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Predigten zu Johannes 17,15

"Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt wegnehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Bösen."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Ich bitte nicht, dass Du sie von der Welt nehmest."

Es ist ein seliges und liebliches Ereignis, das allen Gläubigen bevorsteht zu der Zeit, da es Gott wohlgefällig ist, dass wir heimgehn dürfen, um bei Jesu zu sein. Nach etlichen wenigen Jahren werden die Streiter des Herrn, die hienieden kämpfen "den guten Kampf des Glaubens," den Streit überwunden haben und werden eingegangen sein zu ihres Herrn Freude. Aber obgleich Christus will, dass die Seinen einst bei Ihm seien, wo Er ist, so bittet Er doch nicht, dass sie plötzlich von der Welt in den Himmel möchten genommen werden. Er wünscht, dass sie hienieden bleiben. Und wie oft sendet dennoch der müde Pilger die Bitte hinauf zum Gnadenthron: "O, hätte ich Flügel wie Tauben, dass ich flöge und irgendwo bliebe!" aber Christus, unser Herr, bittet nicht also; Er hinterlässt uns und befiehlt uns in seines Vaters Hände, bis wir gleich Garben reifen Korns eingesammelt werden in die Scheunen unsres Meisters. Der Herr Jesus bittet für uns nicht um eine Erlösung durch einen baldigen Tod, denn es ist nötig, im Fleisch bleiben, um andrer willen, ob es uns auch nicht zum grössern Segen dient. Er bittet, dass uns der Vater bewahre vor dem Übel, aber nimmermehr bittet Er für uns, dass wir eingehen dürfen zum Erbteil der ewigen Herrlichkeit, ehe wir zum vollen Alter herangewachsen sind. Christen wünschen oft zu sterben, wenn sie von irgend einer Trübsal heimgesucht werden. Fragt sie warum, so antworten sie: "Weil wir möchten bei dem Herrn sein." Wir fürchten aber, es sei ihnen nicht sowohl darum zu tun, bei dem Herrn zu sein, als ihrer Trübsale los zu werden; sonst würden sie das gleiche Verlangen nach dem Tode auch zu andern Zeiten hegen, wo sie nicht dem Druck der Drangsale seufzen. Sie möchten gern heimgehen, nicht sowohl um der Nähe des Heilands willen, als um der Ruhe geniessen zu können. Nun ist's aber recht und gut, wenn wir Lust haben, so abzuscheiden, wie der Apostel Paulus, dieweil bei Christo zu sein viel besser wäre; aber das Verlangen, der Trübsal zu entfliehen, ist ein selbstsüchtiger Wunsch. Vielmehr sei euer Sehnen und Sorgen, dass ihr möget Gott verherrlichen durch euer Leben, solange es Ihm gefällt, und wäre es auch mitten unter Mühe und Kampf und Leiden, und überlasset es Ihm, zu sagen: "Es ist genug." Wenn die rechte Stunde kommt, wird Er euch schon heimholen.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Ich bitte nicht, dass du sie von der Welt nehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem Übel."

Unser leidensscheues Herz hätte es freilich lieber gehabt, dass der Herr den Vater gebeten hätte: Nimm meine Jünger von der Welt weg, wo sie doch nur Angst und Anfechtung haben! Aber was wäre dann aus der inneren Entwicklung der Jünger selbst geworden und was aus ihrem Lebenszweck, der Weltmission? Darum ist es nötig, dass sie in der Welt bleiben. Als Trost waltet Jesu Fürbitte über ihnen: "Dass du sie bewahrest vor dem Übel." Vergleichen wir das Kleinste mit dem Größten! Auch unser Leben hat diese zwei Linien einzuschlagen, seit wir lebendig im Glauben wurden: es muss aus jedem doch noch etwas werden, damit das Bild Jesu an ihm offenbar werden könne, und es muss doch jeder sein noch so bescheidenes Stückchen Arbeit fürs Reich Gottes tun. Darum nimmt der Herr nicht jeden gestern Gläubiggewordenen flugs in die Seligkeit hinein, sondern lässt ihn hier auf Erden sein Brot noch manchesmal mit Tränen und Seufzen essen. Vor seelenmörderischem Übel will er uns bewahren, vor der geistigen Pestilenz, die im Finstern schleicht - aber das Weltleid kriegen wir alle ebensogut wie die Arbeit an dieser Welt. Was sollte sonst aus uns beiden werden, der Welt und uns?

Ach, Herr Jesus, lass uns nicht allein in dem täglichen Arbeiten und Seufzen. Sei du die Sonne unserer Tage, der Trost in unserer Traurigkeit und der Friede unseres Abends. Wir schauen auf dich. Gib uns deine Freundlichkeit zu spüren! Amen.


Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Ich bitte nicht, dass Du sie aus der Welt nehmest, sondern dass Du sie bewahrest vor dem Übel."

