärbter Bruderliebe, und habt euch unter einander brünstig lieb aus reinem Herzen.

Machet keusch eure Seelen! Das Wort keusch hat hier einen umfassenderen und tieferen Sinn als in anderen Fällen. Es zeigt an, dass unsere Seelen Gefäße reinen Geisteslebens sein sollen. Dieses geschieht durch den Gehorsam der Wahrheit. Wir sind vor dem Herrn unrein, unkeusch, in dem Grade, als wir uns mit unsern Gedanken, Sinnen und Neigungen nicht völlig unter seine Wahrheit, sein Wort, beugen und nicht im Gehorsam darauf eingehen. Das Wort der Wahrheit hat eine scheidende, reinigende Wirkung bei uns; es ist ein Licht und bringt uns innerlich in das Licht, wenn wir gehorsam gegen dasselbe sind. Ach, wie viel ist an unsern Seelen zu reinigen, bis alles, was ihnen anklebt von sündlichen Neigungen, von Unwahrheit und Verkehrtheit, sich völlig beugt unter das Schwert des Wortes der Wahrheit, so dass sie reine Gefäße der Liebe werden, wozu sie bestimmt sind. Ungefärbte, ungeheuchelte Bruderliebe soll in denselben wohnen. Was ist das Gegenteil von ungeheuchelter Bruderliebe? Selbstsüchtige Liebe, Liebe mit Nebenabsichten, Hintergedanken, oder gar bewusster Verstellung. Wie viel gefärbte Liebe gibt es doch! Von mancher Liebe bliebe kaum mehr etwas übrig, wenn man das Selbstsüchtige ausscheiden würde. Man will einander genießen, darum liebt man einander; man findet seine Rechnung bei der Liebe, darum liebt man. Die ungeheuchelte Bruderliebe fließt aus dem Gehorsam der Wahrheit, und darum ist sie wahr; sie liebt den Bruder als Bruder. Und weil sie wahr ist, so ist sie auch treu; sie hört nicht auf durch jede Unannehmlichkeit, die einem bei dem Bruder entgegentritt. Das meint auch der Apostel, wenn er sagt: habt einander brünstig lieb, das heißt: weitreichend, so dass bei den verschiedenen Erfahrungen, die man mit einander machen kann, die Liebe nicht aufhört. Wie oft hört die selbstsüchtige Liebe sofort auf, wenn eines Menschen äußere Verhältnisse sich ungünstiger gestalten. Das tut dann sehr wehe. Wie köstlich ist treue Liebe! Sie erquickt das Herz. Sie ist ein Engel Gottes in dieser kalten Welt und weist uns nach oben zu unserem Gott und Vater, der die Liebe ist.

Mein Gott und Vater! Du bist die Liebe und hast Dich mir in Christo geoffenbart. Ich will mich auf's Neue unter Dein Wort der Wahrheit stellen. Reinige mich ganz, und mache mich zu einem Gefäß Deiner Liebe. Amen