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Predigten zu 2. Korinther 5,16

"Daher kennen wir von nun an niemand nach dem Fleische; wenn wir aber auch Christum nach dem Fleische gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr also."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Alles neu

"Darum von jetzt an kennen wir niemand mehr nach dem Fleisch. Darum ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur."

Jesus lieben heißt ihm leben. Ihm leben heißt: eine neue Kreatur, ein völlig anderer Mensch sein. Ist das Alte vergangen und ist alles neu geworden, so kennen wir niemand mehr "nach dem Fleisch". Was heißt das? Bei den Beziehungen zu unsern Mitmenschen gibt "das Fleisch" nicht mehr den Ausschlag. Das Fleisch ist die angeerbte Natur, die von Selbstsucht ganz verseucht ist. Solange wir noch in diesem alten Wesen stehen, sehen wir uns die Menschen nur darauf an, ob sie uns angenehm sind, oder ob wir etwas von ihnen haben. Umgekehrt ist es, wenn wir in Jesus Christus eingepflanzt worden sind, wenn unser Adamswesen mit ihm gestorben und ein neuer Mensch in ihm aufgekommen ist. Nun fragen wir uns: Was können wir andern sein? Wie können wir ihnen nützen? Wir lassen die Menschen nicht gleichgültig an uns vorübergehen. Wir blicken sie an mit den Augen der Liebe. Wir sehen in jedem eine Seele, für die Christus gestorben ist. Ist der andere Jesu noch fremd, suchen wir ihn für den Heiland zu gewinnen. Hat er ihn gefunden, lieben wir ihn als miterlösten Sünder. Wir sehen nicht seinen Stand, sein Äußeres, sein Benehmen an und lassen uns durch ein unbeholfenes oder langweiliges Wesen nicht abstossen. - Vorliebe für gewisse Menschen und Abneigung gegen andere, Sympathie und Antipathie entspringen dem "Fleisch". Der neue Mensch liebt, wie Jesus liebt. Der Heiland hat auch keine Lieblinge oder Bevorzugte. Er hat ein Herz für alle. Der Wiedergeborene sieht seine Mitmenschen "in Christo" an und sieht weg über die Dinge, die sich trennend oder abstossend dazwischenschieben wollen. Er hat ein weites Herz, das mit jedem fühlen kann. Er möchte alle zum Heiland ziehen, damit sie so glücklich werden möchten, wie er selbst in Jesu ist. Die Jünger Jesu sind seine Brüder und Schwestern, auch wenn sie manches an sich haben, was dem natürlichen Empfinden unangenehm ist. Das erleuchtete Auge sieht Jesu Werk in ihnen. Was noch abstossend ist, trägt man. Man zieht sich nicht zurück, wählt sich nicht seine Gesellschaft nach eigenem Geschmack. Man ist für alle da und sucht in Liebe zu bessern, was unschön am andern ist. Das alte Wesen ist vorbei, und zwar mit einem Schlag. Man wird nicht allmählich besser. Wer darauf wartet, bleibt im altem Wesen. Wer an seiner Selbstbesserung arbeitet, macht die Erfahrung, dass es mit ihm immer schlechter wird. Je mehr er das Böse ausrotten will, desto stärker muss er seine Macht erfahren. Wer sich im Glauben dem Heiland anvertraut, mit dem wird es mit einemmal, nicht stückweise, anders. Es ist ein Sterben und Geborenwerden, und beides geschieht nicht nach und nach. Ein neugeborenes Kind ist ein ganzer, kein halber, nur noch kein entwickelter, ausgereifter Mensch. Es ist alles neu geworden. Das Neue ist im Grunde da, es ist eine neue Grundrichtung vorhanden. Das Neue muss nun in allem Gestalt gewinnen. Des Apostels Herz schlägt höher bei diesem großen Erlebnis. Es klingt wie Triumph: "Es ist alles neu geworden!"


Autor: Watchman Nee (* 04.11.1903; † 30.05.1972) chinesischer Prediger
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"Auch wenn wir Christus nach dem Fleisch gekannt haben, kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so."