Bewahre sie! - So fleht der barmherzige Hohepriester. Wie eine zärtliche Mutter für ihr Kindlein sorgt und es, wenn sie fern sein muss, einem starken Schutz empfiehlt, so handelt Jesus mit seinen schwachen Jüngern. Vater, sagt er, dieweil ich bei ihnen war in der Welt, habe ich sie bewahrt; aber nun, da ich von hinnen scheide, verwahre Du sie mir! - Nicht aus der Welt will er sie gleich hinwegnehmen; aber in der Welt sollen sie bewahrt werden vor der Welt.

Wie sehr bedürfen wir solcher Bewahrung! Das Übel, von dem der Heiland spricht, ist überaus groß und mannigfaltig. Es umgibt uns von allen Seiten. Ja, es steckt in uns. Das Hüttlein von Fleisch und Blut, in welchem das aus Gott geborene neue Leben zelten muss bis zum Tag der vollkommenen Erlösung, ist aus gar verderbtem Material gebaut und droht immer, den göttlichen Gast zu ersticken oder gar zu vertreiben. Aber derselbe Herr, der uns das Geistesleben geschenkt hat, kann und will es auch bewahren. Wenn wir zurückblicken auf unser vergangenes Leben, können wir auf tausendfache Beweise solchen göttlichen, inneren Bewahrens stossen. Wohl uns des treuen Herrn und Hüters!

Du kannst mich bewahren, Du willst mich bewahren, Allmächtig bist Du!


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Natürlich muß sich eine solche Gemütsstellung im ganzen Wandel eines Menschen, in seinen Worten, Werken und Gedanken äußern. Wer auf solche Art im Lichte wandelt, wird seinen Wandel nicht mit so viel guten Meinungen von sich selber, nicht mit dem törichten Selbstvertrauen führen, wie natürliche, gutmeinende, oder auch erweckte, aber schläfrige Leute zu tun pflegen, sondern mit Furcht und Zittern. Ich will euch ein Beispiel geben. Ihr seid in der vergangenen Woche viel mit den Keltergeschäften und mit dem Weinhandel umgegangen. Wie ganz anders wird sich ein Mensch, der da wachet und hält seine Kleider, daß er nicht bloß wandele, unter diesen Umtrieben benommen haben als ein anderer, dem solches kein Anliegen ist! Während der letztere sich in allerlei Geschäften, in Geschwätzen, in Berechnungen des etwaigen Erlöses, in Freudengefühlen bei der Hoffnung eines guten Erlöses, in traurigen Gedanken, als die Weinpreise fielen, und in dergleichen mehr umtrieb, und den aus seiner Lust, aus seinem Eigennutz, aus seinem Unglauben entspringenden Empfindungen blindlings folgte, hat der andere unter diesem ganzen Geschäft seine Augen auf den Heiland gerichtet. Er ist wohl auch nicht frei geblieben von jenem Herzensgedanken und hat sich auch da und dort verfehlt, aber noch ehe er in dieses Geschäft hineinging, war es ihm ein großes Anliegen, daß ihn der Herr vor unnützer Rede, vor Sünden in Gedanken und Werken bewahren möchte. Unter der Sache selbst hat er seine ausschweifenden Gedanken immer wieder auf den Heiland zu sammeln und durch die Gnade seine emporstrebenden Begierden zu stillen gesucht, und wenn er gefunden hat, daß seine Kleider befleckt worden sind, so hat er keine Ruhe gehabt, bis diese Flecken wieder weggewaschen waren und er Vergebung darüber empfangen hatte. So ist's aber nicht bloß bei der Kelter, so ist's in allen Lebensverhältnissen; der Unterschied zwischen solchen, die dem Evangelium gehorsam sind, und zwischen solchen, die es sind nicht, ist allenthalben groß.

Gib nun, daß deine Lieb in mir stets treibe mein Gemüte, daß ich mich sehne stets nach dir und mich vor Sünden hüte. Du Liebe tust mir viel zugut, gib, daß ein jeder Tropfen Blut von deiner Liebe walle! Amen!


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Kompromisse einzugehen ist teuer

Die Christenheit heute ist so in diese gegenwärtige Welt verwickelt, dass Millionen nicht mehr ahnen, wie weit sie von den Vorgaben des Neuen Testamentes entfernt sind. Überall werden Kompromisse eingegangen - doch in Wahrheit ist keine echte Gemeinschaft zwischen der Welt und der Gemeinde Jesu möglich. Wenn die Gemeinde sich mit der Welt verbindet, ist sie nicht mehr die wahre Gemeinde, sondern nur noch ein erbärmliches Mischwesen, von der Welt verachtet, vom Herrn verabscheut! Nichts ist so klar wie das, was die Heilige Schrift über das Verhältnis der Christen zur Welt sagt. Die Verwirrung, die heute in dieser Frage herrscht, hat ihren Grund darin, dass bekennende Christen das Wort des Herrn nicht mehr ernst nehmen wollen.

Das ist im Kern eine geistliche Angelegenheit. Ein Christ ist das, was er ist, nicht dadurch, dass er durch eine Gemeinde manipuliert worden wäre, sondern durch eine neue Geburt. Er ist Christ, weil der Heilige Geist in ihm wohnt. Nur das, was durch den Geist geboren ist, ist Geist, ganz gleich wie viele geistliche Würdenträger daran mitarbeiten!