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Predigten zu Jakobus 4,2

"Ihr gelüstet und habt nichts; ihr tötet und neidet und könnet nichts erlangen; ihr streitet und krieget; ihr habt nichts , weil ihr nicht bittet;"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Ihr erlanget es nicht, weil ihr nicht bittet."

Ich tadle nicht gern, aber schreiende Übel fordern eine öffentliche Rüge. Meint ihr nicht auch, dass dieser Text auf viele unserer Gemeinden passt? Sie haben kein Gedeihen, die Versammlungen sind klein, und - die Hauptursache von allem anderen Übel - sie haben kaum Gebetsversammlungen. An vielen Orten besteht ein solcher Mangel an Interesse, dass die Gebetsversammlungen nicht geschätzt, sondern als etwas Untergeordnetes angesehen werden. Kann das Segen bringen?

An einigen Orten werden die Gebetsversammlungen schlecht besucht, weil durch langatmige Gebete der Brüder, in denen sie sich selbst lange Ansprachen halten, ihre Erfahrungen mitteilen und ihre Bibelkunde ausbreiten, die Frische des Gebets verlorengegangen ist. Man hat mir erzählt, dass unsere Freunde von der Heilsarmee ein Lied anstimmen, sobald ein Freund langweilig oder weitschweifig wird; und ich habe große Sympathie für diese Praxis. Wenn Gebetsversammlungen in Geschwätz ausarten, dürfen wir uns nicht wundern, wenn kein Segen kommt. In solchen Fällen ist das Wort wahr: "Ihr erlanget es nicht, weil ihr nicht bittet."

Wenn irgendein Gläubiger da wohnen sollte, wo die Gebetsversammlungen vernachlässigt werden, soll er sich dazu entschließen, sie wieder zu beleben. Als an einem Ort beschlossen wurde, keine Gebetsversammlungen mehr abzuhalten, erklärte eine Frau, dass das nicht geschehen werde; denn wenn auch niemand anders da wäre: Sie würde am Platze sein. Sie blieb ihrem Wort treu, und als an einem Morgen jemand etwas scherzhaft fragte: "Habt ihr gestern abend Gebetsversammlung gehabt?", erwiderte sie: "Gewiss haben wir!"

"Ich habe aber doch gehört, dass Sie dort allein gewesen sind."Nein", sagte sie."Ich war zwar die einzige sichtbare Person, aber der Vater war da, der Sohn war da, und der Heilige Geist war da, und wir stimmten im Gebet überein." Es dauerte nicht lange, da schämten sich andere im Blick auf die Beständigkeit dieser armen, alten Frau; und bald gab es eine neubelebte Gebetsversammlung und eine aufblühende Gemeinde.


Autor: William MacDonald (* 07.01.1917; † 25.12.2007) US-amerikanischer Prediger der Brüdergemeinden
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"Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet."

Ein solcher Vers wirft eine interessante Frage auf: Wenn wir also nicht haben, weil wir nicht bitten, welche großen Dinge fehlen dann in unserem Leben, einfach, weil wir nicht darum beten?

Eine ähnliche Frage drängt sich auf, wenn wir Jakobus 5,16 lesen: "Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung." Wenn dieser Gerechte nicht betet, folgt dann nicht daraus, dass auch nur wenig durch ihn bewirkt wird?

Die Schwierigkeit bei den meisten von uns liegt darin, dass wir nicht genug beten, oder dass wir, wenn wir beten, nur um so wenig bitten. Wir sind so, wie C.T. Studd einmal gesagt hat: "Wir knabbern nur am Möglichen, anstatt mit beiden Händen nach dem Unmöglichen zu greifen." Unsere Gebete sind schüchtern und phantasielos, gerade dann, wenn sie kühn und wagemutig sein sollten.

Wir sollten Gott damit ehren, dass wir um große Dinge bitten. John Newton hat gesagt:

Komm her nun zum großen König Mit vielen Wünschen geschritten; Denn Seiner Gnade und Vollmacht Sind nie zuviel unsere Bitten.

Wenn wir das tun, geben wir nicht nur Gott die Ehre; wir machen uns auch selbst geistlich gesehen reich. Er öffnet gern die Schätze des Himmels für uns, aber der heutige Bibelvers gibt uns auch zu verstehen, dass Er das nur als Antwort auf unser Gebet tut.

Mir scheint, dieser Vers beantwortet auch eine andere Frage, die wir öfter hören: Bewegt das Gebet Gott tatsächlich dazu, Dinge zu tun, die Er sonst nicht getan hätte, oder bringt es uns nur in Übereinstimmung mit dem, was Gott sowieso getan hätte? Die Antwort scheint klar zu heißen: Gott tut das, was Er sonst nicht getan hätte, als Antwort auf unsere Gebete.