"Am ersten Tage der Woche kommt Maria aus Magdala früh ... und sieht den Stein von der Gruft hinweggenommen." Aber Maria begnügte sich nicht damit, dass sie das Grab leer fand. "Ich weiss nicht, wo sie ihn hingelegt haben" , sagt sie weinend zu den Engeln. Als sie sich daraufhin umwandte, sah sie den Herrn, den sie so gut kannte - und hielt ihn für einen Fremden. Wenn du daran zweifelst, dass wir nur dann etwas erkennen, wenn Gott es uns offenbart, dann denke über diese Geschichte nach!

Denn sie enthält einen wichtigen Grundsatz. Der Christus "nach dem Fleisch" war gekreuzigt worden. Wer ihn nur so kannte, für den gab es nur das vergebliche Forschen nach einem Leichnam. Maria Magdalena, die mit Jesus so eng verbunden war, sah ihn dastehen und erkannte ihn nicht. Hatten sich ihre geistigen Fähigkeiten verändert? Nein, aber Jesus war mit großer Kraft auferweckt und in seine Herrlichkeit wieder eingesetzt worden; und weil sich bei ihm etwas verändert hatte, hatte sich zwangsläufig auch die Art, ihn zu erkennen, geändert. Nur durch sein Sprechen erkannte ihn Maria, und nur so kommt jegliche Offenbarung. Die innere Klarheit der Erkenntnis lässt sich mit menschlichen Ausdrücken gar nicht erklären. Man weiss plötzlich, und das genügt.

Maria weinte. Sie suchte einen Leichnam und sah nicht, dass der vor ihr Stehende ihr Herr war. Auch bei vielen von uns gibt es Dinge, worüber wir weinen. Wir gelangen an einen toten Punkt und sehen keinen Ausweg. Aber dann hören wir ganz nahe eine Stimme, die "Maria" sagt - und siehe, der, den wir meinten verloren zu haben, steht vor uns.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Darum kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch.

Von dem Tage an, da Paulus seinen Heiland fand, oder richtiger, da sein Heiland das auserwählte Rüstzeug, den Apostel, fand, von dem Tage an kannte er niemand nach dem Fleisch. – Von dem Tage an, da sich einer unser angenommen hat, sollen auch wir niemand nach dem Fleische kennen; denn er hat uns ja auch nicht nach unserer fleischlichen Art und nach unserem natürlichen Wesen angenommen, nicht nach dem, was wir haben, sondern nach dem, was wir sind. „Ich ging vorüber und sah dich in deinem Blute liegen, und als ich dich so liegen sah, schwur ich bei mir: Du sollst leben.“ Von dem Tage an, da wir das erfahren haben, dass er nicht aufs Äußere sieht, und auf das, was Liebreiz ist, sondern aufs Innere und auf das, was Armut ist, von dem Tage an kennen wir niemand nach dem Fleisch.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Darum kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch.

Was heißt denn: jemand nach dem Fleisch kennen? Das kann man eigentlich nur an zwei Fremdwörtern erklären: für jemand Sympathie oder gegen jemand Antipathie haben, für jemand eine Vorliebe oder gegen jemand eine Abneigung haben. Das heißt jemand nach dem Fleisch kennen. Irgend ein Mensch, den du zum erstenmal siehst, gewinnt dir’s ab, er macht auf dich einen guten Eindruck. Er kann unwahr, unecht sein, aber dir ist er liebenswürdig erschienen, und nun beschließt du ihn zu lieben. Und ein anderer, linkisch, ungeschickt, tritt dir entgegen, und dein Schönheitsgefühl wird von ihm verletzt, und du wendest dich ab. Und wenn wir uns fragen, so merken wir, wie wir von äußeren Eindrücken nicht bloß abhängig sind, sondern auch abhängig sein wollen . Aber wir sind doch nicht bloß Mitpilger zum Grabe – dass wir einen Weg gehen müssen zum Tode, das ist Natur –, sondern wir sind Miterben der Seligkeit. Lieber, verachte den nicht, für den Christus gestorben ist!


