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Predigten zu Jakobus 1,13

"Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht; denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, und selbst versucht er niemand."

Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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GOT T TRIFFT KEINE SCHULD

Obwohl es einige gibt, die meinen, Gott sei verantwortlich für die Versuchung und die Sünde, widerlegt Jakobus diesen Gedanken in unserem heutigen Vers eindeutig.

Er warnt davor, unsere Sünde herunterzuspielen und Gott die Schuld zuzuschieben, wenn wir versucht werden. Wenn du mit der Versuchung kämpfst und drauf und dran bist, ihr nachzugeben, dann versuche nicht, dich rauszureden, indem du sagst, du würdest von Gott versucht.

Gehen wir einmal davon aus, dass niemand Gott direkt beschuldigt, ihn zur Sünde zu verführen. Jakobus geht aber noch einen Schritt weiter und unterstreicht, dass wir nicht einmal im Entferntesten daran denken dürfen, Gott als den Verursacher unseres Sündigens zu sehen. Die meisten Menschen werden nicht so weit gehen, Gott für ihre Sünde verantwortlich zu machen, doch irgendwie beschuldigen sie ihn indirekt, indem sie meinen, Gott habe die Situation und die damit verbundene Möglichkeit des Versagens zugelassen. Doch Gott ist weder der unmittelbare Verursacher der Versuchung noch im entferntesten Sinne ihr Ursprung. Betrachte dich nie als ein Opfer der Vorsehung Gottes.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Jeder unbekehrte, mutwillige Sünder macht Gott zum Urheber seiner Sünde; denn ein jeder hat eine Entschuldigung für seine Sünde, und wenn er auch so weit gesunken wäre, daß er sich vor den Menschen gar nicht mehr entschuldigte über seiner Sünde, daß er sich gleichsam dazu für privilegiert ansähe, so entschuldigt er sich in seinem Gewissen vor sich selber und indem er in seiner Selbstrechtfertigung die Schuld von sich abwälzt, so schiebt er sie zuletzt auf Gott und will den Vater der Lichter als den anklagen, der ihn zum Sündigen verleite, weswegen er nicht ganz so handeln und wandeln könne, wie es sein Gewissen von ihm fordere. Sehet, dies hat schon im Paradies angefangen. Als Adam gefallen war, da ward er von Gott zur Rede gestellt, der zu ihm sprach: »Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?« Da sprach Adam: »Das Weib, das du mir zugestellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß.« Warum sagte denn Adam: »Das Weib, das du mir zugesellt hast«? Es ist offenbar, daß er etwas von der Schuld auf Gott zurückwälzen wollte; es hieß ja so viel als: Hättest du sie mir nicht gegeben, so wäre ich nicht gefallen. Und so ist es jetzt noch. Der eine sagt: Mein Stand, mein Beruf, mein Amt, mein Verkehr mit den Menschen, meine Umgebung erlauben es nicht, daß ich mich bekehre; ein anderer sagt: Ich bin jähzornig, so ist mein Temperament, meine Art, ich kann mich deswegen nicht in die Sanftmut Christi schikken; ein Wollüstling sagt: So ist nun eben meine Art. Weißt du auch, was du mit diesen Entschuldigungen tust? Gott machst du zum Sünder, zu einem Verführer; denn sage: Wer hat dich in diesen Stand gesetzt, dieses Temperament dir gegeben? Das tat Gott; warum? Dazu daß du sündigen sollst? Nein! Sondern daß es für dich eine Übung und eine Schule für die Ewigkeit sein soll. O, es sollte jeden ein Schauer ankommen, wenn eine solche Entschuldigung im Herzen aufsteigt. Dies ist ja ganz die satanische Art, wo Gott der Sünder sein soll und der Mensch rein sein will - nur damit er sich nicht schuldig geben darf.

Hier werf ich alle meine Not, Erbarmer, dir zu Fuße. Verleihe mir durch deinen Tod die Gnade wahrer Buße! Nimm aus dem Sinn die Tücken hin; laß mich gebeugt zur Erden und innig gläubig werden.