Unsere Vorstellung kann uns jetzt in zwei Richtungen davontragen, wenn wir die Konsequenzen dieser Tatsache erwägen. Erstens können wir an die ungeheuren Errungenschaften denken, die sich als direktes Ergebnis des Gebetes eingestellt haben. Mit den Worten aus Hebräer 11,33.34 erinnern wir uns an diejenigen, "die durch Glauben Königreiche bezwangen, Gerechtigkeit wirkten, Verheißungen erlangten, der Löwen Rachen verstopften, des Feuers Kraft auslöschten, des Schwertes Schärfe entgingen, aus der Schwachheit Kraft gewannen, im Kampf stark wurden, der Fremden Heere zurücktrieben" .

Aber wir können auch überlegen, was wir selbst schon für Christus alles hätten erreichen können, wenn wir nur darum gebeten hätten. Wir können an die vielen über die Maßen großartigen und kostbaren Verheißungen im Wort Gottes denken, die wir noch nicht in Anspruch genommen haben. Wir sind schwach gewesen, wenn wir doch hätten mächtig sein können. Wir haben Gott mit ein paar einzelnen Menschen bekannt gemacht, wenn wir doch in dieser Zeit Tausende oder sogar Millionen hätten erreichen können. Wir haben um ein paar Quadratmeter Land gebeten, wo wir doch um ganze Kontinente hätten bitten können. Wir sind geistliche Hungerleider gewesen, wo wir Großkapitalisten hätten sein können. Wir haben nicht, weil wir nicht bitten.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Wie soll ich beten? Wohl dem, der also fragt. Merke dir aber diese einfachen Punkte.

1) Gott will uns nur im Namen seines Sohnes Jesu Christi erhören. Wer beten will, der muß also zuvor an Christum glauben oder wenigstens an ihn glauben wollen und in diesem Vertrauen auf Christi Gottheit, auf sein Wort und Verdienst zum himmlischen Vater beten, damit der Vater geehret werde in dem Sohne. Auch darfst du geradezu dich an den Heiland selbst wenden und ihm dein ganzes Anliegen vortragen. Denn wer den Sohn ehret, der ehret auch den Vater, weil der Vater im Sohne und der Sohn im Vater ist.

2) Zu einem erhörlichen Gebet gehört ferner, daß uns wirkliche Not, wahres Bedürfnis und nicht bloß eingebildete Not treibe, das Herz vor Gott auszuschütten. Denn wer nicht hungert und dürstet, der wird auch nicht gesättigt. Es muß unser ganzer Ernst sein, das erlangen zu wollen, worum wir bitten; nicht so, wie bei einem Menschen, der zwar an die rechte Türe klopft, aber nur leise, und der heimlich wünscht, daß man ihn inwendig nicht hören und ihm nicht auftun möchte.

3) Ebensomuß unser Gebet demütig sein. Wir haben ja von Rechts wegen nichts anzusprechen und müssen es uns selbst eingestehen, daß wenn der Herr unser Flehen nur anhört und annimmt, solches unverdiente Gnade und ein Beweis seiner Barmherzigkeit ist. Da siehet man, wie blind solche sind, die sich auf ihre Gebete so viel zugut tun und meinen, es müsse Gott eine Ehre sein, wenn sie nur beten. Muß es dem Reichen eine Ehre sein, wenn der Arme ihn anbettelt? Muß nicht der Arme froh sein, wenn ihn der Reiche nur anhört? Je demütiger das Gebet ist, desto erhörlicher ist es.

4) Endlich gehört zu einem wahren Gebet auch der Glaube und das Vertrauen zu Gott, daß er uns geben werde, was wir von ihm erbitten. Mit Zweifel, wozu uns der immer wachsame und lauernde Feind dabei zu verleiten sucht, muß man sich nicht einlassen. »Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, daß ihr's empfangt, so wird's euch zuteilwerden« (Mk 11,24). So spricht der Herr selbst. Ebendahin gehört das stille Harren auf Gott, denn er gibt uns das Gute zu seiner Zeit, wenn es die rechte Stunde ist. - Wer auf diese Weise betet und im Gebet anhält, der betet gewiß erhörlich und wird erfahren, daß denen, die Gott suchen, das Herz leben soll.

Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir! Dein Geist in meinem Herzen wohne und leuchte mir in allen Dingen für, so hebt er auch mein Herz zu dir empor, daß ich dir Psalmen sing in höherm Chor.