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Darum kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch.

Von dem an, da der Herr dich annahm, da du ihm zuwider sein mußtest in deiner Sünde und unwert in deiner Missetat, darfst du niemand mehr nach dem Äußeren beurteilen, sondern von dem an schaue in jedem Menschen Jesu Bruder, Jesu Erlösten, den Miterben zur Seligkeit an! Das ist schwer, wenn uns Menschen zusetzen, unter denen wir geradezu leiden, wenn uns Menschen, von denen wir wünschen, sie möchten uns hassen, mit ihrer Freundlichkeit beschweren. Das ist schwer, wenn Menschen, deren ganzer Gesichtskreis dem unsern so entlegen ist als nur denkbar, immer wieder mit ihren Ansichten zu uns kommen. Aber wenn du dir die Mühe gibst, all diesen Schwall von Unechtem und Unreinem hereinzunehmen und zu prüfen, wird auf einmal ein Gedanke heraustreten, um des willen du dich eines Enterbten annehmen musst. – Von nun an kennen wir niemand nach dem, was er uns bietet, sondern nach dem, was wir ihm bieten sollen, nicht nach seinen Gaben, sondern nach den Aufgaben, die er uns stellt. Ja man wird schließlich für Menschen dankbar, die Gott uns auf den Lebensweg gestellt hat, damit wir sie tragen.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Darum kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch.

Von nun an kennen wir niemand nach d em Fleisch. Gilt das auch, meine Christen, von den religiösen Gegensätzen? Du bist modern – ich bin altgläubig. Soll nicht auch hier eine vollkommene Verschleifung der gegensätzlichen Beziehungen eintreten? Dass bei aller Wahrung des konfessionellen Ernstes und der deutschen Ehre jetzt nicht in erster Linie gefragt werden muss: Bist du katholisch oder zwinglinisch oder lutherisch?, dass jetzt die Treue gegen das Bekenntnis nicht darin sich zeigt, dass man die Grenzen noch künstlich verfestigt, das glaube ich auch. heute ist jeder, der Jesus Christus als den bekennt, der er ist, mein Bruder, unbeschadet der Unterschiede, in die uns Gott hineingestellt hat und die wir nicht aus der Welt schaffen können, wollen und dürfen. Aber zwischen denen, die Jesu die Krone vom Haupte nehmen und denen, die Jesu die Krone gönnen, kann es keine Einigung geben. Soweit geht es nicht, dass zwischen denen, die des Herrn Wort bezweifeln und denen, die es als höchste Ehre bekennen, Gemeinschaft sei. Das sei ferne! Solche Duldung ist in meinen Augen Verrat an der Treue.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Darum kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch.

Von nun an kennen wir auch uns nicht mehr nach dem Fleisch. Woran merkst du denn, mein Christ, dass du dich nach dem Fleisch kennst? Vor allen Dingen an der Selbstliebe. Du mutest deinem Nächsten viel zu, was du dir selbst nie in Gedanken zumutest. Daran erkenne ich, ob ich mich nur nach dem Fleisch kenne, wenn ich jedes Unrecht meines Nächsten vergrößere und jede Untat in meiner Seele verkleinere, wenn ich schwer auch an dem schiefen Blick des Nächsten trage und ihm mit harten Worten täglich zusetze, wenn ich des Nächsten Fehler vergrößere und meine eigenen Fehler entschuldige, erkläre und schließlich verkläre. Aber so soll es nicht unter uns sein. Das erste, was der Herr jetzt verlangt, ist Selbstverleugnung. Von nun an frage nicht, was deinem äußeren Leben frommt, was deinen Tag verschönt, frage nur: Was kann ich tun, dass die furchtbare Not geendet werde? Nicht sich nach dem Fleisch kennen, nicht sich nach dem Fleisch lieben, nicht sich nach dem Fleisch schonen, das ist die größte Aufgabe.