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Die Warnung, die uns verbietet, die Schuld an unserem Fall auf Gott zu legen, ist uns dringend nötig; sie ist aber reich an heilender Kraft. Die Neigung, Gott anzuklagen, ficht uns dann an, wenn wir uns zu unserer versuchlichen Lage richtig stellen. Dann erleben wir alle, was Jakobus im ersten Wort seines Briefes sagt, dass Versuchung Freude schafft, sogar wenn sie sich immer wieder erneuert. Dann aber, wenn wir in der Versuchung gefallen sind, vielleicht auch dann, wenn wir zwar noch nicht fielen, aber in einen harten Kampf verwickelt sind, weil sich eine zähe und starke Begehrung dem Gehorsam widersetzt, sind wir rasch bei dem Gedanken, dass die Schuld unseres falschen Schritts nicht auf uns falle, sondern auf Gott. Wir haben uns ja nicht selber in jene Lage versetzt, aus der die Versuchung entstand. Wir wurden in sie hineingeführt und nun war die Versuchung da, unentrinnbar, als Macht, die uns ergriff. Daran können wir nicht zweifeln, dass Gott auch in jenen Stunden, da wir die falschen Schritte taten, mit dabei gewesen ist. Auch im Rückblick auf jene Stunden steht die Gewissheit fest, dass unser Schicksal uns von Gott bereitet ist. Wie nun? Ist nicht Gott damals unser Feind gewesen, unser Verderber, der uns ins Böse stieß? Würde sich dieser Gedanke in uns festsetzen, so hätte uns unser Fall tödlich verwundet. Dann folgte auf ihn kein Aufstehen mehr und die Türe, die zur Umkehr führt, wäre für uns verschlossen. Besinne dich, sagt mir Jakobus, ehe du Gott beschuldigst; wer schuf deine Tat? Nicht die Dinge, nicht die Menschen, auch nicht Gott, meine Begehrung schuf meine Tat. Als ich den falschen Schritt vollzog, war ich der Schreitende. Irgend einen Gewinn wollte ich erhaschen, irgend eine Verletzung meines Wohlseins und meiner Ehre abwehren. Freilich handelte ich gestoßen und gezwungen als Gefangener. Doch das, was mich stieß und zwang, war mein eigenes Begehren. Dieses zerrte an mir und köderte mich und ich glich dem Fischlein, das gierig nach dem Köder schnappt. Aus meiner Lage kam mein Begehren; das war es ja, was sie versuchlich machte. Ich konnte damals nicht hindern, dass der lockende Wunsch in mir entstand. Kam er aber deshalb zu mir, damit ich ihn erfülle? War er mir nicht deshalb gegeben, damit ich ihn entkräfte, entwurzle und zerstöre? Es bewegt sich in mir kein Verlangen, das ohne mich zur Erfüllung kommt. Zur Tat wird meine Begierde erst, wenn sie durch meinen Entschluss bestätigt und durch meine Zustimmung in Kraft verwandelt ist. Nun liegt die Schuld an ihrem richtigen Platz; nun liegt sie auf mir, und weil ich sie als die meine erkenne, ist sie mir vergeben. Lege ich sie dagegen auf Gott, dann hängt sie unvergeben an mir.

Herr, ich preise Deine Gerechtigkeit allein, auch wenn ich an jene Stunden denke, in denen ich mich falsch entschied. Alles würde dunkel, wenn in der Erinnerung an jene dunklen Stunden auch Dein Angesicht mir dunkel würde. Du aber warst auch damals gerecht und mein Unrecht war mein eigenes Werk. Denn ich hörte auf meine Lust und nicht auf Deinen Willen. Dein Werk ist es, dass ich an meinem Sündigen nicht starb, sondern lebe, und in meiner Nacht Dich nicht verlor, sondern zu Dir kommen kann und bei Dir bleiben darf. Das ist Dein göttlich großes Vergeben, Dein väterliches Werk. Amen.